E-Motorrad im Polizeidienst: Aufgaben, Einsatz und Perspektiven

Die Elektromobilität gewinnt auch im Bereich der Polizei zunehmend an Bedeutung. Mehrere Bundesländer in Deutschland haben Pilotprojekte gestartet, um den Einsatz von Elektromotorrädern (E-Motorrädern) im Streifendienst zu testen und Erfahrungen zu sammeln. Ziel ist es, den Polizeifuhrpark nachhaltiger zu gestalten und die CO²-Emissionen zu reduzieren.

Pilotprojekte und Erfahrungen

Baden-Württemberg: Das Polizeipräsidium Stuttgart testete in einem zweijährigen Modellprojekt zwei elektrisch angetriebene Motorräder im Streifendienst. Hierfür wurden die Modelle Zero DS ZF 12.5 und Zero SR/S DS 14.4 des Herstellers Zero Motorcycles beschafft. Neben der Erprobung der technischen und taktischen Einsatzmöglichkeiten sollte auch diagnostiziert werden, wo die Grenzen bei den Einsatzmöglichkeiten liegen. Die E-Motorräder haben eine Reichweite von 168 km (Zero DS ZF 12.5) und 200 km (Zero SR/S DS 14.4). Das Modell Zero SR/S ZF 14.4 ist zudem mit einem elektrischen Stabilitätsprogramm ausgestattet und bietet daher einen besonders hohen Sicherheitsstandard.

Die E-Motorräder wurden landesweit bei mehreren Verkehrspolizei-Dienststellen zum Test im realen Polizeidienst eingesetzt. Teilweise wurden sie parallel mit einem Motorrad mit Verbrennungsmotor gefahren, um direkte Unterschiede zu ermitteln. Ziel des Langzeittests war es, möglichst breit gefächerte Erfahrungen und Daten bei unterschiedlicher Topografie, in städtischen und ländlichen Bereichen, bei unterschiedlichen Witterungsbedingungen und unterschiedlichen Einsatzanforderungen zu sammeln.

In einer Erstanalyse wird deren Einsatz als grundsätzlich positiv beurteilt. Sie überzeugen analog den zweirädrigen Verbrennern im urbanen Bereich aufgrund der Fahrzeugabmessungen durch ihre Wendigkeit und schnelleres Vorankommen, beispielsweise in Staus. Zudem spricht Eberle von einer positiven Öffentlichkeitswirkung, die durch den Einsatz der Elektro-Kräder bei anderen Verkehrsteilnehmenden erreicht werden konnte. Dagegen werden bei lange andauernden Einsatzlagen oder langen Fahrtstrecken die relativ geringe Reichweite und die lange Ladedauer als herausfordernd gewertet.

Bayern: Die Bayerische Polizei startete ebenfalls ein Pilotprojekt mit zwei elektrischen Motorrädern des Herstellers Zero bei den Verkehrspolizeiinspektionen Nürnberg und Kempten. Dieses Projekt erfolgt in Zusammenarbeit mit der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt, um wissenschaftliche Daten für eine fundierte Bewertung zu gewinnen. Die uniformierten E-Motorräder ermöglichen insbesondere einen emissionsfreien und nahezu geräuschlosen Betrieb.

Niedersachsen: Die Polizei des Landes Niedersachsen setzt bei der sukzessiven Erneuerung des Fuhrparks weiter konsequent auf E-Mobilität. Nachdem erste Elektromotorräder bereits seit 2018 in der Polizeidirektion Osnabrück erfolgreich eingeführt wurden, wurden acht Elektro-Motorräder im Gesamtwert von ca. 270.000 Euro beschafft. Diese acht Elektro-Motorräder werden im Zentralen Verkehrsdienst der Polizeidirektion Hannover eingesetzt. Deutschlandweit einmalig ist zudem, dass diese acht Motorräder auch als Ehreneskorte bei Staatsbesuchen genutzt werden.

Die E-Motorräder bieten gegenüber dem Verbrennungsmotor einige Vorteile: Neben dem emissionsfreien Antrieb sind sie um fast 100 kg leichter, haben geringere Geräuschemissionen, höhere fahrdynamische Eigenschaften sowie eine einfachere und damit sicherere Handhabung. Die Antriebsbatterie bietet zudem genügend Energie, um auch im stehenden Betrieb die komplette Polizeitechnik über einen langen Zeitraum zu versorgen.

E-Scooter im Polizeidienst

Auch E-Scooter werden von der Polizei eingesetzt, insbesondere auf Inseln. Auf Norderney hält die Polizei nach einer einjährigen Testphase an ihren E-Scootern fest. Die Roller würden Bürgernähe zu Insulanern und Touristen schaffen. Aufgrund der geringen Reichweite von gerade mal 20 Kilometern sind die Roller demnach bisher vor allem für die Dienststellen auf den Inseln attraktiv.

Vorteile und Herausforderungen

Vorteile:

  • Emissionsfreier und geräuscharmer Betrieb
  • Geringere Betriebskosten
  • Wendigkeit und schnelleres Vorankommen im urbanen Bereich
  • Positive Öffentlichkeitswirkung

Herausforderungen:

  • Relativ geringe Reichweite
  • Lange Ladedauer
  • Hohe Anschaffungskosten

Kostenvergleich

Die Kosten für die Beschaffung des aktuellen Elektro-Modells Zero DS ZF 14.4 (inkl. polizeilicher Ausstattung und Funk) betragen rd. 33.400 € pro Stück. Das aktuelle Motorrad mit Verbrennungsmotor des Herstellers BMW R1200 kostet 28.300 € gem. Die Betriebskosten reduzieren sich bei E-Krad deutlich gegenüber dem Verbrennungsmotor.

Kostenvergleich E-Motorrad vs. Verbrennungsmotor
Fahrzeugtyp Anschaffungskosten (ca.) Betriebskosten
Zero DS ZF 14.4 (E-Motorrad) 33.400 € Geringer
BMW R1200 (Verbrennungsmotor) 28.300 € Höher

Zukunftsperspektiven

Die Elektromobilität soll schrittweise auszuweiten und die Infrastruktur kontinuierlich auszubauen, um die Nutzung elektrischer Fahrzeuge künftig noch effizienter zu gestalten. Die bayerische Polizei verfügt derzeit über rund 9.800 Kraftfahrzeuge und etwa 180 Motorräder. Die Elektromobilität soll dabei künftig einen bedeutenden Anteil an der Fahrzeugflotte einnehmen, um die CO²-Emissionen zu reduzieren und die Einsatzfähigkeit der Polizei nachhaltig zu verbessern.

Es wird erwartet, dass die Preise für E-Motorräder in Zukunft sinken werden, da die Nachfrage steigt und es einen wachsenden Gebrauchtmarkt gibt. Auch die Entwicklung neuer Batterietechnologien könnte die Reichweite und Ladedauer verbessern.

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