MAHLE M40 E-Bike-Motor im Test: Ein neuer Player auf dem Markt?

Mit dem M40 bringt Hersteller MAHLE seinen ersten offiziell eigenen Mittelmotor auf den Markt. MAHLE ist einer der weltweit größten Automobilzulieferer mit Hauptsitz in Stuttgart.

Der neue MAHLE M40 ist der erste Mittelmotor unter eigenem Label und mit 105 Nm und maximal 850 W auf dem Papier überraschend leistungsstark. Auch Features wie Automatic Hill Brake sollen auf dem Trail überzeugen. Wie sich der MAHLE M40 schlägt, was es mit unserem Testbike auf sich hat und welche E-MTBs mit dem neuen Motor kommen, lest ihr in unserem Test!

Die E-Bike-Abteilung sitzt jedoch im spanischen Palencia, knapp drei Autostunden nördlich von Madrid. Dort tüfteln rund 150 Mitarbeiter - darunter 115 Ingenieure - an der Zukunft der E-Bike-Motoren.

MAHLE in der E-Bike-Welt

Und das ist durchaus ein Statement, denn auch wenn der Name für viele noch neu klingt, ist MAHLE in der E-Bike-Welt längst kein unbeschriebenes Blatt mehr. Viele von euch sind wahrscheinlich schon MAHLE gefahren - ohne es zu wissen.

Denn faktisch ist es bereits der dritte E-Bike-Mittelmotor, den MAHLE produziert: Die ersten beiden werkelten unter dem Namen Specialized Levo SL 1.1 und 1.2 im Specialized Turbo Levo SL, entwickelt in enger Zusammenarbeit mit den Kaliforniern. MAHLE ist schon seit Jahren Systemanbieter - allerdings bislang primär mit Nabenmotoren in Gravel-, Road- und Urban-Bikes.

Der MAHLE M40 im Detail

Der M40 ist MAHLEs Solo-Debüt - ein kompakter 2,5-Kilo-Motor, der mit 105 Nm Drehmoment und 850 W Spitzenleistung auf dem Papier ordentlich Power liefern soll. Der neue MAHLE M40 E-Bike-Motor wirkt optisch kompakt und ist in seiner Größe vergleichbar mit dem Shimano EP801 und soll fast so klein sein wie der Specialized Levo SL 1.2 Motor.

Beim Gewicht unterbietet er sogar den etablierten Bosch Performance Line CX (2,9 kg) deutlich: Mit nur 2,5 kg gehört der M40 zu den leichtesten Motoren seiner Klasse und ist sogar etwas leichter als der DJI Avinox M1 Motor mit seinen 2,52 kg. Möglich macht das ein extrem leichtes Magnesiumgehäuse sowie ein Innenleben, das auf eine hohe Leistungsdichte getrimmt wurde.

Trotz seines schlanken Gewichts und geringen Volumens liefert der M40 beeindruckende Eckdaten: bis zu 105 Nm Drehmoment und 850 W Spitzenleistung. MAHLE geht mit dem M40 in Vorleistung - ob das langfristig aufgeht, wird sich zeigen.

Das 48V-System hat laut Aussage der Spanier die höchste Effizienz im High Support, sprich in den höchsten Unterstützungsstufen. Die maximale Peak-Leistung erreicht der Motor bei einer angenehmen 90er-Kadenz, die für sportliche Fahrer auf dem E-MTB gut zu treten und konstant zu halten ist. Auch verspricht MAHLE ein sehr gutes Wärmemanagement.

Laut MAHLE hält das M40-System die maximale Leistung von 850 W deutlich länger als viele Konkurrenten: ganze 12 Minuten unter Volllast, bevor es nur schrittweise ins De-Rating geht.

Akkus und Ladevorgang

Beide Akkus teilen sich das gleiche Gehäuseformat, unterscheiden sich aber in der Länge. Geladen wird über das MAHLE M40-Motorsystem mit dem M Active Charger mit 4 A, also leider kein Fast Charging. Dafür lässt sich das Ladegerät mit seinen integrierten Halterungen einfach an der Werkstattwand montieren.

