Aus vielen Gründen kann ein Hinterradwechsel am E-Bike notwendig sein. Eine Reifenpanne am Hinterrad des E-Bikes ist schnell passiert. Oder aber neue Reifen sollen her, die besser an die aktuellen Witterungsbedingungen angepasst sind. Möglicherweise soll auch das komplette Rad samt Felge ersetzt werden. In all diesen Szenarien ist es wichtig zu wissen, wie der Hinterradwechsel am E-Bike funktioniert.
Werkzeug und Vorbereitung
An Werkzeug bedarf es beim Hinterradwechsel grundsätzlich nur einer Luftpumpe sowie gegebenenfalls eines Maulschlüssels der Größe 15 (sofern kein Schnellspanner vorhanden ist). Soll am Hinterrad der Schlauch gewechselt werden, sind überdies stabile Reifenheber erforderlich. Die Mehrheit aller E-Bikes verfügt über Schnellspanner an den Rädern. Besonderen Komfort bietet beim Hinterradwechsel ein Montageständer. Gerade bei einem E-Bike ist es schwierig, dies einfach zu wenden oder auf den Kopf zu stellen. Das Cockpit kann dabei Schaden nehmen und auch mechanische Scheibenbremsen eignen sich für diese Position nicht. Speziell schwere E-Bikes, etwa E-Mountainbikes profitieren beim Hinterradwechsel sehr von einem Montageständer.
Vor dem Wechsel des Hinterrads an einem E-Bike, Pedelec oder S-Pedelec ist der Antrieb auszuschalten. Das Hinterrad ist mit der Kette verbunden. Bei einer Kettenschaltung befindet sich am Hinterrad die so genannte Kassette, also die Zahnräder der Gangschaltung. Es empfiehlt sich, vor dem Hinterradwechsel den höchsten Gang zu wählen, da dieser dem kleinsten Ritzel (Zahnrad) entspricht. Auf diese Weise ist die Kette entspannt und das Hinterrad lässt sich problemlos entnehmen. Dies gelingt meist über den Schnellspanner. Alternativ lässt sich die Schraube mit einem Maulschlüssel der Größe 15 lösen und das Hinterrad entnehmen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Bremsscheibe nicht berührt oder gar beschädigt wird. Nur somit lässt sich gewährleisten, dass die Bremsleistung erhalten bleibt.
Schritt-für-Schritt-Anleitung für den Ausbau
- Fahrrad vorbereiten: Stelle dein Fahrrad so auf, dass es sicher steht. Ein Fahrradständer oder das Umdrehen des Fahrrads (mit dem Lenker und Sattel auf dem Boden) sind gute Optionen. Achte darauf, dass es stabil steht und nicht umkippt.
- Gang wechseln: Schalte den Antrieb auf den kleinsten Gang (das kleinste Ritzel). Das erleichtert dir den Ausbau, weil die Kette weniger unter Spannung steht.
- Bremsen lösen: Bei Felgenbremsen musst du die Bremse öffnen, damit das Rad durchpasst. Scheibenbremsen können in der Regel so bleiben, wie sie sind.
- Schnellspanner öffnen oder Schrauben lösen: Hat dein Fahrrad einen Schnellspanner, öffne ihn und ziehe das Rad vorsichtig heraus. Bei Achsmuttern benötigst du einen passenden Schraubenschlüssel, um die Muttern zu lösen.
- Kette abnehmen: Hänge die Kette vorsichtig vom Ritzel ab. Achte darauf, dass du dich nicht an den Zähnen des Ritzels verletzt oder die Kette verdrehst.
- Hinterrad herausziehen: Ziehe das Hinterrad nach unten oder nach hinten aus dem Rahmen. Halte dabei die Kette zur Seite, damit sie nicht im Weg ist.
Et voilà - das Hinterrad ist ab!
