E-Bikes mit Wetterschutz im Test: Eine Revolution für die urbane Mobilität

Überdachte E-Bikes, die zulassungstechnisch ein Fahrrad sind und somit überall fahren dürfen, entwickeln sich zum Trend.

Ein E-Bike mit Kabine oder ein Fahrrad mit Dach bietet deutlich mehr Wetterschutz als ein klassisches Fahrrad. Wer mit dem Fahrrad fährt, ist beim Wetterschutz im Normalfall auf die passende Kleidung angewiesen, wie auch bei Rollern und Motorrädern.

Bei mehrspurigen E-Bikes gibt es zahlreiche Modelle mit Kabine oder Dach, die relativ gut vor Regen und Sonne schützen.

Im Grunde genommen gab es ja alles schon einmal: Ende der 1970er, Anfang der 1980er Jahre, als Waldsterben und saurer Regen großes Thema waren, dachten viele Menschen darüber nach, das Auto stehen zu lassen - wollten auf dessen Komfort aber nicht verzichten. So entstanden in Einzel- oder geringster Serienstückzahl die sogenannten „Velomobile“ - grob gesprochen, Fahrräder mit Hülle.

Die bot Wetterschutz, wegen Mehrspurigkeit mehr Sicherheit und eine bessere Aerodynamik, um schneller voranzukommen. Und nachdem schon Adam Opel das Fahrrad für das effizienteste Fortbewegungsmittel hielt, setzt neue Mobilität genau da an.

Aber wie zukunftsfähig sind die Fahrräder mit Regendach wirklich und welche Infrastruktur brauchen sie?

Die Vorteile von E-Bikes mit Wetterschutz

  • Schutz vor Fahrtwind: Bei kühleren Temperaturen bieten die Windschutzscheiben Schutz vor kühlem Fahrtwind.
  • Perfekt für Leute, die Brille tragen: Mit Brille im Regen Fahrrad fahren macht wenig Spaß.

E-Bikes mit Kabine und Fahrräder mit Dach sind im Bereich Lastenrad eine Überlegung wert, wenn es das Budget hergibt. Der Komfortgewinn ist allen vier Jahreszeiten deutlich spürbar.

Die Nachteile von E-Bikes mit Wetterschutz

  • Größere Maße: Eine Kabine braucht Platz in der Höhe und der Breite.
  • Spritzwasser: Wenn die Kabine keinen Schutz von unten oder von der Seite bietet, kann von dort - wie bei jedem Fahrrad - Spritzwasser eindringen.
  • Stauhitze: Im Stand fehlt Fahrtwind zur Kühlung, und der reguläre Wind wird durch die Kabine abgehalten.
  • Fahrzeugbreite: Lastenräder, vor allem mit drei oder vier Rädern, sind breiter als konventionelle Fahrräder.
  • Kostenintensiver: Kabinen erfordern Produktionsaufwand, das macht sich in den Kaufpreisen bemerkbar.

Rechtliche Aspekte

Auch wenn einige der neuen E-Bike-Modelle im Gewand eines Miniautos daherkommen - rechtlich gesehen handelt es sich um Fahrräder bzw. Pedelecs, mit denen man legal auf Fahrradwegen in Deutschland fahren darf.

Sofern der Motor nur bis zu einer Geschwindigkeit bis 25 km/h unterstützt und Tretbewegungen erforderlich sind, benötigt das Gefährt auch kein Versicherungskennzeichen wie Elektro-Scooter. Auch ein Führerschein ist nicht notwendig.

Generell werden Fahrräder mit Zusatzantrieb in drei Klassen unterteilt, nur eine davon gilt aus rechtlicher Sicht als ganz normales Fahrrad.

  • E-Bikes: Das E-Bike fährt auch ohne Pedalunterstützung auf Knopfdruck. Bei einer Geschwindigkeit über 6 km/h gilt es als Kraftfahrzeug und ist zulassungspflichtig.
  • Pedelec: Elektrisches Fahrrad mit einer Motorunterstützung bis 25 km/h.
  • S-Pedelec: Elektrisches Fahrrad mit einer Motorunterstützung bis 45 km/h. Hierfür wird eine Zulassung in Form eines Versicherungskennzeichens benötigt sowie eine Haftpflichtversicherung und die Fahrerlaubnis der Klasse AM (Roller). Und: Es gilt Helmpflicht.

Beispiele für E-Bikes mit Wetterschutz

Hopper

Aus Augsburg kommt mit dem Hopper ein E-Mini-Auto mit Dach, das wie ein E-Bike auf Fahrradwegen fahren darf. Jetzt ist der Verkaufsstart erfolgt. Zum Start lockt ein Rabatt. Der Hopper darf überall fahren, wo auch Fahrräder fahren dürfen. (Quelle: Hopper Mobility) Die besten Eigenschaften von Auto und Fahrrad soll der Hopper vereinen.

Das überdachte Elektro-Dreirad ist maximal 25 km/h schnell, gilt rechtlich als E-Bike und darf auf Fahrradwegen fahren. Zum Verkaufsstart gibt es noch bis Ende des Jahres einen Rabatt.

