E-Bike Schnellladen im Test: Eine umfassende Analyse

Das Ladegerät kann auf E-Bike-Touren eine sinnvolle Alternative zum Ersatz-Akku sein. Doch die Modelle unterscheiden sich nach Ladegeschwindigkeit und Gewicht.

Die Bedeutung der Ampere-Zahl

Quizfrage: Wie viel Ampere hat das Ladegerät, das bei Ihnen im Schrank liegt? Nie drauf geachtet? Vier Ampere sind es meist bei Bosch, oft nur zwei bei Shimano. Das sind Unterschiede mit erheblichen Auswirkungen, denn die Ampere-Zahl bestimmt, wie schnell das Ladegerät den Akku lädt. Ganz entscheidend ist das, wenn auf Tour nachgeladen werden soll, zum Beispiel in der Mittagspause.

Vereinfacht gesagt: Ein Ladegerät mit zwei Ampere müsste eigentlich halb so schnell laden wie eines mit vier Ampere. Doch wie groß ist der Unterschied tatsächlich?

Test verschiedener Ladegeräte

Da Bosch drei Ladegeräte von zwei bis sechs Ampere im Sortiment hat, bot sich ein exemplarischer Test an (auch von Shimano gibt es unterschiedlich schnelle Lader). 90 Minuten lang ließen wir die Ladegeräte die Akkus aufladen - und die Unterschiede sind mehr als markant. Genau hinzuschauen, lohnt sich also, denn Ladegeräte landen immer öfter als Alternative zum Zweit-Akku im Rucksack - mit 625 Wattstunden und mehr sind die Batterien mittlerweile einfach zu schwer.

Im Test: Bosch 2A, Bosch 4A, Bosch 6A, Lion Smart Charger.

Nachteile schneller Ladegeräte

Doch schnellere Ladegeräte haben auch Nachteile. Sie sind größer, schwerer und teurer in der Anschaffung als ihre kleineren Brüder. Aber immer noch günstiger und kompakter als der Zweit-Akku, und vor allem viel leichter: Mit 788 Gramm wiegt der schnellste 6A-Charger von Bosch nur etwa ein Viertel einer 500-Wh-Batterie.

Aber schnelle Ladegeräte sollen den Akku auch stärker verschleißen. Ob das zutrifft, klären wir mit Prof. Dr. Bohlen von der Hochschule München.

Bohlen ist überzeugt, dass in Ladegeräten noch viel Potenzial steckt. Besonders, was das Packmaß angeht. „Bis in die Größenordnung einer Zigarettenschachtel kann man kommen“, sagt der Experte.

Lion Smart Charger im Test

Mitgetestet haben wir auch das Gerät eines Drittanbieters: den Lion Smart Charger von Ongineer. Der Smart Charger lädt automatisch das passende Ladeprotokoll für den angeschlossenen Akku und kann so zuverlässig Akkus mehrerer Hersteller laden.

Der Lion Smart Charger ist prinzipiell für alle Akkus mit 36 Volt Spannung geeignet, sofern das richtige Adapterkabel verfügbar ist.

Das smarte Ladegerät von ONgineer ist eine sinnvolle und durchdachte Innovation. Prinzipiell kann es alle 36 Volt Akkusysteme von E-Bikes und E-Scootern laden.

Langfristig etwas Geld sparen soll mit dem Ladegerät von ONgineer ebenfalls möglich sein. Der aus der Steckdose entnommene Strom gelangt mit einer Effizienz von 94 % in den Akku.

ONgineer hat wenig Material für die Herstellung und damit wenig Ressourcen verwendet. Der wohl wichtigste Punkt ist jedoch eine längere Lebensdauer des Akku. Durch eine schonende Ladeoption sollen die Zellen länger arbeitsfähig bleiben.

