Bosch eShift steht für eine Technologie, die elektronisches Schalten für verschiedene Varianten von Naben- und Kettenschaltungen ermöglichen soll. Die Technologie sorgt bei E-Bikes wie Gravelbike oder E-MTB für einen sanften Gangwechsel. Beim Schaltvorgang wird deshalb der Motor automatisch für einen Sekundenbruchteil gedrosselt, um einen neuen Gang optimal und ohne Geräusche einlegen zu können. Bosch eShift soll nach einem aktuellen Upgrade der Technik den Gangwechsel noch einfacher, effizienter und bequemer gestalten.
So funktioniert Bosch eShift
Laut Bosch liegen die Vorteile bei der Nutzung von eShift beim E-Gravelbike oder E-MTB in vielen Bereichen. Manuelle Gangwechsel gehen damit einfacher und effizienter vonstatten. Gangwechsel erfolgen lautlos. Der Materialverschleiß am Antrieb kann reduziert werden. Der wohl positivste Effekt aber ist, dass das Thema “verschalten” fortan der Vergangenheit angehören soll.
Alternativ zum manuellen Schalten via eShift lässt sich die Technologie bequem über die Bosch-App eBike Flow oder die Displays Kiox 500, Kiox 300 oder Purion 200 direkt am Bike auch auf vollautomatisch umschalten. Voraussetzung derzeit: Eine TRP E.A.S.I. A12 ist im Einsatz. Die erste automatische Kettenschaltung im smarten System ist speziell für E-MTBs und E-Gravelbikes konzipiert und als eShift Lösung ausschließlich in Kombination mit den Bosch Motoren Performance Line CX und Performance Line SX erhältlich. Bei der automatischen Schaltung lässt sich der jeweilige Gang dann individuell an eine in der App eingestellte Trittfrequenz anpassen.
Für die Praxis bedeutet eShift laut Bosch eBikes Systems einen enormen Komfortgewinn. Weil je nach Einstellung, die zum Einsatz kommt, die Fahrenden entweder selbst schalten oder eShift automatisch für sie schaltet. Während man in „seinem individuellen Wohlfühlbereich gleichmäßig“ (so Bosch) weiter in die Pedale tritt.
Bosch eShift im schnellen Überblick:
- Geeignet für Bosch-E-Bike-Motoren Performance Line CX und Performance Line SX (im smarten System)
- Automatik-Schaltung einstellbar über: eBike Flow App, Kiox 500, Kiox 300 oder Purion 200
- Empfohlene Trittfrequenz für Automatik-Schaltung:
- Sportliches Fahren Trittfrequenz ab 75 Umdrehungen pro Minute (U/min)
- Moderates Fahren mit einer Trittfrequenz von unter 60 U/min
Im Praxistest: So bequem schaltet man heutzutage mit dem E-Bike
IMTEST hat Bosch eShift mit einem E-Gravelbike im Hamburger Stadtgebiet sowie auf unbefestigten Wegen in den südlich der Hansestadt gelegenen Harburger Bergen bei ausgiebigen Fahrten getestet. Neu ist, das Bosch eBike Systems zu den bisher verfügbaren eShift-Unterstützung für Schaltungen von Rohloff-, 3X3- und enviolo nun auch Schaltungen von TRP und Shimano in das smarte System eingebunden hat. Für seine Testfahrten ist IMTEST ein E-Gravelbike mit aktueller TRP-Schaltung gefahren - die auch für automatische Schalprozesse konzipiert ist.
Die Einstellungen für die automatische Gangwahl beim Test-Rad (über die eBike Flow-App und auch über das Kiox 300-Display am Rad) ließen sich problemlos bewältigen. Einmal eingestellt schaltete das Rad entsprechend der Vorgaben fehlerfrei bei Erreichen einer zuvor individuell definierten Trittfrequenz automatisch ein Gang höher oder entsprechend runter. Getreu dem Bosch-Motto: „Weniger Fokus auf den korrekten Schaltmoment, mehr Spaß am Fahren“.
Obwohl es keinerlei Grund zum Nörgeln an der reibungslosen Funktionsweise des automatischen Schaltvorgangs gab, erwies sich bei den - teils sehr sportlichen - Testfahrten die manuelle e-Shift-Funktion doch als praktikabler. Die Gänge flutschten reibungslos auf die Ritzel, sobald der Schalthebel mit nur einem leichten Fingertipp berührt wird. Festzuhalten bleibt: Treten, Schalten, Wahl der Unterstützungsstufen förmlich wie aus einem Guss. Gerade wenn man sich auf unwegsamen Pisten auf die Streckenführung konzentrieren muss, ist das eine sehr angenehme und hilfreiche Unterstützung.
