Viele Fahrradsitze für Kinder sind sicher. Zu diesem Ergebnis kommt die Stiftung Warentest. In ihrem aktuellen Test hat sie keine gravierenden Sicherheitsprobleme gefunden. Acht der geprüften 14 Sitze seien sowohl sicher als auch komfortabel und erhielten die Note gut, erklärte Stiftung Warentest.
Getestet wurde im Labor und in der Praxis. "Unser Eindruck: Die Anbieter haben sich ins Zeug gelegt und ihre aktuellen Sitze gründlich an die neue Norm für Fahrradkindersitze angepasst", erklärte die gemeinnützige Verbraucherorganisation. Diese Norm gilt seit August 2022.
Allerdings ist ein Fahrradkindersitz keine optimale Mitfahrgelegenheit für das Kind, wie Stiftung Warentest betonte.
Testergebnisse und Empfehlungen
Der ADAC hat 16 Fahrradsitze für Kinder getestet. Dabei haben vor allem die günstigeren Fabrikate überzeugt. Neunmal wurde die Note "gut" vergeben, doch es gibt noch Raum für Verbesserungen.
OK Baby: Vielseitiger Testsieger
Bei beiden Montagemöglichkeiten landete jeweils der Kinderfahrradsitz von OK Baby an der Spitze des Testfeldes. Dort saß der Testdummy im Vergleich zu den Konkurrenzmodellen auf schlechten Straßen wesentlich bequemer, sodass in Sachen Komfort nur einmal die Bewertung "sehr gut" vergeben werden konnte.
Der Sitz von OK Baby hat mit rund 70 Euro einen vernünftigen Anschaffungspreis und bietet auch eine Liegefunktion (allerdings nur beim Modell für die Sattelstange), einen Reflektor, gute Schutzeigenschaften im Kopfbereich sowie einen Wetterschutz für schlechte Witterung. Zudem ist der Sitz abschließbar und einfach in der Handhabung.
Weitere Modelle im Test
Der Sitz belegte in beiden Montagearten jeweils den zweiten Platz. Bei diesem Kinderfahrradsitz lässt sich der Schwerpunkt sehr einfach mit einem Hebel einstellen, und der Helm des Kindes passt gut in die Aussparung des Sitzes.
Allerdings war bei beiden Modellen die Höhe der Rückenlehne minimal unterhalb der Norm-Anforderung für den Test - damit verpassten sie die Bestnoten in den Kategorien Sicherheit und Haltbarkeit.
Bei den Produkten von Thule und Hamax wurde der Prüfpunkt der Norm "Mikroschlupf und Festigkeit" des Gurtsystems nicht bestanden, da im Test eine "Längung" von 25 Millimetern überschritten wurde. Im Alltagsbetrieb könnte das dazu führen, dass sich der Gurt während der Fahrt lockert und von der Schulter des Kindes rutscht.
Eltern, die diese Sitze nutzen, sollten darauf achten, den festen Sitz der Gurte während der Fahrt häufiger zu überprüfen.
Der Hersteller Britax Römer stellte nach eigenen Aussagen die Produktion seines Kinderfahrradsitzes ein, der Sitz befindet sich allerdings noch im Verkauf. Als Grund nannte der Hersteller die Änderungen der geltenden Norm für Kinderfahrradsitze.
Die bisherige Norm (Stand 2004) verlor am 30.06.2023 ihre Gültigkeit und wurde durch die neue Norm DIN EN 14344:2022 (Stand 2022) ersetzt.
Leider denken nicht alle Hersteller daran, dass die Konstruktion des Sitzes auch genügend Platz für den Helm im Kopfbereich bietet. Es wäre zudem wünschenswert, dass der Kopf des Kindes nicht nur im Falle eines Unfalls optimal geschützt ist, sondern auch beim Schlafen besser stabilisiert wird.
Dieses Manko zeigt sich am Beispiel der Crashversuche etwa beim Kinderfahrradsitz von Thule. Hier neigt sich der Kopf des Kindes bei einem Seitenaufprall unangenehm weit zur Seite. Zudem wäre ein besserer Schutz an den Seiten des Sitzes in Höhe des Kopfes und der Schultern wünschenswert, sollte während der Fahrt unbeabsichtigt ein Hindernis gestreift werden.