DJI Avinox und Schnellladen

Der DJI Avinox E-Bike Motor hat auf der Eurobike 2024 die etablierten Motorenhersteller wie Bosch und Shimano ins Schwitzen gebracht. Der DJI Avinox Motor ist leichter, leiser, stärker und kleiner als die aktuellen Flaggschiffe von Bosch, Shimano und Co. Noch dazu besticht er mit einer noch nie da gewesenen Connectivity und einem Touch Display.

Schon beim Aufladen der Batterie zeigt sich, dass die DJI-Entwickler an jedes Detail gedacht haben. So ist nicht nur der Ladeport samt Abdeckung gelungen, das OLED-Display zeigt sogar die Restladedauer minutengenau an! Apropos: Mit dem serienmäßig mitgelieferten Schnellladegerät soll sich der Akku von null auf 75 Prozent in anderthalb Stunden aufladen lassen beziehungsweise in unter drei Stunden von 0 auf 100 Prozent - was sich in unserem Test bestätigte.

DJI arbeitet standardmäßig mit 12-Ampere, während Bosch schon mit einem 6-Ampere-Ladegerät von Schnellladen spricht. Möglich wird das durch eine neue GaN-Technologie. Die Galliumnitrid-Technologie ermöglicht ein hoch effizientes Ladegerät für hohe Ladegeschwindigkeiten.

Zirka 2,5 Stunden muss das Bike schon an der Steckdose hängen, bis es vollkommen geladen ist. Denn das finale Balancen der Zellen im finalen Ladezyklus dauert. Trotzdem sind 2,5 Stunden immer noch verdammt schnell. Zum Vergleich: Ein 800er Bosch Akku brauch ca. 7 Stunden bis er vollgeladen ist.

Schnellladen in der Praxis

Egal ob Elektroauto oder Smartphone, Schnellladen ist in aller Munde und gilt als Schlüssel zum Erfolg der Elektromobilität. Auch bei E-Mountainbikes unterscheiden sich die Ladezeiten teils deutlich.

Von solchen Werten können E-Mountainbiker aktuell nur träumen, schon allein wegen der immensen Kosten dieser Hochleistungsladesäulen, die schnell in die Hunderttausende gehen.

Auf den ersten Blick haben stärkere Ladegeräte kaum Nachteile, doch in der Praxis ergibt sich ein grundlegendes Problem: Je stärker ein Ladegerät ist, desto größer und schwerer ist es im Schnitt auch. Gerade unterwegs auf einer Tour wäre ein Schnelllader besonders nützlich - ein kompaktes Ladegerät ist einfach zu langsam, um den Akku bei einer kurzen Mittagspause auf einer Hütte ausreichend zu laden. Allerdings verbraucht ein Schnelladegerät deutlich mehr Platz im Rucksack und wiegt mehr.

Ladezeiten und Teilladungen

Vorsicht geboten ist bei den Angaben zur Teilladung, die viele Hersteller gerne nutzen. Der Ladevorgang eines Li-Ion-Akkus ähnelt einer logarithmischen Kurve, d.h. am Anfang des Ladevorgangs lädt der Akku schneller als gegen Ende. Ab einem Ladestand von ca. 80 % wird der Ladestrom heruntergefahren, um die Zellen zu schonen.

So gibt Bosch etwa an: „Für 50 % einer Batterieladung benötigt der Fast Charger nur etwas mehr als eine Stunde.“ Wer jetzt davon ausgeht, dass der Akku in 2 h voll ist, wird leider enttäuscht, denn die vollständige Ladung eines 500-Wh-Akkus dauert gute 3 h.

Als Faustregel kann man davon ausgehen, dass der Akku zwischen 80 % und 100 % nur noch mit dem halben Strom bzw. ca. lädt. Das 10-A-Ladegerät ist ein sogenannter Smartcharger, der vor dem Ladevorgang mit dem Akku über CAN-Bus kommuniziert und dann nur den Strom zulässt, den der Akku auch verträgt.