Als praktisch erwies sich, wenn man lieber selber schaltet, man jederzeit während der Fahrt über einen einfachen Tastendruck auf dem Schalthebel zurück in den manuellen Betrieb wechseln kann. Die Displays Kiox und Purion oder der Ride Screen auf dem Smartphone zeigen dabei stets den aktuellen Modus sowie den eingelegten Gang an.
Mit RollShift beim Rollen automatisch runterschalten
Eine Funktion von Bosh eShift, die für die automatische Gangwahl spricht, ist RollShift. Hierbei wechselt das Schaltwerk beim Verringern oder Beschleunigen der Geschwindigkeit während einer Rollphase ohne Pedalieren automatisch in den jeweils passenden Gang. So gelingt der Übergang beim Wiederantritt besonders flüssig. Auch beim manuellen Schalten kann während der Rollphase vor dem Wiederantreten der passende Gang eingelegt werden.
Wie geht es bei der elektronischen Schaltung weiter?
Bosch hat weiterhin Großes vor mit seiner eShift-Technologie. E-Bikes mit der Schaltung „enviolo AUTOMATIQ“, die einen Bosch-Motor wie den Performance Line CX oder den Perfomance Line SX (beide im smarten System) nutzen, erhalten 2025 ein Update für die Bosch eShift-Technologie. Dann soll sich mit der stufenlosen, automatischen Nabenschaltung in Kombination auch für die enviolo AUTOMATIQ eine Wunsch-Trittfrequenz einstellen lassen. Zudem soll sich für „geschmeidiges Anfahren“ nach einem Ampelstopp, in der enviolo App oder der eBike Flow-App zudem einen vordefinierter Anfahrgang bestimmen lassen.
Bosch eShift zusätzlich in der eBike Flow App individualisierbar
Für einfaches Anfahren nach einem Stopp: Die Funktion Auto-Downshift schaltet bei einem Stopp automatisch in einen niedrigeren Gang, um das Anfahren zu erleichtern. Das hilft E-Bike-Fahrenden von schweren E-Cargo-Bikes an der Ampel genauso wie abseits befestiger Pisten etwa am Berg. Welcher Gang dafür je der richtige ist, soll sich ab ab Herbst 2024 individuell über die eBike Flow-App festlegen lassen - ganz nach persönlichem Geschmack. Außerdem lässt sich laut Bosch das Feature über die eBike Flow-App auch nach Belieben aktivieren oder deaktivieren. Auto-Downshift soll in Verbindung mit den eShift-Schaltungen von 3X3 und Rohloff ab Herbst 2024 verfügbar sein.
E-Mountainbikes vernetzen sich immer mehr und machen auch vor automatischem Schalten nicht halt. Jetzt mischt sich auch der E-Bike-Motoren-Gigant Bosch ein und erweitert sein Smart System um eine Automatikschaltung für E-Mountainbikes namens eShift.
Obwohl automatisches Schalten an E-MTBs nichts Neues ist, hat es den Markt noch nicht breit erobert. Doch der Startschuss ist bereits gesetzt: 2022 hat der Komponenten-Riese Shimano seine Shimano XT Di2-Schaltgruppe mit Autoshift-Funktion vorgestellt, ein Jahr später hat SRAM mit dem neuen Powertrain-Motorsystem und integrierter Automatikschaltung nachgelegt. Nun zieht Bosch auch im E-MTB-Bereich nach und ermöglicht mit ihrem Bosch eShift genannten System das vollautomatische Schalten an E-MTBs und auch E-Gravel-Bikes mit Kettenschaltungen.
Die Stuttgarter wissen, wovon sie sprechen, bereits 2014 haben sie ihre ersten Lösungen für elektronisches Schalten zur Marktreife gebracht und voll- und halbautomatisches Schalten im urbanen Bereich ermöglicht. Für den sportlichen Einsatz an E-MTBs hat Bosch mit dem taiwanesischen Komponenten-Riesen TRP zusammengearbeitet. Bosch stellt mit der eShift-Funktion die Software bereit, TRP liefert die nötige Hardware in Form der neuen elektrischen E.A.S.I. A12-Schaltgruppe. Die 12-fach-Gruppe zieht ihren Strom direkt aus dem Hauptakku und hat eine Bandbreite von 520 %. Damit kann sie locker mit der Konkurrenz von SRAM und Shimano mithalten, die ebenfalls auf 520 % Übersetzungsbandbreite oder weniger setzen. Optisch sorgt das System für einen cleanes Cockpit, denn der Schalthebel sitzt unauffällig rechts am Lenker und kommuniziert kabellos mit dem Schaltwerk.
