Im zurückliegenden Jahr wurden rund zwei Millionen Pedelecs verkauft. Am beliebtesten unter den pedalierenden E-Bike-Anhängern ist das Mittelmotor-Antriebssystem, das für alle E-Bikes ein gutes Antriebssystem gewährleistet. Doch auch Front oder Hecknabenantriebe - die hierzulande ein Nischendasein führen - haben ihre Vorzüge und sind in manchen Punkten den Mittelmotoren überlegen.
Frontmotor (Radnabenmotor)
Der Frontnabenmotor erfreut sich nach wie vor in den benachbarten Niederlanden ungebremster Beliebtheit. Die Niederländer sind eine Fahrradnation, hier gehört das Fahrrad/E-Bike zum Mobilitätsmittel Nr.1. Die Infrastruktur ist auf die Massen an Radfahrern ausgerichtet. Hier wird gependelt, gecruist und in der Regel zügig gefahren, aber nicht gerast. Das E-Bike ist vielfach ein reines Beförderungsmittel und muss einfach in der Handhabung und möglichst wartungsfrei funktionieren. Und genau das bringt ein E-Bike mit Frontnabenmotor im Wesentlichen mit.
Vorteile des Frontmotors
- Ein frontnabengetriebenes Pedelec ist in der Regel relativ günstig. Da gibt’s solide Bikes schon ab 1200 - 1500 Euro.
- Ein Fahrrad kann mit einem Frontnabenantrieb unter Umständen kostengünstig nachgerüstet werden.
- Der Wartungsaufwand fürs Antriebssystem ist sehr gering, ansonsten umfänglich wie bei einem normalen Fahrrad.
- Der Fronttriebler hat einen Allradantrieb: Vorne treibt der Motor an, hinten der Radfahrer.
- Beim Antriebsstrang kann auf herkömmliche Fahrradtechnik zurückgegriffen werden: So ist eine Ketten-, Naben- oder eine Tretlagergetriebeschaltung möglich.
- Eine zusätzliche Rücktrittbremse kann verbaut werden.
- Ein Radnabenmotor überträgt die Motorkraft ohne Verluste auf die Nabe bzw. das jeweilige Laufrad. Das Drehmoment liegt also direkt am Laufrad an.
- Fehlt ein Drehmomentsensor, unterstützt der Radnabenmotor auch beim losen Leertreten. Tretmuffel finden sicherlich Freude daran, für Gehandikapte kann dies eine Möglichkeit sein, Rad zu fahren.
- Ein Vorteil des Vorderradmotors ist seine Kompatibilität mit allen Schaltungstypen.
- Eine Kettenschaltung kann am E-Bike mit Frontmotor genauso genutzt werden wie eine Nabenschaltung, auch in Form einer Automatikschaltung.
- Die Kombination mit einer Rücktrittbremse ist ohne Probleme ebenfalls möglich.
- Mit dem Frontmotor sind alle Gangschaltungsarten sowie eine Rücktrittbremse möglich.
- Der Frontmotor punktet, wenn es um Schaltung und Rücktritt geht.
Nachteile des Frontmotors
- Die Antriebsrotation des Vorderrades beim Beschleunigen und beim Betrieb des Frontnabenmotors ist ungewöhnlich und bedarf einer gewissen Routine.
- Allein das Gewicht des Motors hemmt das Lenkverhalten ein wenig und bedarf einer Eingewöhnungsphase.
- Die Gabel wird beim Frontnabenantrieb stärker belastet und muss entsprechend dimensioniert sein, ebenso wie die Vorderradbremse.
- Bei schlicht eingestellter Software neigt der Radnabenmotor zu Vor- oder Nachlauf. D.h. der Antrieb startet erst nach einer halben bis einer Kurbelumdrehung. Unterbricht man unterwegs die Tretbewegung, z.B. vor einer Kurve, unterstützt das System aber ein paar Zehntelsekunden weiter. Daran muss man sich gewöhnen.
- Die Erfahrung mit E-Bike-Frontmotoren zeigt nämlich, dass diese ein Weg- oder Durchrutschen des Vorderrads begünstigen.
