Anstatt ein komplett neues E-Bike zu kaufen, ermöglichen Nachrüstkits die Umwandlung eines vorhandenen Fahrrads in ein Pedelec - und das oft auch noch kostengünstiger.
Die Option, das eigene Fahrrad mit etwas Zubehör recht einfach zum E-Bike umrüsten zu können, erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Denn ein "Retrofit-Pedelec" ist oftmals deutlich günstiger als ein neuwertiges E-Bike.
Die technologischen Fortschritte haben die Nachrüstungsmöglichkeiten verbessert, und heute gibt es eine Vielzahl von E-Bike-Kits auf dem Markt. Wir geben eine Übersicht und zeigen unsere Produktempfehlungen.
Mit dem richtigen Werkzeug und ein paar einfachen Handgriffen ist das Fahrrad schnell zum E-Bike umgebaut.
E-Bike nachrüsten - unsere Produktempfehlungen
Es ist wichtig, vor der Nachrüstung eines Fahrrads mit einem Motor die Anweisungen und Empfehlungen des Herstellers sorgfältig zu prüfen. Wir raten auch genau darauf zu achten, welcher E-Antrieb für den E-Bike-Umbau infrage kommt.
- Bathrena Elektrofahrrad-Umbau: Eine erste Empfehlung für die Umrüstung mit einem E-Bike-Kit ist der Umbausatz von Bathrena. Dieses Kit ist geeignet für Fahrräder mit V-Bremse oder Scheibenbremsen. Die Motorleistung gibt der Hersteller mit 250 W an. Das Einbaukit kann am Vorder- sowie am Hinterrad befestigt werden, verfügt zudem über einen Kurbelgeschwindigkeitssensor für die Tretunterstützung.
- Viribus E-Bike-Umbausatz: Auch der Nachrüstsatz von Viribus verspricht eine einfache Nachrüstung und elektrische Fahrunterstützung mit einem bürstenlosen 500-W-Nabenmotor. Die Montage soll laut Hersteller dank klar bebilderter Anleitung auch für Lai:innen einfach ablaufen.
- Yose Power E-Bike-Umbaukit: Der Yose Power Umbausatz macht das Fahrrad zum "Fronttriebler". Denn hier ersetzt die Felge mit integriertem, bürstenlosen Elektromotor (250 W) das Vorderrad. Der etwas höhere Preis im Vergleich zur Konkurrenz erklärt sich durch den Akku, der bereits im Lieferumfang enthalten ist.
- Varstrom E-Bike-Umbausatz: Der elektrische Fahrrad-Umbausatz von Varstrom enthält eine Felge mit bürstenlosem Nabenmotor mit 250 W Leistung für das Hinterrad. Über ein 3,5-Zoll-Display lässt sich die Unterstützung in neun Stufen einstellen, darunter auch der "Eco-" und "Sportmodus".
- Season E-Bike Umbausatz: Das E-Bike-Kit von Season Bike kommt ebenfalls einbaufertig mit bereits montierter doppelwandiger Aluminiumfelge und Nabenmotor.
- Bafang BBSHD E-Bike-Kit: Ein etwas anders aufgebautes Nachrüst-Set bekommt man mit dem Bafang BBSHD. Denn anstatt in der Radnabe steckt der "Mittelmotor" im Tretlager selbst. Daher ist die Nachrüstung auch nicht für Fahrräder mit Rücktrittsbremse geeignet.
Wie funktioniert die Nachrüstung zum E-Bike?
Die Nachrüstung zum E-Bike beinhaltet die Integration eines elektrischen Antriebssystems in ein herkömmliches Fahrrad.
Dieses System besteht in der Regel aus mehreren Komponenten:
- Elektromotor: Das Herzstück einer E-Bike-Nachrüstung ist der Elektromotor. Dieser Motor kann entweder im Vorderrad, im Hinterrad oder im Tretlagers platziert werden.
