E-Bike Herren mit Gepäckträger im Test: Der ideale Tourenpartner

Für Zweiradfans ist eine Radtour die schönste Art, dem Alltagsstress zu entfliehen. Mit zusätzlicher Kraft die eigenen Grenzen sprengen oder einfach nur kraftsparend Strecke machen - es macht verdammt viel Spaß, mit Touren-E-Bikes leichtfüßig neues Terrain zu erkunden. Das Tolle daran: Wie viel Kraft der Fahrer einsetzt, bestimmt er selbst. Zwischen genussvollem Dahingleiten und Kondition forderndem Kilometerfressen liegt nur ein Tastendruck am Lenkergriff. Flexibler Rad fahren geht nicht. Ob man sich nur kleine Fluchten oder lange Mehrtagestouren vornimmt, Spaß macht es nur mit dem richtigen Rad. Denn Kilometer zu fressen bedeutet täglich ein paar Stunden im Sattel zu sitzen. Das Rad muss also perfekt zum Fahrer passen. Darüber hinaus muss ein idealer Tourenpartner zuverlässig funktionieren. Eine veritable Panne weitab von der nächsten Fahrradwerkstatt kann einem den Genuss gründlich verderben. Ein gut gewartetes und robustes Rad ist deshalb die beste Voraussetzung für ein ungetrübtes Tourenvergnügen.

Typfrage: Touren-E-Bikes vs. Crossover-Pedelecs

In unserem Tourenradtest stehen sich klassische Touren-E-Bikes mit starrem Hinterbau und sogenannte Crossover-Pedelecs mit Vollfederung gegenüber. Zugegeben, ganz fair ist der Vergleich nicht, denn in puncto Fahrkomfort und Traktion abseits asphaltierter Straßen sind die Fullys wegen ihrer gefederten Hinterbauten unschlagbar. Dennoch passen beide Radklassen in ein Testfeld, denn unser Benotungssystem gewichtet den Fahrkomfort „nur“ mit 10 Prozent, in allen anderen Kategorien sind die Räder praxisnah vergleichbar. Und sowohl die Touren-E-Bikes, als auch die Crossover-Pedelecs sind in erster Linie für die Radtour konstruiert und entsprechend ausgestattet. Als Edel-Allrounder kann man sie natürlich ebenfalls einsetzen.

Neben dem Fahrkomfort ist der Preis ein bedeutender Unterschied. Wegen der aufwendigen Hinterbau-Kinematik und dem zusätzlichen Dämpferelement sind Fullys bis zu 1000 Euro teurer als Hardtails. Und damit die Vollfederung zuverlässig funktioniert, müssen die Dämpferelemente regelmäßig gewartet sowie ein- und nachgestellt werden.

Die Tourenpedelecs der oberen Mittelklasse bieten viel Fahrspaß, ihre Komponenten sind hochwertig und langlebig. Wer auf höchsten Fahrkomfort Wert legt, liegt mit vollgefederten Modellen richtig.

Das Testfeld im Detail

Für unseren Test haben wir zehn Pedelecs der oberen Mittelklasse ausgesucht. Das Niveau der verbauten Komponenten und Ausrüstungsbestandteile ist entsprechend hoch - teilweise sogar an der oberen Grenze des Möglichen. Die Räder schaffen damit durchschnittlich mehr als 90 Kilometer. Wer gern mehr Beinkraft einsetzt, als wir unserem Reichweiten-Prüfstand vorgeben, kommt noch erheblich weiter.

Motoren und Displays

Die Motoren sind tendenziell kernig ausgelegt. Bis auf eine Ausnahme sorgt der potente Bosch „Performance CX“ für dynamische Beschleunigung. Das Giant ist mit dem „Giant SyncDrive Pro 2“ ähnlich stark motorisiert. Der Antrieb von Yamaha glänzt mit fühlbar hohem Drehmoment. Auch seine prompte und sensible Reaktion auf den Pedaldruck hat uns gut gefallen. Bei Displays und Bedieninstrumenten haben die Hersteller fast durchgängig zum interaktiven und funktional umfangreichen „Kiox 300/Smart“- System von Bosch gegriffen. Am Bergamont kommt das neue „Intuvia 100“-Display zum Einsatz, gegenüber seinem Vorgänger ist es deutlich besser ablesbar und bietet mehr Funktionen. Das Farbdisplay des Giant ist sehr gut ablesbar, informativ und sehr schön in den Vorbau integriert. Sehr gut gelungen ist den Giant-Konstrukteuren das ergonomische Bedienelement zur Motor- und Displaysteuerung am linken Lenkerende.

