Fahrraddiebstahl ist ein wachsendes Problem, und E-Bikes sind aufgrund ihres hohen Wertes besonders gefährdet. Um Ihr geliebtes E-Bike vor Langfingern zu schützen, ist ein hochwertiges Fahrradschloss unerlässlich. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über verschiedene Schlosstypen, Testmethoden und Sicherheitsaspekte, um Ihnen bei der Auswahl des besten Schlosses für Ihr E-Bike zu helfen.
Die Realität des Fahrraddiebstahls
Fahrraddiebstahl ist Volkssport. Laut Polizeiangaben wurden 2021 233.584 Fahrräder als gestohlen gemeldet - und das sind nur die offiziellen Zahlen. Sicherlich nimmt im Rahmen der Diebstahlstatistik der Gelegenheitsdiebstahl einen sehr großen Raum ein. Doch die Zahl professioneller Diebstähle steigt stetig.
Die Wahl des richtigen Schlosses
Das erste Mittel der Wahl, sein Bike vor Langfingern zu schützen, ist daher ein ordentliches Fahrradschloss. Spiral- oder Panzerkabelschlösser leisten Dieben meist nur wenig Widerstand und sind für hochwertige, in der Stadt geparkte Räder keine Option. Daher haben wir uns in unserem Test auf die „schweren Brocken“ konzentriert. An Bügel-, Falt- und Kettenschlössern aus gehärtetem Stahl beißen sich die meisten Handwerkzeuge die Zähne aus.
Um herauszufinden, welches Schloss sich für mich und mein Rad eignet, gilt es zunächst zu überlegen, wo ich mein Lieblingsgefährt in der Regel abstelle, also die abstrakte Frage nach der potentiellen Gefahrenlage. Man kennt sich, hier kann man davon ausgehen, dass die Gefahrenlage so niedrig ist, dass das Rad ohne Schutz sicher parkt. Wer sein Rad regelmäßig an Plätzen parken muss, an denen viel geklaut wird, sollte selbst ein günstiges, gebrauchtes Fahrrad mit einem hochwertigen Schloss absichern. Besser sogar mit zwei verschiedenen Schlössern.
Verschiedene Schlosstypen im Vergleich
Die Schlossindustrie bietet eine Vielzahl von Schlössern an - allein für diesen Faltschlosstest haben wir 19 verschiedene Modelle getestet. Fahrradschlösser lassen sich in mehrere Kategorien einteilen:
- Kabel-/Panzerkabelschlösser: Wie der Name schon sagt, wird hier ein flexibles Kabel (fast immer ein Stahlseil) benutzt, an dessen Enden das eigentliche Schloss sitzt. Diese Schlösser sind leicht, einfach zu handhaben und flexibel. Allerdings bieten sie in der Regel nur einen sehr geringen Schutz und sind eher Wegfahrsperren als echte Sicherheitsschlösser. Besser sind hier Panzerkabelschlösser, bei denen das Stahlseil zusätzlich von einer Stahlhülle ummantelt ist. Diese wird zusätzlich durch eine feste Textil- oder robuste Kunststoffschicht geschützt.
- Bügelschlösser: Statt eines flexiblen Stahlkabels wird ein fester, U-förmiger Bügel benutzt, der in einem soliden Verschlussriegel steckt. Diese Schlösser gelten als praktisch aufbruchsicher, da an den dicken Stahlbügeln auch Bolzenschneider scheitern. Allerdings erkauft man die Sicherheit eines Bügelschlosses durch ein recht hohes Gewicht, zudem sind sie sperrig, da sie sich natürlich nicht so frei platzieren lassen wie ein Stahlkabel. Bügelschlösser werden üblicherweise mit einer Halterung fürs Fahrrad geliefert, denn sonst ist der Transport ziemlich schwierig.
- Faltschlösser: Faltschlösser bestehen aus einzelne Stahlgliedern, die über Scharniere verbunden sind. Faltschlösser sind wie Bügelschlösser recht schwer, lassen sich aber dank ihrer Scharniere zu handlichen und kompakten Päckchen zusammenlegen. Sie sind dadurch flexibler als Bügelschlösser, aber bei weitem nicht so einfach in der Handhabung wie Kabelschlösser. Ihre schwächsten Stellen sind die Scharniere, die sich bei besonders günstigen Modellen häufig ohne große Probleme aufbrechen lassen.