- Sensor: Über einen Sensor, der die Pedalbewegungen erkennt, wird dann die elektrische Unterstützung bestimmt.
- Fernbedienung: Der Unterstützungsgrad wird über eine Fernbedienung (einfacher Schalter oder Hebel oder ein LCD-Bildschirm) bestimmt.
- Steuergerät: Ein Steuergerät "verwaltet" die Befehle und setzt diese in Bewegung um.
- Akku: Ein Akku - bei den meisten Kits nicht im Lieferumfang enthalten - versorgt Motor und Steuergerät mit Strom.
Die Installation eines E-Bike-Kits erfordert in der Regel grundlegende mechanische Kenntnisse und nur einfache Werkzeuge. Wer sich nicht an die Nachrüstung herantraut, sollte die Arbeit einen Fachbetrieb durchführen lassen.
Welche Vorteile bietet die E-Bike-Nachrüstung?
Die Nachrüstung eines Fahrrads mit einem E-Bike-Kit bietet eine Menge Vorteile:
- Fahrer:innen erhalten eine motorische Unterstützung beim Treten. Das ist insbesondere an Steigungen hilfreich.
- Nachrüst-Kits werten ein bereits vorhandenes Fahrrad auf und lassen sich oft auch rückstandslos wieder entfernen.
- Die Nachrüstung eines Fahrrads mit einem E-Bike-Kit ist kostengünstiger, als der Neukauf eines vollständigen E-Bikes.
Kann man jedes Fahrrad mit einem E-Bike-Kit nachrüsten?
Zwar sind viele, aber nicht alle Fahrräder für die Nachrüstung mit einem E-Bike-Kit geeignet. Wichtig zu wissen ist vor allem, ob das Kit ausreichend Platz am Fahrrad hat. Wichtig hierfür ist unter anderem die Radgröße (Felgendurchmesser in Zoll sowie Felgenbreite), die Gabelbreite sowie die Bremse.
V-Bremsen sind bei den meisten Kits möglich, einige unterstützen auch Scheibenbremsen. Am Rahmen oder auf dem Heckträger muss zudem noch ausreichend Platz für Steuergerät und Akku vorhanden sein.
Welche rechtlichen Bestimmungen gelten für nachgerüstete E-Bikes?
In Deutschland gelten für nachgerüstete E-Bikes dieselben rechtlichen Bestimmungen, wie für herkömmliche E-Bikes und Pedelecs. Wichtig ist hierfür die Unterscheidung:
- Pedelec: Bei einem Pedelec, also einem Fahrrad mit unterstützendem E-Motor darf die Motorleistung maximal 250 W betragen und die elektrische Unterstützung bis zu einer Geschwindigkeit von höchstens 25 km/h aktiv sein.
- S-Pedelec: Als "S-Pedelec" gelten dagegen Fahrräder mit einer elektrischen Unterstützung von bis zu 45 km/h. Hier darf der Motor bis zu 400 W leisten, es werden allerdings ein Versicherungskennzeichen sowie eine Fahrerlaubnis der Klasse AM zum Fahren benötigt. Zudem gilt eine Helmpflicht. Da S-Pedelecs rein verkehrsrechtlich als "Kleinkrafträder" gelten, sind auch Radwege tabu.
- E-Bikes: Definitionsgemäß sind hier Fahrräder aufgeführt, die ohne Zutun elektrisch beschleunigen können. Erreichen die Fahrräder 20 km/h ohne Treten, gelten sie als Leichtmofa und fallen damit nicht unter die Helmpflicht. Bis 25 km/h gelten sie als Mofa, somit greift die Helmpflicht. Auch hier sind Führerschein und Versicherungskennzeichen notwendig, Radwege dürfen (außer explizit beschildert) nicht genutzt werden. Die Motorleistung von E-Bikes darf maximal 500 W betragen.
Praxisbeispiel: Bikight SW900 E-Bike-Kit im Test
Das Nachrüst-Kit Bikight SW900 macht aus einem alten Fahrrad ein vollwertiges E-Bike. Wir haben das Set mit Akku für rund 460 Euro getestet.
