Mountainbiken ist schön und gut, aber bergauf kann das Gestrampel ziemlich schweißtreibend werden. Gut, dass es mittlerweile Fahrräder gibt, die sich fast von selbst bewegen - die praktischen E-Mountainbikes. Ganz gleich, ob du beabsichtigst, mit voller E-Power an steilen Rampen zu starten, bergauf den passenden Gang zu wählen oder dein Bike gelegentlich zu schultern und zu tragen - die vielfältigen neuen Funktionen eines E-Bikes bedingen besondere Techniken. Hast du schon Erfahrungen auf einem Rennrad, Gravelbike oder Mountainbike gesammelt? Das ist von Vorteil! Denn wer schon länger im Sattel sitzt, hat definitiv einen Vorsprung. Dennoch stehen selbst für erfahrene Radler neue Herausforderungen bereit, denen sie sich stellen müssen. Besonders bei steilen Anstiegen.
Fahrtechnik und Tipps für E-MTB-Touren
Die Kombination aus Motorunterstützung und dem hohen Gewicht verwandelt viele Geländesituationen in eine echte Herausforderung. Viele dieser Situationen sind mit herkömmlichen, unmotorisierten Bikes kaum zu meistern, da schlicht die körperliche Power fehlt. Jedoch bedarf die Kraft des Motors einer gewissen Kontrolle. Und hier sind die besten Tipps, um mit der Technik schnell voranzukommen:
1. Gangwahl und Trittfrequenz
Für eine maximale Reichweite bevorzugen die meisten E-Bike-Motoren generell hohe Trittfrequenzen. Im technisch anspruchsvollen Terrain kann es jedoch vorteilhaft sein, gelegentlich einen oder zwei Gänge höher zu schalten. Gerade auf Schotter, wo das Hinterrad gerne mal Traktion verliert, wühlt man sich mit einem dickeren Gang besser durch.
2. Anfahren am Berg
Wer im steilen Terrain bergauf zum Stehen kommt, ist im Nachteil. Es sei denn, er beherrscht die korrekte Anfahrtechnik. Schritt eins: Niemals direkt in der Falllinie starten, da das Hinterrad sonst durchdreht. Positioniere dich schräg zur Fahrtrichtung, ziehe die Bremse an, setze den zweiten Fuß auf das Pedal, übe den dosierten Druck auf das Pedal aus und löse die Bremsen langsam.
3. Schieben und Tragen des E-Bikes
Auch mit reichlich Power und ausgezeichneter Fahrtechnik kann es vorkommen, dass du dein Bike schieben oder tragen musst. Die Schiebehilfe deines E-Mountainbikes erleichtert dir die Fortbewegung erheblich. Doch was tun, wenn das freischwebende Hinterrad beginnt, unkontrolliert zu drehen? Kommt man mit dem Schieben nicht voran, ist es an der Zeit, das Bike auf das Hinterrad zu stellen. Diese Methode mag beeindruckend aussehen, ist aber recht einfach umzusetzen. Sie eignet sich besonders für steile und schmale Passagen bergab, die zu eng sind, um das Bike nebenherzuschieben. Ziehe die Hinterradbremse an und stelle das Bike ruckartig auf das Hinterrad. Die Fortbewegung wird durch dosiertes Bremsen erleichtert, wodurch das Bike zusätzlich stabilisiert wird. Wenn auch das Schieben auf dem Hinterrad keinen Fortschritt mehr bietet, bleibt nur noch eine Option: Das E-Bike muss auf deinen Rücken. Die meist über 20 Kilogramm schweren E-Bikes sollten allerdings mit der richtigen Technik getragen werden. Positioniere dein Bike quer zum Hang, während du unterhalb stehst und bergauf blickst. Gehe in die Hocke, ergreife das Bike an Kurbel und Gabel und hebe es über deine Schulter.
4. Drucktechnik in Kurven
Unabhängig von der Geschwindigkeit kommt die Drucktechnik zum Einsatz, sobald du auf unbefestigten Wegen unterwegs bist. Dabei drückst du das E-Bike unter dir ins Kurveninnere, während dein Körperschwerpunkt außen bleibt. Die Position passt, wenn man den (tief eingestellten) Sattel am kurveninneren Oberschenkel spürt.
5. Akku-Management
Ein leerer Akku, weitab von jeglicher Infrastruktur, ist der Albtraum eines jeden E-Bike-Fahrers. Stelle sicher, dass dein Akku vollgeladen ist und dass du das Ladegerät stets im Rucksack dabei hast. Auch der Umgang mit Zusatzakkus auf der Tour bedarf Sorgfalt. Zusatzakkus sind schwer und können bei Stürzen, wenn sie ungesichert im Rucksack liegen, schwere Verletzungen verursachen. Der Akku sollte daher immer ganz unten im Rucksack und gut mit Kleidung gepolstert verstaut werden.