Damit liegt das MAHLE-System im Lade-Ranking unseres großen Vergleichstests auf Platz drei: schneller als Bosch und Shimano, aber hinter den Schnellladern von DJI und Specialized.

Display und Remote

Übersicht über das Motorsystem behält man mithilfe der Head Unit+ im Oberrohr. Die ist funktional, jedoch nicht so sauber integriert wie die Displays von TQ, DJI, Specialized oder das neue Bosch Kiox 400C-Display und damit optisch bereits bei Release nicht mehr state of the art. Schade!

Das 1,9” große Farbdisplay hat einen recht großen Rand und verschenkt somit Display-Fläche. Es wird über einen kleinen gummierten Knopf am unteren Ende bedient und bietet auch die Möglichkeit, durch die Modis in eine Richtung durch zu schalten. Immerhin: Das HMI (Human Machine Interface) ist auch mit anderen Antriebssystemen wie MAHLEs Nabenmotoren kompatibel.

Besser gefällt uns die neue Trio Wireless Remote. Die kabellose Lenkereinheit wirkt aufgeräumt, bietet spürbar bessere Haptik als viele klassische Trigger (sorry, SRAM!) und punktet mit drei gummierten Tasten, mit denen man durch Modi oder Menüs wechseln kann. Die Bluetooth-Verbindung sorgt für saubere Integration ohne Kabelsalat - gefällt!

Einzig die vergleichsweise hohe Bauform fällt etwas negativ auf: Die Remote steht leicht vom Lenker ab und könnte bei einem Crash beschädigt werden.

My SmartBike App

Mit der My SmartBike App lässt sich euer MAHLE M40-Motorsystem mit dem Smartphone verbinden. Fahrmodi anpassen, Touren aufzeichnen, Statistiken auswerten und bei Drittanbietern wie Strava hochladen, funktioniert genauso wie GPS-Tracking und Navigation. Auch Diagnosedaten und System-Updates laufen über die App.

MAHLE bietet insgesamt drei Fahrmodi an: Level 1, 2 und 3 - nicht gerade kreativ, aber simpel. Dazu kommt Level 0 ganz ohne Unterstützung. Alle drei Modi lassen sich über die App feintunen und sind im Grundsetting sauber abgestimmt, von natürlich und sparsam bis kraftvoll und direkt.

Technische Innovationen

Ähnlich wie bei Motoren wie dem ZF CentriX oder DJI Avinox M1 setzt MAHLE auf einen Magnetring mit 42 Schlitzen, um die Geschwindigkeit des Hinterrads auszuwerten. Der Unterschied: MAHLE verdoppelt die Abtastrate, indem gleich zwei Sensoren zum Einsatz kommen, die denselben Magnetring auslesen.

Das bringt Vorteile: Die Drive Unit bekommt schneller und genauer Feedback, kann die Motorleistung feinfühliger steuern und reagiert damit früher auf Änderungen.

MAHLE integriert beim M40 eine automatische Hill-Brake-Funktion, die vor allem für mehr Sicherheit sorgen soll: Scheiterst du an einem steilen Uphill und hast noch leichten Druck auf dem Pedal, blockiert der Motor kurzzeitig. So rollt das Bike nicht zurück und du kannst entspannt absteigen. Cool!

Markenphilosophie

MAHLE bleibt sich treu: Im Gegensatz zu anderen Motorenherstellern verfolgt MAHLE eine andere Markenphilosophie und will, dass die Bike-Marke der Hero ist. Der Motor soll nicht dominieren, sondern die Marken-DNA des jeweiligen Herstellers unterstützen.

MAHLE will zusammen mit den Bike-Herstellern nicht nur die Motorcharakteristik für die individuellen Ansprüche anpassen, damit Bike- und Motorcharakteristik ideal zusammenpassen. Sondern mit ihrem großen Datenschatz Bike-Herstellern auch helfen, ihre eigenen Produkte anhand von realen Daten und Nutzungsszenarien stetig zu verbessern.

Für Rider bedeutet das einerseits: Zwei Bikes mit MAHLE-Motor können sich völlig unterschiedlich anfühlen - je nach Marke, Zielgruppe und Einsatzbereich. Andererseits: Das eigene Fahrverhalten fließt idealerweise in die Produktentwicklung der nächsten Generationen mit ein.

