FAZUA Ride 60: Ein umfassender Test des E-Bike-Antriebs und des neuesten Software-Updates

FAZUA - ein Vorreiter bei Light-Assist-Antrieben präsentierte mit dem Ride 60 seinen neuesten Motor. Der bayerische Hersteller für kompakte Mittelmotoren fertigte 2017 im Werk in Ottobrunn seinen ersten Antrieb. Mit dem Launch des Ride 60 im Jahr 2022 kam die zweite Mittelmotor-Generation auf den Markt.

Was ist neu am FAZUA Ride 60 Softwareupdate?

Mit dem neuen Software-Update „Bundle 12“ verpasst der bayerische Motorenhersteller FAZUA seinem Ride 60-System ein Performance-Upgrade: schnelleres Ansprechverhalten, dynamischer KickOverrun, feinere Dosierbarkeit. Mit dem Firmware-Bundle 12 will FAZUA das Fahrgefühl seines Antriebssystems spürbar verbessern. An den technischen Eckdaten des FAZUA Ride 60 ändert sich mit dem Firmware-Update Bundle 12 erstmal nichts. Es bleibt bei 60 Nm Drehmoment und 450 W Spitzenleistung im Boost-Modus. Laut FAZUA soll sich der Ride 60 durch das Update spürbar intuitiver, feinfühliger und natürlicher fahren.

Installation des Software-Updates

Um das Update durchzuführen, verbindet man den Computer und den FAZUA Ride 60 LED Hub mit einem USB-C-Kabel. Dazu hebt man einfach das Display des LED Hub vorne an, um den Steckverbinder zu erreichen. Das E-Bike schaltet man ein und startet die Toolbox, die sich dann automatisch mit dem Bike verbindet. Unter der Kategorie „Update“ startet man dann den Update-Prozess und wählt „Local“ als Quelle für das Update-Bundle aus und benennt dann euren Firmware Bundle 12 Download File. Alternativ kann man als Quelle „Online“ klicken und dort das Firmware Bundle 12 auswählen.

Individuelle Anpassung in der App

In der App lassen sich wie gewohnt die drei Fahrmodi Breeze, River und Rocket individuell anpassen. Dabei stehen drei Parameter zur Verfügung: das Unterstützungsverhältnis (also das Verhältnis von Motor- zu Fahrerleistung), die maximale Motorleistung sowie die Dynamik, mit der der Motor auf Veränderungen der Trittleistung reagiert. Die Einstellung kann man entweder über ein intuitives Diagramm vornehmen, in dem sich die Kurvenpunkte verschieben lassen, oder durch die direkte Eingabe von Zahlenwerten. Ein vollständiges Set aus Einstellungen für alle drei Modi kann unter einem frei wählbaren Namen gespeichert werden. So kann man das Motorsystem bei Bedarf schnell und einfach an unterschiedliche Tourenprofile anpassen. Auch einige Voreinstellungen vom Hersteller sind verfügbar.

Für den Vergleich der Fahreigenschaften vor und nach dem Update haben wir den Modus River mit moderatem Unterstützungsverhältnis und mittlerer Dynamik eingestellt, um die Modulation des Motors zu testen.

Wie schlägt sich der FAZUA Ride 60 mit neuem Software Update auf dem Trail?

Zum Testen hatten wir das Santa Cruz Heckler SL mit der aktuellen FAZUA Mode Control und dem Software Update Bundle 12 dabei. Zum Vergleich haben wir das YT DECOY SN MX mit dem FAZUA Ring Control und dem Software Update Bundle 10 mitgetestet. Die in der FAZUA Toolbox angezeigten Hardware-Versionen von Motor, Torque Sensor, Batterie und Display sind identisch. Dies erlaubt uns den mehrfachen Quervergleich der Software-Stände.

