Einzylinder Motorrad Chopper Umbau: Eine detaillierte Anleitung

Viele Motorradliebhaber entscheiden sich für den Umbau eines Einzylinder-Motorrads in einen Chopper, um ein einzigartiges und individuelles Fahrzeug zu schaffen. Dieser Artikel beleuchtet verschiedene Aspekte des Umbaus, gibt Beispiele und Tipps für eine erfolgreiche Transformation.

Die Suzuki LS 650 Savage als Basis

Als 1986 Suzuki seine LS 650 Savage präsentierte, war sie gemeinsam mit der zweizylindrigen Intruder der erste echte Chopper vom Fließband. Sie erinnerte mit ihrem dicken Zylinder zwischen den Rahmenrohren an die legendäre englische Panther 650, die lange das größte gebaute Einzylindermotorrad war. In dieser Reminiszenz erschien die Else genauso mutig, wie in der Fortschrittlichkeit mit Zahnriemen-Sekundärtrieb. Mit vier Ventilen und Ausgleichswelle hat der noch immer zeitgemäße Motor seine Wurzeln in der Enduro DR 600, und wurde bis 1994 in Deutschland mit 27 PS, dann mit den international üblichen 31 Pferden angeboten. Während sie hierzulande längst nicht mehr vermarktet wird, verkehrte sie unter dem Namen »Boulevard S 40« bis 2019 in Japan, Chile, Neuseeland oder den USA.

So tauchte sie eines Tages an der Tür von Axel Siemoneit auf. Für frisches Aussehen passend zur Persönlichkeit hat der Mecklenburger die geeigneten Instrumente. »Vintagestyle ist an älteren Motorräder einfach schöner. Hier gibt’s noch Kühlrippen und Vergaser«, gibt der Meister zu verstehen. Der Custombiker ist seit 1995 Meister und eröffnete drei Jahre später seine Werkstatt im schmucken Ort Parchim. Er ist leidenschaftlicher Hobbyracer, fuhr beispielsweise in Oschersleben beim Lauf zur Langstrecken-Weltmeisterschaft mit und lehrt als Instruktor im Rahmen der Shell Racing Academy. Und so weiß er, was er tut, hat er schon mehrere MZ Skorpion operiert, deren Einzylinder ebenfalls noch munter bei Supermono-Cups poltern, trotz all der Jahre auf’m Buckel.

Luftfilterkasten weg, Elektrik minimiert und samt Lithium-Ionen-Batterie und Zündschloss gut versteckt, kleine Lampe im Bates-Style, statt voluminöser Sitzbank einen Einzelsattel mit genähtem Lederbezug, Ersatz der großen Leuchtaugen durch kleine LED-Blinker. Das Single-Herz wurde massiert, unter anderem mit neuer Steuerkettenmechanik versehen und zusätzlich optisch gepudert, mit Harley-Kräusellack. Der Krümmer ist keramikbeschichtet und mit klangvollem Sportschalldämpfer kombiniert. Den letzten Schliff geben dann die gealterten Accessoires, im wahrsten Sinne des Wortes: Teile wie Tankdeckel oder Handhebel wurden gold lackiert, wieder leicht angeschliffen und klar überlackiert.

Nach der Kur fühlte sich die Else wie neu geboren und so fit, dass sie von Mecklenburg nach Bayern wanderte. Gemeinsam mit ihrem neuen Partner kann sie nun das Alpenpanorama genießen. Das Zündschloss versteckt sich unter der Sitzbank am Rahmendreieck Der Tacho ist serienmäßig im Tank versenkt, Armaturen und Tankdeckel wurden golden lackiert und anschließend abgeschliffen Aus diesem Blickwinkel zeigt die Savage, dass ein simpler Einzylinder die ideale Basis für ein minimalistisches Custombike sein kann In Deutschland wird das Modell schon lange nicht mehr vermarktet, in Japan, Chile, Neuseeland oder den USA als S 40 Boulevard noch bis 2019 angeboten Die Savage geht als Klassiker durch, blickt sie doch auf eine bald vierzigjährige Modellgeschichte zurück Als Einzylinder mit kettengetriebener Nockenwelle setzt die Else klassische AJS-Tugenden fort, zumal hier noch mit Viergang-Getriebe. Wie einen älteren Sportmotor sollte man die 650er nicht zu untertourig fahren, zu Gunsten des Kettenlebens. Der lederne Einzelsitz und der nun flache Lenker passen besser zum Charakter als der serienmäßige Chopper-Style Technisch noch voll im Saft, optisch nun im fesch reduzierten Vintage-Look - Mission erfüllt Nach dem Umbau ging die Savage nach Bayern, doch das nächste Projekt wartet.

Honda Monkey 125 als Fulldresser

Größenwahn bei den Äffchen, genauer: bei den 125er-Monkeys von Honda. Bei Monqey King in Thailand werden sie zu Fulldresser-Cruisern nach Harley-Davidson-Vorbildern aufgerüstet.

