E-Bikes aus China: Hersteller, Innovationen und Marktentwicklung

Der Weltmarkt für E-Bikes wächst rasant und zieht das Interesse international erfolgreicher Unternehmen auf sich. Auch in China selbst, wo bisher eher elektrische Fahrräder als Transportmittel populär waren, wächst der Sportmarkt für E-Bikes mit hohen Preisen. Bis 2030 könnte dieser Markt mit jährlichen Anstiegen von 10 Prozent ein globales Volumen von mehr als 100 Milliarden Euro erreichen, prognostiziert ein Bericht von Allied Market Research. Das ist sehr viel Markt - sogar ein noch größerer Markt als der für Drohnen im Konsumenten-Segment, sollten diese Vorhersagen eintreffen.

DJI betritt den E-Bike-Markt

Es sei ein „natürlicher Schritt“, dass man jetzt auch E-Bikes baue, so Sprecher des chinesischen Drohnen-Herstellers DJI. Alle wichtigen Komponenten - Antrieb, Batterie, Software - seien bei E-Bikes ähnlich wie bei Drohnen. Ob sich das Gefährt dann auf zwei Rädern fortbewegt oder herumfliegt, sei eigentlich Nebensache, ist sich das Unternehmen sicher. DJI positioniert sich vor allem als Hersteller von Antriebssystemen für E-Bikes und hat beispielsweise auf der diesjährigen Eurobike sein „Avinox“-System vorgestellt, das im E-Bike Amflow zum Einsatz kommt.

Mit der gleichzeitigen Entwicklung eines kompletten E-Bikes mit Markennamen „Amflow“ will das Unternehmen nun seine technischen Fähigkeiten validieren. Der Drohnenhersteller drängt aber bisher vor allem als Zulieferer von Antrieben auf den B2B-Markt. Nicht zu leugnen ist aber, dass mit dem Eintritt des international erfolgreichen Technologiekonzerns DJI in den Markt für E-Bikes die Konkurrenz für bislang etablierte Player noch einmal härter wird, unter anderem für Zulieferer wie Bosch oder Bike-Hersteller wie Shimano.

Das neue „Amflow PL e-bike“ von DJI, das ab Ende dieses Jahres auch in Deutschland in den Handel kommen soll, ist eine Demonstration der technologischen Fähigkeiten von DJI. Die letztere ist dank Galliumnitrid-Technologie sehr schnell wieder aufladbar. Der Motor läuft äußerst leise. Ein moderner OLED-Touchscreen zeigt die Route an. Und dennoch ist das ganze Gefährt dank seines nur 2,27 kg wiegenden Rahmens aus Karbonfasern relativ leicht für so ein High-End-E-Bike. Es wiegt insgesamt 19,2 kg.

„Unsere Expertise in Batterie- und Motortechnologie, die wir in Drohnen und Kamera-Stabilisierungs-Systemen gesammelt haben, hat uns zur Entwicklung von Avinox geführt,“ betont Christina Zhang, die bei DJI für die Strategie zuständig ist. „Es ist ein natürlicher Schritt für DJI, in dieses Feld zu expandieren.“

Premium-Anspruch und Preisgestaltung

Nach unbestätigten Berichten zufolge dürfte der Preis für das neue Amflow PL zwischen 7.000 und 12.850 Euro liegen, je nach Ausstattung. Damit macht DJI den Herstellern von Sport-E-Bikes im Premium-Bereich direkte Konkurrenz, darunter etwa Specialized, Bosch eBike, Trek oder auch den E-Bike-Angeboten von Porsche, Lamborghini oder BMW.

Chinesische Hersteller erobern den Markt

Bislang hatten vor allem günstigere E-Bikes aus China begonnen, den Markt in Nordamerika und Europa zu erobern. Hersteller wie Tenways, Aventon, Urtopia oder Velotric überzeugen durch gute Preis-Leistungsverhältnisse. Im Jahr 2022 hat China bereits 9,66 Millionen E-Bikes exportiert. Hersteller wie TailG sind führende chinesische Hersteller von Elektromobilitätslösungen und produzieren hochwertige E-Bikes, E-Scooter und E-Dreiräder.