Ab auf den Trail: Tritt man beim YT DECOY SN MX mit dem bisherigen Software-Stand in die Pedale, dauert es einen Moment, bis der Motor einsetzt. Man muss also zunächst mit Muskelkraft anrollen und ist dann für den etwas später einsetzenden Motorstart dankbar. Stoppt man das Pedalieren plötzlich, läuft der Motor noch etwas nach und beendet dann jedoch deutlich spürbar die Unterstützung. Verringert man stattdessen sanft die Kraft auf die Pedale, passt sich der Motor daran an und regelt die Unterstützung feinfühlig herunter. Das Anfahren gelingt nach dem Update mit dem Santa Cruz Heckler SL deutlich besser, indem spürbar weniger Kurbelbewegung notwendig ist, bis die Unterstützung einsetzt. Wie stark der Motor zu Beginn unterstützt, ist logischerweise von den Konfigurationswerten des jeweiligen Fahrmodus abhängig. Die schnellere Reaktion des Motors auf den Fahrer-Input macht sich aber angenehm bemerkbar. Auch die Dosierung der Motorpower erscheint deutlich geschmeidiger. Zudem entfallen die Klackgeräusche des Motorfreilaufs, die man bei dynamischen Veränderungen der Motorunterstützung immer wieder vernehmen konnte.

Die KickOverrun-Funktion

Die größte Neuerung ist die KickOverrun-Funktion, die im technischen Uphill einen spürbare Hilfe bietet. Der Motor läuft noch deutlich länger nach, sobald kein Input mehr auf die Pedale kommt. Die Dauer des Nachlaufs hängt dabei vom zuvor eingebrachten Pedalimpuls ab: sanfter Impuls, kurzer Nachlauf - kraftvoller Impuls, langer Nachlauf. Mehr als zwei Meter sind allerdings gesetzlich nicht drin. Anfangs benötigt man etwas Übung, um genau zu verstehen, wann der KickOverrun einsetzt und wie lange er nachschiebt. Nach etwas Zeit mit dem System funktioniert das aber intuitiv. Wichtig: Der KickOverrun kann nur erfolgen, wenn man zuvor pedaliert hat. Besonders hilfreich ist der KickOverrun beim Anrollen auf Hindernisse wie Stufen: Statt durchzutreten und das Risiko einzugehen, mit dem Pedal hängen zu bleiben, hört man im richtigen Moment auf zu treten und gibt einen kräftigen Pedalimpuls. Der Motor schiebt dann kontrolliert nach und hilft euch, das Bike sauber über das Hindernis zu bringen.Die Standby-Zeit, nach der der Motor bei Nichtnutzung des Bikes abschaltet, wurde auf 10 Minuten verlängert. Beim Warten auf eure Trailbuddies, beispielsweise am Ende eines Trails, ist das hilfreich, insbesondere aber dann, wenn die Fahrdaten mit der App aufgezeichnet werden sollen. Denn auch diese Aufzeichnung stoppt, wenn der Motor abschaltet und die Verbindung zur App unterbrochen wird. In der App muss diese Verbindung dann aktiv wiederhergestellt und die Aufzeichnung wieder gestartet werden.

Nachteile des Updates?

Wir kamen mit dem YT DECOY SN MX mit dem bisherigen Softwarestand an steilen Sektionen oder Treppen immer etwas weiter als mit dem Santa Cruz Heckler SL mit dem Software-Update. Dieser Eindruck hat sich bestätigt, als wir auch das YT DECOY SN mit dem neuen Update ausgestattet haben. Zunächst waren wir überrascht: Im Vergleich wirkte das Bike an derselben Teststelle weniger durchzugsstark und das, obwohl wir den Modus Rocket mit maximaler Dynamik eingestellt hatten.Erklärung: Eine hohe Dynamik sorgt zwar dafür, dass das Motormoment schnell aufgebaut wird, lässt es aber ebenso schnell wieder abfallen, beispielsweise wenn sich die Kurbeln kurz im Totpunkt befinden oder die Kadenz stark schwankt. Genau das war an den getesteten Stufen und Hindernissen der Fall. Durch die geringere Dynamik im River-Modus wurde das Motormoment langsamer hoch- und auch langsamer wieder abgebaut und der Schub über eine längere Zeit erhalten.