MSX, Grom, Dax und eben Monkey heißen die teils jahrzehntealten Kult-Konzepte von Honda, die nach wie vor produziert und als Neufahrzeuge angeboten werden. Auch in Europa und in Deutschland, wo sie mit 125 Kubik in die Kategorie Leichtkraftrad passen und ab 16 Jahren mit Führerscheinklasse A1 oder mit der Pkw-Führerscheinerweiterung B196 gefahren werden dürfen. Das Original: Honda Monkey 125, Jahrgang 2023.

Die wohl größte Fan-Community rund um die kleinrädrigen Honda-Modelle tummelt sich in Thailand. Kein Wunder also, dass dort der Monqey King regiert. Chayakrit Kaewwongwan, eher unter dem international gängigen Spitznamen Winny Boy bekannt, betreibt in Thailand mehrere Zubehör-Shops für Motorräder. Mit der Abteilung Monqey King hat er sich - logisch - auf die Honda Monkey spezialisiert. Um Werbung für sein Monkey-Zubehör zu machen, aber auch einfach zum Spaß, stellt der König der Äffchen regelmäßig spektakulär umgebaute Exemplare vor.

Mit großflächig geschwungener Frontverkleidung vorn sowie Seitenkoffern und langen Auspuffrohren hinten äffen sie verblüffend effektiv die klassischen Touring-Modelle von Harley-Davidson nach. Electra Glide oder Street Glide, vom Cruiservolksmund Fulldresser genannt, glaubt man hier auf den ersten flüchtigen Blick zu sehen. Batwing und Sharknose werden die Formen der beiden imitierten und herunterskalierten Frontverkleidungen genannt.

Vor allem bedingt durch die kleinen 12-Zoll-Räder, die für die Honda Monkey so typisch, für Harley-Davidson umso untypischer sind. Immerhin mit relativ üppigen Reifenbreiten: 120 Millimeter vorn, 130 Millimeter hinten. Wobei Monqey King die originalen Honda-Räder gegen aufwändig verschraubte Ausführungen mit gefrästem Innenring aus Aluminium austauscht. Jeweils eine Scheibenbremse pro Rad wird beibehalten, allerdings mit etwas origineller geformten Scheiben.

Anstelle eines großen V-Twins mit annähernd 2 Liter Hubraum hängt im Stahlrohrrähmchen der Honda Monkey ein Viertakt-Einzylindermotor mit 124 Kubik. Ebenfalls luftgekühlt und mit 2 Ventilen, womit sich aktuell nur knapp 10 PS bei 6.750/min ergeben. Höchstens 100 km/h sind damit drin, und auch das nur mit reichlich Anlauf ohne Gegenwind.

Von außen zu erkennen sind diverse Abdeckungen aus Carbon oder aus Aluminium gefräst. Dass allein die extralange 1-in-2-Abgasanlage nach Harley-Davidson-Art mehr Leistung bringt, ist jedenfalls unwahrscheinlich.

Im Originalzustand wiegt eine Honda Monkey 125 mit vollem 5,6-Liter-Benzintank 104 Kilogramm, und mehr als circa 120 Kilo kommen mit der Frontverkleidung und den - leeren - Seitenkoffern nicht zusammen.

Royal Enfield Queen Bullet von Neev Motorcycles

Wer sich die Serien-Bullet von Royal Enfield vor Augen führt, dem wird der Wahnsinn, der hinter der Queen von Neev steckt, erst wirklich bewusst. Der indische Customizer verbaut eine Einarmschwinge hinten, kombiniert sie mit einer 18-Zoll-Big-Spoke-Felge und einem - hinsetzen - 240er-Reifen von Avon. Vorn geht es verrückt weiter: Eine 23-Zoll-Felgen dreht sich in der stark verkleideten Gabel, ebenfalls mit dicken Speichen gebaut. Den bekannten und bewährten Enfield-Eintopf mit 499 Kubik und rund 27 PS lassen Neev unberührt. Auf der Auslassseite findet sich lediglich ein armdicker Krümmer. Ob da was dämpft ist fraglich.

An den mächtigen Gabelcovern verbaut Neev einen konifizierten, stark geschwungenen Lenker an goldenen Risern, die sehr an Steam-Punk erinnern. Eine Stilrichtung und Subkultur, die sich stark am viktorianischen Zeitalter orientiert und die Dampf- und Zahnradtechnik hochstilisiert: Das Design und die Details von Neev weisen in diese Richtung, was von einer Queen getauften Royal Enfield dick unterstrichen wird. Aufgenommen wird dieser Stil vom neu gestalteten Tank in Sargform mit dem erhabenen Tankdeckel, ebenfalls goldfarben. Elemente, die an den großen Blechflächen am Motorrad und dem Ritterschild an der Einspritzung immer wieder auftauchen. Der neue Tank in Sargform, mit dem mächtigen Lenker.