Einbau des Hinterrads
Beim Einbau des Hinterrads ist darauf zu achten, dass die Kette korrekt auf der Kassette des Hinterrads liegt. Zu diesem Zweck ist das Rad stets in der Mitte der Kette einzubauen. Der obere Teil der Kette wird auf die Kassette gelegt. Nachdem der obere Teil der Kette auf die Kassette gelegt wurde, lässt sich die Achse in die Rahmen-Halterungen einführen. Bei einer Scheibenbremse ist darauf zu achten, dass sich diese wieder korrekt im Bremssattel befindet. Nach dem Einbau des Rads ist die Achse festzuziehen. Bei einem Schnellspanner genügt es, diesen zu drehen (im Uhrzeigersinn) und abzusenken. Nach dem korrekten Einbau sollte der reibungslose Lauf des Rads überprüft werden. Dies geschieht durch einige Pedal-Umdrehungen. Sollten sich hier Probleme zeigen, liegt das Rad wahrscheinlich nicht korrekt in den Rahmen-Halterungen.
Besonderheiten bei E-Bikes
Ein E-Bike Hinterrad auszubauen, ist kein schweres Unterfangen. Wer ein wenig handwerkliches Geschick und Spaß an Mechanik hat, wird es auch hinbekommen. Doch bevor ihr den Maulschlüssel zückt und euer E-Bike zerlegt, achtet auf folgende Punkte:
- E-Bike ausschalten: Bevor ihr mit dem Ausbau des Hinterrads beginnt, schaltet den Motor ab und entfernt den Akku. Selbst wenn sich im Hinterrad nicht der Motor befindet, vermindert ihr das Risiko einen Stromschlag zu bekommen.
- Montageständer: Nutzt einen Montageständer. Nicht nur erleichtert er die Arbeit ungemein, ein E-Bike solltet ihr, wenn möglich, auch nicht auf den Kopf stellen. Dadurch kann das Cockpit Schaden nehmen und auch die Bremsen reagieren empfindlich darauf.
- Fotos machen: Macht vor dem Ausbau Fotos von den verschiedenen Komponenten und ihrer Anordnung. Das hilft dir beim späteren Wiedereinbau, alles korrekt zu positionieren.
- Sauberkeit: Haltet die Hände und Werkzeuge sauber, sonst übertragt ihr den Dreck gegebenenfalls an die fettigen Ritzel oder an die Bremsen.
- Probefahrt: Nach dem Wiedereinbau solltet ihr unbedingt eine kurze Probefahrt machen und die Funktion der Bremsen und Schaltung überprüfen. Achte darauf, dass das Rad mittig läuft und nicht schleift.
Anleitungen für verschiedene E-Bike-Typen
E-Bike mit Kettenschaltung und Steckachse
Benötigtes Werkzeug:
- Inbusschlüssel-Satz: Hinterräder ohne Schnellspanner benötigen meist ein 5-mm- oder 6-mm-Schlüssel für die Steckachse.
- Sauberer Lappen: Zum Abwischen von Kette und Teilen.
- Handschuhe (optional): Um die Hände vor Schmutz und Öl zu schützen.
Vorbereitung:
- Gang wählen: Schaltet euer E-Bike hinten auf den niedrigsten Gang. Die Kette sollte nun auf dem kleinsten Ritzel liegen. Dadurch wird das Schaltwerk maximal entspannt, was den Aus- und Einbau erheblich erleichtert.
- E-Bike ausschalten: Schaltet das E-Bike komplett aus.
- E-Bike aufhängen: Wenn ihr einen Montageständer habt, steht das Bike sicher und stabil.
Schritt-für-Schritt-Anleitung:
- Steckachse lösen: Als Steckachse bezeichnet man die dicke Achse, die das Hinterrad mit dem Rahmen verbindet. Wenn sie einen Schnellspanner besitzt, dann öffnet ihn. Danach könnt ihr den Hebel gegen den Uhrzeigersinn drehen und so das Gewinde lösen. Wenn die Achse keinen Hebel hat, benötigt ihr einen Inbusschlüssel (meist 5 mm oder 6 mm).
- Steckachse herausziehen: Schraubt die Achse komplett heraus und zieht sie aus der Nabe. Legt die Achse beiseite.
- Rad aus dem Rahmen nehmen: Umfasst mit einer Hand das Schaltwerk und zieht es sanft nach hinten. Das entspannt die Kette. Drückt mit der anderen Hand das Laufrad leicht nach unten. Es sollte sich nun aus dem Rahmen lösen. Zieht das Rad vorsichtig und gerade raus, sodass die Bremsscheibe sauber aus dem Bremssattel gleitet und die Kette vom Ritzelpaket fällt.
