Elektrobikes liegen voll im Trend und verdrängen das normale Fahrrad immer mehr. Mittlerweile gibt es das vor rund 200 Jahren erfundene Gefährt auch mit elektrischer Unterstützung: E-Bikes liegen voll im Trend. Doch hat das E-Bike auch in Sachen Trainingseffekt seine Berechtigung?
E-Bike-Boom: Zahlen und Fakten
Die Verkaufszahlen, veröffentlicht vom Zweirad-Industrie-Verband ZIV, verdeutlichen den Aufstieg des E-Bikes: Im Jahr 2019 wurden rund 1,4 Millionen Elektro-Fahrräder verkauft, knapp 400.000 mehr als im Jahr davor. Im Jahr 2020 waren es fast schon 2 Millionen. Doch auch das klassische Fahrrad ist nach wie vor beliebt. Im Jahr 2020 kauften die Deutschen etwa 3 Millionen Fahrräder, die Verkaufszahlen blieben über die letzten drei Jahre konstant. Rund 16 Millionen E-Bikes waren 2024 auf Deutschlands Straßen unterwegs.
Die Vorteile des E-Bikes
Ein Aspekt für den Erfolg der E-Bikes könnte der nachgewiesene gesundheitliche Nutzen dieser motorisierten Räder sein. Mit einem E-Bike ist die Last gleich deutlich geringer, wenn Eltern einen Kinderanhänger hinter sich herziehen. Auch Senioren oder gesundheitlich beeinträchtigte Personen, denen das Fahrradfahren auf einem normalen Fahrrad aufgrund der körperlichen Anstrengung bislang schwerfiel oder sogar gar nicht möglich war, können sich mit einem E-Bike problemlos fortbewegen.
- Mehr Motivation: Nachweislich erhöht die elektrische Unterstützung die Motivation zur Bewegung.
- Erweiterte Möglichkeiten: Die sich bietenden erweiterten Möglichkeiten bringen positive Effekte mit sich.
- Unterstützung bei Anstiegen und Gegenwind: Ein E-Bike ist perfekt geeignet, um etwa einen Berg leichter hinauf zu gelangen, gegen Gegenwind anzukämpfen und lange Strecken ohne Anstrengung hinter sich zu bringen.
- Weniger Anstrengung: Gerade Berufstätige haben hier den klaren Vorteil, dass sie nicht mehr verschwitzt zur Arbeit kommen.
Studien belegen den Trainingseffekt von E-Bikes
Im Juni 2022 wurde im European Journal of Apllied Physiology eine Studie veröffentlicht, in der sich Forscher der University of Colorado mit dem Thema E-Bikes befassten. Eine Studie der Universität Basel zeigt: Schon nach vier Wochen E-Bike-Fahren stellt sich ein positiver Effekt für die Gesundheit ein, denn auch das motorisierte Fahrrad fördert die Ausdauer. Den Forschenden zufolge hat das E-Bike sogar einen vergleichbaren Effekt auf die körperliche Fitness.
20 Probanden - männlich wie weiblich - sollten mindestens dreimal pro Woche 40 Minuten mit dem E-Bike unterwegs sein. Einen Monat lang. Die Geschwindigkeit sollte nach eigenem Wohlbefinden frei gewählt werden. Dabei benutzten die Teilnehmer der Studie Pedelecs, also E-Bikes, die nicht von allein fahren. Im Voraus wurden die Probanden im Labor auf Herz und Nieren geprüft. Jeder einzelne hatte deutlich bessere Fitness- und Gesundheitswerte im abschließenden zweiten Labor-Test. Der durchschnittliche Puls lag bei 75 Prozent der jeweiligen Höchstgrenze. Die Probanden hatten also ein moderates Workout.
Auch eine Studie aus dem Jahr 2015 zeigte außerdem einen weiteren positiven Effekt der elektrisch unterstützten Räder. Das norwegische Institut für Transportwirtschaft ermöglichte 66 Norwegern aus der Hauptstadt Oslo für zwei bis vier Wochen unbegrenzten Zugang zu E-Bikes und verglich im Anschluss deren Fahrgewohnheiten mit 160 Teilnehmern mit Fahrrädern.
Die Auswertung der Daten ergab, dass die Probanden mit Elektrobike-Zugang signifikant öfter und auch länger unterwegs waren. Der Studie nach war die durchschnittliche Anzahl an täglichen Fahrten mit dem E-Bike höher (1,4) als die Fahrten mit dem normalen Rad (0,9). Auch die durchschnittlich zurückgelegte Distanz betrug bei den E-Bike-Fahrern mit 10,3 Km deutlich mehr als die Fahrten mit dem unmotorisierten Pendant (4,8 Km).