Besser machen das die Produkte von OK Baby und Bellelli. Dabei wurden sowohl ein seitlicher als auch ein Frontalaufprall simuliert - typische Unfallszenarien im Alltag, wenn ein Auto seitlich mit einem Fahrrad kollidiert oder ein Rad auf einen Pkw auffährt.
Die Kinderfahrradsitze waren jeweils mit einem Kinderdummy besetzt und schnitten unterschiedlich gut ab. Einige hielten dem simulierten Aufprall stand, bei anderen brach die Halterung am Fahrrad oder das Plastik der Sitzschale.
Da eine sichere Montage bei zahlreichen Fahrrädern aufgrund von ungeeigneten Gabelschaftkonstruktionen schwierig ist, sind diese Fahrradsitze für Kinder nur bedingt zu empfehlen.
Bis auf die der Qibbel-Modelle waren alle Gurtpolster im Test schadstofffrei. Gegebenenfalls können Sie das Gurtpolster auch einfach abschneiden.
Bei den Herstellern Thule und Hamax sollten Sie auch während einer Fahrt immer wieder den Blick auf das Gurtsystem richten. Wenn sich diese z.B. bei einer Rüttelstrecke etwas gelockert haben, einfach einmal mehr nachziehen. Auch das Verknoten der Gurtenden vor der Brust des Kindes kann helfen.
Um eine mögliche und richtige Montage am eigenen Rad zu überprüfen und ein Probesitzen inklusive Probefahrt durchzuführen, sollten Sie ein Fachgeschäft aufsuchen. Wichtig: Dabei auch das Abstellen und die Schlafposition (sofern vorhanden) zusammen mit dem Kind ausprobieren. Ein sicherer Stand des Rades sollte ebenso gewährleistet sein.
Vom Probesitzen über die Probefahrt bis hin zum täglichen Gebrauch sollte das Kind immer einen Fahrradhelm tragen. Zudem das Kind nie alleine im Fahrradsitz stehen lassen und bestenfalls für den sicheren Stand einen Doppelständer am Fahrrad verbauen (wenn möglich).
Erste Fahrversuche auf sicherem Gelände durchführen, da das Fahrverhalten mit montiertem Fahrradsitz speziell auch in der Liegefunktion sehr ungewöhnlich ist. Die Schwerpunkt-Verschiebung sorgt vorne am Fahrrad für eine geringe Bodenhaftung.
Die Montage an dieser Stelle ist ein sensibles Thema, es fehlt an möglichem Lenkereinschlag, an ausreichend Kopffreiheit zwischen Kind und Fahrendem, und letztendlich kann der Fahrende bei einem möglichen Crash das Kind erdrücken.
Testkriterien und Methodik
Zum Testkriterium Montage werden die Kinderfahrradsitze an unterschiedlichen Fahrrad- und e-Bike Modellen gemäß der Bedienungsanleitung montiert und bewertet. Neben Möglichkeit und Aufwand der Montage werden auch weitere Aspekte wie Schnellwechselmöglichkeiten zwischen zwei Rädern, Funktionalität gegen Diebstahl sowie das Verstauen bei Nichtgebrauch betrachtet.
Das Testkriterium Handhabung beginnt mit der Bewertung der Gebrauchsanleitung sowie der Einstellmöglichkeiten von Bein- und Rückenlehne. Nach der Montage und Einstellung werden die Kindersitze mit den unterschiedlichen Fahrradmodellen auf einem Rundkurs in unterschiedlichen Fahrsituationen untersucht.
- Auf- und Absteigen, verbunden mit einer leichten Schräglage des Rades, um die Kippneigung der unterschiedlichen Modelle zu vergleichen
- Ausweichmanöver, um ein Nachschwingen der Kindersitze zu provozieren
- Bremsen, um den möglichen Einfluss auf die Fahrstabilität zu erfahren
- Einfluss auf das Fahrverhalten bei Steigungen
Dabei ist zu beachten, dass ca. 10 % der Strecke verschiedene Steigungen und Gefälle beinhalten, so dass die Kinderfahrradsitze durch den veränderten Schwerpunkt ggf. das Fahrerhalten beeinflussen können. Dies soll auch bei Geschwindigkeiten über 25 km/h durchgeführt werden.
