E-Bikes mit ABS im Test: Mehr Sicherheit und Performance

Das Bestreben von Bosch eBike Systems ist seit jeher, neben der kontinuierlichen Weiterentwicklung seiner Elektromotoren auch beim Thema Sicherheit ganz vorne mitzuspielen. Besser gesagt: zu entwickeln.

Die Entwicklung des Bosch eBike ABS

Seinen Ursprung hatte die Entwicklung des Bosch eBike ABS bereits 2012 gefunden. Schnell wurde aber klar: Am Markt durchsetzen würde sich die Technologie deutlich langsamer als erwartet. Obgleich Bosch im Vorfeld zwei Unfallstudien angestellt hatte - mit dem Ergebnis, dass bei jedem fünften untersuchten Crash der Sturz schon vor der eigentlichen Kollision passiert war.

Die erste Generation des ABS

Fiel das ab 2018 erste weltweit an Pedelecs verbaute ABS optisch vor allem durch seine klobige Steuereinheit unterhalb des Lenkers auf, war auch das Pulsieren des Bremshebels gewöhnungsbedürftig.

Das neue Bosch eBike ABS

War das Antiblockiersystem der ersten Generation noch nicht für den E-MTB-Einsatz spezifiziert, so ist Boschs neues, auf Basis von Motorrad-Technologie entwickeltes, eBike ABS mit speziellem Trail-Modus bewusst auf diesen Grenzbereich hin ausgefeilt worden. Frei nach dem Motto: Was den Belastungen im Gelände standhält, wird auch auf moderaten Schotterpisten und Asphalt einen verlässlichen Job machen. Auch diese Informationen aus einer Vielzahl von Vorab-Gesprächen machen uns immer neugieriger auf das überarbeitete System.

Erster Eindruck

Erstmals davor stehend, brauchen wir tatsächlich einen Moment, bis wir das Steuergerät am linken Gabelholm montiert finden. Im Cockpit deutet allenfalls der etwas ausladende Mehrfinger-Bremshebel der Magura MT C ABS-Bremse auf ein zusätzliches Bike-Bauteil hin.

Der Test des neuen ABS im Gelände

Während der Fahrt in den auf anspruchsvolle Trails ausgelegten sportiven Trail-Modus gewechselt wird über die eBike Flow App oder das Kiox 300-Display als Bestandteil des Bosch Smart-Systems. Um schnell Vertrauen in das System zu bekommen, ziehen wir die Vorderradbremse nach vorheriger Beschleunigung auf knapp über 25 km/h abrupt an. Vollbremsung also. Und ohne ABS ein sicherer Abflug über den Lenker.

Wie gewohnt, packt die Vier-Kolben-Scheibenbremse bissig zu - macht zum Ende hin aber spürbar schrittweise auf, um das Radblockieren zu verhindern. Der Bremsweg wirkt im ersten Moment noch recht lang, relativiert sich aber im Lauf der ersten Bremsmanöver immer mehr im Verhältnis zur vergleichsweise hohen Ausgangsgeschwindigkeit. Auch in leichter Kurvenlage arbeitet das ABS verlässlich.

Das ABS auf verschiedenen Untergründen

Wir stellen fest: Auf trockenem Asphalt wird ein Blockieren des Vorderrades konsequent vermieden. Spannend nun also, was auf Schotter, Laub und verwurzelten Trails an neuer Sturzsicherheit geboten werden kann. Für versierte E-MTBler wird der Trail-Modus alternativlos sein, vor allem wenn es um das Hinterradversetzen in spitzen Kehren geht.

Unser erster Eindruck auf feuchten und von Laub gesäumten Waldwegen: Das ABS erkennt das anspruchsvolle und mit erhöhter Rutschgefahr behaftete Geläuf sofort - und greift noch früher in den Bremsvorgang ein. Jedoch zu keiner Zeit unangenehm oder gar die Führung übernehmend. Im gesamten Testteam herrscht die einhellige Meinung, dass die Bremsdosierbarkeit nicht auf der Strecke bleibt. Und vor allem unerfahrenen Fahrern die Angst vor einem schmerzhaften Sturz oder Überschlag schnell genommen wird.

