E-Bike mit Automatik: Ein Testbericht

Immer wieder ab November trudeln sie ein in unserer Redaktion und bei unseren Testern: die neuesten E-Bikes aller Klassen. Gleich eine ganze Reihe an Testrädern im Großen ElektroRad-Test (GERT) 2025 sind mit den intelligenten Getrieben ausgestattet.

Wir haben zwei Antriebssysteme mit (Teil-) Automatik an Trekking- und Stadt-E-Bikes getestet: die Enviolo im Velo de Ville Seb 990 und das Pinion MGU E1.12 im Flyer Goroc TRX 8.63. Vorweg: Beide Systeme verbessern das E-Bike-Fahren erheblich, allerdings steigen die Kosten deutlich im Vergleich zu herkömmlichen Schaltungssystemen (Nabenschaltung/Kette).

Automatiksysteme im Detail

Velo de Ville mit vollautomatischer Enviolo-Schaltung

Die Enviolo Automatiq ist eine stufenlose Nabenschaltung, die vollautomatische Gangwechsel ermöglicht. Diese Automatik basieren auf Tretfrequenz, Geschwindigkeit und Drehmoment und sind in jedem Terrain möglich. Sie ist besonders benutzerfreundlich, da keine manuellen Gangwechsel erforderlich sind.

Der Fahrer gibt die gewünschte Trittfrequenz über die App vor, und die Schaltung passt sich automatisch an. Die Enviolo Automatiq ist in unserem Fall über die Bosch Flow App steuerbar, was Konfiguration und Feinabstimmung erleichtert.

Flyer Goroc TRX 8.63 mit Pinion MGU E1.12

Die Pinion MGU E1.12 besteht aus einem leistungsstarken E-Motor mit einem integrierten Schaltgetriebe, das als Block in der Rahmenmitte sitzt. Diese Konstruktion ermöglicht es, die Gänge intern und geschützt zu wechseln, was Defekte und Wartungsaufwand reduziert.

Dabei muss das Hochschalten manuell über den Triggerhebel erfolgen, aber das Herunterschalten erfolgt automatisch. Steuerung erfolgt über Tretfrequenz, Drehmoment und Geschwindigkeit. Der Motor der Pinion MGU bietet ein hohes Drehmoment von bis zu 80 Nm und eine Leistungsspitze von 552/683 W, was besonders bei hohen Kadenzen eine starke Unterstützung bietet.

Unterschiedliche Batteriegrößen sowie ein Range Extender sind über den Anbieter FIT möglich. Die Einstellungen können nicht nur in der FIT-App gemacht werden, sondern auch im Display/Remotehebel vorgenommen werden.

Eine bedeutende Neuerung ist, dass es seit dem Beginn des dritten Quartals auch eine automatische Softwareversion für die Pinion MGU-Einheit gibt, was das automatische Schalten wie bei der Enviolo einfacher und bequemer macht. Zudem ist die Pinion MGU auch im E-MTB-Einsatz verfügbar, was sie vielseitig einsetzbar macht.

Kopplung und Montage

Die Enviolo-Nabenschaltung mit voller Automatik wird im Hinterrad montiert und kann mit gängigen Mittelmotoren gekoppelt werden.

Funktionsweise der Automatiksysteme

Bei der Enviolo Automatiq schaltet das System automatisch in einen schwereren Gang, wenn der Fahrer mehr Kraft auf das Pedal ausübt, und umgekehrt. Bei der Pinion MGU muss der Fahrer manuell in einen schwereren Gang schalten.

Testergebnisse und Bewertung

Beide Automatik-Systeme haben in den Tests im Trekking- und Stadteinsatz hervorragende Leistungen gezeigt und bieten durch ihre gekapselten Designs und verschleißarmen Riemenantriebe einen sorgenfreien Betrieb.

Die Enviolo Automatiq ist besonders benutzerfreundlich und wartungsarm, eignet sich jedoch besser für Fahrer, die keine manuellen Eingriffe wünschen und steile Anstiege bewältigen wollen. Ihr Hauptnachteil ist, dass sie ohne Batteriestrom nicht funktioniert.

Die Pinion MGU E1.12 bietet hingegen eine hohe Leistung und ist für anspruchsvolles Gelände ideal. Ihr Vorteil ist, dass sie auch ohne Batteriestrom schalten kann, was sie zuverlässiger in verschiedenen Situationen macht. Die kommende automatische Softwareversion wird die Nutzung der Pinion MGU noch weiter verbessern und komfortabler gestalten.

Zudem ist die Pinion MGU auch im E-MTB-Einsatz verfügbar, was sie zu einer vielseitig einsetzbaren Option macht.

Alternativen und Ergänzungen

Neben den genannten Systemen gibt es auch andere Automatikschaltungen auf dem Markt. Hier eine Übersicht:

  • SRAM Automatix: Eine mechanische Automatiknabe, die sich durch schnelle und saubere Schaltvorgänge auszeichnet, aber eher für den Flachland-Einsatz geeignet ist.
  • NuVinci Harmony: In Kombination mit Bosch-Aggregaten ein Dreamteam, das geschmeidige Schaltvorgänge ermöglicht und Robustheit bietet.
  • Shimano Steps Di2: Ermöglicht synchrone Schaltwechsel in Kombination mit dem Steps-Motor.
  • Bosch eShift: Ermöglicht das vollautomatische Schalten an E-MTBs und E-Gravel-Bikes mit Kettenschaltungen.

