EBC Bremsscheiben und Bremsbeläge im Motorrad-Test: Ein umfassender Überblick

Die Wahl der richtigen Bremskomponenten ist für Motorradfahrer von entscheidender Bedeutung. EBC Brakes ist ein bekannter Hersteller, der eine breite Palette an Bremsbelägen und Bremsscheiben für verschiedene Motorradtypen und Einsatzzwecke anbietet. Dieser Artikel beleuchtet die EBC Bremsscheiben und Bremsbeläge im Detail, einschließlich Testergebnisse, Fahrerfahrungen und technische Aspekte.

EBC Bremsbeläge im Test

EBC liefert Bremsbeläge in der Regel in drei Qualitäten für verschiedene Einsatzzwecke. Äußerlich unterscheiden sich die EBC Beläge in den Farben der Trägerplatte, in Schwarz, Rot oder Gold. Von allen Belägen gibt es neben den 'normalen' Belägen (Kürzel TT) noch eine Version in gesinterter Ausführung die meist keine ABE hat (für Racingzwecke, Kürzel R).

  • Blackstuff: Der EBC Blackstuff - Bremsbelag ist für alle Motorräder geeignet und besonders beliebt bei Bikern, die das Bremsgefühl von organischen Bremsbelägen bevorzugen. Dieser Bremsbelag besteht aus einem Kevlar-Aramid-Mix mit sogenannten ‚High-Tech Fasern‘. Der EBC Blackstuff-Bremsbelag ist ein universaler Belag und vermittelt beim Verzögern das Bremsgefühl von organischen Bremsbelägen. Qualitativ sind die schwarzen die Standardbeläge für die Straße. Ihre Haltbarkeit/Standzeit ist etwas schlechter wie bei den goldenen Sinterbelägen. Webpreis ca. 19-25 EUR, bzw. Redstuff bestehend aus einer Mischung aus Carbon und Graphite die von EBC für Motocross- und ATV-Einsatz entwickelt wurde.
  • Redstuff: Auf der EBC-Webseite ist zu lesen, dass alle Sieger der Jahre 2004 und 2005 im Off-Road Bereich in den USA dieses Bremsbelag-Material verwendet haben. Diese Bremsbeläge haben einen hohen Carbon-Anteil, der für eine bessere Innenkühlung verantwortlich ist. Die durchs bremsen entstehende Hitze ist geringer und wird deswegen nicht so stark an die Bremsscheibe weitergegeben. Der Redstuff-Bremsbelag vermittelt auch im Matsch ein griffiges Bremsgefühl, die Belastung der Bremsscheibe ist niedriger und der Belag beugt aufgrund seiner wärmetechnischen Eigenschaften Hitzebrüchen (von dünnen Offroadscheiben) vor. Der Redstuff-Bremsbelag nimmt anscheinend auch die Verschmutzung beim Offroad-Betrieb nicht krumm. Er macht sich besonders gut bei Nässe und bei Endurofahrten durch Schlamm. Nachteil: Die Standzeit ist nicht so hoch wie bei anderen Belägen, dafür ist die Sicherheit in diesem extremen Terrain besser.
  • Goldstuff: Laut Hersteller ist der Sinterbelag derjenige für maximale Bremskraft, für höchste Beanspruchung und hervorragend für schwere und schnelle Maschinen geeignet. Hergestellt aus einer Kupfer-Legierung haben die Goldstuff-Sinterbremsbeläge eine längere Lebensdauer und sorgen für gute Bremsleistung bei allen Bedingungen, egal ob Hitze, Nässe, Trockenheit oder Kälte. Bei den Ausführungen für bestimmte Modelle werden Edelstahl-Hitzeplatten hinterlegt, um die Übertragung der beim Bremsen entstehenden Hitze in die Bremsflüssigkeit zu reduzieren. Der Goldstuff-Bremsbelag steht für konstante Bremskraft ist bremsscheibenschonend ausgelegt, da keine Eisenpartikel, sondern nur spezielles hochwertiges Material verwendet werden. Festkleben oder der Abdruck von Bremsbelägen auf Edelstahlbremsscheiben werden damit ebenfalls vermieden. Insgesamt also die edelste Mischung von EBC, es sei denn, es geht in materialmordendes Gelände. Dann wären die Roten der Testsieger.