Neben den Einstellmöglichkeiten und Abmessungen in Bezug zur Körpergröße wie Fußlängen und Rückenlehne, werden die Verstellmöglichkeit des Gurtsystems sowie die Nutzbarkeit des Sitzes mit dem Fahrradhelm untersucht. Als Basis zu den Messungen wird der Hybrid 3 Dummy in der Größe Q3 eingesetzt.
Bei der Komfortmessung möchten wir herausfinden, in welchem Kinderahrradsitz die Fahrbahnunebenheiten am wenigsten bei den Insassen ankommen. Dabei fährt ein auf einem Prüfstand aufgespanntes Fahrrad mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten über eine auf das Hinterrad einwirkende Leiste, hierzu wird eine computergestützte Messung durchgeführt.
In Anlehnung an die DIN 14344:2022 (Artikel für Säuglinge und Kleinkinder - Kindersitze für Fahrräder - Sicherheitstechnische Anforderungen und Prüfverfahren) werden Inhalte wie Nieder- und Hochtemperaturkonditionierung, Belastungsprüfung für Fußstützenfestigkeit, Befestigung des Rückhaltesystems am Sitz, Schlagprüfung, Fuß-Befestigung mit Rückhaltebändern, Anforderungen für den Sitzbereich und die Fußstützen, Mikroschlupf und Festigkeit überprüft.
Zusätzlich werden Auffälligkeiten bei der Verarbeitung protokolliert und bewertet.
Im Vordergrund der Schadstoffuntersuchung stehen berührbare Bauteile und Bezugsstoffe, z.B. Sitzauflagen und Gurtenden. Dabei beziehen sich die Untersuchungen weitgehend auf PAKs (Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe) und Weichmacher (Phthalate), aber auch auf andere Schadstoffe in Anlehnung an die GS-Spezifikation AfPS GS 2019:01 PAK.
Des Weiteren werden Schadstoffüberprüfungen an Fuß- und Gurtschnallen, welche für die Transportsicherung des Kindes vorgesehen sind, durchgeführt. Nebst den PAKs und Phthalaten werden auch je nach verwendetem Material Azofarbstoffe, Cadmium und Blei überprüft.
Weitere Schadstoffuntersuchungen werden bei Bedarf, z. B. bei olfaktorischen Auffälligkeiten (starker Geruch) unternommen.
Entsprechend einer Unfalldatenanalyse sollten verschiedene Crashszenarien abgeprüft werden, um einen hohen Anteil der relevanten, realen Verkehrsunfälle mit Radfahrenden abzudecken.
Im ersten Szenario kollidiert ein Pkw frontal auf die Seite des Fahrradfahrers. Bezüglich der Crashversuche wurde der etablierte Whiplash-Puls, welcher bei Tests von Autositzen im Falle eines Heckaufpralls entwickelt wurde, angewendet. Die Überprüfung der Crashsicherheit wurde auf der ADAC-Katapult-Testanlage durchgeführt.
Durch die kontrollierte Beschleunigung der Katapultanlage wird der Effekt einer Verzögerung bei einem Zusammenstoß simuliert.
Die Kinderfahrradsitze wurden dabei auf einer fest installierten Vorrichtung montiert, welche eine Gepäckträger- sowie Sattelrohrmontage ermöglicht.
Top 10 Fahrrad-Kindersitze
Mit diesen Kindersitzen nimmst du dein Kind sicher mit :Ein Fahrrad-Kindersitz ist mit Abstand die günstigste Möglichkeit, dein Kind auf dem Fahrrad oder E-Bike mitzunehmen. Das Angebot ist riesig, denn es gibt Modelle für die Montage vor dem Fahrer, Kindersitze für die Gepäckträgermontage und Varianten für Mountainbiker.