Schaltung und Bremsen

Sämtliche Schaltwerke stammen von Shimano, sechs Pedelecs sind mit der Highend-XT-Schaltgruppe ausgerüstet, Canyon und Rose sogar mit 12 Ritzeln auf der Hinterradnabe. Zehnfach-Schaltungen haben nur Bergamont, Cannondale und Victoria, der Rest des Testfelds ist mit 11-fach-Ritzeln ausgerüstet. Bei den Bremsen zeigt sich ein differenzierteres Bild, dort kommen Anlagen von Shimano, Magura und Tektro zum Einsatz. Mit durchgängig 180 und 203 Millimeter großen Scheiben verzögern sie die Tourer auch mit Reisegepäck auf dem Träger souverän. Auch hier wurden Bauteile von der Mittelklasse an aufwärts verwendet. Einziger Ausreißer ist das Moustache, dessen „MT200“-Bremse von Shimano stammt aus dem Standard-Segment des Herstellers und findet sich normalerweise an günstigeren Rädern und in vielen Tests negativ auffiel.

Rahmen, Gepäckträger und weitere Ausstattungen

Ob Crossover- oder Touren-E-Bike: Voraussetzung für ein gutes und sicheres Fahrverhalten sind möglichst steife Rahmen beziehungsweise Fahrwerke. Mit Fahrer und Tourengepäck auf dem Träger kommt man schnell auf gut 130 Kilo Systemgewicht. Alle Tourer unseres Tests sind sehr steif gebaut und halten das zusätzliche Gewicht problemlos aus. Vor allem das Bergamont und das Giant empfehlen sich mit 160 beziehungsweise 156 Kilo zulässigem Gesamtgewicht für schwere Fahrer. Conway, Moustache und Scott sind deutlich weniger belastbar und eignen sich deshalb eher für kürzere Touren mit wenig Gepäck oder leichte Fahrer.

Dass Tourenpedelecs stabile Gepäckträger benötigen, versteht sich von selbst. Schwachstelle ist jedoch weniger der Träger selbst, sondern seine Befestigung am Rad. Ist er nicht spielfrei mit dem Rahmen verbunden, gerät das Gepäck in Kurven ins Schwanken und drängt das Hinterrad aus der Spur. Positiv aufgefallen sind uns die üppig dimensionierten und stabil befestigten Gepäckträgerstreben des Giant.

Alle Pedelecs sind mit tauglichen Radschützern, hellen Lichtanlagen und stabilen Radständern ausgerüstet. Damit sind sie fit für den sicheren Betrieb im Straßenverkehr und gut gerüstet für die kleine oder große Alltagsflucht. Damit sich auf der ersten Tour keine negative Überraschung einstellt, empfehlen wir vor dem Kauf Ihres Wunschrads eine ausgedehnte Probefahrt.

Die Crossover- und Touren-E-Bikes im Vergleich

Mit durchweg guten Noten in allen Einzeldisziplinen holt sich das Giant „Explore E+ Pro 0 GTS“ den Testsieg. Den besten Fahrkomfort bieten erwartungsgemäß die vollgefederten Tourer von Conway, Moustache, Stevens und Victoria. Insgesamt überzeugen alle Crossover- und Touren-E-Bikes mit guten bis sehr guten Leistungen.

Akkus mit viel Kapazität führen zu großen Reichweiten - so weit, so klar. Dennoch spielt auch der spezifische Verbrauch eine Rolle dafür, wie oft ein Pedelec an die Steckdose muss. So kommt das Giant nicht nur wegen des größten Akkus auf unserem Rollenprüfstand knapp 120 Kilometer weit, es läuft mit 6,7 Wh pro Kilometer auch am sparsamsten. Im Gegensatz dazu resultieren die 74 Kilometer Reichweite des Moustache in erster Linie auf dem höheren Energieverbrauch von 8,4 Wh pro Kilometer. Das liegt vornehmlich an der kurzen Sitzlänge und dem zurückgebogenen Lenker.