Lieferumfang
Im Paket sind alle relevanten Komponenten enthalten:
- Hinterrad mit Motor (ohne Schlauch und Reifen)
- Steuereinheit
- Tasche für Steuereinheit
- LCD-Bordcomputer
- Bremshebel (vorne und hinten)
- Gashebel (in Deutschland illegal, nicht montieren)
- Geschwindigkeitssensor
- Akku
- Netzteil
- Kabelbinder
Werkzeug und Isolierband liegen dem Set nicht bei. Auch Schlauch und Reifen fehlen beim Hinterrad.
Montage
Während die Montage von Mittelmotoren bis zu sechs Stunden in Anspruch nehmen kann, gelingt uns die Montage des Bikight SW900 in knapp zwei Stunden. Grund dafür ist der deutlich geringere Arbeitsaufwand.
Schritt für Schritt sieht das so aus:
- Altes Hinterrad entfernen
- Mantel, Schlauch, Reifen und Zahnkranz vom alten Hinterrad nehmen
- Mantel, Schlauch, Reifen und Zahnkranz an neuem Hinterrad montieren
- Kurbeln und Innenlager entfernen und PAS-Sensor montieren
- Steuereinheit mit Tasche unter dem Sattel befestigen
- Akku an Getränkehalter montieren
- Alte Bremshebel abnehmen und neue befestigen (Bremskabel bleiben erhalten)
- Bordcomputer an Lenker anbringen
- Kabel mit Kabelbinder am Rahmen fixieren
Praxiserfahrung
Wir sind mit dem umgebauten E-Bike etwa eine Woche unterwegs. Insgesamt haben wir knapp 50 Kilometer zurückgelegt.
Wie bei Hinterradmotoren üblich, kommt der Motor erst nach etwa einer Pedalumdrehung in die Gänge. Gleiches Spiel passiert, wenn man nicht mehr in die Pedale tritt - der Motor läuft noch etwa eine halbe Sekunde nach.
Der Motor selbst ist auf der Geraden kraftvoll, kein Wunder bei 500 Watt Leistung. Doch das ist leider in Deutschland illegal. Hier muss man im Zweifelsfall zum 250-Watt-Motor von Bikight greifen; der kostet 5 Euro weniger.
Bis auf die falsche Zollgröße hat der Umbau wunderbar geklappt.
Via Bordcomputer können wir auf die Stufen eins bis fünf schalten. Letztere empfehlen wir, wenn man eine Erhebung hoch muss.
Bei voller Unterstützung liegt die Akkureichweite bei etwa 30 Kilometer. Wer mit mittlerer Unterstützung auf vorwiegend flachem Gelände unterwegs ist, kommt auf etwa 70 Kilometer.
Der Bordcomputer zeigt neben der Unterstützungsstufe noch den Akkustand, Uhrzeit, Gesamtkilometer, Geschwindigkeit, Temperatur sowie Streckenkilometer an.
Preis & Alternativen
Für den Umbau braucht man das Hinterradmotor-Kit Bikight SW900 sowie einen Akku.
Für das Bikight SW900 mit 500-Watt-Motor liegt man bei rund 260 Euro mit Code BGtechstage2, für den Akku Haniwinner 194 bei rund 200 Euro. Die hierzulande legale Version des Hinterradmotors mit 250 Watt liegt bei rund 255 Euro. Insgesamt belaufen sich die Kosten auf etwa 460 Euro - exklusive Fahrrad.
Bei Amazon zahlt man für vergleichbare Sets wie von Bafang rund 370 Euro. Hier ist allerdings noch kein Akku dabei.
Auswahl kompatibler Akkus:
- Haniwinner HA194 561Wh (unser Testgerät) mit Code BG6e013a 210 Euro
- Hailong S039-3 691 Wh bei Amazon für 375 Euro
Weitere getestete Nachrüst-Kits
In den vergangenen Monaten haben wir insgesamt fünf Nachrüst-Kits für E-Bikes getestet. Hier ist alles für Front-, Mittel- und Heckmotor dabei.