Die Königsdisziplin: Rasante Trailfahrt

Bereit also für die Königsdisziplin: eine rasante Trailfahrt entlang schmaler Pfade, über Wurzeln und Steine. Leichte Nässe macht den Testparcours zusätzlich anspruchsvoller. Durchweg im Trail-Modus unterwegs ist die Bremskraft spürbar erhöht - bei einer Vollbremsung steigt das Hinterrad zügig hoch. Bei spritzigem Tempomachen reguliert das ABS die Schlupfgefahr verlässlich. Einzig in Kurvenlagen bleibt die Wegrutschgefahr des Vorderrades bestehen.

Verbesserungen gegenüber der ersten Generation

Im Vergleich zum ABS der ersten Generation hat Bosch mit seiner neuen Version in vielerlei Hinsicht einen großen Schritt nach vorne gemacht. Neben der kleinen und leichten Steuereinheit für minimalistisches Design, ist das zuverlässige Antiblockieren vor allem für Hobby-MTBler oder Tourenfahrer ein Mehrgewinn an Sicherheit.

Im Allroad-Modus ist das System deutlich aktiver und greift vorausschauend ein. Es fühlt sich allerdings zu keinem Zeitpunkt so an, als würde das System von selbst bremsen. Als Bestandteil des Smart Systems zeigt eine separate Kontrollleuchte an der Bedieneinheit an, ob das ABS funktionsfähig ist.

E-Bikes mit ABS im Überblick

Eine Reihe großer Hersteller bieten mittlerweile E-Bikes mit dem Bosch ABS-System an. Hier ein Überblick.

  • Kalkhoff Image 7 Excite+ ABS: Der flexible Alleskönner mit einem zulässigen Gesamtgewicht von 170 Kilogramm bietet neben einem starken Bosch Performance Line CX Motor mit 85 Newtonmetern, einem 750 Wattstunden-Akku und einer stufenlosen Enviolo Nabenschaltund das eBike ABS System. Das Image 7 Excite+ ABS ist eines von sieben E-Bikes im Repertoire von Kalkhoff, die mit dem Bosch eBike ABS ausgestattet sind. Kalkhoff gibt als Preis für das Image 7 Excite+ ABS 5.999 Euro an.
  • Gazelle Makki Load: Gerade bei einem Cargo-E-Bike kann es zum Vorteil sein, wenn es mit dem ABS-System ausgestattet ist. Da man mit den sperrigen Rädern manchmal nicht so agil reagieren kann wie mit einem normalen City-E-Bike, bringt das System hier eine extra Portion an Sicherheit mit. So hat Gazelle sein neues Makki Travel mit ABS ausgestattet, ferner kommt es mit einem kraftvollen Bosch Cargo Line Motor mit 85 Newtonmetern. Der Kunde kann zudem zwischen drei Akku-Größen wählen, der Preis startet bei 6.699 Euro.
  • Riese & Müller Nevo4: Auch das City-E-Bike Nevo4 von Riese & Müller ist neben dem Motor der Bosch Performance Line CX mit 85 Newtonmeter Drehmoment mit dem ABS-System ausgestattet und ist damit eines der ersten Räder in der Urban-Klasse. Wie üblich bei Riese & Müller kann der Interessierte noch verschiedene Konfigurationen vornehmen, wie beispielsweise zwischen verschiedenen Schaltung auswählen. Auch eine Speed-Pedelec-Variante des Nevo4 ist verfügbar. Der Einstiegspreis für das hochwertige City-E-Bike liegt bei 4.649 Euro.
  • Victoria Parcours 6: Victoria selbst beschreibt sein E-Bike Parcours als Allroad-Fully, das sportliche Dynamik und Komfort vereinen soll. Dadurch, dass die Hinterradschwinge gefedert ist, wie üblich bei einem Fully, bietet es eine optimale Bodenhaftung selbst auf Kopfsteinpflaster und rauen Feldwegen. Ausgestattet ist das Topmodell mit hochwertigen Komponenten von Bosch. Dazu gehört ein Motor der Bosch Permormance CX-Line mit einem Drehmoment von 85 Newtonmeter, ein Powertube-Akku mit angegebenen 625 Wattstunden sowie das neue Bosch eBike ABS. Der Preis für das Parcours 6 liegt bei 6.499 Euro.