Hinterrad wieder einbauen: Das Rad ist jetzt draußen und ihr könnt beispielsweise den Schlauch tauschen. Um es wieder einzubauen, müsst ihr nur die Schritte in umgekehrter Richtung befolgen.
Wichtig: Zieht nicht den Bremshebel, solange das Hinterrad ausgebaut ist. Die Bremskolben würden zusammenfahren und lassen sich oft nur schwer wieder zurückdrücken. Zur Sicherheit könnt ihr eine Transportsicherung in den Bremssattel klemmen.
E-Bike mit Hinterradmotor
Mit Abstandshalter können Scheibenbremsen sich nicht mehr schließen. Wenn ihr es also ausbauen wollt, müsst ihr immer den Motor mit entfernen. Daher müsst ihr besonders sorgfältig arbeiten, da hier Stromkabel verlaufen. Das Rad wiegt zudem rund 5 kg und ist somit deutlich schwerer als ein normales Hinterrad.
Benötigtes Werkzeug:
- Großer Maulschlüssel: Benötigt ihr für die Achsmuttern. Sie sind in der Regel 18 mm oder 19 mm groß.
- Schere: Das Motorkabel ist oft mit Kabelbindern am Rahmen befestigt. Diese müsst ihr eventuell durchschneiden.
- Neue Kabelbinder: Um das Motorkabel nach dem Einbau wieder sauber und sicher am Rahmen zu befestigen.
- Sauberer Lappen: Zum Abwischen von Kette und Teilen.
- Handschuhe (optional): Um die Hände vor Schmutz und Öl zu schützen.
Vorbereitung:
- Gang wählen: Schaltet euer E-Bike hinten auf den kleinsten Gang. Die Kette sollte nun auf dem kleinsten Ritzel liegen. Dadurch wird das Schaltwerk maximal entspannt, was den Aus- und Einbau erheblich erleichtert.
- E-Bike ausschalten: Schaltet das E-Bike komplett aus.
- E-Bike aufhängen: Wenn ihr einen Montageständer habt, steht das Bike sicher und stabil.
Schritt-für-Schritt-Anleitung:
- Motorkabel finden: Sucht das Motorkabel, das aus der Radachse kommt. Es führt zu einem Steckverbinder, der sich meist in der Nähe des Hinterrads am Rahmen befindet.
- Stecker ziehen: Zieht den Stecker gerade und ohne zu verdrehen auseinander. Wendet keine Gewalt an. Die Pins im Stecker sind empfindlich und können leicht verbiegen.
- Achsmuttern lösen: Die Achse eines Nabenmotors ist mit großen Muttern am Rahmen befestigt. Löst mit einem passenden Maulschlüssel die Achsmuttern auf beiden Seiten. Ihr müsst sie oft nicht komplett herausdrehen, sondern nur lockern.
- Rad aus dem Rahmen nehmen: Umfasst mit einer Hand das Schaltwerk und zieht es sanft nach hinten. Das entspannt die Kette. Drückt mit der anderen Hand das Laufrad leicht nach unten. Es sollte sich nun aus dem Rahmen lösen. Zieht das Rad vorsichtig und gerade raus, sodass die Bremsscheibe sauber aus dem Bremssattel gleitet und die Kette vom Ritzelpaket fällt. Achtet auf das Motorkabel, damit es sich nirgendwo verfängt.
Hinterrad wieder einbauen: Das Rad ist jetzt draußen und ihr könnt beispielsweise den Schlauch tauschen. Um es wieder einzubauen, müsst ihr nur die Schritte in umgekehrter Richtung befolgen.
E-Bike mit Nabenschaltung im Hinterrad
Benötigtes Werkzeug:
- Maulschlüssel: Benötigt ihr für die Achsmuttern. Bei Nabenschaltungen ist er in der Regel 15 mm groß.
- Sauberer Lappen: Zum Abwischen von Kette und Teilen.
- Handschuhe (optional): Um die Hände vor Schmutz und Öl zu schützen.
Vorbereitung:
- Gang wählen: Schaltet euer E-Bike hinten auf den niedrigsten Gang. Dadurch wird das Schaltwerk maximal entspannt, was den Aus- und Einbau erheblich erleichtert.
- E-Bike ausschalten: Schaltet das E-Bike komplett aus.