Bosch eShift im Detail

Bosch zieht mit ihrem eShift-System mit integrierter Automatikschaltung für E-Mountainbikes nach. Zusammen mit anderen Bosch-Features wie dem ABS bietet es ein gelungenes Paket für mehr Sicherheit und Fahrspaß für Offroad-Einsteiger, die in moderatem Gelände unterwegs sind. In anspruchsvollen Trail-Situationen kommt die Automatikfunktion jedoch ähnlich schnell ans Limit wie die der Konkurrenz.

Teamwork: TRP Schaltung und Bosch Algorithmus

Wie jede Automatik-Schaltung arbeitet auch das Bosch-System mit zwei Komponenten. Auf der Hardware-Seite steht aktuell die gemeinsam mit Bosch neu vorgestellte E.A.S.I.-Schaltung von TRP. Sie arbeitet nach dem Prinzip einer herkömmlichen Kettenschaltung und sortiert zwölf Gänge.

Der zweite und vielleicht noch wichtigere Teil des Systems ist der Automatik-Algorithmus. Er sitzt in den Steuereinheiten von Bosch und bestimmt, wann welcher Schaltvorgang durchgeführt werden soll.

Bosch eShift in der Praxis: So fährt sich die Schaltautomatik

Im Rahmen unserer Tests mit dem neuen Bosch Performance CX konnten wir uns mit einem Prototypen-Bike von Boschs neuer Schaltautomatik einen genauen Eindruck verschaffen. Das Setup der Schaltautomatik ist denkbar einfach. Trittfrequenz einstellen, aufsteigen und losfahren!

Bosch eShift auf dem Trail: Kann die Automatik hier punkten?

Die wenig geschmeidigen Schaltvorgänge mit hoher Motorpower werden Boschs eShift-Schaltung in Kombination mit TRP auch auf dem Trail zum Verhängnis. Hier scheint der Bosch-Algorithmus zwar grundsätzlich gut zu arbeiten. Nimmt man zum Beispiel im Uphill vor einer Geländestufe Tempo auf, schaltet das System viel zu schnell in einen für die Stufe unpassenden, schweren Gang.

Fazit: Sram, Shimano und Co. - So schlägt sich Bosch im Vergleich

Mit Ergonomie und Interface kann Boschs Automatik punkten, auch der Shifter von TRP ist gelungen. Die aktuell verwendete Hyperglide-Kassette von Shimano verträgt das Schalten unter Last aber nicht gut. Das empfanden wir nicht nur auf dem Trail als störend, sondern die harschen Gangwechsel nervten auch beim Pendeln an jedem Ampelstopp.

E-Bikes mit Riemenantrieb und Automatik

E-Bikes mit Riemenantrieb und Automatik stehen für wartungsarmen Komfort, moderne Technik und ein intuitives Fahrerlebnis. Wer Wert auf einfache Bedienung, sauberen Antrieb und zuverlässige Unterstützung legt, findet in dieser Kombination eine überzeugende Lösung.

Automatiksysteme übernehmen das Schalten automatisch und passen sich dem Fahrverhalten an. Ein Riemenantrieb ersetzt dabei die klassische Kette und punktet durch Langlebigkeit, leisen Lauf und minimale Wartung.

Ein Riemenantrieb läuft leise und schmutzfrei. Er benötigt kein Öl und verursacht keine verschmutzte Kleidung. Automatiksysteme erleichtern das Fahren besonders im Stop-and-Go-Verkehr. Auch an Steigungen oder bei häufigen Tempowechseln bleibt das Fahrgefühl gleichmäßig. Diese Kombination sorgt für hohen Fahrspaß und maximale Benutzerfreundlichkeit.

Mehrere Marken kombinieren Riemenantrieb und Automatik in Serienmodellen. Riese und Müller zählt zu den bekanntesten Anbietern. Auch Kalkhoff bietet wartungsarme Lösungen mit hochwertigen Komponenten. Hercules, Diamant oder Wanderer führen ebenfalls E-Bikes mit automatischer Schaltung und Carbonriemen.

Vorteile eines Riemenantriebs:

  • Längere Lebensdauer
  • Leiser Betrieb
  • Keine Schmierung notwendig
  • Weniger Wartung

Specialized Turbo Como 5.0 IGH im Test

Die US-Marke Specialized verbindet man eigentlich mit leichten, schnellen und eher rein muskelbetriebenen Rädern. Doch es geht auch anders, wie das Pendler- und Touren-Pedelec Turbo Como 5.0 IGH zeigt.

Das Turbo Como in der schicken Lackierung Red Tint/Silver Reflective ist ein klassisches "Damenrad" für beide Geschlechter, ein sehr tiefer und damit ohne große Verrenkungen zu erklimmender Tiefeinsteiger.