In Kombination mit der Software stehen einem dann verschiedene Schaltfunktionen zur Wahl wie Schalten ohne Pedalieren oder vollautomatisches Schalten. Beim vollautomatischen Schalten wird der Gang durch einen Schaltalgorithmus an die jeweilige Fahrsituation angepasst. Hält man den mittleren Button der Bosch Mini Remote gedrückt, lässt sich die Trittfrequenz zwischen 40 und 120 Umdrehungen in 5er-Schritten definieren. Für den Gangwechsel dreht der Motor das Kettenblatt selbständig an - das Hoch- und Runterschalten erfolgt damit automatisch.
Teamwork: TRP Schaltung und Bosch Algorithmus
Wie jede Automatik-Schaltung arbeitet auch das Bosch-System mit zwei Komponenten. Auf der Hardware-Seite steht aktuell die gemeinsam mit Bosch neu vorgestellte E.A.S.I.-Schaltung von TRP. Sie arbeitet nach dem Prinzip einer herkömmlichen Kettenschaltung und sortiert zwölf Gänge. Die Bandbreite liegt - typisch Mountainbike - um 500 %. So stehen sowohl kleine Berggänge als auch große Gänge für schnelle Abfahrten bereit. Damit hebt sich das neue eShift-System von bisherigen Automatik-Schaltungen mit Bosch ab. Der zweite und vielleicht noch wichtigere Teil des Systems ist der Automatik-Algorithmus. Er sitzt in den Steuereinheiten von Bosch und bestimmt, wann welcher Schaltvorgang durchgeführt werden soll.
Kompatibel sind prinzipiell alle Bikes mit Boschs Smart System, die Schaltung selbst wird aber aktuell nicht als Nachrüst-Teil verkauft. Geschaltet wird natürlich elektronisch, der Saft dafür kommt per Kabel aus dem Haupt-Akku des E-Bikes.
Bosch eShift in der Praxis: So fährt sich die Schaltautomatik
Im Rahmen unserer Tests mit dem neuen Bosch Performance CX konnten wir uns mit einem Prototypen-Bike von Boschs neuer Schaltautomatik einen genauen Eindruck verschaffen. Das Setup der Schaltautomatik ist denkbar einfach. Trittfrequenz einstellen, aufsteigen und losfahren! Ein- und Ausschalten sowie Einstellen lässt sich die Automatik über den zusätzlichen Knopf am Shifter, das E-Bike Menü (Kiox, Purion 200, Purion 400) oder über die Bosch-App eBike Flow.
In der Praxis arbeitet eShift meist unkompliziert und stellt im gleichmäßigen Betrieb zuverlässig sinnvolle Trittfrequenzen ein. So zum Beispiel beim Pendeln oder auf dem Weg zum Trail. Allerdings: Schon hier fällt auf, dass die Gangwechsel der TRP unter Last manchmal etwas hakelig sind. Bei Automatik-Schaltungen ein besonderes Problem, schließlich kann der Fahrer den Schaltvorgang nicht mehr antizipieren und dafür etwas Last aus dem Pedal nehmen. Leider ist das System selbst mit moderatem Anbremsen für Stopps wie an einer roten Ampel überfordert. Der Schaltvorgang in einen kleinen Gang zum Anfahren wird dann zwar eingeleitet aber nicht abgeschlossen. Fährt man wieder an, quittiert die Schaltung das oftmals mit einem lauten metallischen Klonk, wenn die Kassette durch mehrere Gangwechsel auf einmal malträtiert wird. Hier dürfte es auch eine Rolle spielen, dass die TRP-Schaltung aktuell noch mit einer klassischen Hyperglide-Kassette zusammenarbeitet. Anders als Shimanos Linkglide oder Srams Transmission-Kassetten ist diese nicht für das Schalten unter Last konzipiert.
Bosch eShift auf dem Trail: Kann die Automatik hier punkten?
Die wenig geschmeidigen Schaltvorgänge mit hoher Motorpower werden Boschs eShift-Schaltung in Kombination mit TRP auch auf dem Trail zum Verhängnis. Hier scheint der Bosch-Algorithmus zwar grundsätzlich gut zu arbeiten. Das metallische Geräusch, wenn die Kassette mitten im steilen Anstieg mit einem Gangwechsel malträtiert wird, bringt einen aber leicht aus dem Tritt. Von zusätzlichem Komfort durch die Schalt-Automatik kann man hier kaum sprechen. Auch beim Materialverschleiß dürfte sich die Hyperglide bemerkbar machen.