Doch ähnlich wie bei Stromern, wo chinesische Hersteller zunehmend auf den Premium-Markt drängen, helfen ihnen dabei ihre daheim schon recht weit entwickelten Lieferketten für sämtliche Komponenten der Elektromobilität, von der Batterie über den Elektroantrieb bis hin zur Steuerungselektronik. Nirgendwo sonst kann derzeit im Bereich der E-Mobilität so gute Qualität zu so niedrigen Kosten produziert werden wie in China. Die Halbleiter, die in China selbst produziert werden können, reichen für E-Bikes völlig aus.

E-Bikes für den deutschen Markt

In Deutschland erfreut sich das E-Bike zunehmender Beliebtheit. Seit einigen Jahren boomt der Markt mit günstigen Produkten aus Fernost. Oftmals rückt dabei der niedrige Preis in den Vordergrund und die Qualität lässt eher zu wünschen übrig. Für ein E-Bike aus europäischer Herstellung müssen Käufer meist 1.000 Euro aufwärts zahlen. Da ist es nicht verwunderlich, dass bei einem Preis von ca. 400 Euro ein Elektro-Bike aus China sehr attraktiv wirkt.

Vor allem für junge Menschen in der Ausbildung oder Studenten lohnt sich der Blick auf den chinesischen Markt, denn hier können sie einiges an Geld einsparen. Eine der bekannten Marken, die chinesische E-Bikes liefert, ist Fiido. Das Fiido D1 ist bereits ab ca. 400 Euro im Internet erhältlich. Bei diesem Elektrofahrrad aus China handelt es sich um ein Klapprad mit einem recht kleinen Rahmen und Reifen in 14 Zoll.

Eine weitere Marke aus China ist Xiaomi, deren E-Bikes auf der ganzen Welt und besonders in China weit verbreitet sind. Mit dem QiCycle hat Xiaomi extra eine Version für den Europäischen Markt konstruiert, die für ca. 700 Euro erhältlich ist. Auch dieses E-Bike ist ein Klapprad mit einer soliden Verarbeitung und mit seinen 14,5 kg vergleichsweise leicht.

Testberichte und Erfahrungen

Mittlerweile wurden fast 40 E-Bikes aus China getestet. Das nur noch 999 Euro teure Fiido C21 gefällt uns am besten. Fiido war der erste chinesische Hersteller, dessen E-Bike wir Mitte 2020 testeten. Das Fiido M1 überzeugte damals dank seiner martialischen Optik, dem großen Akku, der guten Federung und vor allem wegen seines reizvollen Preis-Leistungs-Verhältnisses. In der Zwischenzeit kamen viele weitere Fiido-E-Bikes dazu. Aber auch andere Hersteller aus China beweisen, dass sie gute E-Bikes für den europäischen Markt haben.

Fiido C21 im Detail

Das Fiido C21 zeigt sofort, dass es sich hier um ein besonderes E-Bike handelt. Es kostet direkt bei Fiido derzeit nur 899 Euro. Zum Testzeitpunkt im Juni 2023 wollte der Hersteller noch 1600 Euro für das E-Bike. Als fast baugleiches C22 kommt es sogar in einer Tiefeinsteigervariante mit abgesenkter Rahmenstange zum leichteren Auf- und Absteigen. Fiido verzichtet bei der Verpackung im Gegensatz zu vielen anderen chinesischen E-Bike-Herstellern überwiegend auf Kunststoff, Styropor und Folien.

Die Optik des Fiido C21 spricht uns voll an. Das mattgraue E-Bike ist schlank und minimalistisch. Der Rahmen ist schmal und die Geometrie sportlich. Weder vom Heckmotor noch vom Akku ist besonders viel zu sehen. Die Logos sind dezent platziert und das Display geschickt integriert.

