Shimano Mittelmotor E-Bike Test: EP801 im Detail

Auch wenn man Shimano-Motoren in zahlreichen E-MTBs findet, so ist es um die E-Entwicklungen der Japaner etwas stiller geworden. Mit dem EP801 löst Shimano nun den bewährten Vorgänger EP8 ab. Der Shimano EP801 soll mit einem breiteren Einsatzgebiet, mehr Power und vielen cleveren Funktionen punkten. Dieser Test ist Teil unseres großen E-Bike-Motoren-Vergleichstest.

Shimano ist aus der Bike-Welt nicht mehr wegzudenken. Egal, ob Bremsen, Schaltungen oder andere Anbauteile, die Japaner gehören zu den größten Komponenten-Herstellern weltweit. Shimano zählt aber auch zu den E-Bike-Pionieren und mischt schon seit den Anfängen im E-Bike-Segment mit. Shimano-Motoren sind stark im Markt vertreten und kommen an einer Vielzahl von Bikes zum Einsatz. In unserem großen Vergleichstest mit 30 E-Mountainbikes setzen 8 Bikes auf die japanischen Motoren. In 6 Bikes ist noch der Ausläufer Shimano EP8 verbaut, und ein E-MTB setzt bereits auf den neuen Shimano EP801, der 2022 vorgestellt wurde und den bewährten EP8 ablöst.

Wie sein Vorgänger reiht sich der Shimano EP801 als Spitzenmodell in das Portfolio ein und siedelt sich über dem etwas günstigeren, aber fast baugleichen und ebenso drehmomentstarken Shimano EP6 an, der durch ein günstigeres Alu-Gehäuse etwas mehr Gewicht auf die Waage bringt. Das neue Modell basiert zwar auf dem bewährten Shimano EP8, wurde aber sowohl in Soft- als auch Hardware nochmals überarbeitet. So soll er nicht nur mehr Maximalleistung bieten, sondern auch über einen breiteren Trittfrequenzbereich mit hoher Leistung unterstützen. Das Update auf EP801 erlaubt auch erstmals die Verbindung mit der neuen Shimano XT Di2-Schaltgruppe, die mit cleveren Funktionen aufwarten kann, aber dazu gleich mehr.

Ein weiteres Feature ist das Shimano-ABS, das in Zusammenarbeit mit Blubrake entwickelt wurde. Ein weiterer Ableger des Shimano Motor EP801 ist der EP801 RS. Die Hardware basiert auf einem normalen EP801 und unterscheidet sich mit Ausnahme des RS-Stickers nicht von den herkömmlichen Shimano-Motoren in anderen Bikes. Die Software hingegen drosselt das maximale Drehmoment von 85 auf 60 Nm - auch wenn man beim RS-Emblem im ersten Moment mehr Power erwarten würde. Der EP801 RS kommt nur am Light-E-MTB Orbea Rise zum Einsatz.

Ähnlich wie Bosch verfügt Shimano über ein gutes und globales Netzwerk. Als Anlaufstelle dienen die Shimano Service Center, von denen in so gut wie jeder größeren Stadt eins zu finden ist. So hat man die Möglichkeit, sein Bike checken oder reparieren zu lassen. Auch wenn man beim Shimano Motor EP801 rein äußerlich keinen Unterschied zum Vorgänger namens EP8 erkennt, hat sich im Inneren viel getan. Nicht nur die komplette Elektronik wurde überarbeitet, auch die Maximalleistung steigt von 500 auf 600 Watt. Damit und mit seinen 85 Nm Drehmoment liegt er zumindest auf dem Papier mit dem Bosch Performance Line CX (Gen 4 und 5) gleichauf. In Sachen Gewicht ist der Shimano EP801 mit 2,7 kg genauso schwer wie sein Vorgänger und gehört damit zu den leichteren Full-Power-Motoren.