Optik und Integration

Das Auge fährt mit: Zwar kommen Motor und Akku des neuen MAHLE M40-Systems in Sachen Integration und Optik nicht ganz an DJI heran, aber dennoch ist das System Marktführer Bosch einiges voraus. Unser Testbike verfügt über stimmige Proportionen und gibt eine ausbalanciert schicke Figur ab!

Fahreigenschaften auf dem Trail

Der MAHLE M40 überzeugt auf dem Trail mit seinem sehr kraftvollen, aber zugleich präzisen und gut dosierbaren Handling. Die drei Fahrmodi sind weitestgehend linear und bieten Unterstützungsfaktoren von 100 % (Level 1), 200 % (Level 2) und 400 % (Level 3).

Sprich: Tritt der Fahrer mit 100 W in die Pedalen, steuert der Motor seinerseits 400 W bei. Schaut man während der Fahrt auf das Oberrohr-Display, sieht man, dass der M40 in der Spitze sogar mehr als 900 W elektrische Leistung liefert.

Egal, ob beim Anfahren oder in kniffligen Situationen, der Motor ist nie ungestüm oder zu wild auf dem Trail. Die Kraftentfaltung bleibt selbst bei sehr niedrigen Geschwindigkeiten bergauf fein dosierbar, was vor allem in engen Kehren oder auf verblockten Uphill-Trails für gute Kontrolle und Traktion sorgt.

Wer am M40 die volle Unterstützung in technischen und steilen Anstiegen haben will, muss auf jeden Fall Eigenleistung bringen. Hier merkt man den geringeren Unterstützungsfaktor im Vergleich zum DJI, der euch in steilen Uphills deutlich stärker und mit weniger Anstrengung hoch schiebt.

Mit dem sogenannten Dynamic Overrun gibt es eine Art sanften Nachlauf. Dieser fällt in so mancher Situation, in der man ihn brauchen würde, jedoch recht dezent aus. Wer über eine Stufe oder ein Hindernis klettern will, vermisst gelegentlich etwas Extraschub, sobald man nicht mehr im technischen Hindernis in die Pedale treten kann. Ein Feature wie der Extended Boost, der das Bike nach einem gezielten Pedalkick noch weiter schiebt, würde dem M40 gut stehen.

Stark: Trotz der hohen Leistung lieferte der M40-Motor während unseres Testings eine durchgehend zuverlässige Performance. Selbst nach längerer Maximalbelastung war kein De-Rating spürbar, was für das von MAHLE proklamierte gute Wärmemanagement spricht.

Die Automatic Hill Brake-Funktion hat uns ebenfalls positiv überrascht, da sie vor allem das sichere Absteigen vom Bike in besonders steilen Abschnitten deutlich einfacher macht und uns vor dem einen oder anderen Crash in einem steilen Uphill gerettet hat.

MAHLE nutzt die gesetzlich erlaubte Toleranz an der 25-km/h-Grenze maximal aus. Der Motor ist in den meisten Fahrsituationen relativ leise und am ehesten mit der Lautstärke des Bosch Performance Line CX Gen5 zu vergleichen.

WOW: Der MAHLE M40 unterstützt bis runter auf 0 % mit voller Leistung und reduziert dann die Leistung auf circa 30-70 W, um noch nach Hause zu kommen. Während viele Motorsysteme bei 5 % oder höher ihre Leistung deutlich reduzieren, bietet das MAHLE M40-System volle Leistung bis zum letzten Prozent. Die großzügige Pufferzone spricht für ein starkes Energiemanagement. In der Praxis bedeutet das: keine bösen Überraschungen auf eurer Tour, selbst wenn die Akku-Anzeige bedrohlich blinkt.

Beim direkten Vergleich zwischen den Unterstützungsstufen Level 2 und Level 3 zeigt sich: Der Sprung in der Leistung hat einen massiven Einfluss auf den Verbrauch. Bei einer konstanten Fahrerleistung von 200 W verbraucht das M40-Motorsystem in Level 3 mehr als doppelt so viel wie in Level 2. Die Durchschnittsgeschwindigkeit ist in Level 3 knapp 6 km/h schneller.