Fiido spricht beim C21 von einem E-Gravelbike. Für ein Gravelbike spricht der tief sitzende Lenker, das verhältnismäßig leichte Gewicht von unter 18 Kilogramm und die fehlende Federgabel. Für uns ist das C21 aber eher ein E-Citybike.

Das wirklich Besondere am Fiido C21 ist sein hervorragendes Fahrverhalten. Denn im Gegensatz zu den meisten anderen China-E-Bikes mit Heckmotor nutzt das Fiido C21 einen Drehmoment-Sensor. Der macht sich auch sofort bemerkbar. Während andere mindestens eine halbe Pedalumdrehung benötigen, bis der Motor mit voller Kraft mitzieht, aktiviert ihn beim C21 bereits ein sanfter Pedaltritt. Genauso schnell schaltet er sich auch wieder ab, wenn wir nicht mehr in die Pedale treten. So muss das sein! Tatsächlich fühlt sich der Heckmotor des C21 ähnlich natürlich an wie sonst nur ein Mittelmotor.

Das Fiido C21 hat eine 9-Gangschaltung von L-Twoo. In unserem Fall benötigte sie etwas Feintuning. Ihr niedrigster Gang geht weit genug nach unten, um bequem anfahren zu können oder auch moderate Berge zu erklimmen. Der höchste Gang erlaubt entspanntes Pedalieren bei 25 Kilometer pro Stunde. Mit ihm ist es aber auch möglich, per Muskelkraft 35 Kilometer pro Stunde zu erreichen.

Akku und Reichweite

Die vielleicht größte Schwachstelle des C21 ist sein Akku. Dieser ist zwar kaum zu sehen und perfekt in den Rahmen integriert, kann aber nicht zum Laden entnommen werden. Außerdem ist er mit gerade einmal 209 Wattstunden nicht gerade groß. Fiido spricht dennoch von einer maximalen Reichweite von 80 Kilometern. Wir wissen nicht, unter welchen offensichtlich perfekten Bedingungen dieser Wert ermittelt wurde. Denn in unserem Test ist die tatsächliche Reichweite auf mittlerer Unterstützungsstufe, einem Fahrer mit einem Gewicht von 75 Kilogramm und viel Stopp-&-Go deutlich geringer. Wir kommen eher auf 25 Kilometer.

ENGWE P26 im Dauertest

Immer mehr Menschen begeistern sich für E-Bikes. Doch nicht jeder kann oder will 3.000€ oder mehr für ein Pedelec ausgeben. Deshalb ist jetzt ein E-Bike von Engwe für knapp 1.200€ bei VeloStrom im Dauertest. Engwe ist ein E-Bike-Hersteller aus China. Die Produkte von Engwe werden nur online verkauft.

Es handelt sich dabei um ein schickes E-Bike mit Hinterradnabenmotor, Licht, Schutzblechen, Gepäckträger und Seitenständer. Mit den leicht profilierte 26-Zoll Reifen ist das ENGWE P26 ein fast schon klassisches Trekking-E-Bike. Die Kettenschaltung verfügt über 7 Gänge, gebremst wird mit mechanischen Scheibenbremsen. Die Energie für den Motor kommt aus einem teilintegrierten Akku mit 17 Ah Kapazität. Der Akku kann zum Laden entnommen werden.

Das E-Bike ist sehr sorgfältig verpackt. Alles, was mit Folie oder Polstermaterial umwickelt sein kann, ist umwickelt. Das Vorderrad ist ausgebaut, die Gabelfüße mit einer Achse (!) auf einer kleinen Plastikplattform verschraubt. Nach knapp 30 Minuten steht ein stämmiges Trekking E-Bike vor mir, das bis auf je einen fehlenden Reflektor am Laufrad (vorgeschrieben sind zwei) offenbar StVZO-konform ist.