Trainingseffekt für fitte Sportler
Doch auch der Mountainbike-Marathon-Profi Tim Böhme vom Team Bulls, der zudem als Fitness-Experte für das Radlabor Frankfurt aktiv ist, sitzt immer wieder gerne auf dem E-Bike. Vor allem habe er gemerkt, dass der athletische Anspruch auf dem Elektrobike "um einiges höher" als beim normalen Bike sei, da man Masse bewege. "Das habe ich auch am Muskelkater am Tag danach festgestellt", so der Fitness-Experte weiter, "außerdem hatte es den positiven Nebeneffekt, dass das normale Rad danach vom Handling her leichter wirkte."
Auch sonst sei der Trainingseffekt beim E-Bike fahren nicht zu unterschätzen - nicht nur für Hobbysportler. Zwar verleitet die Motorunterstützung laut Böhme dazu, sich weniger anzustrengen und mit weniger Aufwand das gleiche Tempo wie sonst zu fahren, "aber es macht doch viel mehr Spaß, mit 18 km/h bergauf zu fahren als mit 10 km/h oder weniger. Das spornt sogar an, noch eher an die Belastungsgrenze zu gehen."
Gesundheitliche Vorteile des Radfahrens
Bewegung ist für den Organismus überaus wichtig. Nicht nur für den Körperbau, auch für das Immunsystem. Wer sich viel bewegt, wird nachweislich seltener krank. Der Zusammenhang zwischen Bewegung und Gesundheit wurde bereits durch eine Vielzahl von Studien belegt.
Radfahren vereint Mobilität, Sport und Gesundheit. Regelmäßiges Radfahren senkt das Risiko, vorzeitig zu versterben im Mittel um 10 Prozent. Radfahren nützt Menschen mit Diabetes: Es gibt wissenschaftliche Hinweise darauf, dass schon eine Stunde Fahrradfahren pro Wochen über fünf Jahre ausreicht, um das Sterblichkeitsrisiko bei Diabetes zu senken.
Radfahren kann einen positiven Effekt auf die Psyche haben: Studien legen zudem nahe, dass Radfahren mit weniger Stress, einer besseren Stimmung und einer höheren Lebenszufriedenheit verbunden sein kann. Wer statt Bus, Bahn oder Auto das Rad nimmt, um zur Arbeit zu fahren, kann wissenschaftlichen Ergebnissen zufolge mehr Spaß am täglichen Arbeitsweg empfinden, weil besonders auf der Rückfahrt nach der Arbeit durch das Fahrradfahren vermehrt Stresshormone abgebaut werden.
Radfahren stärkt den sozialen Zusammenhalt: Eine Studie der Fernuni Hagen zeigt: Radfahren scheint mit einem guten Miteinander in der Stadt einherzugehen. Gründe hierfür könnten sein, dass Radfahrer ihre Umgebung bewusster wahrnehmen, weil sie etwas langsamer unterwegs sind. Außerdem hören sie eher das Grüßen der Nachbarn und können auf dem Rad leichter mit anderen ins Gespräch kommen. Forscher mutmaßen, dass solche alltäglichen Begegnungen die eigene Nachbarschaft stärken. Was für das Fahren mit einem herkömmlichen Rad gilt, kann auch für das Fahren mit einem E-Bike gelten.
E-Bike-Fahren und Herz-Kreislauf-System
Für die Studie der Medizinischen Hochschule Hannover wurden rund 1.300 Fahrer von E-Bikes (genauer: Pedelecs) und rund 630 Fahrer mit herkömmlichen Rädern analysiert. Alle Teilnehmer wurden mit Fitnesstrackern ausgestattet, die über einen Zeitraum von vier Wochen die gefahrenen Strecken und die Herzfrequenz der Fahrer aufzeichneten. Die Auswertung der fast 60.000 Fahrten zeigten: E-Bike-Fahrer waren 135 Minuten pro Woche auf ihren motorisierten Bikes unterwegs. Weiterhin zeigte die Analyse der Fahrten: Das Herz-Kreislauf-System wurde nahezu genauso intensiv gefordert wie beim herkömmlichen Radfahren. Diese sportliche Betätigung wiederum hilft, das Herzinfarkt-, Krebs- und Diabetes-Risiko zu senken.
