E-Bike Mittelmotor Nachrüsten: Der Bafang MM G340 im Test

Elektrofahrräder und Pedelecs erfreuen sich immer größerer Beliebtheit, doch nicht jeder kann sich ein solches Rad leisten. Viele besitzen bereits ein gutes Fahrrad und möchten es nicht ersetzen. Für diese Zielgruppe gibt es die Möglichkeit, das eigene Fahrrad mit einem Pedelec-Umbausatz in ein echtes Pedelec zu verwandeln. Hier informieren wir über die Aspekte, die man vor dem Umbau beachten sollte.

Warum ein E-Bike Nachrüst-Kit?

  • Nachhaltigkeit: Kein neues E-Bike erforderlich, das alte Fahrrad wird nicht verschrottet.
  • Verbundenheit: Möglichkeit, ein geliebtes Fahrrad weiter zu nutzen.

Allerdings gibt es auch Nachteile:

  • Montage: Der Einbau kann kompliziert sein und spezielles Werkzeug erfordern.
  • Kosten: Ein Neukauf eines E-Bikes kann unter Umständen günstiger sein.

Unterschied zwischen Pedelec und E-Bike

Oftmals wird fälschlicherweise von einem Elektrofahrrad gesprochen, obwohl es sich eigentlich um ein Pedelec handelt. Bei einem Pedelec unterstützt der Motor nur beim Treten, während ein Elektrofahrrad auch ohne Muskelkraft fahren kann. Gesetzlich sind in Deutschland maximal 250 Watt Motorleistung erlaubt, um die eigene Kraft zu ergänzen. Stärkere Motoren dürfen nur abseits öffentlicher Straßen oder mit einem Mofa-Kennzeichen genutzt werden.

Der Bafang MM G340 im Detail

Wir haben den Mittelmotor Bafang MM G340 getestet, der über Shops wie Amazon oder Banggood bestellt werden kann. Für unseren Test entschieden wir uns für das Nachrüst-Kit Bafang MM G340 mit dem Akku Haniwinner H193 im Wert von rund 650 Euro.

Lieferumfang

Das Paket des Haniwinner H193 beinhaltet den Akku, ein Netzteil mit europäischem Stecker, eine bebilderte Anleitung und zwei Schlüssel zum Absperren des Akkus. Das Paket des Bafang MM G340 beinhaltet den Mittelmotor, Kurbeln, Bordcomputer, Handcontroller, Geschwindigkeitssensor, Bremsen, Frontlicht, Kabelbinder, Bedienungsanleitung und Montagewerkzeug. Zudem liegt ein Gashebel bei, dessen Montage in Deutschland jedoch illegal ist, da er ohne Trittunterstützung 25 km/h erreicht, während hierzulande maximal 6 km/h als Schiebehilfe erlaubt sind.

Für den Tausch des Innenlagers benötigt man einen Schlüssel, der nicht im Lieferumfang enthalten ist. Insgesamt sind alle Komponenten gut und sicher verpackt. Schrauben sind in einzelne Tüten sortiert und die Bedienungsanleitung zählt alle Teile auf, die im Lieferumfang enthalten sein sollen. Bis auf das Fahrrad, ein bisschen Isolierband und einen Innenlagerschlüssel für das Tretlager ist alles mit dabei.

Montage

Die gesamte Montage des Sets kostete uns Laien sechs volle Stunden. Das Tretlager muss ausgetauscht werden, hier kommt der Motor rein. Der Akku findet am Rahmen Platz, die Bremshebel werden ausgetauscht, die Steuereinheit und das Display kommen an den Lenker, das Frontlicht an die Gabel und der Geschwindigkeitssensor ans Hinterrad. Zudem muss man noch die Kabel entlang des Rahmens befestigen.

Schritt für Schritt sieht das so aus:

  1. Alte Pedale, Kurbeln und Tretlager entfernen.
  2. Mittelmotor mit neuem Tretlager anbringen, festschrauben und neue Kurbeln sowie alte Pedale befestigen.
  3. Lenkerstange freimachen, neue Bremshebel sowie Bordcomputer und Steuereinheit anbringen.
  4. Gegebenenfalls alte Frontleuchte entfernen und neue anbringen.
  5. Geschwindigkeitssensor am Hinterrad anbringen.
  6. Akku an Vorrichtung für Getränkehalter festschrauben.
  7. Alle Kabel miteinander verbinden (farblich gekennzeichnet) und entlang des Rahmens mit Kabelbindern befestigen.
  8. Kabelkontakte zwischen Motor und Akku abisolieren.

Geübte Fahrradbastler benötigen für den Umbau wahrscheinlich bis zu zwei Stunden. Bafang bietet bei Bedarf eine detaillierte Videoanleitung zur Montage - ein QR-Code zum Video befindet sich in der Bedienungsanleitung.