Wie alle Automatik-Schaltungen hat Boschs eShift System außerdem das Problem, dass sie nur reagieren, aber nicht vorausschauen kann. Nimmt man zum Beispiel im Uphill vor einer Geländestufe Tempo auf, schaltet das System viel zu schnell in einen für die Stufe unpassenden, schweren Gang. Ändert sich das Gefälle plötzlich, reagiert die Automatik oft zu langsam. Für anspruchsvolle Uphills oder stark wechselndes Gefälle würden wir daher in jedem Fall in den manuellen Modus wechseln. Kein exklusives Bosch-Problem, denn auch die Systeme von Sram und Shimano haben in diesem Einsatzszenario systembedingt klare Schwächen.
Lob gibt’s dafür für die Bedienung des eShift-Systems. Die Einstellung der Trittfrequenz ist simpel aufgebaut und in wenigen Sekunden erledigt. Der elektronische Shifter von TRP kommt ohne Kabel aus und überzeugt mit definiertem Feedback und wenig Verwechslungsgefahr bei den Schalthebeln - das war bei anderen Elektro-Shiftern schon deutlich schlechter. Nur der zusätzliche Knopf zum Ein- oder Ausschalten der Automatik könnte noch etwas klareres Feedback geben.
Tabelle 1: Vergleich von eShift mit anderen Systemen
| Merkmal | Bosch eShift | Shimano XT Di2 Autoshift | SRAM Eagle Powertrain |
|---|---|---|---|
| Automatisches Schalten | Ja | Ja | Ja |
| Manuelles Übersteuern | Ja | Ja | Ja |
| Schalten im Rollen | Ja (Rollshift) | Ja (Freeshift) | Ja |
| Anpassung der Trittfrequenz | Ja | Ja | Nein |
| Integration | Bosch Smart System | Shimano EP801/EP6 | SRAM Powertrain |
Das bedeutet, die elektronisch schaltende Hinterradnabe und der E-Antrieb sind miteinander verknüpft und kommunizieren auf direktem Wege. Der große Vorteil solcher Lösungen besteht in der nahtlosen Abstimmung zwischen Schaltung und Motor. So sorgt eShift dafür, dass der Motor beim Schaltvorgang für den Bruchteil einer Sekunde aussetzt, um den Gangwechsel optimal ablaufen zu lassen. Die Unterbrechung ist so kurz, dass das Schalten trotzdem während des Tretens unter Last präzise, zuverlässig und ruckelfrei möglich ist.
Unter ergonomischen Gesichtspunkten ist der Trigger der 3X3 gut gelöst. Bei der Integration der 3X3 Nine hat sich der Hersteller für die Variante entschieden, bei der ihr manuell schaltet. Dafür drückt ihr eine der beiden Tasten des kabellosen Triggers. Gewechselt wird der Gang mit einer kleinen Verzögerung. Das System wartet den Moment ab, in dem die Pedalstellung optimal ist. Der Gang, in den ihr wechselt, erscheint gleichzeitig kurz auf dem Display des E-Bikes - falls ihr mit einem fahrt. Auf einen kurzen Druck auf den Trigger folgt der Wechsel um einen Gang. Bleibt ihr länger auf der jeweiligen Taste, schaltet das System in Dreierschritten weiter.
Analog zu den ebenfalls in eShift verfügbaren Nabenschaltungen von Enviolo wurde die Funktion Auto-Downshift umgesetzt. Kommt ihr während einer Fahrt zum Stehen, schaltet das System automatisch in einen Gang, der ihn zuvor für das Losfahren voreingestellt habt. Die entsprechende Auswahl trefft ihr in der eBike Flow App oder auf dem jeweiligen Display. Infrage kommen dafür Kiox 300, Kiox 500 sowie Intuvia 100.
Neben der eigentlichen Schaltnabe gehören der bereits erwähnte Schalthebel sowie der Aktuator am Hinterrad zum System der 3X3 Shift E9. Den Trigger versorgt eine Knopfzelle mit dem nötigen Strom, um die Schaltvorgänge zu initiieren. Dagegen ist der Aktuator über eine Steckverbindung an das E-Bike-System angeschlossen. Diese lässt sich recht einfach anstecken und abziehen, was den Ausbau des Hinterrads erleichtert.
Für das Smart System von Bosch Bosch sind damit aktuell drei Hersteller von Nabenschaltungen bei eShift im Boot. Zusätzlich zu 3X3 sind das Enviolo und Rohloff.
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