Wie nehme ich mein Kind auf dem Fahrrad mit? Eine Frage, die sich sehr viele Eltern irgendwann einmal gestellt haben. Die meisten von ihnen haben sich für einen Kindersitz für das Fahrrad oder E-Bike entschieden.
- Hamax Observer: Geeignet ab 9 Monaten bis 15 kg, Montage am Lenkrohr.
- Thule Yepp Nexxt Mini: Für Kinder ab 9 Monaten bis 3 Jahren (15 kg), Montage am Gabelschaft.
- Polisport Guppy Mini+: Für Kleinkinder ab 2 Jahren (9-15 kg), 5-Punkt-Gurt, Montage vorne.
- Polisport Guppy Maxi CFS: Für Kinder ab 2 Jahren (9-22 kg), Montage auf dem Gepäckträger.
- Mac Ride: Für Mountainbiker, 2-5 Jahre (max. 27 kg), Montage am Steuerrohr/Gabelschaft und Sattelstütze.
- Hamax Carees: Für Kinder ab 9 Monaten (bis 22 kg), Montage am Fahrradrahmen oder Gepäckträger.
- Römer Jockey 3 Comfort: Für Kinder von 9 Monaten bis 5 Jahre (9-22 kg), Montage am Fahrradrahmen.
- Urban Iki: Für Kinder von 9 Monaten bis 6 Jahren (9-22 kg), Montage auf dem Gepäckträger.
- Bobike Go MIK HD: Für Kinder von 2-5 Jahren (bis 22 kg), Montage am MIK HD Gepäckträger.
- Shotgun: Speziell für Mountainbikes, 2-5 Jahre (bis 22 kg), Montage am Rahmen.
Checkliste vor dem Kauf
- Qualität & Sicherheit: Achte auf Prüfzertifikate wie TÜV- oder GS-Siegel.
- Zulässiges Gewicht: Beachte die Herstellerangabe zum maximalen Gewicht.
- Flexible Anpassbarkeit: Kopfstütze und Fußrasten sollten verstellbar sein.
- Gurtsystem: Wähle zwischen 3-Punkt oder 5-Punkt Anschnallgurten.
- Alter: Beachte die Altersangabe des Kindersitz-Herstellers.
- Montage: Versichere dich, dass der gewünschte Kindersitz zu deinem Fahrrad oder E-Bike passt.
- Probefahrt: Teste den Sitz mit Probegewicht, um den Einfluss auf die Fahreigenschaften zu prüfen.
Falls es sich einrichten lässt, dann bietet es sich definitiv an, das Fahrrad oder E-Bike, für das der Kindersitz primär gedacht ist, zum Kauf mitzunehmen. So können die Befestigungsoptionen direkt vor Ort überprüft werden.
Front-Kindersitze für Mountainbikes
Unter Mountainbikern ist der Kindersitz für die Frontmontage sehr beliebt. Hier sitzt der Nachwuchs vor dem Fahrer, das erhöht den Fun-Faktor gleich doppelt! Der bikebegeisterte Fahrer hat das Kind direkt vor sich, das verbessert neben der Kommunikation auch die Sicherheit.
Der kleine Passagier bekommt definitiv mehr mit als hinten. Ein weiterer Vorteil ist, dass ein Kindersitz für vorn auf die allermeisten Mountainbikes und E-MTBs passt - unabhängig von Gepäckträger und davon, ob es ein Hardtail oder Fully ist.
Generell unterscheidet man bei Front-Kindersitzen Modelle, die direkt am Rahmen montiert werden (z.B. von Shotgun) und solche, die am Steuerrohr bzw. Gabelschaft per Adapter montiert werden (z.B. Thule, Mac Ride). Die letztgenannte Kategorie erfordert je nach Hersteller mindestens 20 mm Platz am Gabelschaft für den Adapter.
Unsere kleinen Schätze mit dem Fahrrad mitzunehmen, ist toll. Wenn wir sie dann noch im Blick haben, ist es noch besser. Ein Fahrradkindersitz kann an zwei Stellen am Fahrrad montiert werden: entweder hinter dem Lenker oder hinter dem Sattel, sprich vor oder hinter dem Fahrer.
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