Detaillierte Betrachtung einiger Testmodelle

Bergamont E-Ville X Edition

Eine üppige Schweißnaht verbindet Ober- und Unterrohr vor der Anbindung ans Steuerrohr. Zusammen mit der Steckachse in der Vorderradnabe versteift das die Front, Geradeauslauf und Spurstabilität sind toll. Das Bergamont lässt sich problemlos kontrollieren und setzt Bein- wie Motorkraft effektiv in Vortrieb um. Eine Federgabel mit 100 Millimeter Federweg und die Maxxis-Bereifung ermöglichen sichere Ausflüge auf Feld- und Waldwegen. Trotz kurzem Sattelstützen-Auszug mit wenig Flex bleibt der Fahrkomfort gut, die 64 Millimeter breiten und damit recht voluminösen Reifen schlucken grobe Fahrbahnunebenheiten. Shimanos „MT420“-Bremsanlage ist bewährt und gut dosierbar. Der Antriebsstrang aus Bosch-„Performance CX“-Motor und Deore-Zehnfach-Schaltwerk passt gut zum Einsatzzweck des Touren-E-Bikes. Gut gefallen haben uns auch Details wie die Kabeleinführung ins Steuerrohr, die Ergogriffe und das sehr gut ablesbare, neue „Intuvia 100“-Display von Bosch.

Plus: Gute Reifendämpfung; hohes zulässiges Gesamtgewicht

Minus: Relativ schwer

Details Informationen
Preis 4799 Euro
Rahmengrößen 48, 52, 56, 60, 64 cm
Gewicht Testrad 30,8 kg
Zulässiges Gesamtgewicht 160 kg
Rahmen Alu
Gabel SR Suntour Mobie25 RLR DS 100 mm
Schaltung Shimano Deore 1x10; 38/11-43 Zähne
Motor/Akku Bosch Performance CX/750 Wh
Bremsen/ø Disc, Shimano BR-MT420/v: 180 mm, h: 180 mm
Reifen Schwalbe Marathon Plus MTB Performance 64-622
Lichtanlage B&M IQ-XS, 80 Lux, LED; B&M Toplight Line brex, LED, mit Bremslicht
MYBIKE-Note 1,9

Cannondale Tesoro Neo X1

Das „Tesoro Neo X1“ ist eine interessante Alternative für Radler, die Langdistanzen möglichst bequem angehen wollen. Die Gabel arbeitet sensibel, und in Kombination mit der Parallelogramm-Sattelstütze und ergonomisch gekröpftem Lenker sind auch Mehrtagestouren bequem machbar. Die Sitzposition ist ermüdungsfrei, Ergogriffe entlasten die Handgelenke. Der Rahmen des Touren-E-Bikes ist ausreichend steif und setzt die investierte Bein- und Motorkraft effektiv in Vortrieb um.

Während unserer Fahrtests rollte das Cannondale mit Gepäck auf dem flächigen und bis 25 Kilo Last zugelassenen Gepäckträger stabil und spurtreu. Selbst ein energischer Zug am Lenker bringt das Pedelec nicht aus der Ruhe. Der Antriebsstrang aus Boschs „Performance CX“-Motor und Zehnfach-Schaltung ist hochwertig und langlebig, die Magura-Bremsanlage mit üppigen 203-Millimeter Scheiben vorn wie hinten stoppt das „Tesoro“ zuverlässig auch aus schneller Fahrt. Ein im Steuerrohr integriertes Tagfahrlicht erhöht die Sicherheit, stabile und langlebige Radschützer aus Aluminium ergänzen das stimmig aufgebaute Cannondale.

Plus: Tagfahrlicht; Parallelogramm-Sattelstütze

Minus: Ungünstige Kabelverlegung zum Scheinwerfer

Details Informationen
Preis 4999 Euro
Rahmengrößen 40, 43,5, 47 cm
Gewicht Testrad 28,7 kg
Zulässiges Gesamtgewicht 150 kg
Rahmen Alu
Gabel SR Suntour XCR34 LOR 100 mm
Schaltung Shimano Deore 1x10; 38/11-43 Zähne
Motor/Akku Bosch Performance CX/750 Wh
Bremsen/ø Magura MT C2/v: 203 mm, h: 203 mm
Reifen Maxxis Pace 27, 5x2,10
Lichtanlage Integrated headtube light, Axa Blueline 30, Blueline taillight
MYBIKE-Note 1,8

Canyon Pathlite:ON 7 SUV

Das „ON:7 SUV“ entstammt der „Pathlite“-Serie des Koblenzer Versandhändlers Canyon. Das Unternehmen ist bekannt für qualitativ hochwertige Renn- und Mountainbikes, seit wenigen Jahren produziert der Hersteller auch Pedelecs. Das „Pathlite:ON 7“ ist hochwertig ausgestattet, Shimanos Highend-XT-Zwölffach-Schaltwerk, Magura „MTThirty“-Bremsanlage und Supernova „Mini 2 Pro“-Scheinwerfer stehen für bestes Fahrradmaterial. Eine Suntour „Aion“-Federgabel und 2,25 Zoll breite Maxxis-Stollenreifen auf 27,5-Zoll-Laufrädern bügeln auch abseits befestigter Straßen grobe Unebenheiten glatt.