Der Lack des Rahmens macht einen ebenso einen guten Eindruck wie die ordentlich gezogenen Schweißnähte. In der Mitte des Lenkers thront ein großes, elegantes Display, das Bedienteil am linken Lenkerende ist eher dezent. Die wichtigsten Tasten zum Wechsel der Unterstützungsstufe sind groß dimensioniert und lassen sich auch mit Handschuhen gut bedienen.

Am Ende der Straße halte ich an, die mechanischen Scheibenbremsen sind über den Bowdenzug leicht zu bedienen und verzögern das ENGWE P26 gut. Dass es sich nicht um hydraulische Scheibenbremsen handelt ist zu verschmerzen.

Das Anfahren im dritten Gang leicht bergauf ist natürlich etwas schwerer. Gut, dass ich zuvor auf die 5te Unterstützungsstufe geschaltet habe. Damit der Antrieb anläuft benötigt es jedoch eine gute Kurbelumdrehung. Das liegt an der Kadenzunterstützung und ist bei vielen günstigen E-Bikes so: Statt die Unterstützung mittels Sensorik an die eingebrachte Tretkraft zu koppeln, wird unterstützt, sobald sich die Kurbel dreht.

Die Straße weist ein paar kleine Schlaglöcher auf, auf die die Stahlfedergabel erstaunlich gut reagiert. Zwischenzeitlich geht es bergab, das ENGWE P26 wird zügig schneller. Bis ich bremsen muss werde ich 33 km/h schnell. Eine Geschwindigkeit, von der sich das Bike nicht beeindrucken lässt.

Das ENGWE P26 macht einen sehr guten ersten Eindruck, die Ausstattung ist praxisgerecht, die Verarbeitung routiniert. Dass zwei Reflektoren fehlen ist kein großes Problem und lässt sich schnell beheben. Das zu kurze Sattelrohr gegen ein längeres zu ersetzen ist da schon aufwändiger. Gut, dass es unserem Dauertestfahrer offenbar passt. Doch die nicht justierte Schaltung, der zu kurze Schaltwerkschutz und das Problem mit der Kurbel werfen kein gutes Licht auf die Qualitätskontrolle.

Zusammenfassung

Chinesische E-Bike-Hersteller drängen mit innovativen Produkten und wettbewerbsfähigen Preisen auf den Markt. Während einige Modelle bereits im Premium-Segment angesiedelt sind, überzeugen andere durch ein ausgezeichnetes Preis-Leistungs-Verhältnis. Testberichte zeigen, dass chinesische E-Bikes eine gute Qualität bieten können, jedoch gibt es auch Aspekte wie Akkuleistung und Reichweite zu beachten.

Produktübersicht TailG

Ein führender chinesischer Hersteller von Elektromobilitätslösungen. Gegründet 2003 in Shenzhen, betreibt das Unternehmen mehrere Produktionsstätten mit einer Kapazität von 15 Millionen Einheiten pro Jahr und beschäftigt über 2.000 Mitarbeiter weltweit. Die Produkte zeichnen sich durch modernes Design, langlebige Batterien und hohe Energieeffizienz aus.

EigenschaftDetails
Spannung48V
Gänge3
BatterietypBlei-Säure
BatteriepositionUnter dem Pedal
Drehmoment30-50 Nm
MotorpositionHinten Hub Motor
Motorleistung350W, 500W
MotortypBürstenlos
DisplayDigital
TypUrban, EBIKE, Stadtfahrrad
FeatureElektrisch
Höchstgeschwindigkeit30-50 Km/h
Reichweite pro Ladung> 60 km
Radgröße14"
RahmenmaterialStahl
Ladezeit> 3 Stunden
Batteriekapazität12Ah/20Ah
BesonderheitAtmungsaktiv, Tragbar, Leicht, Wasserdicht
FederungHinterradaufhängung, Vorderradaufhängung
FahrradtypStadtfahrrad, Urban Bike, Elektrisches Hybridfahrrad
Batterie350-549Wh, 550-749Wh

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