6. Hindernisse überwinden
Steht dir ein kleines Hindernis auf einem Uphill-Trail im Weg, ist es Zeit, "leicht" zu werden! Verlasse kurz den Sattel, um das E-MTB über das Hindernis, wie beispielsweise eine Wurzel, zu heben. Idealerweise beschleunigst du etwas vor dem Hindernis, um den nötigen Schwung zu bekommen. Bergauf auftretende Hindernisse meisterst du am besten mit der Tippeltechnik: Führe an der kritischen Stelle ein paar Pedalbewegungen vor und zurück durch.
7. Reifendruck
Das Motto lautet: So wenig wie möglich, so viel wie nötig. Ein geringerer Luftdruck in den Reifen verbessert sowohl die Traktion als auch den Fahrkomfort. Dabei gilt: Je breiter der Reifen, desto niedriger kann der Luftdruck sein. Eine Faustregel im Gelände besagt, dass niemand mehr als zwei Bar benötigt.
8. Blickführung
Diese Regel gilt für sämtliche Fahrsituationen, ob bergauf oder bergab: Schau möglichst weit voraus und scanne die Linie. Für Ereignisse direkt vor dem Vorderrad ist es meist schon zu spät. Indem du deine Fahrlinie scannst und dich daran erinnerst, dass du dorthin fährst, wohin du schaust, vermeidest du Hindernisse effektiver.
9. Bremsen
Auch bergauf ist beim E-MTB das Bremsen wichtig: Du musst mit deinem Kraftpaket nicht nur bergab bremsen. Durch dosiertes Bremsen kannst du deine Motorleistung fein regulieren und das E-Bike besser kontrollieren. Halte also stets einen Finger am Bremshebel und bremse bedacht. Blockierende Reifen sollten in jeder Situation vermieden werden, um genügend Traktion und Sicherheit zu gewährleisten.
10. Hinterradbelastung am Berg
Mit dem E-MTB erklimmst du Anstiege, die du ohne Motorunterstützung nicht einmal zu träumen wagst. Die Traktion setzt hier die Grenzen. Besonders auf Schotter ist es wichtig, das Hinterrad so stark zu belasten, dass das Vorderrad beinahe abhebt. Senke die Sattelstütze um ein bis drei Zentimeter und verlagere den Körperschwerpunkt so tief und so weit nach vorne wie möglich, um ein Abheben des Vorderrads zu verhindern.
Die besten E-MTB-Touren in den Alpen und anderswo
Wir haben einige der besten E-MTB-Touren in den Alpen herausgesucht. Auf diesen Trails geht es nicht durch irgendwelche Berge, sondern zum Beispiel durch das beeindrucke UNESCO-Welterbe der Dolomiten oder eine Tour zu den höchstgelegenen Höfen in Österreich. Wer gerne noch Wasser dabei haben möchte, der fährt ins Soča-Tal nach Slowenien. Für einen Wochenendausflug, wenn keine Zeit für richtig langen Bergurlaub ist, sind der Tegernsee oder das Chiemgau ideal. Aber auch ein Fernradweg, der in mehreren Tagesetappen gemeistert wird, ist in unserer Hitliste dabei. Die vorgestellten Touren sind geeignet für Anfänger, erfahrene Biker und Profis.
Tourenübersicht
- 3-Seen-Runde im Chiemgau: 35 km, ca. 400 Höhenmeter, ideal für E-Bike-Anfänger.
- Sella Ronda, Südtirol: 58 km, ca. 330 Höhenmeter bergauf (zusätzlich 4.000 hm mit der Seilbahn).
- Rofenhöfe, Ötztal: 40 km, ca. 900 Höhenmeter, technisch einfach zu fahren.
- Zermatt zur Schönbielhütte: Unterhalb des Matterhorns entlang mit beeindruckender Landschaft.
- Big Epic Trail, Saalbach: 55 km, ca. 8 Stunden, sensationelles Panorama.
- Soča-Tal, Slowenien: 17 km, ca. 400 Höhenmeter, aussichtsreiche Runde mit Wasserfällen.
- Schmankerl-Tour, Tegernsee: 45 km, ca. 4 Stunden, gemütlicher Sonntagsausflug mit Einkehrmöglichkeiten.
- Fimbatal, Ischgl: 13 km, ca. 1.000 Höhenmeter, anspruchsvoll mit wunderschönen Naturerlebnissen.
- Innsbruck, Nordkette: 24 km, ca. 2.000 m Höhe, fantastischer Ausblick auf die Stadt.
- Heuberg, Kaiserwinkl: 700 hm mit dem Bike, 200 hm zu Fuß, tolle Aussicht auf den Walchsee.
Fernradweg: Alpe Adria Radweg
Der Alpe Adria Radweg führt sportliche Radfahrer in acht Tagen vom österreichischen Salzburg ins italienische Grado. Insgesamt müssen 410 Kilometer erstrampelt werden. Das bedeutet, dass die Tagesetappen im Schnitt zwischen 40 und 60 Kilometer lang sind. Radfahrer erkunden das Salzachtal, das Gasteinertal, queren Kärnten und passieren schließlich die italienische Grenze bis zum Zielort an der Adria. Zwischendurch wird ein besonders hoher Alpenpass durch eine 11-minütige Zugfahrt entschärft. Damit gilt der Alpe Adria Radweg als eher einfache Fahrrad-Transalp.