Mit Strom versorgt wird der Shimano Motor EP801 entweder durch einen 504-Wh- oder einen 630-Wh-Akku aus dem Hause Shimano, alternativ lassen die Japaner den Bike-Herstellern die Freiheit, Akkus von Drittanbietern zu verbauen. Auch wenn wir die 630-Wh-Akkus als goldene Mitte für viele Anwendungsbereiche ansehen, so wäre eine größere Akku-Option aus dem Hause Shimano wünschenswert. An einigen Bikes mit Shimano Motor EP801 sind größere Akkus von Drittanbietern mit Kapazitäten jenseits der 700 Wh zu finden. Wer von einem EP8-Bike auf ein EP801-Bike umsteigt und den alten Akku im neuen Bike weiter verwenden will, sollte bedenken, dass diese nicht mehr kompatibel sind. Durch die überarbeitete Elektronik und ein Update bei den Battery-Management-Systemen sind Akkus mit altem BMS nicht mehr nutzbar.

Die Displays und Remotes des Shimano EP8 kommen auch am neuen EP801-Modell zum Einsatz. Das am Lenker neben dem Vorbau geschützt angebrachte Farbdisplay zeigt den Akkustand in 20%-Schritten an und ist auch bei direkter Sonneneinstrahlung gut lesbar. Dazu gibts noch Anzeigen zur Dynamik des Motors, die mit einem wandernden Balken visualisiert werden, sowie die Anzeigen zur Geschwindigkeit und der aktuell gewählten Unterstützungsstufe. Die Darstellung auf dem Display ist aufgeräumt und auf das Nötigste reduziert, sodass man nicht mit unnötigen Informationen überschüttet wird. Als Alternative ist für den EP801-Motor auch ein kleines Schwarz-Weiß-Display möglich, das in die etwas klobige SC-E5003-Remote integriert ist.

Neu hinzugekommen sind die eigentlich für den günstigeren Shimano Motor EP6 gedachten Remotes und Displays, die aber auch mit dem EP801-Motorsystem kompatibel sind. Für ein cleanes Cockpit ganz ohne Display hat Shimano noch den minimalistischen EW-SW310-Schalter im Programm. Die Schnittstelle zum Motor ist die Shimano E-TUBE PROJECT Cyclist-App. Hier habt ihr die Möglichkeit, zwei Fahrprofile nach euren persönlichen Vorlieben zu konfigurieren. Im Basic-Mode können die Power, das Unterstützungslevel und das Ansprechverhalten in den drei Unterstützungsstufen Eco, Trail und Boost angepasst werden. Das spricht vor allem E-Bike-Veteranen an, die lieber auf ein vertrautes Interface zurückgreifen wollen.

Der Fine-Tune-Mode lässt, wie der Name schon sagt, eine feiner abgestimmte Unterstützung zu. Beim ersten Mal wird man von der schieren Menge an Kurven und Graphen erschlagen. Mit ein wenig Einarbeitungszeit ermöglicht er aber dank 15 fein abgestimmter Unterstützungsstufen eine präzisere Kontrolle. Hier fühlen sich jedoch eher Connectivity-Nerds wohl, die gerne mit Diagrammen und Zahlen jonglieren und ihr Motorsetup bis ins kleinste Detail verfeinern wollen. Für alle anderen ist der Basic-Mode vollkommen ausreichend. Leider lagert Shimano die Navigationsfunktion in die E-TUBE RIDE-App aus. Um Routen zu erstellen, die ihr dann später mit eurem E-MTB abfahren könnt, müsst ihr euch also zuerst eine zweite App herunterladen.

Der Shimano EP801 überzeugt auf dem Trail mit seinem gutmütigen Charakter. Auch im stärksten, dem Boost-Modus in der Standardeinstellung, lässt er sich gut dosieren und reagiert berechenbar. Beim Anfahren spricht er jedoch etwas direkter an als der Bosch Performance Line CX (Gen 4), der hier etwas zurückhaltender und smoother reagiert. Als Fahrer erhält man immer die richtige Dosis an Unterstützungsleistung zurück, und auch Einsteiger mit einem unrunden Tritt werden von dem Motor nicht aus dem Sattel geworfen, denn der Motor kaschiert Kadenzschwankungen gekonnt und ist so für Anfänger intuitiv zu fahren. Ist man in einer Gruppe mit Shimano EP8- und Bosch CX-Motoren unterwegs, zeigt sich besonders in steilen Uphills, wie viel stärker der Bosch CX (Gen 4 und 5) ist. Durch die Anhebung der Maximalleistung beim EP801 hat sich der Abstand mittlerweile verringert.