Bei einem geringeren Fahrerinput von 150 W ist der Unterschied sogar noch größer. Hier benötigte der Level 3-Modus auf derselben Teststrecke das Dreifache, die Geschwindigkeit lag dabei im Mittel knapp 7 km/h höher.

Die höhere Durchschnittsgeschwindigkeit und damit kürzere Fahrzeit in Level 3 erkauft man sich also durch massiv erhöhten Verbrauch, bei vergleichbarem Höhengewinn. Wer also mit dem MAHLE M40 effizient sein will, sollte den Level 3-Modus eher als Performance-Boost für technische Abschnitte oder auf kurzen Feierabendrunden einsetzen.

Für den Launch seines ersten eigenen Mittelmotors hat Hersteller MAHLE kurzerhand ein komplettes E-Mountainbike entwickelt, das er auch als White-Label-Plattform für potenzielle OEM-Partner anbietet, die den MAHLE M40 schnell in ihr Bike-Portfolio aufnehmen wollen.

Und was sollen wir sagen? Bergauf sitzt man angenehm sportlich und leicht gestreckt auf dem Bike mit genug Druck auf der Front. Gerade in technischen Uphills sorgt die Geometrie in Kombination mit dem kraftvollen M40-Motor für ordentlich Vortrieb und Uphill-Potenz.

Bergab vermittelt das Bike viel Sicherheit, und gerade auf ruppigen Trails liegt das E-MTB satt auf dem Trail. Es punktet mit hoher Laufruhe, auch bei hohem Tempo und in verblockten Passagen. In der Luft ist es super beherrschbar, und selbst wenn man die Landung mal überfliegt, rettet es einen mit den hohen Reserven des Fahrwerks.

E-MTB-Modelle mit MAHLE M40

FIn Kürze werden fünf Bike-Marken Modelle mit MAHLE M40-Motorsystem auf den Markt bringen.

  • ABUMS: Eine junge E-MTB-Marke aus Spanien, die nicht auf Mainstream-Materialien wie Carbon oder Aluminium setzt, sondern ihr E-MTB aus Stahl mit voll integriertem Akku baut.
  • Labyrinth Bikes: Eine französische Marke mit Sitz im elsässischen Heiligenberg. Inspiriert von der griechischen Mythologie richtet sich Labyrinth an alle, die nicht einfach nur Rad fahren, sondern dabei Abenteuer erleben, Grenzen verschieben und neue Horizonte entdecken wollen. Die Marke steht für Resilienz, Mut und den Drang zur Erkundung - verkörpert in innovativen Bikes für den Gravity-orientierten E-Enduro-Einsatz.
  • Sants: Wurde 2008 im norditalienischen Padua gegründet und steht für hochwertige Bikes mit markantem Design. Ursprünglich aus dem Rennradbereich kommend, verlagerte die Marke ab 2014 ihren Fokus auf Gravel- und MTB-Modelle und setzte später konsequent auf E-Bikes. Heute vereint Sants technische Innovation, Stilbewusstsein und Zuverlässigkeit mit einem Sortiment an E-MTBs für unterschiedlichste Fahrer.

Fazit

Der MAHLE M40-Motor überzeugt nicht nur mit seinen Eckdaten, sondern vor allem auf dem Trail: fein dosierte Unterstützung trotz viel Power, clevere Features wie die automatische Hill Brake, ein gutes Wärmemanagement, eine smarte Software-Infrastruktur und die ehrlichste Akku-Logik mit voller Power bis zum letzten Prozent, die wir je gefahren sind.

Zwar fehlt (noch) ein dynamischer Modus und das Display wirkt veraltet - aber hey, beides ist nichts, was man nicht nachrüsten bzw. nachbessern kann.

Tabelle: Vergleich der MAHLE M40 Fahrmodi

FahrmodusUnterstützungsfaktorBeschreibung
Level 1100%Natürlich und sparsam
Level 2200%Ausgewogene Unterstützung
Level 3400%Kraftvoll und direkt
Level 00%Keine Unterstützung

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