- Nachteil ist, neben dem möglichen Wegrutschen des Vorderrads, die fehlende Abstimmung mit dem Tretimpuls der Fahrerin oder des Fahrers im Sattel des Rads.
- Frontmotoren stehen in der Regel nicht in Verbindung mit einem Antriebssystem.
- Diese fehlende Abstimmung führt zu einem unharmonischen, wenig „natürlichen“ Fahrgefühl.
- In steilem Gelände kann der Frontmotor schnell überhitzen und senkt dann die Motorleistung oder schaltet den Motor zum Schutz komplett ab - unangenehm, wenn man gerade einen Berg meistern möchte!
- Das höhere Gewicht des Rades sowie die Beeinflussung des Lenkverhaltens am Vorderrad durch das Gewicht des Motors lassen viele Radfahrer zum Mittelmotor greifen.
Mittelmotor
E-Bike Mittelmotoren sind die beliebtesten Antriebe im Pedelec. Die Kraftübertragung des Motors direkt auf die Tretlagerachse verleihen dem Mittelmotor eine einzigartige Fahrperformance und vermitteln ein Fahrgefühl, das weitestgehend dem normalen Fahrradfahren gleich kommt. Die Gewichtsverteilung bei Mittelmotorsystemen ist ideal, da das Gewichtszentrum des Antriebs recht tief und mittig im Rad positioniert ist und so das fahrradähnliche Fahrgefühl zusätzlich unterstützt. E-Bike Mittelmotoren finden in allen Pedelec- und S-Pedelec-Kategorien Anwendung, egal ob für Stadträder, Tourenräder oder Mountainbikes.
Neben den bewährten Mittelmotorsystemen von Bosch, Brose & Co zeigten in der letzten Zeit auch leichtere Systeme vor allem im sportiven Bereich, dass ihnen vortreffliche Vorzüge innewohnen, die da wären: geringeres Gewicht als die Traditionalisten und eine kompaktere Bauform. Vorreiter war der inzwischen von Porsche gekaufte Münchner Hersteller Fazua, der nach wie vor den einzigen hybriden Mittelmotor am Markt anbietet. Für 2023 haben die Bayern mit dem Ride 60 einen neuen leichten Antrieb im Programm. Fahrrad- und E-Bike Hersteller Specialized hat in etlichen sportiven und urbanen Bikes einen smarten Mittelmotor aus dem Hause Mahle. Gerade im Rennrad oder Gravelbike sind derartige Systeme perfekt platziert. Auch TQ-Systems bietet 2023 mit dem HRP 50 einen smarten Mittelmotor in der "Federgewichts-Klasse" an.
Eines der wenigen bewährten und funktionalen Antriebssysteme zum Nachrüsten kommt zweifelsohne von Pendix. Die Sachsen bauen ein außergewöhnliches und cleveres Antriebssystem, das sich für den Umbau vom Fahrrad zum Pedelec empfiehlt und sehr gut unterstützt.
Vorteile des Mittelmotors
- Der tiefe, mittig-zentrale Schwerpunkt der Drive-Unit im Rahmen erlaubt ausbalancierte Fahrperformance.
- Mittelmotor lässt sich für alle Radkategorien spezifizieren: Alltagsräder, Freizeiträder, MTBs, Cargobikes.
- Leistungsvermögen der Motoren ist je nach Einsatzzweck variabel.
- Fast alle Schaltgruppen können verbaut werden, außer einem Tretlager- oder Schlumpfgetriebe.
- Inzwischen sind die E Bike Mittelmotoren sehr robust und standfest.
- Unterstützt feinfühlig, harmonisch sowie durchzugsstark am Berg.
- Elegante Optik durch die kompakte und inzwischen integrierte Bauweise der Drive Unit und des Akkupacks im Rahmen.
- Gute Ersatzteilversorung.
- Durch die mittige und recht tiefe Position des Mittelmotors ist eine bestmögliche Gewichtsverteilung gewährleistet, was sich in einer sehr guten Fahrdynamik niederschlägt.
- Ein weiterer Vorteil ist, dass der Motor nahezu sofort auf den Pedaldruck des Fahrers reagiert.