- E-Bike aufhängen: Wenn ihr einen Montageständer habt, steht das Bike sicher und stabil.
Schritt-für-Schritt-Anleitung:
- Schaltzug entlasten: An der Radnabe befindet sich die Schaltbox, in die der Schaltzug eingehängt ist. Die Box lässt sich drehen, sodass der Zug entlastet wird. Oft müssen zwei Markierungen aufeinander ausgerichtet werden, um den Zug entspannt aushängen zu können.
- Zuganker entnehmen: Der Zuganker am Ende des Zugs liegt in einer Kerbe. Wenn der Zug entlastet ist, könnt ihr den Anker ganz einfach entnehmen.
- Achsmuttern lösen: Die Achse des Hinterrads ist mit großen Muttern am Rahmen befestigt. Löst mit einem passenden Maulschlüssel die Achsmuttern auf beiden Seiten. Ihr müsst sie oft nicht komplett herausdrehen, sondern nur lockern.
- Rad aus dem Rahmen nehmen: Das Rad sollte sich nun aus dem Rahmen lösen. Zieht es vorsichtig und gerade raus, sodass die Bremsscheibe sauber aus dem Bremssattel gleitet und die Kette vom Ritzelpaket fällt.
Hinterrad wieder einbauen: Das Rad ist jetzt draußen und ihr könnt beispielsweise den Schlauch tauschen. Um es wieder einzubauen, müsst ihr nur die Schritte in umgekehrter Richtung befolgen.
Zusätzliche Hinweise
- Reifen vorbereiten: Schraube die Ventilkappe ab, öffne das Ventil und lass die Luft aus dem Reifen ab. Drücke die Reifenflanken beidseitig zusammen, bis der Reifen ringsum locker im Felgenbett sitzt.
- Reifen demontieren: Setze den Reifenheber an einer Seite des Reifens an und heble ihn über die Felge. Mit einer Zugbewegung lässt sich der Reifen nun entlang der Felge lösen.
- Reifen und Schlauch prüfen: Nach einer Reifenpanne untersuche den Reifen vorsichtig per Hand auf Beschädigungen oder Fremdkörper wie Dornen oder Glassplitter. Untersuche nun auch die Innenseite der Felge. Zuletzt untersuchst du den Schlauch.
- Neuen Schlauch montieren: Setze den Reifen mit einer Seite in das Felgenbett. Beachte dabei Angaben zur Laufrichtung. Pumpe den Schlauch locker auf, um ihn in Form zu bringen. Führe das Ventil durch das Felgenloch und platziere den Schlauch ringsum zwischen Reifen und Felgenbett. Wuchte die äußere Reifenseite nun - beginnend auf Ventilhöhe - über die Felge. Arbeite dich beidseitig nach oben vor und achte darauf, den Schlauch nicht einzuklemmen. Für das letzte Stück kann ein Reifenheber hilfreich sein. Schraube die Ventilmutter wieder auf und pumpe den Reifen vollständig auf. Beachte hierbei die Luftdruckvorgaben auf der Reifenflanke. Kontrolliere abschließend den gleichmäßigen Reifensitz anhand der durchgezogenen Prägung.
- Rad einsetzen: Ziehe das Schaltwerk wieder zurück, führe das Laufrad langsam von unten in den Hinterbau, und lege dabei die Kette auf das kleinste Ritzel. Fädle nun das Laufrad so ein, dass die Bremsscheibe im Bremssattel und die Nabe zwischen den Ausfallenden platziert ist. Achte darauf, die Bremsscheibe hierbei nicht mit der Hand zu berühren. Führe die Steckachse ausgehend von der Seite der Bremsscheibe wieder durch Radnabe und Ausfallenden. Ziehe sie dann locker an. Mit einem Drehmomentschlüssel ziehst du sie nun auf das erforderliche Drehmoment fest.
Abschließender Test
Abschließend solltest du noch prüfen, ob sich weiterhin alle Gänge durchschalten lassen und die Bremse nicht schleift. Sind alle Teile wieder montiert, stellen Sie das Rad wieder auf die Reifen. Ziehen Sie mehrfach beide Bremshebel, um eventuell vorhandene Luft im Bremssystem nach oben zu befördern. Machen Sie abschließend eine kurze Probefahrt, um sicherzugehen, dass alles korrekt funktioniert.
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