Erfahrungen mit EBC Bremsbelägen

Viele Motorradfahrer haben Erfahrungen mit EBC Bremsbelägen gesammelt. Einige berichten von einem Surren während der Fahrt, das als störend empfunden werden kann. Andere wiederum stört dieses Geräusch überhaupt nicht. Zur Bremsleistung gibt es unterschiedliche Meinungen. Einige Fahrer sind mit der Bremsleistung zufrieden, während andere eine bessere Dosierbarkeit bei anderen Marken bevorzugen. Das Nassbremsverhalten der EBC-Beläge wird von einigen als einwandfrei beschrieben, während andere hier einen Moment länger benötigen, um die Scheibe trocken und warm zu bekommen.

Einige Fahrer bemängeln, dass die Dosierbarkeit der EBC-Beläge schwierig sein kann, besonders bei schnellen Kurvenwechseln. Andere wiederum loben die starke Bremswirkung und den geringen Verschleiß.

EBC HH Sintermetallbeläge

Seit einigen Wochen testen wir die HH Sintermetallbeläge von EBC auf unserer Suzuki SV 650. Die Wahl ist auf HH Sintermetallbeläge von EBC gefallen. Sie stellen den Einstieg in die Welt der Sintermetallbeläge dar. Unser Ziel haben die neuen Beläge schon erfüllt. Sie bremsen mit etwas Temperatur deutlich besser als die Originalbeläge. Vor allem Schockbremsungen gelingen jetzt viel effektiver. Bis zum Stillstand benötigen wir spürbar weniger Weg. Sogar das Hinterrad hebt sich am Ende leicht. Mit den Originalbelägen ist uns ein kleiner Stoppy nur mit viel Mühe.

Für sportlich ambitionierte Fahrer würden wir den Wechsel auf die EBC HH Sintermetallbeläge durchaus empfehlen. Es macht einfach großen Spaß, die stärkere Bremswirkung im Sattel zu spüren. Trotzdem sollte im Straßenverkehr immer genügend Sicherheitspuffer freigehalten werden.

Der große Nachteil von Sintermetallbelägen ist die schlechtere Dosierbarkeit. Stärkere Bremsmanöver lassen sich weiterhin gut dosieren. Beispielsweise lässt sich die Bremswirkung bei Notbremsungen problemlos am Limit des Reifens dosieren, sodass das ABS nicht oder nur extrem selten greift. Im Stadtverkehr fällt der Wechsel der Beläge stärker auf. Beim langsamen Heranrollen an eine Ampel lässt sich die Bremse eher schlecht dosieren. Die Beläge haben auch einen spürbar höheren Reibwert und packen direkt ordentlich an. Wer vor allem mit Sozius/Sozia unterwegs ist, wird etwas Komfort verlieren und häufiger Helmkontatk mit dem Beifahrer bemerken.

Grundsätzlich ist das auch gut denkbar, wir können das Phänomen aber nicht bestätigen. Unsere Beläge verhalten sich auch auf den ersten Metern nach dem Start der Tour angenehm ruhig. Quietschen, Kratzen oder andere Geräusche haben wir bisher nicht wahrgenommen - unabhängig von Temperatur und Bremsdruck.

Insgesamt sind wir sehr glücklich mit dem Wechsel auf die EBC HH Sintermetallbremsbeläge auf unserer Suzuki SV 650 L7. Die Bremswirkung hat sich stark verbessert, die mangelnde Dosierbarkeit im Stadtverkehr nehmen wir dafür gern in Kauf.

EBC Bremsscheiben im Überblick

EBC bietet eine Vielzahl von Bremsscheiben, mehr als andere Anbieter. Bei den starren und schwimmenden Bremsscheiben für die Straße hat EBS nun auf Edelstahl umgestellt (2012), so dass Rost in Zukunft nicht mehr auftreten sollte.