Fazua Ride 60 im Detail

Der Fazua Ride 60 Motor findet seinen optimalen Einsatz vor allem in zwei Anwendungsbereichen: Zum einen wird er im urbanen Bereich verwendet, beispielsweise in der Riese & Müller UBN Reihe, die wie gemacht für die Stadt ist. Der leichte, schlichte und optisch ansprechende Motor eignet sich perfekt für den urbanen Lebensstil, wo Effizienz und Stil gleichermaßen gefragt sind. Außerdem steht hier ein dynamisches Fahren im Vordergrund, bei dem man mühelos an seinem Ziel ankommt. Aber nicht nur im urbanen Kontext, sondern auch im e-Mountainbike Bereich ist der Fazua Ride 60 Motor eine beliebte Wahl. Marken wie Focus oder Santa Cruz setzen auf die Qualität und Effektivität dieses Motors im e-MTB-Segment.Der Fazua Ride 60 Motor zeichnet sich durch seine herausragende Leistung bei niedrigen Trittfrequenzen aus. Dies ermöglicht dir als Fahrer:in ein effizientes Vorankommen, selbst bei langsameren Pedalbewegungen. Sowohl bei Geschwindigkeiten jenseits der 25 km/h als auch ohne Motorunterstützung bleibt das Fahrgefühl flüssig.Die angebotenen Unterstützungsstufen beim Fazua Ride 60 kannst du mittels App individualisieren. Wähle dazu aus den drei vorgestellten Fahrmodi deinen Favoriten aus und personalisiere ihn nach deinen Bedürfnissen. Bei der Namensgebung war Fazua besonders kreativ und hat den drei Unterstützungsstufen die Namen “Breeze, River und Rocket” gegeben - eben ganz passend zu den jeweiligen Einsatzbereichen:
  • Breeze steht für sanften und konstanten Rückenwind, auch bei geringer Tretleistung.
  • River steht für Progressivität und Geschwindigkeit. Je höher deine Tretleistung, desto stärker die Unterstützung.
Um die vollen 450 Watt Leistung herauszukitzeln, musst du in den Boost-Modus schalten.Der Fazua Ride 60 lässt sich aufgrund seiner besonderen Bauform ausgezeichnet in die Rahmenkonstruktion eines e-Bikes integrieren. Der gesamte längliche Teil verschwindet im Unterrohr des Rahmens, sodass der Motor, zumindest optisch, besonders unscheinbar anmutet und nicht als solcher zu erkennen ist.Technische Daten des Fazua Ride 60
Gewicht:2,0 Kilo
Akkugrößen:430 Wh (2,2 kg)
Fahrstufen:Breeze / River / Rocket + kurzzeitiger Boost-Modus
Leistungsdaten (max.) aus dem Labor:60 Newtonmeter, 348 Watt (437 Watt kurzfristig im Boost Modus)

Akkus und Reichweite

Für den Ride 60 gibt es aktuell ausschließlich 430 Wattstunden (2,25 kg) - entweder zur klassischen Klappentnahme oder zur festen Installation im Unterrohr. Hervorzuheben ist die Reichweite des Fazua Ride 60. In all unseren Tests schnitten Bikes mit dem Fazua-Antrieb und 430er-Akku überdurchschnittlich gut ab.

Bereits bei der Einführung des Ride 60 vor über zwei Jahren war die Rede von einem Range Extender. Dieser lässt jedoch bis heute auf sich warten. Nach neuesten Informationen von Fazua soll der Zusatz-Akku aber Ende 2024 endgültig auf den Markt kommen. Die angekündigten Fakten: 215 Wattstunden und 1,1 Kilo.

Display und Remote

Übersichtlich und schlicht: Das gilt sowohl für die Auswahl als auch für den Informationsgehalt bei Fazuas Bedienelementen. Fünf farbige LEDs im Oberrohr informieren über Akkustand und U-Stufe - mehr Display gibt es nicht. Bedient wird das System über die Ring-Control. Das klappt intuitiv, doch die Haptik könnte wertiger sein. Das Kunststoffteil wirkt etwas wackelig und bietet kein ideales Feedback bei der Bedienung. Dafür sitzt es schlank und schlicht am Griff und ist in jeder Situation top erreichbar.

In der LED-Einheit auf dem Oberrohr ist eine USB-C-Buchse integriert. Hier können Gadgets wie Smartphone oder GPS geladen werden, oder die Toolbox-Software für Firmware-Updates angeschlossen werden.

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