Dennoch liefert der Japaner im Boost-Modus in der Praxis nach wie vor spürbar weniger Power als der Bosch Performance Line CX (Gen 4 und 5) mit den gleichen Eckdaten. Das zeigt sich auch im Labor, denn egal, bei welcher Trittfrequenz, die Shimano EP801-Leistungskurve verläuft immer etwas unterhalb der Bosch Performance Line CX-Leistungskurve (Gen 4). Wechselt man vom Boost-Modus in den dynamischen Trail-Modus, der seine Unterstützungsleistung an die jeweilige Fahrsituation anpasst, wird man in der Standardeinstellung kaum einen Unterschied spüren. Er fühlt sich linear und sehr ähnlich zum stärkeren Boost-Modus an. Für ein feinfühligeres Setup und mehr Progression kann man den Trail-Modus über die E-TUBE-App etwas herunterschrauben.

In Kombination mit der neuen Shimano XT Di2-Schaltgruppe hält der EP801-Antrieb einige clevere Features bereit. So ermöglicht es die Schaltgruppe wie bei der Pinion MGU E1.12 Motor-Getriebe-Einheit, mit der FREE SHIFT-Funktion die Gänge zu wechseln, ohne gleichzeitig pedalieren zu müssen. AUTO SHIFT erkennt Fahrszenarien selbständig und wählt dann automatisch den richtigen Gang. Gerade für schaltfaule Tourenbiker ist das eine coole Option. Auf ebenen Forstwegen summt der Shimano Motor EP801 angenehm vor sich hin und zählt zu den leisesten Full-Power-Motoren im Testfeld. Sobald sich der Trail Richtung Tal neigt, ändert sich die Geräuschkulisse und gibt vor allem im roughen Terrain das typische Klappern von sich, was auch schon beim alten Shimano Motor EP8 ein großes Manko war. Die Geräuschkulisse ist auch vom Bike, in dem der Motor steckt, abhängig - da der Rahmen als Resonanzkörper hierbei auch eine Rolle spielt.

Der Shimano Motor EP801 ist zwar keine Revolution, sondern vielmehr eine sinnvolle Evolution. Er überzeugt in der Praxis mit gutmütigem Charakter, der Anfänger nicht überfordert und reduziert die Lücke zum Bosch Performance Line CX, kann aber mit der Power der stärksten im Test nicht mithalten. Das Motorsystem komplettiert das breite Angebot an Displays, Remotes und Akkus, in dem auch Drittanbieter eigene Produkte beisteuern und die Auswahl für die Bike-Hersteller und letztendlich den Kunden nochmals vergrößern. Nur die Klappergeräusche in der Abfahrt trüben den guten Gesamteindruck.

Auf der Eurobike 2022 präsentierte Shimano der Weltöffentlichkeit den neuen EP801. Optisch kaum vom Vorgänger zu unterscheiden, sollte das Update vor allem mehr Konnektivität bringen und Features wie die automatischen Schaltfunktionen Free- und Autoshift möglich machen. Dazu hat sich im Inneren eine Menge getan: Eine komplett überholte Elektronik soll den Antrieb für die Zukunft neu aufstellen und über einen Can-Bus eine direkte Kommunikation mit dem Akku erlauben. Alte Akkus können daher nicht mehr mit dem neuen Antrieb genutzt werden. In der Praxis überrascht der EP801 mit unerwartet starkem Schub und fährt recht locker neben Bosch-Bikes her, wo es mit dem EP8 noch schwerfiel mitzuhalten.