- Kettenschlösser: Kettenschlösser kombinieren gewissermaßen Bügel- mit Kabelschlössern. Statt eines Stahlkabels steckt in ihrem Innern allerdings eine stabile Stahlkette. Dadurch sind sie so flexibel wie ein Kabel-, zugleich aber so aufbruchsicher wie ein Bügelschloss. Das gilt allerdings nur, wenn die einzelnen Kettenglieder dick genug sind, ansonsten hat ein Bolzenschneider hier leichtes Spiel. Ein sicheres Kettenschloss bringt daher naturgemäß ein sehr hohes Gewicht auf die Waage. Es gibt sie in verschiedenen Längen. Stabile und schwere Kettenschlösser eigenen sich besonders für die stationäre Befestigung, für unterwegs sind sie häufig zu schwer.
- Smart-/Alarmschlösser: Diese Modelle sind relativ neue Schlösser, bekannt als Smartschlösser, die eine Smartphone-App erfordern und sich automatisch verriegeln bzw. entriegeln sollen. Obwohl das Konzept vielversprechend klingt, haben sie sich in der Praxis bisher als unzuverlässig erwiesen, daher ist derzeit keines dieser Schlösser wirklich empfehlenswert. Praxistauglicher sind hier schon alarmgesicherte Schlösser, die laut Alarm schlagen, wenn sich jemand an ihnen zu schaffen macht. Zwar sind Sie nicht so aufbruchsicher wie etwa ein Bügel- oder Panzerschloss, setzen dafür aber auf den lauten Signalton, um potenzielle Diebe abzuschrecken.
Schlüssel vs. Zahlencode
Beim Schloss selbst gibt es in jeder Kategorie verschiedene Schließmethoden, und es ist eher eine Geschmacksfrage, welche Methode man bevorzugt. Standard sind hier die klassischen Schlüssel (bei teureren Modellen besitzt ein Schlüssel auch eine LED, was das Auf- und Zusperren im Dunkeln erleichtert), daneben gibt es aber auch Zahlenschlösser. Schlüssel bieten den Vorteil, dass die Zahlenkombination nicht ausspioniert werden kann oder jemand durch puren Zufall ein Schloss öffnet. Dafür können Sie einen Schlüssel verlieren und der Schließzylinder kann durch Dreck und Staub verstopft werden. Bei Zahlenschlössern sammelt sich zwar ebenfalls Dreck an, aber der führt in der Praxis nicht zu einer vollständigen Blockierung des Schlosses.
Testkriterien und Ergebnisse
Selbstredend beschäftigte uns im Vorfeld die Frage nach der Aussagekraft eines Schlosstests: Attackieren wir die Schlösser direkt am angeschlossenen Rad oder testen wir (abermals) in der Werkstatt. Im Labor: Für die Aufbruchversuche haben wir die laut Polizei gängigsten Werkzeuge verwendet: Fäustelhammer, Metallsäge und Bolzenschneider lassen sich von Dieben problemlos unter einer Jacke mitführen. Pro Versuch standen maximal drei Minuten zur Verfügung. Das „intelligente“ Öffnen von einem Fahrradschloss spielt in der Praxis kaum eine Rolle. Daher haben wir im Test davon abgesehen.
Wie bereits beim Bügelschlosstest 2021 prüften wir die Korrosionsfestigkeit in der Salzsprühnebelkammer im Testlabor velotech.de in Schweinfurt. Velotech simulierte den Alltagseinsatz im Zeitraffer. Alle Schlösser wurden 96 Stunden lang korrosivem Salzsprühnebel ausgesetzt. Im Anschluss überprüften wir die übriggebliebene Funktionalität: Alle 19 Schlösser waren weitgehend unversehrt und voll funktionsfähig. Bei den Schließzylindern fehlte hier und da mal ein Tröpfchen Öl, um die leichte Gleitfähigkeit des Schließmechanismus wieder herzustellen.
Ohne große technische Kenntnisse liegt bei einer Attacke auf ein Faltschloss auf der Hand, mit Hammer und Meißel in die Gelenke zu schlagen und die Nieten innerhalb von drei Minuten möglichst zu durchtrennen. Eine wirklich kraftaufwändige Methode, die einiges an Kondition und geschicktem Werkzeug-Umgang abverlangt. Ein komplett sinnloses Unterfangen: Die Oberflächen der Faltschlösser hielten allesamt dieser Attacke stand. Bei keinem der Testteilnehmer ließ sich auch nur ansatzweise die Oberfläche anritzen. Gute Arbeit der Hersteller!
Im nächsten Schritt testeten wir mit der Säge, die Gelenke durchzutrennen. Ein zäher Vorgang, der allerdings im Vergleich zum Hämmern deutlich leiser, aber nicht kraftschonender vonstatten ging. Fünf Kandidaten hielten nicht stand: Sowohl das Protec Plus FK 85 und FK 110 von Fischer sowie das Rose Lock Maxx FL 75 gaben nach weniger als 60 Sekunden nach. In 2:53 Minuten trennte die Säge das Gelenk.