Haibike ADVENTR 11 ABS im Detail

Mit dem Transporter ins Unterholz? Genau das verspricht Haibike mit dem ADVENTR 11 ABS - einem SUV E-Bike, das sich optisch und technisch am E-Mountainbike orientiert, aber den Komfort eines Tiefeinsteigers bietet. Ausgestattet mit Bosch CX-Motor und ABS will das Bike auf Straße wie Trail überzeugen. Unser Testbike kommt als Tiefeinsteiger und schlägt mit 6.499 € zu Buche. Damit liegt es preislich ziemlich genau im Mittelfeld unseres großen Vergleichstests. Was macht das Haibike ADVENTR 11 ABS besonders? Der sportlichste Tiefeinsteiger auf dem Markt?

Unser Testbike ist nicht der erste sportive Lowrider mit ABS im Haibike-Portfolio - aber der erste mit Vollausstattung. Gut gelungen finden wir die Integration des Bosch-Motors unterhalb der sehr technisch anmutenden Dämpferanlenkung. Ein sportlicher Tiefeinsteiger? Geht! Haibike setzt beim Antrieb auf den Bosch Performance Line CX Gen5 - ein kraftvoller, gut dosierbarer und erfreulich leiser Motor.

Details und Besonderheiten

Warum die Schweinfurter allerdings das gut ablesbare, übersichtliche Kiox 300-Display mit der recht klobigen LED Remote kombinieren, bleibt uns ein Rätsel. Das zentrale Display zeigt alles an, was man während der Fahrt wissen muss. Die LED Remote ist mit Knöpfen überfrachtet und verleitet damit zu Fehlbedienungen. Die Mini Remote wäre aus unserer Sicht optisch wie technisch die bessere Wahl gewesen.

Nichts zu meckern gibt es an der Entnahme des Akkus: Das Batterie-Cover lässt sich bequem mittels Drehknopf abnehmen, der Akku selbst muss dann per Schlüssel entriegelt werden. Das geht schnell und problemlos. Die Gummiklappe, die den Ladeport vor Dreck und Wasser schützt, verlangt allerdings etwas Nachdruck, damit sie bündig schließt.

Integration und Alltagstauglichkeit

Konzeptionell positioniert sich das Haibike ADVENTR 11 ABS zwischen dem mehr auf Alltagstauglichkeit ausgerichteten CENTURION Lhasa R2000 und dem noch sportlicheren Mondraker Chaser X. Die Balance aus sportlichem E-MTB und Daily Driver ist dem E-Bike-Pionier dabei insgesamt gut gelungen. Ebenso wie die Integration der TRELOCK-Lichtanlage mit der Frontleuchte direkt unter dem Display und einem am hinteren Schutzblech angebrachten Rücklicht, das leider keine Bremslichtfunktion mitbringt.

Die Positionierung ist dabei auch eher unpraktisch - denn so weit unten am Schutzblech kann das Rücklicht im hektischen Stadtverkehr schnell übersehen werden. Weniger gelungen ist das Kabelmanagement am Cockpit: Chaos pur. Ein absolutes No-Go: die am Rahmen schleifende Kette. Hier hätte ein weiter nach oben gezogener Kettenstrebenschutz leicht Abhilfe schaffen können - zumal sich schon während unseres Tests erste Kratzer im Alu-Rahmen zeigten.

Belastbarkeit und ABS-Modi

Mit einem zulässigen Gesamtgewicht von 150 kg zeigt sich das Haibike ADVENTR 11 ABS erfreulich belastbar und eignet sich damit auch für große und schwere Fahrer. Der für maximal 15 kg freigegebene Gepäckträger unterstützt sowohl das MIK- als auch das MIK-Side-System, was das schnelle und bequeme Anbringen von Fahrradtaschen erleichtert. ABS - aus dem Automobil- und Motorradbereich nicht mehr wegzudenken - fristet im E-Bike-Segment noch immer ein Schattendasein. Völlig zu Unrecht! Gerade bei SUV E-Bikes, die über alle Altersklassen und Skill-Level hinweg genutzt werden, bringt ABS einen signifikanten Sicherheitsgewinn. Ob bei abrupten Bremsmanövern im Stadtverkehr, auf rutschigen Gullydeckeln oder nassem Kopfsteinpflaster - ABS entschärft gefährliche Situationen spürbar.