Praxiserfahrung

Wir sind für den Test knapp drei Wochen mit unserem umgebauten E-Bike unterwegs gewesen und haben insgesamt 100 Kilometer zurückgelegt. Der Bafang Mittelmotor reagiert nach der ersten vollen Umdrehung der Pedale auf Tritte. Da der Sensor über keinen Drehmomentsensor verfügt, benötigt er diese erste Umdrehung zur Reaktion. Das Fahrgefühl ist daher beim ersten Tritt weniger direkt als bei Mittelmotoren mit Drehmomentsensor.

Wer bisher nur Bikes mit Front- oder Heckmotoren gefahren ist, wird die direktere Trittunterstützung des Bafang-Motors begrüßen. Der Motor hat ordentlich Power, was bei der getesteten Version mit 750 Watt nicht verwundert. Da die Nennleistung vermutlich bei 350 Watt liegt, ist der Motor für deutsche Straßen nicht legal. Für den deutschen Straßenverkehr wäre eine schwächere Motorisierung ratsam.

Insgesamt fünf Unterstützungsstufen können über die Steuereinheit eingestellt werden. Mit Unterstützungsstufe 1 und drittem Gang ist bereits ein entspanntes Radfahren bei 25 km/h auf ebener Strecke möglich. Bergauf reicht oft Stufe 3. Die Stufen 4 und 5 sind eher Spielerei, da selbst bei 24 Gängen im höchsten Gang bergauf zu viel Kraft vorhanden ist. Die Steuereinheit ist gut gearbeitet und lässt sich komfortabel bedienen.

Das Farb-LC-Display unseres Kits zeigt alle wichtigen Informationen an, wie Uhrzeit, Unterstützungsstufe, Gesamtkilometer, Streckenkilometer, Geschwindigkeit und Akkustand. Zudem kann das System mit einem Passwort geschützt werden. Achtung: Wer das Passwort vergisst, kann seinen Elektromotor nicht mehr nutzen.

Die Akkuanzeige passt sich dynamisch den aktuellen Gegebenheiten an. Bei Bergauffahrt mit Stufe 5 fällt die Anzeige schnell ab, erholt sich aber in der Ebene mit Stufe 3 wieder. So hat man immer im Blick, wie stark der Akku belastet wird. Mit einer Akkuladung kommt man bei mittlerer Unterstützung und weitgehend ebener Strecke auf etwa 50 bis 60 Kilometer. Bei dauerhafter Nutzung der Unterstützungsstufen 4 bis 5 sind es eher 30 Kilometer. Diese Werte sind natürlich abhängig von Terrain, Gewicht und anderen Faktoren.

Preis und Alternativen

Insgesamt haben wir knapp 700 Euro für ein solides Fahrrad vom Wertstoffhof, Nachrüst-Kit und Akku bezahlt. Bafang-Sets gibt es in diversen Konfigurationen mit Motorstärken von 250, 500, 750 und 1000 Watt. Neben unserem Farb-LC-Display gibt es noch viele weitere Bildschirme für E-Bike-Nachrüst-Sets. Die meisten Kits kommen mit Bafang-Motoren und Akkus von Hailong oder Haniwinner. Wer einen schwächeren Motor bevorzugt, findet Komplett-Sets samt Akku bei Amazon für rund 440 Euro.

Beliebte Kits:

  • Bafang BBS01B 250W
  • Bafang BBS02B 500W
  • Bafang MM G340 750W (unser Testgerät)
  • Bafang M620 G510 1000W

Beliebte Akkus (kompatibel mit Kits):

  • Haniwinner HA194 561Wh
  • Haniwinner HA193 624Wh (unser Testgerät)
  • Hailong S039-3 691 Wh
  • No-Name Battery U004 1248Wh

Verschiedene Motorvarianten der Umbausätze

Grundsätzlich unterscheidet man die Pedelecs zwischen zwei Antriebsarten. Zu einem gibt es den Tretlagermotor und den Nabenmotor, wobei der Nabenmotor sowohl in der Vorder- als auch in der Hinterachse verbaut werden kann. Hierzu wird im Regelfall das Komplette Rad gegen ein neues Rad mit Motor ausgetauscht. Bei dem Tretlagermotor befindet sich der Kraft gebende Motor direkt am Tretlager.

Vor- und Nachteile der Motorvarianten

Jede Antriebsart hat ihre Vor- und Nachteile. Bei den Vorderradmotoren kommt es einigen Radfahrer so vor, als würden sie gezogen werden, in Kurven und auf Schotterstraßen kann die Stabilität auf dem Fahrrad heikel werden, so Erfahrungen von Radfahrern, die einen zu starken Vorderradmotor eingebaut hatten. Beim Hinterradmotor kommen hin und wieder Stimmen auf, dass man das Gefühl hat geschoben zu werden. Sicherlich auch ein subjektives Empfinden.

Hat man einen Platten oder muss der Mantel oder Schlauch einmal getauscht werden, so kann der Nabenmotor bereits eine große Hürde sein. Der Tretlagermotor, der auch gerne Mittelmotor genannt wird, macht einen angenehmen Schwerpunkt des Fahrrads. Dieser liegt weit unten und macht ein sicheres Fahrgefühl. Leider leidet die Kette mehr als ohne Tretlagerantrieb, da hier die Kraft auf die Kette übertragen wird. Diese Kraftübertragung setzt bei einem Pedelec jedoch nur ein, wenn auch getreten wird.