- Vorteile des Mittelmotors am E-Bike sind neben der genannten Kompatibilität mit unterschiedlichen Schaltungen, der durch seine Position bedingte zentrale und tiefe Schwerpunkt des E-Bikes sowie die direkte Verbindung zu den Kurbeln.
- Der Mittelmotor überzeugt durch eine ideale Schwerpunktverlagerung, ein sehr gutes Fahrgefühl durch das geringe Gewicht und oft einen geringeren Stromverbrauch durch die direktere Kraftübertragung.
- Der Mittelmotor eignet sich durch seinen tiefen Schwerpunkt und dem daraus resultierenden Fahrverhalten optimal fürs Gelände, spielt seine Vorteile aber auch in jedem anderen Terrain aus.
- Durch das Motorgetriebe und den Antrieb des Kettenblattes lässt sich die Motorkraft auch optimal bei Steigungen nutzen, was den Mittelmotor zu einem guten Antrieb für e-Mountainbikes und Trekking e-Bikes macht.
Nachteile des Mittelmotors
- Keine Energierückgewinnung.
- Nachrüsten nicht möglich, außer bei dem Pendix-Drive.
- Hoher Verschleiß von Kette und Ritzel.
- Mittelmotor-E-Bikes tendenziell teurer.
- Größter Nachteil dieser Motorposition am E-Bike ist der schnellere Verschleiß von Kette, Kettenblättern und Ritzeln - schließlich verstärkt der Motor die vom Menschen aufgebrachte Leistung um ein Vielfaches.
- Dieser stärkere Kettenzug erfordert für einen sauberen Schaltvorgang beim Gangwechsel viel Gefühl von der Fahrerin oder dem Fahrer.
- Das gilt vor allem dann, wenn der Motor etwas „nachläuft“, nachdem man die Tretkraft reduziert hat.
- Durch die Übertragung der Motorkraft über Kette und Ritzel auf das Laufrad geht beim Mittelmotor im Vergleich zum Nabenmotor Energie verloren und natürlich weisen Kette und Ritzel dadurch einen höheren Verschleiß auf.
- Lediglich die höhere Belastung von Kette und Ritzel sowie der höhere Preis sind zu nennen.
Hecknabenmotor (Nabenmotor)
Der Hecknabenmotor, Hinterradmotor oder einfach Hecktriebler erlebt derzeit eine Renaissance. Waren zu Beginn des E-Bike-Booms die Hecknabenantriebe das Maß aller Dinge, rang Ihnen die Standardisierung der Mittelmotoren - allen voran Bosch eBike Systems - sukzessive den Rang ab. Dennoch konnten sich Hersteller wie Neodrives oder Bafang im Markt halten.
Technisch unterscheidet man die Hecktriebler zwischen den rekuperationsfähigen Direktläufern und den kompakteren Getriebemotoren. Vor allem im S-Pedelec sind die direkten Heckantriebe dank ihrer Kraft und Leistung im oberen Drehzahlbereich eine Bank. Kaum hörbar und mit keinem Extra-Verschleiß des Antriebsstranges behaupten sich die Hecknabenmotoren immer noch. Die Rekuperation - Energierückgewinnung - ist der Trumpf, mit dem diese Systeme den etablierten Mittelmotoren trotzen können. Mit kleinen und leichten Getriebemotoren wirbt die Industrie seit rund drei Jahren um die Gunst sportiver Radfahrer. Die kompakten Hecknabenantriebe von Mahle und Co sind vor allem eines nicht: schwer.
Vorteile des Heckmotors
- Ein Vorteil von E-Bike-Heckmotoren ist die geringe Geräuschentwicklung, außerdem sind sie optisch sehr unauffällig in die Silhouette des Rads zu integrieren und deswegen bei Anbietern von schnellen, stylischen Urbanbikes sehr beliebt.
- Der Heckmotor ist das Nonplusultra für sportliche Fahrer.
- Ein E Bike Heckmotor punktet mit seiner leisen und kraftvollen Leistung.
- Er ermöglicht eine gleichmäßige Kraftübertragung auf das Hinterrad, was besonders auf steilen Anstiegen oder in unwegsamem Gelände von Vorteil ist.