ABS im Gelände

Doch nicht nur im urbanen Raum überzeugt das System: Auch abseits der Straße - etwa auf Schotterwegen oder bei feuchtem Laub auf Waldböden - sorgt ABS für kontrollierte Bremsvorgänge und verhindert ungewollte Rutscher. Besonders bei voll beladenen Bikes, wie sie im SUV-Segment üblich sind, ist das ein echter Mehrwert in Sachen Fahrsicherheit.

Beim Haibike ADVENTR 11 ABS habt ihr die Wahl zwischen den beiden ABS-Modi Trail und Allroad. Letzterer greift recht früh ein und verhindert jegliches Blockieren des Vorderrads - perfekt für den Alltag. Soll es sportlicher zu Werke gehen, bremst der Allroad-Modus den Biker allerdings im wahrsten Sinne des Wortes aus. Hier schlägt die Stunde des Trail-Modus. Der greift spürbar später ein, lässt sogar minimales Rutschen am Vorderrad zu und ermöglicht dadurch auch sportlichen Bikern eine gehörige Portion Fahrspaß, ohne dass die Sicherheit zu kurz kommt. Unterm Strich ist der Sicherheitsgewinn durch ABS jederzeit spürbar und unterbewusst stets präsent.

Tiefeinsteiger und Fahrverhalten

Mit dem Tiefeinsteiger in den Bikepark? Normalerweise sind Tiefeinsteiger eher was für Komfortfans - bequem beim Aufsteigen, praktisch im Alltag, aber alles andere als sportlich. Genau deswegen hat uns das Haibike ADVENTR 11 ABS so überrascht. Denn der Einstieg ist nicht nur tief, sondern auch der Einstieg in eine ganz neue Liga von Tiefeinsteiger-Bikes.

Die Sitzposition auf dem Haibike ADVENTR 11 ABS ist sportlich geprägt, vor allem durch das tief angesetzte und das recht breite Cockpit. Gemeinsam mit dem Moustache Clutch und dem Specialized Turbo Tero X 6.0 zählt das Haibike zu den sportlichsten Bikes im Testfeld. Was wir aber auch auf längeren Strecken nicht als unbequem empfunden haben. Das Bike fühlt sich sehr ausbalanciert an und lässt einen jederzeit die MTB-Gene spüren. Sogar Wheelies und Manuals sind mit dem Tiefeinsteiger keine große Herausforderung und sorgen für staunende Gesichter bei umstehenden Passanten. Die Lenkung gibt sich direkt, aber nicht nervös. Zum souveränen Fahrverhalten tragen auch das zwar straffe, aber schluckfreudige SR Suntour-Fahrwerk und die sehr guten Vierkolbenbremsen von MAGURA bei, die dank ABS auch das Sicherheitsempfinden deutlich erhöhen.

Fazit zum Haibike ADVENTR 11 ABS

Auch wenn das Haibike ADVENTR 11 ABS auf jedem Terrain eine gute Figur macht, ist sein Revier klar abseits der Straße. Im Gelände, gerne auch in steileren Gefilden, spielt es seine Stärken dank der sportlichen Geometrie und des satten Fahrwerks voll aus. Ein richtiges Spaß-Bike, das auch den Weg zur Eisdiele nicht scheut. Einziger Wermutstropfen auf dem Trail: Die Schutzbleche und der Ständer neigen zum Klappern. Wie man’s besser macht, zeigen Riese & Müller und Kalkhoff.

Haibike gelingt mit dem ADVENTR 11 ABS ein überzeugender Spagat zwischen E-MTB-Dynamik und Tiefeinsteiger-Komfort. Kaum ein anderes SUV E-Bike mit kompletter Ausstattung fährt sich so agil und sportlich - ohne dabei auf Alltagstauglichkeit zu verzichten. Besonders das ABS überzeugt im Stadtverkehr ebenso wie auf dem Trail und rundet das stimmige Gesamtkonzept ab. Einen Wermutstropfen gibt’s dennoch: das unaufgeräumte Cockpit und der zu kurze Kettenstrebenschutz.