Ein weiteres Ergebnis: Fahren mit dem E-Bike ist gut für Muskeln und Gelenke. Während beim Joggen ein Vielfaches des Körpergewichts auf den Fuß- und Kniegelenken lastet, schont E-Bike-Fahren die Gelenke. Das kontinuierliche Treten beim E-Bike-Fahren stärkt insbesondere die Beinmuskulatur. Auch Po und Arme, Rücken und Füße werden beansprucht.
Eine weitere Studie zeigte, dass E-Bike-Fahren wichtige Gehirnfunktionen verbessern kann. Teilnehmende, die dreimal pro Woche 30 Minuten Fahrrad fuhren, schnitten bereits nach acht Wochen bei kognitiven Tests besser ab als Kontrollpersonen, die nicht Rad fuhren. Egal, ob die Radler ein herkömmliches Fahrrad oder ein E-Bike nutzten: Sie waren schneller und genauer bei Wahrnehmungs- und Denkaufgaben. Auch das Wohlbefinden und der psychische Zustand besserten sich.
Sicherheitshinweise für E-Bike-Fahrer
Insgesamt ist die Zahl der E-Bike-Unfälle in Deutschland in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Im Jahr 2023 meldete die Polizei rund 23.900 Unfälle mit Personenschaden im Zusammenhang mit E-Bikes. Das waren etwa elfmal so viele wie 2014 - was natürlich auch mit der wachsenden Beliebtheit dieser Fahrzeugklasse zusammenhängt.
Wer vom E-Bike-Fahren profitieren möchte, sollte Folgendes beachten: Zwar wird bei den Pedelecs der Motor ab einer Geschwindigkeit von 25 km/h abgeschaltet, dennoch müssen die Fahrer erst einmal mit diesem Tempo zurechtkommen: Viele Menschen, gerade in höherem Lebensalter, würden auf Rädern ohne Unterstützung das Tempo des E-Bikes schwer erreichen. Die höheren Geschwindigkeiten erfordern eine schnelle Reaktionsfähigkeit, ein gutes Gleichgewicht und Sicherheit beim Ausweichen von Hindernissen.
E-Bikes sind außerdem um einiges schwerer als ein normales Rad. Das verlängert nicht nur den Bremsweg. Sicheres Fahren, die richtigen Einstellungen - wie etwa die Sattelhöhe des Rads - und die grundsätzliche Handhabung des E-Bikes können in speziellen Kursen bei Polizei oder Verkehrswacht geübt werden. Ein angeleitetes Training ermöglicht auch realistische Fremd- und ehrliche Selbsteinschätzungen der körperlichen und geistigen Fähigkeiten. Bevor es also in den Straßenverkehr geht, sollten E-Bike-Anfänger am besten auf einem Parcours das E-Bike besser kennenlernen und das Fahren üben. Fahrer sollten außerdem auf jeden Fall einen Helm tragen.
E-Bike-Typen: Pedelec, S-Pedelec und E-Bike
Auch bei Fahrrädern mit Elektromotor gibt es Unterschiede. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen E-Bike, Pedelec und S-Pedelec. Allerdings ist nur das Pedelec dem Fahrrad rechtlich gleichgestellt. Das S-Pedelec und das E-Bike erfordern einen Führerschein der Klasse AM sowie ein Versicherungskennzeichen wie bei einem Moped oder Mofa. Fahrende müssen also mindestens 16 Jahre alt sein, müssen einen geeigneten Helm tragen und dürfen nur auf der Fahrbahn fahren - Radwege sind tabu.
- Pedelec: Pedelecs sind Fahrräder mit elektrischer Unterstützung, bei denen der Motor nur dann aktiv ist, wenn der Fahrer in die Pedale tritt. Die Motorunterstützung erfolgt bis zu einer Geschwindigkeit von 25 km/h. Sobald der Fahrer aufhört, zu treten oder schneller als 25 km/h fährt, schaltet sich der Motor ab. Pedelecs sind rechtlich dem Fahrrad gleichgestellt.
- S-Pedelec: Die schnellen Pedelecs funktionieren ähnlich wie die normalen Pedelecs. Ihre Motorunterstützung schaltet sich aber erst bei einer Geschwindigkeit von 45 km/h ab. Sie gehören rechtlich zu den Kleinkrafträdern.
- E-Bike ohne Strampeln: Wer vorwärtskommen, sich dabei aber nicht anstrengen möchte, der kann auf ein E-Bike umsteigen. E-Bikes haben einen Elektroantrieb, der durch einen Drehgriff oder einen Schaltknopf angeschaltet wird. Der Fahrer muss dabei nicht selbst in die Pedale treten.
