Der Umwerfer ist ein zentrales Element von Kettenschaltungen am Fahrrad. Er steuert den Lauf der Kette auf den verschiedenen Kettenblättern, wenn der Schalthebel betätigt wird. Gerade beim Mountainbiken kann der Umwerfer durch Stöße und Stürze in Mitleidenschaft gezogen werden, was eine Neujustierung erforderlich macht, um einwandfreie Schaltvorgänge zu gewährleisten.
Grundlagen des Umwerfers
Das grundlegende Funktionsprinzip der vorderen Schaltung am Fahrrad ist bewährt und simpel: Ein Leitblech drückt die Kette in Richtung des Kettenblattes, auf das Du schalten willst. Die Einstellung des Umwerfers umfasst im Prinzip nur die Ausrichtung dieses Leitblechs zu den Kettenblättern und ein paar Vorgaben, wie weit es sich in welche Richtung bewegen kann.
Shimano Umwerfer: Bezeichnungen und Varianten
Die Zeiten von unzähligen Umwerfer-Standards wie Top Swing oder Down Pull sind mit den aktuellen 12fach-Schaltung bei Shimano vorbei - zum Glück. Mittlerweile gibt es von Shimano nur noch Side-Swing-Umwerfer in drei Standards. Der Schaltzug muss bei Side-Swing-Umwerfern immer von vorne kommen.
- Schellenmontage: Ältere oder günstige Alu-Rahmen haben meist eine klassische Schellenmontage. Der Umwerfer wird dabei ans kreisrunde Sitzrohr geklemmt.
- E-Type-Montage: Vor allem Fullys haben meist eine E-Type-Montagemöglichkeit. Dabei wird der Umwerfer mit zwei Schrauben am Rahmen befestigt.
- Direct-Mount-Standard: Wenn der Umwerfer mit einer Schraube oberhalb des Kettenblatts befestigt wird, handelt es sich um den Direct-Mount-Standard.
Vorbereitung zur Einstellung
Wenn Sie Ihren Fahrradumwerfer im ersten Schritt zunächst grob ausrichten, wird Ihnen die Feinjustierung später leichter von der Hand gehen. Da Du beim Justieren immer wieder Schalten musst und sich das Hinterrad dafür frei drehen können muss, empfehlen wir Dir, Dein Bike in einen Montageständer zu hängen. Ein Ständer, der nur das Hinterrad anhebt, tut es natürlich auch.
- Ausrichtung prüfen: Von oben betrachtet sollte das Leitblech parallel zu den Kettenblättern stehen.
- Höhe einstellen: Die Leitbleche müssen parallel zur Kette verlaufen. Zwischen Leitblech und Kettenblatt sollten an der engsten Stelle ca. 2-3 mm Abstand sein.
Beide Parameter - also die Richtung und die Höhe des Leitblechs - kannst Du variieren, indem du die Schelle oder Direct-Mount-Befestigung des Umwerfers leicht löst und nach dem Ausrichten des Leitblechs wieder festziehst. Achte dabei auch auf die empfohlenen Drehmomente!
Die wichtigsten Stellschrauben
Die wichtigsten Stellschrauben an einem Shimano-Umwerfer (Shimano XT 12fach) mit E-Type-Montage im Überblick:
- Äußere Anschlagschraube (H): Sie ist mit einem H für „high gear“ gekennzeichnet und begrenzt den Schwenkbereich des Umwerfers nach außen. Sie verhindert, dass die Kette über das große Kettenblatt geworfen wird.
- Innere Anschlagschraube (L): Sie ist mit einem L für „low gear“ gekennzeichnet und begrenzt den Schwenkbereich des Umwerfers nach innen. Sie verhindert, dass die Kette aufs Tretlager fällt.
- Klemmschraube (C): Diese Schraube klemmt den Zug am Umwerfer. Die Zugspannung wird am Schalthebel justiert.
- Befestigungsschraube (D): Diese Schraube verbindet den Umwerfer mit dem Rahmen. Mit ihr kann der Höhenabstand des Umwerfers zu den Kettenblättern eingestellt werden.
Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Einstellung
1. Unterer Anschlag (L-Schraube)
Für den unteren Anschlag schalten Sie vorne auf das kleinste Kettenblatt und hinten auf das größte Ritzel. Damit die Kette beim Schaltvorgang nicht in Richtung Rahmen vom Kettenblatt fällt oder am Leitblech des Umwerfers schleift, stellst Du zuerst die Begrenzung nach innen ein. Das ist der untere Anschlag. Einige Modelle kommen mit einem Kunststoffblock etwas vorspannt, um die Ausrichtung zu erleichtern. Entferne diesen, wenn das der Fall ist.
Mit der Schraube für den unteren Anschlag kannst Du nun begrenzen, wie weit sich das Leitblech in Richtung Rahmen bewegen kann. Drehst Du die Schraube hinein (im Uhrzeigersinn), dann bewegt sich der Umwerfer vom Rahmen weg und umgekehrt. Der untere Anschlag ist richtig eingestellt, wenn das innere Leitblech im leichtesten Gang etwa einen Millimeter von der Kette entfernt ist und beim Kurbeln gerade so nicht schleift.
2. Schaltzug einspannen und Zugspannung einstellen
Bevor es an die Feinausrichtung geht, müssen Sie den Schaltzug wieder einspannen. Ist der untere Anschlag eingestellt, kannst Du im nächsten Schritt den Bowdenzug klemmen oder die Spannung überprüfen, wenn er schon geklemmt ist. Achte dabei auch auf den Zustand der Zughülle - sie hat einen großen Einfluss auf die Schaltpräzision.