Eine gemäßigt sportliche, bequeme Sitzposition und ein ergonomisch geformter Lenker lassen auch lange, ermüdungsfreie Touren zu. Das Canyon folgt Lenkimpulsen leichtfüßig und direkt, der steife Rahmen, Steckachsen sowie ein kurzer Vorbau machen das Rad auch mit viel Gepäck auf dem Träger sicher kontrollierbar. Am Vorderrad des Touren-E-Bikes hält ein tief nach unten gezogenes Schutzblech die Füße auch bei Schmuddelwetter sauber. Kiox-Display, Dropper-Post und das serienmäßige Faltschloss vervollständigen die hochwertige Ausrüstung.

Plus: Sehr hochwertig ausgestattet; fahrstabil

Minus: Relativ schwer

Details Informationen
Preis 4199 Euro
Rahmengrößen 43, 47,5, 52 cm
Gewicht Testrad 29,1 kg
Zulässiges Gesamtgewicht 140 kg
Rahmen Alu
Gabel SR Suntour Aion 35 Evo 100 mm
Schaltung Shimano XT 1x12; 42/10-51 Zähne
Motor/Akku Bosch Performance CX/750 Wh
Bremsen/ø Disc, Magura MT Thirty/v: 180 mm, h: 180 mm
Reifen Maxxis Cross Mark II Exo TR 27,5x2,25
Lichtanlage Supernova Mini 2 Pro, Supernova E3 Tail Light 2
MYBIKE-Note 1,6

Conway Xyron SUV 6.9

Trotz des sportlichen Fahrwerks mit üppigen 150 Millimeter Federweg vorn liegen die Stärken des „Xyron“ nicht primär auf bester Gelände-Performance. Vielmehr zielt das Pedelec auf einen möglichst weiten Einsatzbereich. Es rollt sehr komfortabel, spritzig und spurstabil, der breite Lenker am kurzen Vorbau sorgt für direktes Steuerverhalten und gute Kontrolle. Die Sitzposition ist relativ aufrecht, per Dropper-Post lässt sich die Sattelhöhe vom Lenker aus verstellen. Voll überzeugen kann das Conway mit üppigem Tourengepäck. Selbst in schnellen Kurvenwechseln ist das hohe Gewicht überm Hinterrad kaum spürbar. Der kräftige Bosch „Performance CX“ ist in dieser Preisklasse Standard, der große Akku ebenso. Kabel und Züge laufen klassisch hinterm Steuerrohr seitlich in den Rahmen, das tut der aufgeräumten Optik jedoch keinen Abbruch. Das Conway „Xyron“ ist ein stimmig ausgerüstetes und vielseitig einsetzbares Crossover-Pedelec, das vollgefederte Fahrwerk bietet hohen Fahrkomfort. Eine top Beleuchtungsanlage mit Fernlichtfunktion rundet den gelungenen Komforttourer ab.

Plus: Sehr komfortables Fahrwerk; toll verarbeitet

Minus: Relativ schwer; geringes zulässiges Gesamtgewicht

Details Informationen
Preis 5799 Euro
Rahmengrößen 40, 43, 46, 49, 52 cm
Gewicht Testrad 29,6 kg
Zulässiges Gesamtgewicht 130 kg
Rahmen Alu
Gabel/Dämpfer Rock Shox 35 Silver Solo Air, 150 mm/Fox Float DPS RL 140 mm
Schaltung Shimano XT 1x11; 36/11-50 Zähne
Motor/Akku Bosch Performance CX/750 Wh
Bremsen/ø Disc, TRP Slate Evo/v: 203 mm, h: 203 mm
Reifen Schwalbe Al Grounder Performance DD Addix 60-622
Lichtanlage Lupine SL F Nano, Contec CTL 335 EM
MYBIKE-Note 1,6

Giant Explore E+ Pro 0 GTS

Das Giant punktet vor allem mit seinem sicheren Fahrverhalten und dem hochwertigen Antriebsstrang. Auch mit viel Gepäck leistet sich das Pedelec kaum Schwächen. Die stattlich dimensionierten Befestigungsstreben des Gepäckträgers tragen spürbar zur hohen Fahrstabilität bei. Minihörnchen und großflächige Auflagen an den Lenkerenden verbessern den Halt und entlasten die Handgelenke. Das Giant rollt sehr spurstabil, der breite Lenker ermöglicht dennoch direktes und promptes Einlenken. Giants „SyncDrive Pro 2“, der Antrieb stammt von Yamaha, ist das stärkste Modell des Herstellers.

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