Das klassische Fahrrad: Vielfalt für jeden Bedarf
Das "klassische Fahrrad" gibt es nicht - sondern viele Varianten für verschiedene Einsatzzwecke. Wer mit dem Fahrrad kurz mal zum Bäcker will, aber auch gern mal eine längere Tour mit der Familie macht, trifft mit einem Trekkingrad die richtige Wahl. Das sind wahre Multitalente, denn einerseits kommen sie mit einem sportlichen Rahmen daher, andererseits bieten Federung, Lenker und Sattel genügend Komfort. Für Unentschlossene, die ihr Fahrrad möglichst überall einsetzen wollen, ist das Trekkingrad die richtige Wahl.
Wer sein Rad primär für alltägliche Wege in der Stadt nutzen möchte, sollte ein Cityrad ins Auge fassen. Sie bieten nur die notwendige Ausstattung, um sicher im Verkehr unterwegs sein zu können - und sind entsprechend günstiger. Wer auf die Sportlichkeit des Fahrrads keinen Wert legt und das Auto für den Stadtverkehr möglichst stehenlassen möchte, greift zum kostengünstigen Citybike. Mit Mountainbikes oder All-Terrain-Bikes kann es mit dem Fahrrad in die Berge oder über Stock und Stein gehen. Mit profilstarken und dicken Reifen helfen sie durch Schlamm und Matsch. Mountainbikes sind gut gefedert, um stärkere Stöße abzufangen. Was Mountainbikes oft nicht haben: Eine verkehrstaugliche Ausstattung.
Verkaufszahlen verschiedener Fahrradtypen (2020)
| Fahrradtyp | Anteil am Gesamtverkauf |
|---|---|
| Trekkingräder, Cityräder und All-Terrain-Bikes (ATB) bzw. Mountainbikes | 45% |
| E-Bikes | 39% |
| Kinder- und Jugendräder, Rennräder sowie Holland- oder Lastenräder | Rest |
Worauf man beim Kauf eines E-Bikes achten sollte
Bevor man sich für den Kauf eines E-Bikes entscheidet, sollte man einigen Punkten näher auf den Grund gehen. Wer täglich nicht mehr als 20 oder 30 Kilometer fährt und unterwegs sogar noch eine Steckdose in greifbarer Nähe hat, der kann getrost beispielsweise auf der Arbeit den Akku des E-Bikes wieder aufladen. Wer jedoch 50 Kilometer oder mehr fahren muss und zwischendurch keine Möglichkeit zum Akkuladen hat, der sollte sich wahlweise für einen leistungsstärkeren Akku entscheiden oder stets einen Zweit-Akku im Gepäck haben. Hier empfiehlt es sich, vor dem Kauf ein E-Bike auszuleihen und dies vorerst anhand der zu fahrenden Strecke auszutesten.
Beim Akku sollten Sie auf Leistung, Reichweite und Art achten. Es gibt Akkus, die fest integriert sind, andere können Sie abnehmen und in den eigenen vier Wänden aufladen und verstauen. Denn: Ein Akku sollte nicht bei Minusgraden gelagert werden. Im Winter müssten Sie also bei einem fest integrierten Akku das ganze Fahrrad in einen wärmeren Raum schaffen.
Ein leistungsstarker Akku kann eine Reichweite von bis zu 100 Kilometer schaffen. Die Einsteiger-Modelle bringen es meist auf durchschnittlich 50 Kilometer je nach Einstellung beim Fahren.
Verschiedene Antriebsarten bei E-Bikes
Bei einem E-Bike gibt es drei verschiedene Antriebsarten:
- Frontmotor: Hier ist die Anfahrt oft ruckelig. Auch kann dieser beim Anfahren häufig verzögert reagieren und nachlaufen, wofür die Sensorik verantwortlich ist.
- Heckmotor: Hat einen deutlich günstigeren Schwerpunkt, der sich allerdings stark nach hinten verlagert, weshalb das Heck einer solchen Version recht schwer sein kann - vor allem, wenn der Akku am Gepäckträger montiert ist.
- Mittelmotor: Hier ist der Schwerpunkt hingegen optimal gelagert, da der Motor recht tief sitzt. Ein Nachteil jedoch ist die stetige Belastung der Fahrradkette, da diese dauerhaft unter Zug steht.
Hier sollte man auf die Verwendung eines modernen Lithium-Ionen-Akkus achten. Von Blei- oder Nickel-Akkus ist hingegen abzuraten, da diese inzwischen veraltet sind.
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