- Mittelmotor Bafang BBS-01B (Testbericht)
- Mittelmotor Bafang MM G340 (Testbericht)
- Mittelmotor Pendix Edrive 300 (Testbericht)
- Frontmotor iMortor 2.0 (Testbericht)
- Heckmotor Bikight SW900 (Testbericht)
Preisübersicht für Nachrüst-Kits
Die Preise für Nachrüst-Kits variieren stark. Oft bekommt man sie bei Händlern mit deutschem Standort für 100 bis 200 Euro mehr als über einen chinesischen Online-Shop. Die meisten Nachrüst-Kits führt Banggood; auch zu den besten Preisen in der Regel. Ausnahme ist hier Pendix. Die Preise sind dauerhaft gleich (hoch) und der Verkauf findet ausschließlich direkt über Pendix statt.
| Modell | Motor Position | Leistung | Preis (ca.) |
|---|---|---|---|
| Bafang BBS-01B | Mittelmotor | 250 Watt | 520 Euro |
| Pendix Edrive 300 | Mittelmotor | 250 Watt | 1500 Euro |
| Bikight SW900 | Heckmotor | 250 Watt | 460 Euro |
| Bafang MM G340 | Mittelmotor | 750 Watt | 480 Euro |
| iMortor 2.0 | Frontmotor | Unbekannt | 420 Euro |
Rechtliche Aspekte der Nachrüstung
Grundsätzlich darf man sein eigenes Fahrrad nachrüsten, das ergab ein gemeinsames Interview mit Deutschlandfunk, ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrradclub e.V.) und TechStage. Die Nachrüst-Sets müssen laut Thomas Geisler vom Pressedienst-Fahrrad nicht einmal eine CE-Kennzeichnung aufweisen. Im Zweifel haftet hier dann der Inverkehrbringer, also etwa Onlineshops wie Amazon.
Viele Nachrüst-Kits bieten zudem einen Gashebel. Den sollte man lieber nicht anbringen, da solch ein Hebel im öffentlichen Verkehr auf deutschen Straßen bis dato nicht erlaubt ist. Der Motor darf ohne Trittunterstützung maximal auf 6 km/h beschleunigen; das gilt in Deutschland als Schiebehilfe.
Generell darf ein Pedelec, also ein Elektrofahrrad ohne Versicherungskennzeichen, nicht mehr als 25 km/h mit Motorunterstützung leisten. Die Nennleistung des Motors darf 250 Watt nicht übersteigen.
Das nachzurüstende Fahrrad sollte zudem in einem einwandfreien Zustand sein. Der ADFC und das Institut für Fahrradtechnik und -Sicherheit raten von einem Umbau ab, da die Bauteile herkömmlicher Räder nicht auf zusätzliche Belastungen ausgelegt wären. Entsprechend kann man nur festhalten: Das nachzurüstende Fahrrad sollte in einem einwandfreien Zustand sein. Das Material sollte keine Ermüdungserscheinungen aufweisen. Idealerweise rüstet man am besten ein neues oder junges Fahrrad auf. Wer sich unsicher ist, sollte zu einem Fachhändler gehen.
Das ist meist nicht schwierig und erfordert in aller Regel nur Zeit und Werkzeug. Vor allem ein Innenlagerschlüssel ist bei Mittelmotor-Sets ein Muss; den gibt es etwa bei Amazon für rund 14 Euro. Den Produkten liegt meist eine Montageanleitung bei. Zudem gibt es für die hier getesteten Modelle auf Youtube diverse Montageanleitungen.
Wer keinerlei Zeit oder Geduld hat, um sein Fahrrad selbst umzurüsten, geht zu Pendix. Hier kann man über einen Fachhändler die Montage vornehmen. Das kostet natürlich extra.
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