Der Sachs RS Mittelmotor im Test: Leistung, Softwareupdate und Fahreigenschaften

Der Sachs RS Mittelmotor hat sich in der E-Bike-Welt einen Namen gemacht, insbesondere durch seine hohe Leistung und die einzigartige Beschleunigung. Mit einem maximalen Drehmoment von 112 Nm und einer Maximalleistung von rund 700 W kann allenfalls noch der betagte TQ HPR120s mithalten.

Softwareupdates für E-Bike Motoren bzw. Antriebe sind mittlerweile keine Seltenheit mehr. In den meisten Fällen beheben die Hersteller dadurch kleine Probleme, manchmal werden auch Features ergänzt und gerade zu Beginn des Produktkzyklus wird schon auch mal an der Motorabstimmung nachgebessert. Entsprechend erregte die Ankündigung auf der Eurobike, der Sachs RS würde noch 2023 ein Softwareupdate erhalten, keine allzu große Aufmerksamkeit - auch bei uns nicht.

Allerdings hat so viel Power auch Nachteile: Die Leistungsaufnahme ist hoch, auch wenn sich dies in den sparsameren Unterstützungsstufen relativiert. Nicht relativieren lassen sich dagegen Abmessungen und Gewicht. Letzteres liegt mit ca. 3,5 kg gut ein halbes Kilogramm über der Konkurrenz.

Softwareupdate für den Sachs RS

ZF Micro Mobility, der Mutterkonzern hinter dem Sachs RS, hat in den vergangenen Monaten an einer neuen Software gearbeitet, um die Modulation zu verbessern. Das Resultat dieser Entwicklung wird nun als Softwareupdate für alle bestehenden Sachs RS Motoren veröffentlicht. Mit dabei sind unter anderem zwei neue, adaptive Unterstützungsmodi, die das Ansprechverhalten des Kraftpakets deutlich verbessern sollen. Entsprechend erregte die Ankündigung auf der Eurobike, der Sachs RS würde noch 2023 ein Softwareupdate erhalten, keine allzu große Aufmerksamkeit.

Neue Adaptive Unterstützungsstufen

Im Rampenlicht stehen hierbei vor allem zwei neue, adaptive Unterstützungsstufen. Ähnliches kennen E-Mountainbiker bereits vom eMTB Modus bei Bosch oder auch von der Trail Unterstützungsstufe bei Shimano. Anstatt wie bei regulären Unterstützungsstufen einen linear wachsenden Unterstützungsfaktor auf die eingebrachte Fahrerleistung aufzuschlagen, arbeiten im Hintergrund solcher adaptiver bzw. dynamischer Unterstützungsstufen komplexe Algorithmen.

Diese regeln unter Berücksichtigung verschiedener Daten wie Geschwindigkeit, eingebrachtem Drehmoment und Kadenz die Motorleistung abhängig von der Fahrsituation. Von den vier Unterstützungsstufen des Sachs RS werden durch das Update die Stufen 2 und 3 durch diese adaptiven Modi ersetzt. Dabei sieht ZF die zweite Stufe vor allem für den etwas gemäßigteren Toureneinsatz, Stufe 3 soll dagegen vor allem sportive E-Mountainbiker ansprechen. Dabei unterscheiden sich die beiden Level lediglich bei ihrer Charakteristik, nicht bei der Maximalleistung: Letztere ist in beiden Szenarien gleich hoch und reicht bis zu den maximalen 700 W.

Die Durchführung des Updates ist ausschließlich beim Fachhändler, jedoch für alle bestehenden Sachs RS Motoren möglich.

Erster Fahreindruck nach dem Update

Schon beim ersten Antritt in einem der beiden adaptiven Modi wird deutlich, wie groß der Unterschied zu der bekannten Software bzw. den anderen Unterstützungsstufen ist. Im Blindtest hätten wir den Sachs RS so tatsächlich nicht wieder erkannt. Vor allem das Anfahrverhalten ist so viel besser geworden, dass wir kaum glauben können, noch den „alten“ Motor zu fahren. Das zweite „Aha-Erlebnis“ erfolgt, sobald man etwas schneller unterwegs ist und/oder mehr in die Pedale tritt: Hier zeigt sich, dass der Sachs RS nichts von seiner Leistung eingebüßt hat.

Mit enormem Punch bringt er Bike und Fahrer an die Abschaltgrenze, die nun ebenfalls deutlich harmonischer ausfällt. Spürbar ist der Übergang natürlich nach wie vor, was aber auch an der angesprochen hohen Leistung liegt. Wird dieses zurückgenommen, nimmt man das als Fahrer recht deutlich wahr.

Wirkliche Probleme hatten wir mit der neuen Software nicht. Hin und wieder war vor allem beim Anfahren ein etwas unangenehmes Ruckeln zu spüren, das wohl auf den Speichenmagnet zurückzuführen sein dürfte. Da das System hier nur einen Abnahmepunkt besitzt, kann es bei einer ungünstigen Kombination aus Kadenz, Geschwindigkeit und Leistung zu diesem unsanften Ruckeln kommen. Im technischen Gelände bewähren sich beide neuen Unterstützungsstufen und stellen einen enormen Sprung nach vorn dar.

Auf einem Niveau mit Bosch oder Shimano? Das ist schwer zu sagen - jedoch spielt der Sachs RS nun tatsächlich in einer Liga mit den beiden Platzhirschen und dürfte auch für E-Mountainbiker zu einer ernsthaften Alternative werden; vorausgesetzt, man findet das Kraftpaket künftig an mehr Rädern. Auch abseits des technischen Geländes zeigt die adaptive Unterstützung ihre Vorteile: Als Automatik macht sie eine hervorragende Figur auf Forstautobahnen. Nie hat man das Gefühl, zu wenig oder zu viel Power zu haben.