Technische Daten des Haibike ADVENTR 11 ABS

Größe S M L
Gewicht 29,1 kg

Bosch eBike ABS Pro im Test

Bosch hat mit dem neuen eBike ABS Pro ein ambitioniertes Ziel: mehr Sicherheit und Performance auf dem Trail. Schnelleres Regelverhalten und optimierte Bremsdruckmodulation richtet sich vor allem an erfahrene Fahrer. Wir haben das System in den Dolomiten für euch ans Limit gebracht. Bereits 2018 brachte Bosch das erste ABS für Pedelecs auf den Markt - ein Meilenstein für die Sicherheit im E-Bike-Bereich. Im Jahr 2022 legte Bosch mit einem neuen ABS-System nach, das schnell an vielen Trekking- und Touren-Bikes wie dem BULLS SONIC EVO AM3 ABS oder dem Riese & Müller Delite 4 GT Touring zu finden war.

Doch obwohl das System mehr Kontrolle beim Verzögern bot und neue Maßstäbe in Sachen Sicherheit setzte, waren ambitionierte E-Mountainbiker nicht überzeugt: Die weniger sportliche Ausrichtung und die 2- bzw. 3-Finger-Bremshebel waren nicht das, was man sich in Extremsituationen wünscht. Mit der Erfahrung aus dem E-MTB-Racing wurde das eBike ABS Pro entwickelt, das speziell für den Rennsport und den harten Einsatz auf Trails konzipiert wurde, jedoch auch Tourenfahrern verbesserte Kontrolle und Sicherheit bieten soll. Bosch verspricht ein präziseres Ansprechverhalten, optimierte Bremsmodulation und die Möglichkeit, in kritischen Momenten wertvolle Sekunden zu gewinnen.

Komponenten und Technik

Die MAGURA MT7 setzt auf einen 1-Finger-Bremshebel, der nicht nur ergonomisch geformt ist, sondern sich auch individuell anpassen lässt - ein klarer Fortschritt gegenüber den früheren 2- und 3-Finger-Bremshebeln der MAGURA MT C ABS, die beim alten ABS zum Einsatz kamen. Die TRP DH-R EVO ist ebenfalls eine Vierkolbenbremse, allerdings mit einem etwas längeren 1-Finger-Bremshebel. Hier ist die Griffweitenverstellung werkzeuglos möglich, was eine noch einfachere Anpassung erlaubt. Wichtig zu wissen: Das Brems-Feeling wird von den Bremssystemen bestimmt, nicht vom ABS.

Unser Testbike ist mit der MAGURA MT7 ausgestattet, die vorne wie hinten auf 200 mm große Bremsscheiben zugreift. An den Bremsscheiben sind jeweils 56-fach geschlitzte Sensorräder (Tonewheels) befestigt - eine Verbesserung gegenüber den 50-fach geschlitzten Rädern des bisherigen ABS-Systems. Diese Erhöhung der Schlitzzahl ermöglicht eine deutlich präzisere Erfassung der Raddrehgeschwindigkeit. Beim neuen ABS Pro kann das System dadurch schneller und genauer auf Bremsvorgänge reagieren. Das Resultat ist ein feiner abgestimmtes Eingreifen des ABS, besonders bei plötzlichen Änderungen der Bodenhaftung.

Der ABS-Mechanismus selbst sitzt dezent in einem kleinen Kasten am linken Tauchrohr der Federgabel. Hier laufen nicht nur die Bremsleitungen der Vorderradbremse zusammen, sondern auch die elektrischen Anschlüsse der Sensoren von Vorder- und Hinterrad. Der Strom für das ABS-System wird direkt aus dem Haupt-Akku des E-MTBs bezogen.