Shimano EP801 im Detail: Leistungssteigerung und Reichweite

Der Shimano EP801 E-Bike-Motor wurde auf dem Rollenprüfstand des Prüflabors PT Labs getestet und mit dem Vorgänger EP8 und dem Bosch Performance Line CX verglichen. Dabei wurden bis zu 544 Watt am Hinterrad gemessen, was eine deutliche Steigerung gegenüber dem EP8 im relevanten Kadenzbereich von 60 bis 110 Kurbelumdrehungen pro Minute darstellt. Dies entspricht einem Plus von 80 Watt, wodurch die Leistung nah an die des Bosch Performance Line CX heranreicht. Ein Vorteil des Shimano-Motors ist, dass er die volle Motorleistung bereits ab etwa 100 Watt abgibt, während bei Bosch 180 Watt erforderlich sind.

In einem Standard-Reichweitentest bei 89 Kilogramm Fahrergewicht und 150 Watt Tretleistung auf einer Asphalt-Teststrecke mit durchschnittlich 12 Prozent Steigung spulte das Testbike Liteville 301 CE MK2 mit dem Shimano EP801 und einem 725-Wattstunden-Akku von BMZ 1672 Höhenmeter bei maximaler Unterstützung ab. Die durchschnittliche Geschwindigkeit betrug 15,6 km/h, was höher ist als bei E-Bikes mit dem alten EP8 oder Bosch Performance Line CX unter gleichen Testbedingungen.

Neue Displays und Konnektivität

Shimano hat für die neue Generation auch eine Reihe von Produkten neu aufgelegt, wobei das Design grösstenteils beibehalten wurde. Es gibt weiterhin die sportlichen Shifter und Displays, die vom EP8 bekannt sind. Neu hinzugekommen sind die EN600-Parts, die eigentlich für den günstigeren Shimano EP6 gedacht sind, aber auch für Nutzer des EP801 interessant sein könnten. Das EN600-Display bietet Funktionen wie einen dezidierten Licht- sowie einen Ein-Aus-Schalter und zeigt den Akkustand und die U-Stufe per farbigen LEDs an. Alternativ gibt es den Ein-Aus-Schalter EW-SW-310 für das Oberrohr, der ebenfalls über farbige LEDs informiert.

Die E-Tube-App bleibt wie beim Vorgänger erhalten, bietet aber die Möglichkeit, bis zu 15 U-Stufen freizuschalten und individuell feinzutunen. Die Unterstützung kann so besonders fein geregelt werden. Auch die Logik der App selbst und die der Feineinstellung der Unterstützung wurde seit dem Update noch einmal verbessert.

Der Shimano EP6 ist eine günstigere Alternative zum EP801, die sich an Bike-Hersteller richtet, um günstigere Einstiegspreise zu ermöglichen. Obwohl beide Motoren nominell 85 Newtonmeter maximales Drehmoment liefern, unterscheidet sich die Spitzenleistung klar. Der EP6 soll 100 Watt weniger leisten als der EP801, was ihn auf das Leistungsniveau des EP8(00) bringt. Das Gehäuse des EP6 ist aus Aluminium gefertigt, was zu einem Gewichtsunterschied von rund 300 Gramm führt. Der EP6 ist mit allen Steps-Komponenten der 2. Generation kompatibel und bietet Funktionen wie Autoshift und Freeshift in Kombination mit Shimanos XT Di2. Die E-Tube-App ermöglicht die Konfiguration von bis zu 15 Unterstützungsstufen. Allerdings ist der EP6 im direkten Vergleich spürbar schwächer und bietet weniger Reserven bei steilen Uphills. Bergab klappert auch der EP8 beim Rollen über Hindernisse recht deutlich.

Vergleich der Shimano Motoren

Hier ist eine Tabelle, die die wichtigsten Shimano Motoren und ihre Eigenschaften vergleicht:

Modell Max. Drehmoment Max. Leistung Gewicht Besonderheiten
EP801 85 Nm 600 W 2.7 kg Breiteres Einsatzgebiet, mehr Power, clevere Funktionen
EP801 RS 60 Nm - - Software drosselt Drehmoment
EP6 85 Nm - 3.0 kg Günstigeres Alu-Gehäuse, 100 W weniger Spitzenleistung
EP8 - 500 W 2.7 kg Vorgängermodell
E5000 40 Nm - 2.5 kg Leicht und günstig für die Stadt

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