  • Pro-Lite Bremsscheiben: Pro-Lite Bremsscheiben werden als komplette Einheit aus Bremsscheibe und Innenring geliefert, die mit stabilen Nieten statt mit einem billigeren riskanten Clip-System, wie es von einigen Mitbewerbern verwendet wird, befestigt sind. Die Außenringe sind aus gehärtetem Billet-Spezialstahl gefertigt, der 18% mehr Bremskraft als Edelstahl bietet, jedoch über die Härte von Stahl verfügt. Unsere Pro-Lite Bremsscheiben bieten mehr Bremskraft und besitzen nicht, wie gehärtete Eisen-Bremsscheiben, das Risiko des Scheibenbruches. Der besonders leichtgewichtige Innenring besteht aus einer speziellen, silber-oder goldfarbenen gehärteten Aluminium-Legierung. Prolite-Discs sind länger resistent gegen Verzug und das einzigartige Flügel-Bohrbild mit überlappenden Bohrungen auf den Bremsscheiben verhindert die Entwicklung von Grat auf den Bremsscheiben und Bremsbelägen, wodurch eine gleichmäßige Abnutzung und dadurch eine längere Haltbarkeit der Bremsbeläge gewährleistet wird. Die EBC Pro-Lite-Serie hat auf dem Nachrüstmarkt Standards gesetzt, weil Sie sehr nah an der Serienbremsscheibe ist, jedoch einen um 18% größerem Reibwert bietet. Pro-Lite Bremsscheiben sind auch als starre HPSR-Ausführung und für hinten erhältlich.
  • Hintere Bremsscheiben: Die hinteren Bremsscheiben sind aus zähem HPSR-Stahl gefertigt, um Scheibenbruch vorzubeugen und haben eine silberne Zink-Beschichtung um Korrosion auch an den Stellen vorzubeugen, die nicht mit dem Bremsbelag in Berührung kommen.
  • Pro-Lite Contour Bremsscheiben: Diese Bremsscheiben entsprechen unserer Pro-Lite Disc, haben jedoch weniger Gewicht und eine Optik im modernen Contour-Design in Wave-Optik. Pro-Lite Contour Plus Bremsscheiben werden als komplette Einheit aus Bremsscheibe und Innenring geliefert, die mit stabilen Nieten statt mit einem billigeren riskanten Clip-System, wie es von einigen Mitbewerbern verwendet wird, befestigt sind. Die Außenrringe sind aus gehärtetem Billet-Spezialstahl gefertigt, der 18% mehr Bremskraft als Edelstahl bietet, jedoch über die Härte von Stahl verfügt. EBC Pro-Lite Contour Bremsscheiben bieten mehr Bremskraft sowie längere Resistenz gegen Verzug und besitzen nicht das Risiko des Scheibenbruches, wie gehärtete Eisen-Bremsscheiben. Der besonders leichtgewichtige Innenring besteht aus einer speziellen, silber-oder goldfarbenen gehärteten Aluminium-Legierung. Pro-Lite Contour Bremsscheiben sind auch als starre Ausführung sowie für hinten erhältlich.
  • Custom Serie: Unsere Custom Serie ist für viele amerikanische Motorrad-Modelle erhältlich. Bei der Custom Serie handelt es sich um vollschwimmende Edelstahl Bremsscheiben höchster Qualität mit Spiegelglanz poliertem Innenring.

Technische Details der EBC Bremsscheiben

Die neuen schwimmenden Scheiben von EBC bestehen aus einer speziellen Edelstahlverbindung mit höherem Reibungseffekt als die herkömmlich wärmebehandelten Edelstahlbremsscheiben. EBC spricht von 'einer 10%-igen Verbesserung des Reibungseffektes'. Das Gewicht der neuen Serien „X“ und „XC“ wird durch das 6-Nietensystem mit leichtgewichtigem Innenring um weitere 5-10% verringert.

Die neuen Bremsscheiben sind mit dem von EBC patentierten 'SD-System' ausgestattet. Statt Rundnieten bewirken Vierkantnieten, dass die beim Bremsen entstehende Hitze dem Innen- und Außenring der Bremscheibe ein uneingeschränktes Ausdehnen ermöglicht. Dort entstand bisher eine bei starken Bremsmanövern eine Problemzone, wenn an der überhitzten Scheibe der Außenring die (normalerweise runden) Nieten berührte, die ihn vom Innenring trennen.

Vergleichstest: Zubehörbremsbeläge für die Honda CBR 600 F

Ein Vergleichstest von Zubehörbremsbelägen für die Honda CBR 600 F (MOTORRAD 10/1998) untersuchte die Leistung von Belägen von AP-Racing, Brembo, Carbone Lorraine, EBC, Ferodo und Lucas im Vergleich zu den Honda-Originalbelägen von Nissin. Sechs der sieben Hersteller entschieden sich für Sinterbeläge, während Ferodo auf organische Beläge setzte.