Haibike FLYON und Schnellladen

Die aktuelle Benchmark setzt Haibike mit den neuen FLYON-Bikes, deren Schnelllader in neue Dimensionen vorstößt. Das 10-A-Ladegerät wurde in Zusammenarbeit mit BMZ entwickelt und lädt den 630 Wh großen Akku in gerade einmal 60 min auf 80 %, für eine Ladung von 0 bis 100 % benötigt er lediglich 1,5 h. Doch so viel Power hat auch Schattenseiten, denn das Ladegerät wiegt knapp 2,3 kg (das ist mehr als doppelt so schwer wie der Bosch Fast Charger) und ist durch seine aktive Kühlung nicht spritzwassergeschützt.

Das kleinere 4-A-Ladegerät wiegt dagegen nur 810 g, benötigt mit 3,8 h für eine komplette Ladung aber auch mehr als doppelt so lang.

Mit dem neuen Schnellladegerät zeigt Haibike, was bereits heute möglich ist, und bietet damit als erster Hersteller ein Ladegerät an, das bei einem typischen Hüttenstopp den Akku fast vollständig laden kann. Das Problem liegt jedoch auf der Hand: Wegen seiner 2,3 kg werden viele Fahrer das Ladegerät nur ungern im Rucksack mitnehmen.

Öffentliche Ladestationen und Infrastruktur

Die Lösung könnte ein Netzwerk aus öffentlichen Ladestationen sein, die etwa von Hüttenwirten und Hoteliers betrieben werden, doch der Aufbau einer solchen Infrastruktur steckt noch in den Kinderschuhen. Das liegt nicht nur an den Kosten, sondern auch daran, dass die Antriebe der verschiedenen Hersteller nicht miteinander kompatibel sind - ein gemeinsamer Ladestandard wäre hier eine große Hilfe.

Vorteile und Nachteile von Schnellladegeräten

Kürzere Ladezeiten bieten im Alltag viele Vorteile und erhöhen nicht nur die Reichweite von E-Bikes, sondern machen sie auch benutzerfreundlicher und flexibler. Aktuelle Schnellladegeräte leiden allerdings an einer Identitätskrise: Sie sind zu groß, um sie mitzunehmen und zu Hause sind sie in der Regel nicht nötig.

Was wirklich helfen würde, wäre eine starke Infrastruktur aus öffentlichen Ladestationen.

Alternativen zum Schnellladen

Unbeschwert mit dem E-Bike unterwegs sein macht enorm viel Spaß. Wären da nicht ab und zu die Gedanken an den Akku. Wie weit komme mit der aktuellen Ladung noch? Wo kann ich ihn am besten aufladen? Auf diese Fragen gibt es heutzutage ganz verschiedene Antworten.

Laden zu Hause

Komfortabler als an einer gut gewarteten Ladestation ladet ihr euer E-Bike wahrscheinlich nur zuhause auf. Kein Ladegerät, höchstens ein passendes Ladekabel oder einen Adapter - mehr braucht es dafür nicht.

Öffentliche Ladestationen

Sowohl in touristischen Regionen als auch im urbanen Raum an zentralen Orten wie Bahnhöfen, Busbahnhöfen, Einkaufscentern oder so manchen öffentlichen Einrichtungen finden sich solche Ladestationen. In Gegenden, in den viele Menschen ihren Urlaub verbringen, sind Restaurants, Hotels oder Museen die jeweiligen Anlaufstellen. Errichtet haben die Ladesäulen unterschiedlichste Anbieter. Habt daher zur Sicherheit das Ladekabel für euer E-Bike lieber griffbereit.

Mithilfe gängiger Internetdienste wie Google Maps könnte ihr euch Ladestationen auf dem Smartphone anzeigen lassen. Noch bequemer lösen das mitunter spezielle Apps.

Alternativ zu den genannten Apps könnt ihr Apps zum Anzeigen von Ladestation für E-Autos nutzen. Oftmals erlauben diese ein Filtern der Suchergebnisse nach „Schuko-Stecker“.