Ganz ohne Fehl und Tadel ist der Sachs RS natürlich auch nach dem Update nicht. Das Gewicht hatten wir bereits angesprochen und auch bei der Lautstärke hat sich nichts getan. Während der Motor in der Abfahrt erfreulicher Weise nicht klappert, quittiert er seine Arbeit bergauf in allen Unterstützungsstufen mit einem deutlich wahrnehmbaren Summen.

Während daran wohl auch künftig nichts zu machen sein wird, hoffen wir dagegen auf ein Upgrade bei Display und Bedienteil. Insgesamt landet ZF mit dem Softwareupdate für den Sachs RS jedoch einen echten Volltreffer, den wir so nicht erwartet hätten.

Sachs RS im Detail: Technische Daten und Features

Der Sachs RS wird als „Motor-only“ an die Fahrradhersteller vertrieben - einen entsprechenden Sachs-eigenen Akku gibt es nicht. Deshalb sind Bauform, Kapazität, Gewicht etc. immer vom jeweiligen E-MTB abhängig. Ähnlich wie beim Akku ist auch die Bedienung davon abhängig, mit welchen Komponenten der Antrieb vom Fahrradhersteller kombiniert wird. Nox setzt hier auf Sigma EOX und auch am e:drenalin SRS Prototypen auf der letztjährigen Eurobike waren die Sigma Komponenten verbaut.

Hierbei steht die EOX Remote im Zentrum, eine kompakte Bedieneinheit, die den Ladestand des Akkus und die gewählte Unterstützungsstufe per LEDs anzeigt und Platz für fünf Bedienknöpfe hat, über die sich der Antrieb bedienen lässt. Optional lässt sich auch eines der beiden Sigma Displays (View 1200 oder View 1300) nachrüsten.

Die Fakten zum Sachs RS:

  • Maximales Drehmoment: 110 Newtonmeter (Herstellerangabe)
  • 48-Volt-System
  • Motorgewicht: 3,5 Kilo
  • Intube-Akku mit 652 Wattstunden
  • Offenes System mit Individualisierungsmöglichkeiten für Bike-Hersteller und Endkunden

Fahrbericht: Der Sachs RS im Gelände

Eines vorweg: Die Power des Sachs RS ist enorm. Wir biegen von der Asphaltstraße auf einen steilen Felsen-Trail. In höchster Unterstützungsstufe schiebt der Motor so stark, dass wir das Gefühl haben, den Berg hinaufzufliegen. In puncto Maximalkraft stellt der Neuling die Konkurrenz um Bosch, Shimano und Brose in den Schatten, so unser erster Eindruck.

Einen direkten Vergleich zu anderen Motoren hatten wir während unserer kurzen Testfahrt zwar nicht, im Anschluss sind wir die gleiche Strecke aber nochmal mit einem Shimano E8000-Antrieb gefahren - und fühlten uns bestätigt. In steilen Anstiegen macht sich die hohe Maximalpower des Sachs RS bemerkbar. Ausführliche EMTB-Tests in Labor und Praxis werden zeigen, wo sich der neue Motor einordnet.

Die Feinabstimmung des Motors ist sehr ordentlich, in einigen Situationen vermittelte der RS allerdings ein etwas pulsierendes Gefühl. Insbesondere bei geringer Tretkraft und hoher Unterstützungsstufe ist uns dieses etwas unrunde Verhalten aufgefallen. Das Anfahren am Berg klappt sehr gut.

Der Motor setzt nicht ganz so zackig ein, wie etwa ein Yamaha PW-X, greift aber schnell genug, um auch an steilen Stellen problemlos in Fahrt zu kommen. Im Verhältnis zur starken Maximalpower haben wir die Geräuschentwicklung als gering empfunden. Insbesondere bei voller Power surrt der Sachs RS nicht so laut, wie beispielsweise ein Shimano E8000. Je geringer die Trittfrequenz, desto leiser der Motor. Von der Flüsterklasse eines Brose ist der Sachs RS allerdings klar entfernt. Das Geräusch erinnert, anders als gängige Motoren, an das Pfeifen eines Turboladers im Auto.

Verfügbare Bikes mit Sachs RS

Aktuell sind noch keine Bikes mit dem neuen Motor verfügbar. Im Modelljahr 2020 sollen mehrere Bikes und Modelle verschiedener Marken folgen. Konkrete Infos gibt es allerdings noch nicht. Auch Nox, die die Testbikes für die Präsentation des Motors angefertigt haben, haben diesbezüglich noch keine Entscheidung getroffen.

Alternativen bei Displays und Bedieneinheiten

Für Displays und Bedieneinheiten stellt Sachs mehrere Varianten zur Verfügung. Zum einen stehen die Lösungen von BMZ zur Auswahl. Aber auch eine ganz eigene Variante können Bike-Hersteller wählen. Mit Sigma Sport steigt ein alter Bekannter ins E-MTB-Geschehen ein. Die Pfälzer haben eine Remote-Einheit, ein Display und eine aufwändige App exklusiv für den Sachs RS-Antrieb entwickelt.

Als minimalistische Lösung kann die Bedieneinheit eigenständig und ohne Display verwendet werden. Mittels LEDs werden der Akkustand, die Unterstützungsstufe und Fehlercodes angezeigt. Außerdem kommuniziert der Shifter mittels Bluetooth mit dem Smartphone. Zusätzlich kann das individuell konfigurierbare Sigma-Display verbaut werden.

Komponente Hersteller Details
Display BMZ / Sigma Sport Verschiedene Varianten verfügbar, von minimalistisch bis umfangreich
Bedieneinheit Sigma Sport EOX Remote mit LED-Anzeige
Akku BMZ Intube-Akku mit 652 Wattstunden

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