Umbausatz für Vorder- oder Hinterrad

Der Vorderradumbau ist technisch gesehen der Einfachste. Hier muss man sich nicht mit einer am Hinterrad vorhandenen Gangschaltung auseinander setzen. Fertig eingespeicht, kann das neue Vorderrad inklusive Nabenmotor in das Fahrrad eingeseztzt werden. Beim Hinterradmotor kann eine Gangschaltung durchaus zu Komplikationen führen.

Mittlerweile gibt es auch Pedelec Umbausätze für einen Tretlagerantrieb zu kaufen. Elfei bietet dabei den Tretlagermotor bzw. Mittelmotor als Bausatz an. Bei den Radumbauten kann man zwischen 26 und 28 Zoll Rädern wählen, hier gilt es auf das eigene Fahrrad zu achten.

Technische Voraussetzungen für das eigene Fahrrad

Wer sein eigenes Fahrrad zu einem Pedelec umbauen möchte, der sollte darauf achten, dass das Fahrrad technisch einwandfrei ist. Ältere Modelle sollten nicht gewählt werden, da Bremsen, Rahmen und andere Bauteile einer höheren Belastung ausgesetzt sind. Das höhere Gewicht durch den Motor, die Anbauteile und den Akku wirken mit einer höheren Belastung auf die Sicherheitsrelevanten Bauteile.

Gerade die höheren Geschwindigkeiten verlangen gute Bremsen. Der Bremsweg wird länger und die Bremsen dürfen nicht versagen. Hier empfiehlt es sich auf Scheibenbremsen oder hydraulische Bremsen zu setzen.

Motor und Akku beim Pedelec Umbausatz

Wie oben bereits erwähnt, dürfen Pedelecs lediglich mit einem 250 Watt Motor betrieben werden, größere Motorleistungen müssen als Mofa angemeldet werden. Eine Versicherungspflicht tritt bis 250 Watt bei den Pedelecs aktuell nicht ein. Der Akku sollte möglichst viel Leistung haben. Hier ist dringend zu empfehlen, direkt beim ersten Kauf etwas mehr auszugeben. Die Reichweite hängt neben dem Fahrverhalten maßgeblich von der Akkukapazität ab.

Die normale Versorgungsspannung liegt bei 36 V. 9 Ah sollten dabei die unterste Wahl beim Akku sein. Wer die Möglichkeit hat einen 11 Ah Akku oder mehr zu bekommen, der sollte diesen wählen. Der Akku findet im Regefall hinter der Rahmen-Sattelstange oder am Gepäckträger seinen Platz.

Display und Leistungssteuerung der Motorkraft

In fast jedem Pedelec Umbausatz ist eine Bedieneinheit oder Display enthalten, hiermit kann man die Kraftzufuhr einstellen und regeln. Je nach Einstellung wird so mehr oder weniger Kraft vom Motor übertragen. Einige Modelle bieten eine stufenlose regulation, andere Modelle haben vordefinierte Stufen. Hier entscheidet der Preis.

Wählen Sie beim Display zwischen LED und LCD. Aufpreis stellt sich meist bei den LCD Displays ein, da diese deutlicher und auch bei starker Sonneneinstrahlung noch gut zu erkennen sind. Von der eingestellten Kraftzufuhr hängt maßgeblich die Reichweite des Akkus ab.

Anbieter für Pedelec Umbausätze

Pedelec Bausätze bekommt man aktuell von Senglar, Bionx, xGerman und Elfei, wobei sich Elfei sehr darauf spezialisiert hat und diese als Eigenmarke vertreibt. Preislich locken die Anbieter zwar immer mit Angeboten ab 300 Euro, anfangen kann man damit jedoch noch nicht viel. Für 300 Euro bekommt man keinen Akku und auch nicht die entsprechenden Zubehörteile.

Realistisch betrachtet muss man mindestens 900-1500 Euro investieren, auch beim Pedelec Umbau. Generell ist der Umbau nach Herstellerangaben mit nur ein wenig technischem Geschick selbst zu erledigen. Will man sicher sein, das alles vernünftig erledigt wurde, kann man auch eine Fachwerkstatt aufsuchen. Umbausatz plus Einbau dürften dann immer noch günstiger sein als ein ganz neues Pedelec.

Pedelec Umbausätze im Vergleich

Hier ist eine Übersicht verschiedener Anbieter und ihrer Produkte:

Hersteller Typ Leistung Preis Anbieter
NCB Vorderrad 250 Watt N/A Amazon
Bafang Mittelmotor 250 Watt N/A Bafang
Bafang Hinterrad 250 Watt N/A Amazon
Junstar Akku + Gepäckträger 11,6 Ah N/A Bafang

Stand der Daten in der Tabelle: 27. August 2025

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