Im Vergleich zur ursprünglich geplanten Variante sind einige technische Details offenbar dem Rotstift zum Opfer gefallen.

Die Höchstgeschwindigkeit ... ... ist auf 25 km/h begrenzt und ihr müsst mittreten.

Denn das Konzept bietet wie das AllWeatherBike vollständigen Wetterschutz, darf aber ohne Versicherung selbst auf Fahrradwegen und in autofreien Städten gefahren werden. Einen Führerschein braucht ihr ebenfalls nicht.

Die Reichweite beträgt laut Hersteller je nach Fahrweise und gewählter Unterstützungsstufe bis zu 65 Kilometer. Ihr müsst selber treten, doch gibt es eine Anfahrhilfe, die bis 6 km/h greift.

Der Akku lässt sich mit einem Handgriff entnehmen und an der heimischen Steckdose laden.

Ohnehin ist der E-Flitzer dank eines drehbaren Hinterrades sehr wendig. Der Wendekreis liegt bei nur zwei Metern!

Konzipiert wurde es für zwei Erwachsene oder einen Erwachsenen, der bis zu zwei Kinder mitnehmen kann.

Mit Frühbucherrabatt kostet das E-Bike mit Dach bis Ende des Jahres noch 12.900 Euro. Die Auslieferung soll Mitte 2024 erfolgen.

Mit einem Stauraum von bis zu 290 Litern kann man Einkäufe entspannt transportieren. Konzipiert wurde der Hopper für zwei Erwachsene oder einen Erwachsenen, der bis zu zwei Kinder mitnehmen kann.

Technische Daten des Hoppers

  • Motor: 250 W Dauernennleistung (1350 W Maximalleistung), maximales Drehmoment von 112 Nm, Tretunterstützung bis 25 km/h, Anfahrhilfe bis 6 km/h
  • Batterie: AES Powerpack mit 1440 Wh (30 Ah/48 V), Lithium-Eisenphosphat-Akku (LiFePO4), Reichweite bis ca. 65 km, kann einfach entnommen und an der Haushaltssteckdose geladen werden, min. 2500 Ladezyklen (ca. 8 Jahre bei täglicher Nutzung)
  • Maße: 212 cm Länge, 105 cm Breite ohne Spiegel, 115 cm Breite mit Spiegel, ca. 126 l (Passenger-Variante) bzw.

Podbike Frikar

Sehr professionell zieht aktuell Podbike sein „Frikar“ auf. Es bietet einen Überrollbügel und Knautschzonen zur Verteilung der Aufprallenergie im Falle einer Kollision. Es misst 2,3 Meter in der Länge und 84 Zentimeter in der Breite und wird als E-Bike zugelassen. Damit darf es auf Radwege und es braucht zum Betrieb keinen Führerschein.

Das Frikar mit Flugzeugkanzeloptik bietet ordentlichen Sitzkomfort, vier vollgefederte Räder und überträgt die via Muskelkraft produzierte Energie per Generator und einen 870 Wattstunden großen Akku auf zwei je 250 Watt starke E-Maschinen an der Hinterachse.

Der Fahrer liegt flach in seinem Sitz, optional kann man sich gegen schlechtes Wetter mit Ventilation und Scheibenwischer rüsten. Je nach Temperatur, Wetter, Steigung und Fahrverhalten soll das Frikar E-Bike 60 - 90 Kilometer Reichweite pro Batterie schaffen - Platz ist für mehrere Akkus. Hinter dem Fahrersitz findet auch ein Kind Platz oder 160 Liter Stauraum.

Es gibt einen Liegesitz, Außenspiegel, auf Wunsch und gegen Aufpreis auch einen Scheibenwischer sowie eine Ventilation. Theoretisch sind damit Geschwindigkeiten von bis zu 60 km/h bergab möglich.

Eine automatisch unterstützende Bremse greift ein, wenn das 55 Kilogramm schwere „Frikar“ zu schnell wird und bremst sanft ein. Und das Bedien- und Sicherheitssystem wird permanent optimiert - wie bei Elektroautos soll es regelmäßig Software-Updates „over the air“ geben.

E-Velo-Cabrio

Das Homburger Start-up E-Velo-Cabrio präsentiert ein vielseitig einsetzbares Lastenrad. Dank Wetter- und Witterungsschutz soll das Bike das ganze Jahr über einsatzbereit sein und so eine echte Alternative zum Auto bieten.

E-Velo-Cabrio liefert das Rad serienmäßig mit zwei 20 Zoll Rädern vorne und zwei 24 Zoll Rädern hinten aus. Auf Wunsch gibt es zum Beispiel für Senioren allerdings auch kleinere Räder. Die Maße des Bikes gibt der Hersteller mit 187 x 85 x 65 cm (L/B/H) an. Die Sitzhöhe der Sitzfläche auf dem verbauten Sitz statt auf einem Sattel, beträgt 50 cm.

Die stabile Rahmenkonstruktion aus Stahl spiegelt sich beim nicht gerade leichten Gewicht von etwa 48 kg wider.