Die Ergebnisse unseres dritten Härtetests im Faltschloss Test sind schnell erzählt: Alle 19 Faltschlösser hielten dem Aufschneideversuch mittels Bolzenschneider stand. Schlechte Nachricht also für potentielle Fahrraddiebe: die von uns angewandte geräuschärmste Knack-Methode ist auch die unwirksamste.
In Zeiten akkubetriebener Werkzeuge erschien es uns realistisch, die Faltschlösser auch mit einem Winkelschleifer zu attackieren. Zwar sind entsprechende Trennschleifer nicht immer preisgünstig, dennoch bietet der Markt diese aktuell in vielen Varianten an. Das Ergebnis ist leider ernüchternd: nichts bzw. nicht viel. Mit 35 Sekunden hielt Fischers Protec Plus FK85, gefolgt vom Vomox Faltschloss 90 mit 34 Sekunden, noch am längsten stand. Die allermeisten Schlösser waren aber binnen 20 Sekunden durchgeflext.
Zielt man auf die Testmethoden Hämmern und Sägen ab, lässt sich schlussfolgern, dass die getesteten Schlösser den Anforderungen weitgehend gewachsen und lange Zeit einsetzbar sind (siehe Salztest). Und dennoch: Nicht jeder Dieb hat einen solchen stets parat und der mit ihm einhergehende Lärm dürfte den Einsatz eher verhindern.
Um unsere zahlreichen und aufwendig ermittelten Testeindrücke sowie -ergebnisse vergleichbar zu machen, orientieren wir uns an einer kleinteiligen Bewertungs-Matrix. Die Bewertung erfolgt folgendermaßen: Das Gewicht und das Zubehör geht mit je fünf, die Korrosion sowie elektrischer Winkelschleifer mit je zehn Prozent in die Wertung ein.
Empfehlungen und Tipps
Eine ältere Faustformel besagt: Der Preis des Schlosses sollte etwa zehn Prozent des Fahrrad-Neupreises betragen. Das gilt so für E-Bikes nicht mehr, kosten die doch gut und gerne 4000 Euro und mehr. Die Schlösser in unserem faltschloss Test liegen preislich zwischen 19,99 (Crivit) und 194,95 Euro (Squire).
Eine der klaren Aussagen unseres Tests: Auch preisgünstige Schlösser, wie Crivits Folding Bike Lock für 19,99 Euro, können einen erhöhten Diebstahlschutz bieten.
Weitere Tipps zur Sicherung Ihres E-Bikes
- „Abschließen“ beschreibt den korrekten Vorgang der Sicherstellung seines abgestellten Fahrrades oder E-Bikes unzureichend.
- Das Schloss sollte möglichst weit oben angebracht werden, um kein Widerlager am Boden zu bieten.
- Umschlossen sollte auf jeden Fall der Rahmen werden, ein einzelnes Laufrad bietet wenig Schutz.
- Das Abstellen an hellen und gut einsehbaren Plätzen ist ebenso ein Muss, um es Langfingern schwer zu machen.
Unser Test zeigt, dass auch das teuerste Schloss keine hundertprozentige Sicherheit bietet. Wer will, kann sein Rad codieren lassen - etwa bei Polizei, ADFC oder Code-No.com. Beim E-Bike bieten Fahrrad- und Komponentenhersteller wie Stromer, Bosch und andere elektronische und mechanische Wegfahrsperren sowie GPS-Tracking an.
Bekannte Fahrradschlösser im Test - eine Auswahl
Im Folgenden eine Auswahl bekannter Fahrradschlösser und deren Bewertung im Test:
| Schloss | Typ | Bewertung | Preis |
|---|---|---|---|
| ABUS GRANIT XPlus 540 SH B | Bügelschloss | Sehr gut | 139,95 Euro |
| BBB Secure Chain BBL-75 | Kettenschloss | Befriedigend | 69,95 Euro |
| ELOPS Fahrrad-Ketten-Schloss 920 L Art 3 | Kettenschloss | Gut | 59,99 Euro |
| HIPLOK D1000 | Bügelschloss | Sehr gut | 279,99 Euro |
| KRYPTONITE Evolution 790 | Faltschloss | Sehr gut (Testsieger 1/2023) | 135 Euro |
| TRELOCK FS 580 TORO X-Press | Faltschloss | Sehr gut (Testsieger 1/2023) | 132,99 Euro |
Es ist wichtig zu beachten, dass selbst das beste Schloss keinen absoluten Schutz bieten kann. Die Wahl des richtigen Schlosses sollte auf Ihren individuellen Bedürfnissen und der Risikobewertung basieren. Kombinieren Sie Ihr Schloss mit anderen Sicherheitsmaßnahmen, wie z.B. dem Abstellen Ihres E-Bikes an gut beleuchteten und belebten Orten, um das Risiko eines Diebstahls zu minimieren.
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