Wie der Zug genau am Umwerfer zur Klemmung geführt wird, unterscheidet sich stark von Modell zu Modell. Schau daher am besten in den Hinweisen des Herstellers nach. Achte darauf, dass Dein Schalthebel im korrekten Gang steht, drehe die Zugspannungsschraube am Schalthebel komplett rein und wieder eine Umdrehung heraus. Ziehe den Zug leicht straff und fixiere ihn mit der Klemmschraube am Umwerfer.
Nun kannst Du auf das zweite Kettenblatt schalten. Wenn die Kette nicht auf das größere Blatt wechselt, dann erhöhe die Zugspannung, indem Du die Spannungsschraube am Schalthebel etwas herausdrehst. Gehe dabei in kleinen Schritten von etwa einer Viertelumdrehung vor und probiere den Schaltvorgang erneut.
3. Oberer Anschlag (H-Schraube)
Nachdem Du die Zugspannung eingestellt hast, ist der obere Anschlag an der Reihe. Zum Einstellen des oberen Anschlags (H-Schraube) des Umwerfers schalten Sie vorne auf das größte Kettenblatt und hinten auf das kleinste Ritzel. Mit dem oberen Anschlag kannst du nun begrenzen, wie weit der Umwerfer maximal vom Rahmen weg schwenken kann. Liegt die Begrenzung zu weit außen, kann das Leitblech die Kette zu weit drücken und sie fällt herunter. Ist die Begrenzung zu weit innen, kannst Du nicht hochschalten.
Eingestellt wird der obere Anschlag mit der zweiten Schraube - meist mit einem H für „High“ markiert. Drehst Du die Schraube hinein (im Uhrzeigersinn), rückst Du die Begrenzung nach innen, also näher zum Rahmen und umgekehrt. Korrekt eingestellt hast Du den oberen Anschlag, wenn die Kette gerade so nicht am äußeren Leitblech schleift, während sie hinten auf dem kleinsten Ritzel läuft.
4. Funktionsprüfung
Hast Du beide Anschläge und die Zugspannung eingestellt, bist Du im Prinzip fertig. Schalte zur Kontrolle noch alle möglichen Kombinationen von Kettenblättern und Ritzeln durch. Achte dabei auf den Schräglauf der Kette und in welchen Gängen sie eventuell am Umwerferleitblech schleift. Den extremen Schräglauf der Kette solltest Du sowieso vermeiden.
Führen Sie eine Probefahrt durch, um Ihre Einstellungen zu überprüfen. Alles funktioniert, wie es soll? Dann solltest Du eine Probefahrt auf dem Trail unternehmen!
Troubleshooting
Du hast alle Einstellungen vorgenommen und geprüft, aber Dein Umwerfer macht trotzdem noch Probleme? Hier eine Liste, woran es liegen könnte und was Du dann tun kannst:
- Verbogenes Leitblech: Ist das Leitblech des Umwerfers verbogen oder hat deutliches Spiel, dann solltest Du einen neuen verbauen.
- Verschlissene Kette oder Kettenblätter: Sind Kette oder Kettenblätter verschlissen, kann das die Schaltqualität beeinflussen.
- Schwergängiger Schalthebel: Überprüfe den Zustand des Schaltzuges und der Hülle und wechsle sie gegebenenfalls.
- Hakender Schalthebel: Sprühe etwas Kriechöl hinein und lasse es einwirken.
Zweifach-Schaltungen
Anders als Sram bietet Shimano nach wie vor eine Option mit zwei Kettenblättern an der Kurbel. Die Argumente für einen 2x12-Antrieb sind klar: Es gibt keine aktuelle MTB-Schaltung mit einer größeren Bandbreite (Gesamtübersetzung) bei gleichzeitig so feiner Abstufung der Gänge.
Trotz der gleichen Ritzelanzahl gibt Shimano die 2x12-Schaltung nur für die feiner abgestufte Kassette mit 10-45 Zähnen frei. Die Variante mit dem großen 51er-Ritzel bleibt nach wie vor den Einfach-Antrieben (1x12) vorbehalten. Wer einen 1x12-Shimano-Antrieb mit einem 30er-Kettenblatt kombiniert, hat deshalb einen ähnlichen Klettergang wie die 2x12-Schaltung mit ihrem kleinen 26er-Kettenblatt.
Außerdem gibt es für Zweifach-Schaltgruppen ein spezifisches Schaltwerk mit anderer Geometrie als bei der Einfach-Version.
Werkzeug und Hilfsmittel
- Innensechskant-Schlüssel
- Drehmoment-Schlüssel mit Bits
- Schlitz- oder Kreuzschlitzschraubendreher
- Carbon-Montagepaste
Wichtige Hinweise
- Gegenkontrolle: Bei Shimano-Umwerfern prüfen Sie die richtige Zugspannung, indem Sie aufs größte Kettenblatt und größte Ritzel schalten.
- Probefahrt: Machen Sie nach der Einstellung eine Testfahrt abseits des Straßenverkehrs und schalten Sie nochmals alle Gänge durch.
- Kontrolle: Kontrollieren Sie die Schrauben der Zugbefestigungen und die Befestigung von Schaltwerk und Umwerfer mit einem Drehmomentschlüssel gemäß den Angaben Ihres Schaltungsherstellers.
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