Vorbereitung und Planung
Vor jeder Tour ist es wichtig, nicht blind drauflos zu radeln, sondern sich ein definiertes Ziel zu setzen. Wohin geht die Tour? Welche Art von Tour soll es werden? Wie schwierig darf die Tour sein? Ist die Ausrüstung für mein Vorhaben überhaupt geeignet? Die ist die Wetterlage? Eine gute Tourenplanung ist unerlässlich für eine gelungene Biketour. Ganz egal, ob allein, mit einem Freund oder in einer größeren Gruppe. Achte darauf, dass die Tour dich und/oder deine Mitstreiter nicht überfordert. Als Anhaltspunkte dafür gibt’s, zum Beispiel, die Singletrail- bzw. die Uphillskala. Nicht vergessen: Das E-MTB bringt eine neue Dynamik in die Tourenplanung. Durch die Unterstützung des Motors, kombiniert mit der Eigenleistung des Fahrers, sind größere Touren und Reichweiten möglich.
Akku-Laufzeit und Ladestationen
Es wäre sehr ärgerlich, wenn plötzlich mitten auf der Strecke Schluss mit dem Fahrspaß ist, weil der Akku leer ist. Deswegen sollten Fahrer*innen ihr E-Bike vor jeder Tour aufladen. Je nach Gewicht des Fahrenden, Modell, Höhenmeter und Fahrweise hält der Akku des E-Mountainbikes dann nach unserer Erfahrung zwischen 40 und 60 Kilometer. Weil das aber gerade für Mehrtagestouren nicht reicht, gibt es an einigen Hütten mittlerweile Ladestationen. Dies sollte unbedingt vorher in die Tourenplanung mit aufgenommen werden. Trotzdem können E-Biker die Akku-Laufzeit positiv dadurch beeinflussen, dass sie möglichst häufig in niedrigen Gängen und im Touren-Modus fahren, um Strom zu sparen.
Phasen der Tourenplanung
- Phase 1: Auswahl der Tour, Berechnung der Zeit, Einplanung von Pausen und Alternativen, Orientierung vor Ort.
- Phase 2: Lokale Informationen einholen (Sperren, Wetterstabilität, Schnee).
- Phase 3: Wachsamkeit und Aufmerksamkeit (Wetter, Pannen, Erschöpfung, Akku).
Checkliste für die Ausrüstung
- Fahrradhelm
- Brille und Handschuhe
- Reparaturset mit Schlauch, Flickset, Werkzeug und Pumpe
- Kleidung (atmungsaktiv, schnelltrocknend)
- Mountainbike-Ausrüstung (je nach Tourtyp und -länge)
- Ggf. Schloss und Lichtset
- Sonnencreme und -brille
- Ausreichend Wasser und Snacks
Sicherheit unterwegs
Mountainbiken ist ein Ausdauersport, der Gesundheit und eine realistische Selbsteinschätzung voraussetzt. Sorgfältige Planung mit allen zur Auswahl stehenden Hilfsmitteln, abgestimmt auf die aktuellen (Wetter-)Verhältnisse, ist essenziell. Vor allem der technische Zustand des Bikes sollte vor jeder Fahrt gewissenhaft geprüft werden, allem voran die Bremsen. Insbesondere das Bergab-Fahren erfordert, das Tempo an die jeweilige Situation und das eigene Können anzupassen. Dies gilt einmal mehr beim E-Biken.
Naturschutz
Gerade beim Biken ist Naturschutz ein sensibles Thema, speisen sich an der vermeintlichen Naturzerstörung doch die meisten der Vorurteile gegenüber Mountainbiker*innen. Wer diese widerlegen will, feilt am besten an der Fahrtechnik, um Rinnen und Bremswellen auf den Wegen zu vermeiden.
Verschiedene Arten des Mountainbikens
Heute gibt es zahlreiche Spielarten des Radelns in den großen und kleineren Bergen. Das ist ein großer Vorteil des Mountainbikens: Der Sport lässt sich beinahe überall ausüben, auch vor der eigenen Haustüre, ohne vorher mit dem Auto fahren zu müssen. Das E-Mountainbike vergrößert diesen Radius noch und lockt immer mehr Menschen aufs Rad.
Wichtige Spielarten des Mountainbikens
- Tourenradeln: Aktionsradius mit dem Mountainbike, Kilometer und Höhenmeter nach Lust und Laune.
- All Mountain: Technische Variante in den hohen Bergen, fahrtechnisch anspruchsvoll.
- Bike & Hike: Zustiege zeitsparend mit dem Rad, Rest zu Fuß.
- Bikebergsteigen: Ziel ist es, mit dem Bike Steige auf einen Gipfel zu bewältigen.
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