Funktionen des ABS Pro

  • Schnelleres ABS-Regelverhalten: Das ABS reagiert jetzt noch schneller, um das Blockieren der Räder zu verhindern.
  • Optimierte Bremsdruck-Modulation: Die Bremskraft wird nun feiner und genauer dosiert, dank der Erhöhung der Schlitzzahl in den Sensorrädern.
  • Trail Pro-Modus: Dieser Modus ist für technische Trails optimiert, bei denen es auf Kontrolle und Stabilität ankommt. Der Fokus liegt hier darauf, dass das Hinterrad beim Bremsen stabil bleibt und nicht abhebt.
  • Race-Modus: Dieser Modus ist auf maximalen Speed und aggressive Bremsmanöver ausgelegt. Hier wird die Hinterrad-Abheberegelung deaktiviert, was bedeutet, dass der Fahrer das Hinterrad gewollt anheben kann, um enge Kurvenmanöver (z. B. Spitzkehren) zu fahren. Das ABS greift später und schwächer ein als im Trail Pro-Modus, was eine stärkere Anpassung an den Untergrund ermöglicht.

Wer das ABS-System ausschalten will, kann dies ganz einfach über die eBike Flow App oder das Setting-Menü im Display tun. Auf den Displays Kiox 300, Kiox 500, Purion 200 und Purion 400 werden neben dem ausgewählten ABS-Modus auch Informationen wie Bremsweg und -dauer sowie die Anzahl der Bremsungen mit ABS-Einsatz angezeigt. Nach der Abfahrt lässt sich das eigene Bremsverhalten in der eBike Flow App analysieren und der Anteil der Bremsungen mit und ohne ABS Pro vergleichen.

Test in den Dolomiten

Wir haben das Bosch eBike ABS Pro für euch in den Dolomiten getestet, dabei jede Menge Tiefenmeter gesammelt und unsere gewohnte Bremsweise beibehalten, um herauszufinden, wie es sich in verschiedensten Situationen bewährt. Besonders eindrucksvoll lässt sich die Funktionsweise des ABS auf rutschigen oder glatten Oberflächen sowie nassen Wurzeln ausprobieren. Normalerweise blockiert das Vorderrad bei herkömmlichen Bremsen in solchen Situationen schnell, was zum Kontrollverlust und im schlimmsten Fall zu einem Crash führt. Mit dem ABS Pro wird dieses Blockieren jedoch zuverlässig verhindert, da das System sanft in die Bremskraft eingreift. Das Rad rollt weiterhin kontrolliert, und der Fahrer kann sicher weiterlenken.

Beim Start in den Trail mit dem Trail Pro-Modus greift das ABS früh und sanft ein, besonders auf unebenen Untergründen oder losem Schotter. Der Race-Modus bietet dagegen eine aggressivere Bremsdynamik: Hier setzt das ABS später ein, und durch die deaktivierte Hinterrad-Abheberegelung ermöglicht es erfahrenen Fahrern, das Hinterrad bewusst anzuheben, um enge Kurven präziser zu meistern. Auch in schnellen Passagen bleibt die Bremskraft kraftvoll, ohne dass das Vorderrad blockiert. Das erlaubt eine kontrollierte, aber dynamische Fahrweise. Allerdings sollten Einsteiger sich aufgrund der deaktivierten Hinterrad-Abheberegelung erst mit dem Race-Modus vertraut machen. Denn bei starkem Bremsen besteht das Risiko, über den Lenker zu gehen, besonders in steilen Passagen.

Fazit zum Bosch eBike ABS Pro

Ein großer Vorteil des neuen Bosch eBike ABS Pro gegenüber früheren Versionen ist das feinere und unauffälligere Regelverhalten. Während das alte ABS oft deutlich spürbar eingriff und dadurch das Fahrgefühl beeinträchtigte, arbeitet das neue System so fein, dass der Eingriff kaum wahrnehmbar ist. Auch bietet das neue ABS Pro im Race-Modus mehr Freiheit, denn es greift später und schwächer ein, und die Hinterrad-Abheberegelung ist deaktiviert.

Bosch hat mit dem eBike ABS Pro ein System geschaffen, das Sicherheit und sportliche Performance besser als bisher miteinander kombiniert. Das schnelle und unauffällige Regelverhalten sowie der 1-Finger-Bremshebel sind besonders für ambitionierte Fahrer geeignet. Im Gegensatz zum stark auf Sicherheit fokussierten Vorgängermodell bringt das ABS Pro nun die Dynamik, die viele vermisst haben.

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