Tankstellen

Je nach Gegend findet ihr eher eine Tankstelle als per App eine Ladestation zum Laden des Akkus. Wer dort höflich nach einer Erlaubnis zum Aufladen fragt, wird wohl nur selten abgelehnt. Und wenn ihr bei der Gelegenheit noch etwas zu trinken oder essen bestellt, gibt’s den Strom am Ende vielleicht sogar gratis.

Mitführen eines Ladegeräts

Trotz Ladestationen kommt die Sprache beim Laden des E-Bikes unterwegs schnell auf das Ladegerät. Sein Mitführen versetzt euch schnell in die Lage, flexibel auf verschiedene Gegebenheiten reagieren zu können.

Heute gestaltet sich die Situation deutlich übersichtlicher. Für viele E-Bike-Systeme von Bosch, Shimano, Mahle, Fazua, TQ, Brose, Pinion und Co. werden nur noch ein, höchstens zwei Ladegeräte angeboten. Häufig beträgt deren Ladestrom zwischen zwei Ampere und vier Ampere.

Ob ihr unterwegs lieber ein Ladegerät bei euch habt oder nicht, richtet sich vermutlich meist nach dem Verhältnis zwischen Aufwand und Nutzen.

Zweitakku

Noch schneller seid ihr jedoch, wenn ihr unterwegs einfach den ursprünglichen Akku gegen einen Zweitakku tauscht. Nachteil dieser Lösung ist verständlicherweise ein größeres Gewicht während der Fahrt. Schließlich wiegt ein Akku mehr als ein Ladegerät.

DualBattery

Wer DualBattery einmal verwendet hat, wird in vielen Fällen nicht mehr zur Variante mit einem einzigen Akku zurückkehren wollen. Der Reichweitengewinn eröffnet ungeahnte Freiheiten und lässt die Angst um ein plötzliches Ausbleiben der elektrischen Unterstützung ganz weit nach hinten rücken.

Range Extender

So lässt sich zwar weniger zusätzliche Reichweite generieren. Dafür schrumpft der Akku auf das Maß ähnlich einer herkömmlichen Trinkflasche und lässt sich so mit geringem Aufwand im E-Bike-System und am Rahmen hinzufügen. Am Ende kommen zwischen einem Drittel oder gar der Hälfte an Kilometern auf die ursprüngliche Reichweite darauf - je nach Antrieb und der Größe des serienmäßig verbauten Akkus.

Akkukapazität und Batterie-Management-Systeme

Angesichts von kontinuierlich gestiegenen Akkukapazitäten, ausgefeilterer Batterie-Management-Systeme und modernerer Akkuzellen hat das Laden des E-Bikes unterwegs zum Glück ein wenig an Brisanz verloren.

Einheitliche Ladeinfrastruktur

Aktuell nutzt beinahe jeder Systemhersteller einen eigenen Ladeanschluss. Das stößt nicht nur bei vielen E-Bike-Fahrenden auf Unverständnis, sondern erschwert gleichzeitig das Etablieren einheitlicher und damit einfach zugänglicher Ladeinfrastruktur.

Rekuperation

Einige E-Bike-Antriebe, etwa von Cixi oder Opium, ermöglichen genau dies. Das entsprechende Prinzip heißt Rekuperation. Sie sorgt dafür, dass ein sich bewegendes E-Bike einen Teil der dabei entstehenden Energie zurückgewinnt. Dieser fließt dann zurück in den Akku.

Gewichte verschiedener Ladegeräte

Hier eine Tabelle mit den Gewichten verschiedener Ladegeräte:

Ladegerät Gewicht (ca.)
Amflow 12A Ladegerät für DJI Avinox Leicht größer und 250 Gramm schwerer als Bosch 4A
Fazua Ride 60 3A Ladegerät Nicht angegeben
Sram Eagle Powertrain 4A Ladegerät Nicht angegeben
TQ 4A Ladegerät Nicht angegeben
Bosch Fast Charger Knapp 1 kg
Haibike FLYON 10A Ladegerät 2,3 kg
Haibike FLYON 4A Ladegerät 810 g
Lion Smart Charger 370 g

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