Das Fehlen der Schalt-Paddles erklärt sich durch das IGH im Namen des Pedelecs. Das Kürzel steht nämlich für Internal Gear Hub, die automatisch arbeitende stufenlose Getriebenabenschaltung von enviolo. Die übernimmt, kombiniert mit einem Karbonriemen statt der üblichen Kette, die Gangabstimmung selbstständig in Abhängigkeit von Tempo, Trittfrequenz und -stärke und sogar vom Neigungsgrad des Bikes.

Wer meist in der Ebene unterwegs ist und deshalb selten die Frequenz an wechselnde topografische Umstände anpassen muss, ist mit dieser Schaltung sicher gut bedient. Einen etwas zwiespältigen Eindruck hinterließ die Automatik bei Testfahrten im hügeligen Oberbayern.

Das Fahren mit dem Turbo Como 5.0 IGH ist sehr komfortabel. Dafür sorgen die Rockshox-Vordergabel mit 80 Millimetern Federweg und die Sattelstütze, die bis zu 40 Millimeter wegfedern kann. Außerdem filtern schon die sehr leise laufenden und voluminösen Pathfinder-Sport-Reflect-Reifen ziemlich viele Straßenunebenheiten weg.

Fazit: Unterm Strich durchaus positive, wenn es denn richtig eingesetzt wird. Das Pedelec verwöhnt mit hohem Fahrkomfort, Stabilität und einer Automatik, die fast an die Fähigkeiten einer guten Kettenschaltung herankommt. Der Riemenantrieb ist praktisch wartungsfrei, die App lässt vielfältige Einstellmöglichkeiten zu, und sowohl die Kraft des Specialized-Motors, als auch die Akku-Kapazität passen gut zu einem klassischen Pendler- und Tourenbike.

Rockrider E-ACTV 900 von Decathlon im Test

Der Rockrider E-ACTV 900 von Sport-Riese Decathlon mischt für 2700 Euro kräftig den Markt auf. Doch kann es auch im Alltag überzeugen? Test!

Die Firma hinter dem Motor nennt sich E2 Drives, gestartet sind sie 2023 mit dem eben genannten Mittelmotor. Die Firma stammt aus Belgien, der Motor selbst wird laut Hersteller-Webseite gar in der Decathlon-Heimat Frankreich gefertigt. Auch die Eckdaten lesen sich nicht minder beeindruckend: 65 bis maximal 120 Nm soll er leisten können, typische 600 Watt in der Spitze bei gesetzeskonformen 250 Watt Dauerleistung sollen drin sein. Der Owuru hat nämlich ein integriertes, stufenlos schaltendes CVT-Getriebe.

Der Owuru-Motor schaltet wirklich automatisch und so sanft und unmerklich, dass es eine wahre Freude ist, mal einfach nur treten und lenken zu müssen. Und das Beste: Im Alltag funktionierte dieses Killer-Feature wirklich ausgesprochen gut. Stopp an der Ampel? Direkt ohne Fahrer-Input wieder im richtigen Gang. Schnelles "herunterschalten" bei Bergfahrten? Völlig unmerklich - und dank der deftigen Bandbreite auch für steile Rampen gut geeignet.

Größte Überraschung ist jedoch das CVT-Getriebe. Autokenner wissen um die technische Raffinesse der "stufenlosen Schaltung": Sie verändert die Übersetzung kontinuierlich durch zwei kegelförmige Scheiben und einen Riemen, sodass der Motor stets im optimalen Drehzahlbereich läuft. Dadurch gibt es keine festen Gänge, sondern eine stufenlose Anpassung an die Fahrbedingungen und entsprechend auch keine manuelle Eingriffsmöglichkeit, wie man das von einer Naben- oder Kettenschaltung kennt.

Test-Fazit: Insgesamt gehen die Fahrleistungen für innerstädtischen Einsatz und leichte Touren voll in Ordnung. Loben müssen wir das Getriebe, das quasi unmerklich schaltet und über eine ausreichend breite Gangspreizung verfügt. Der Motor ist kräftig, der Akku für Stadt und Tour prima gewählt.

Tabelle: Vergleich der getesteten E-Bike Automatiksysteme
Merkmal Enviolo Automatiq Pinion MGU E1.12 Bosch eShift
Typ Stufenlose Nabenschaltung Integriertes Schaltgetriebe im Mittelmotor Automatische Kettenschaltung
Schaltvorgang Vollautomatisch Teilautomatisch (Herunterschalten automatisch, Hochschalten manuell) Vollautomatisch
Einsatzbereich Trekking, Stadt Trekking, E-MTB E-MTB, E-Gravel
Vorteile Benutzerfreundlich, wartungsarm Hohe Leistung, schaltet auch ohne Batteriestrom Integration in Bosch Smart System, geeignet für Offroad-Einsteiger
Nachteile Funktioniert nicht ohne Batteriestrom Manuelles Hochschalten erforderlich Schaltvorgänge unter Last nicht optimal,Hyperglide Kassette

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