E-Velo-Cabrio bietet das Lastenrad mit und ohne Motor an. Bei der Version mit Motor kommen ein Bafang Mittelmotor mit 250 W und ein mobiler Akku mit 10 Ah zum Einsatz. Wie bei einem E-Bike üblich, unterstützt der elektrische Motor bis 25 km/h das Treten. Zusätzlich gibt es eine Starthilfe ohne Treten. Als Bremse kommen Scheibenbremsen an den Vorderrädern und Rollen- oder Trommelbremsen an den Hinterrädern zum Einsatz.

Wie es sich für ein Lastenrad gehört, bietet das Heck viel Platz und kann modular je nach Bedarf genutzt werden. Wer Kinder transportieren will, hat auf der Rückbank Platz für ein oder zwei Kindersitze. Zusätzlich gibt es eine Transportbox, die in verschiedenen Varianten erhältlich ist.

Die Konstrukteure haben bei E-Velo-Cabrio besonders viel Wert auf den Wetterschutz gelegt. So gibt es ein Dach- und Frontrollo, das vor Wind, Regen und Sonne schützt. Das Dachrollo kann mit wenigen Handgriffen in das Gestell des Daches eingesteckt und dann ausgerollt werden. Das Frontrollo ist höhenverstellbar und fungiert als Schutz vor Regen und Wind.

E-Velo-Cabrio will mit seinem Lastenrad viele verschiedene Kunden ansprechen. So ist das Rad nach Unternehmensangaben für Familien mit Kindern ebenso geeignet wie Pendler oder kleine Unternehmen, die das Rad zum Beispiel für den Transport innerhalb des Werksgeländes nutzen wollen. Auch Menschen mit eingeschränkter Mobilität sollen das Rad nutzen können.

Das E-Bike-Velo kostet in der günstigsten Version ohne Motor, Dach und weiteren Extras 3.950 Euro. Inklusive Motor und zusätzlichen Extras wie dem Dach, Schutzblechen oder Kästen liegt der Listenpreis des Lastenrades etwa bei 7.000 Euro.

Weitere Modelle

  • ONO: Die dreirädrige ONO ist ein E-Lastenrad mit nahezu Vollverkleidung.
  • EAV 2Cubed: Dieses vierrädrige E-Bike mit Kabine bietet wenig Wetterschutz von unten und von der Seite, aber dafür eine riesige Panoramascheibe.
  • Radkutsche Musketier: Dieses Cargo Bike Dreirad hat in der Standard-Konfiguration kein Dach, es lässt sich aber nachrüsten.
  • Bayk Bring Cabin: Dieses Trike ist ein Fahrrad mit Dach und hat deshalb minimalistischen Wetterschutz.
  • CityQ: CityQ nimmt für sich in Anspruch, Autos in High-Tech-E-Bikes mit einem PKW-Gefühl zu verkleinern.
  • Bergamont E-Cargoville Rooftop Concept: Das abnehmbare Dach passt auf die bestehenden E-Cargoville LJ-Modelle des Hamburger Fahrradherstellers und macht diese somit noch flexibler.
  • Quadvelo: Neben Schutz vor Wind und Wetter - das Quadvelo kann durch zwei optionale Türen komplett verschlossen werden - punktet das Gefährt des belgischen Unternehmens Eurocircuits NV mit einer Ladefläche hinter dem Fahrersitz.
  • Canyon E-Bike mit Dach: Das E-Bike bietet einen vollständig verschließbareren Fahrgastraum, der von einer innovativen Panorama-Kapsel umgeben ist.
  • Rytle MovR3: Die Berücksichtigung des Europaletten-Standardmaßes in der Lastenaufnahme.
  • Mubea Cargo: Auch dieses E-Bike ist ein Minitransporter, der in der Version „Pack“ in seiner Box ein Ladevolumen von bis zu 1900 Litern bei einer Zuladung von 200 kg bietet.
  • Antric EVO_1: Das neue Lastenrad fährt mit deutlich kompakteren Abmessungen über Fahrradwege und Straßen beziehungsweise durch Tiefgaragen, Gebäude oder Unterführungen.

Die Zukunft der E-Bikes mit Wetterschutz

„Neue Cargo-Konzepte stehen im Mittelpunkt des zukünftigen Wachstumspfades, jedoch hat auch hier das Wachstum Grenzen“, meint der Berliner Zukunftsforscher Dr. Stefan Carsten auf Nachfrage von Focus E-Bike. „Allzu starr und unflexibel - das wird beim Kunden nicht gut ankommen, wie Citkar und Bio-Hybrid-Pleiten in der jüngeren Vergangenheit beweisen. Flexible Rooftop-Konzepte versprechen Anpassungsfähigkeit an das Wetter und die Transportaufgabe - sie werden in Zukunft den Markt dominieren“, so die Prognose des Experten.

Ein E-Bike mit Dach bringt viele Vorteile mit sich und kann ein kleines Auto in der Stadt voll ersetzen. Sicherlich müssen die neuen Modelle einen hohen Nutzwert und viel Komfort mitbringen, um Autofahrer vom Umstieg aufs E-Bike zu überzeugen.

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0