- Ein weiterer Vorteil ist die geringe Belastung der Schaltkomponenten, was die Lebensdauer der Kette erhöht.
- Der Hinterradmotor kann auf Grund seines Fahrverhaltens sportlicher und agiler genutzt werden.
- Durch das zusätzliche Gewicht auf der Hinterachse erhöht sich der Grip des Hinterrads, was gerade bei Nässe oder am Berg von Vorteil ist.
- E-Bikes mit Heckmotor können Energie rekuperieren, haben ein geräuscharmes Fahrwerk, sind nachrüstbar und belasten Schaltung und Kette weniger.
- Der Heckmotor bietet eine größere Übersetzungsbandbreite durch die Möglichkeit, eine Kurbel mit drei Kettenblättern zu fahren.
- Außerdem ist eine Aufladung des Akkus durch Energierückgewinnung (Rekuperation) möglich.
- Die Laufräder werden also direkt vom Motor in Bewegung gesetzt, so erzielt der Nabenmotor einen hohen Wirkungsgrad.
- Front- und Heckantriebe bestechen außerdem durch geringe Geräuschentwicklung und durch die Möglichkeit der Rekuperation.
Nachteile des Heckmotors
- Ein potenzieller Nachteil des Heckmotor E Bikes ist das etwas höhere Gewicht am Hinterrad, das die Balance beeinflussen kann.
- Zusätzlich fördert die Position des Hinterradmotors samt Schwerpunktverlagerung an einem E-Bike das unerwünschte Aufbäumen des Vorderrads in steilen Anstiegen - auch hier sind besonders E-Mountainbikes betroffen.
- Ein Nachteil des E-Bike-Hinterradmotors: Er verlagert den Schwerpunkt des gesamten Bikes nach hinten.
- Das Fahren mit solch einem Vorderrabenmotor ist zunächst gewöhnungsbedürftig, denn durch das zusätzliche Gewicht am Vorderrad lässt sich das e-Bike anders lenken, es wird träge.
- Wegen dieser frontlastigen Gewichtsverteilung neigt das Vorderrad auf nassem oder losem Untergrund zum Durchdrehen.
Zusammenfassung: Vergleich der Motorpositionen
Die Wahl der passenden Motorposition hängt von Deinen individuellen Bedürfnissen und Fahrgewohnheiten ab. Hier eine kurze Zusammenfassung:
- Frontmotor: Geeignet für flache Strecken und entspanntes Fahren in der Stadt.
- Mittelmotor: Bietet die beste Performance in bergigem Gelände und auf unbefestigten Wegen.
- Heckmotor: Ideal für sportliche Fahrer, die eine kraftvolle und leise Leistung wünschen.
Ob Front-, Mittel- oder Heckmotor - jede Motorposition hat ihre eigenen Vor- und Nachteile. Wäge deine Optionen sorgfältig ab und teste verschiedene Modelle, bevor Du Dich entscheidest.
| Motorposition | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|
| Frontmotor | Günstig, kompatibel mit allen Schaltungstypen, Rücktrittbremse möglich | Ungewöhnliches Fahrgefühl, beeinträchtigtes Lenkverhalten, Wegrutschen des Vorderrads möglich |
| Mittelmotor | Ausbalancierte Fahrperformance, vielseitig einsetzbar, feinfühlige Unterstützung | Hoher Verschleiß von Kette und Ritzel, tendenziell teurer |
| Heckmotor | Leise, optisch unauffällig, gute Traktion am Hinterrad, Energierückgewinnung möglich | Verlagerung des Schwerpunkts nach hinten, Aufbäumen des Vorderrads in steilen Anstiegen möglich |
Verwandte Beiträge:
- Günstige E-Bikes für Damen: Top Modelle im Preisvergleich
- E-Bike Funktionsweise: Technik, Komponenten & Tipps
- Big Bike Laufrad: Test & Vergleich der besten Modelle
- E-Bike Dreirad mit Mittelmotor: Komfort und Sicherheit für Senioren
- Warum bremst Ihr E-Bike beim Fahren? Die häufigsten Ursachen & einfache Lösungen!
- Die besten Motocross-Strecken in Deutschland – Dein ultimativer Abenteuer-Guide!
Kommentar schreiben