Testergebnisse im Überblick

Die Testergebnisse zeigten, dass vier Teilnehmer das MOTORRAD-Urteil "sehr empfehlenswert" erhielten, darunter auch die Serienbeläge. Die Beläge von EBC erhielten aufgrund der nicht so guten Dosierbarkeit das Urteil "empfehlenswert". Die Lucas-Stopper hatten in diesem Punkt ebenfalls eine leichte Schwäche. Die Ferodo-Beläge fielen durch starkes Fading auf.

Die folgende Tabelle fasst die Ergebnisse des Vergleichstests zusammen:

Hersteller Typ Preis (Mark) Belagstärke (mm) MOTORRAD-Urteil
Honda 06455-MBW-006 (Sintermetall) 135 3,9 sehr empfehlenswert
AP-Racing LMP334 SF (Sintermetall) 118 3,4 sehr empfehlenswert
Brembo 07.HO45.SA (Sintermetall) 130,70 3,4 sehr empfehlenswert
Carbone Lorraine 2711 SBK3 (Sintermetall) 179,80 6,1 sehr empfehlenswert
EBC FA 296 HH (Sintermetall) 130,44 3,7 empfehlenswert
Ferodo FDB2079 (organisch) 126 6,7 noch empfehlenswert
Lucas MCB 703 SV (Sintermetall) 115,76 3,4 gut bis sehr gut

Detaillierte Ergebnisse

Honda: Der Original-Belag muss sich vor den besten Zubehörbelägen keineswegs verstecken. Er glänzt mit durchweg guten Funktionswerten und einem sehr guten Fadingverhalten. Die gleichmäßig ansteigende Bremsleistung ermöglicht exaktes Dosieren. Wer keine Lust hat zu experimentieren, liegt mit den Honda-Belägen richtig.

AP-Racing: Absoluter Spitzenbelag mit tollen Funktionswerten und sehr gutem Fadingverhalten. Außerdem positiv: die sehr gleichmäßig und steil ansteigende Bremsleistung. Darüber hinaus sind die AP-Beläge relativ preisgünstig, die Belagstärke fällt allerdings relativ dünn aus.

Brembo: Sehr guter Zubehörbelag mit tollen Funktionswerten und sehr gutem Fadingverhalten. Die Brembo-Beläge lassen sich ebenso exakt Dosieren wie die Honda-Pendants, sind in ihrer Wirkung aber einen Tick besser als das Original. Dafür weisen sie geringe Anfagsbelagstärken auf.

Carbone Lorraine: Absoluter Spitzenbelag mit tollen Funktionswerten und sehr gutem Fadingverhalten. Die gleichmäßig ansteigende Bremsleistung ermöglicht exaktes Dosieren. Teuerster Belag im Vergleich mit sehr großer Anfangsbelagstärke. Deshalb müssen die Bremskolben extrem weit zurückgeschoben werden. Die neuen Beläge passen gerade in die Bremszangen. Tipp: vor dem Einbau Beläge ein wenig abziehen und Kolben reinigen.

EBC: Sehr guter Zubehörbelag mit tollen Funktionswerten und sehr gutem Fadingverhalten. Durch ihre progressiv ansteigende Bremsleistung vor allem für weniger Geübte schwierig zu dosieren. Sportfahrer dürften mit der giftigen Wirkung weniger Probleme haben. Die Schwäche in der Dosierung führt zu Abwertung der ansonsten sehr guten Beläge.

Ferodo: Der einzige organische Belag im Testfeld kann in den Funktionswerten und im Fadingverhalten nicht mithalten und benötigt außerdem die längste Einfahrzeit. Bei den ersten Vollbremsungen trat starkes Fading auf - später immer noch spürbares Fading. Durch die extreme Anfangsdicke passen die Beläge nur mit viel Mühe in die Bremszangen. Tipp: Die Beläge vor dem Einbau etwas abziehen.

Lucas: Guter bis sehr guter Zubehörbelag mit guten Funktionswerten und gutem Fadingverhalten, der durch das progressive Ansteigen der Bremsleistung für Ungeübte schwierig zu dosieren ist.

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