Ebenfalls aus der viktorianischen Zeit und den damaligen Kerkern entnommen scheint der Sattel nebst Heck der Queen zu sein: Es kommt einem das Wort Folterstuhl in den Sinn.

Weitere geeignete Modelle für den Umbau

Neben den bereits genannten Modellen gibt es weitere Motorräder, die sich gut als Basis für einen Bobber-Umbau eignen. Dazu gehören:

  • Honda CM 400 T
  • Yamaha XV750SE
  • Enfield Bullet
  • Virago (je nach Modell mit Speichenrädern)

Bei der Auswahl des Motorrads sollte man den Rahmen berücksichtigen, um sicherzustellen, dass er für den gewünschten Umbau geeignet ist. Ein Knick nach unten im Rahmen unter der Sitzfläche kann beispielsweise eine tiefere Sitzposition ermöglichen.

Bobber 1 von Knockout-Bikes

Die im 5000 Seelen-Ort Niederstotzingen bei Knockout-Bikes gefertigte Bobber 1, das europaweit vielleicht einzige Old-School-Bike seiner Art mit EU-Zulassung, rollt jetzt auf den deutschen Markt. Erster Pluspunkt: Das Bike fällt auf, es ist ein echter Hingucker. Preiswert ist es obendrein: 2790 Euro werden als Kaufpreis eingefordert. Der Haken an dem Ding ist der fehlende zweite Zylinder und ein Mangel an Hubraum. Der 125 ccm Einzylinder-Viertakter-Motor leistet knapp 7 kW/10 PS und bringt es damit auf das Landstraßentempo von 100 km/h. Zwei bis drei Liter soll das Bike auf 100 Kilometer Fahrstrecke verbrauchen, das langt für eine Tour von rund 200 Kilometern und damit für den Sonntagsausflug. In Schwarz, Rot und Blau ist das einsitzige Motorrädchen zu haben, das so einzigartig Niederstotzingen mit Milwaukee verbindet.

BMW-Umbauten in der Chopper-Szene

Auch BMW-Motorräder wurden in der Vergangenheit gerne für Chopper-Umbauten verwendet. In den 70er Jahren, als Harley-Davidsons noch rar waren, orientierten sich viele an den BMWs, wie sie aus dem Film »Rocker« bekannt waren. Diese Umbauten umfassten oft Chromglanz, hohe Westernlenker und dicke Tanks. Später wurden auch die /5-Modelle (mit den Koffer ähnlichen Motorgehäusen) in die Szene integriert.

Im Jahr 1971 war da schon der R 67/2 BMW Chopper von Marvin Jants zu sehen. Unsere heimische Motorrad-Presse allerdings boykottiert diese Chopper-Umbauten, macht sie mit giftigen Randbemerkungen nieder. Dazu muss man wissen, dass die deutsche Motorradindustrie am Boden liegt. Einzig BMW baut noch große Bikes. Gerade denen haftet einerseits der Geruch des Altmännermotorrades an, andererseits haben sie auch einen hervorragenden Ruf, was Zuverlässigkeit angeht. Eine BMW im Seriendress wirkt in den Augen der Jugend zu bieder! Aber umgebaut?

Gechoppt wird, was schon angeschafft ist oder einem günstig unter die Finger kommt. Und obwohl auch Mopeds und hubraumschwache Zweitaktmotorräder dran glauben müssen, ist das Ideal klar: Ein Chopper muss viertaktend und hubraumstark sein. Die Fahrer sind auch die Erbauer. Wer so einen Umbau auf die Straße bringt, ist in der Szene jemand. Und der TÜV? Der kontrolliert ob das Lenkschloss geht, ob Bremsen und Beleuchtung funktionieren, sonst eigentlich nichts.

Die Rolle des TÜV

Die Abnahme durch den TÜV (Technischer Überwachungsverein) ist ein wichtiger Schritt bei jedem Motorradumbau. In den frühen 70er Jahren war die Situation noch relativ entspannt, aber ab 1973/74 wurden alle Veränderungen am Fahrzeug strikt abgelehnt, sofern keine Unbedenklichkeitserklärung vom Hersteller oder ein Teilegutachten vorlag.

Viele Teile wurden zuvor von Hand angefertigt. Käuflich ist nur Universal- oder Touring-Zubehör zu haben. Und Gutachten? Die existieren nicht - aber für überhaupt nichts! Teile von renommierten Herstellern wie Magura werden vielleicht noch per Einzelabnahme eingetragen. So etwas wie eine TÜV geprüfte vorverlegte Fußrastenanlage oder gar eine zertifizierte längere Gabel ist undenkbar.

AME - Ein Pionier für BMW-Chopper-Teile

Bei Kassel machte eine Firma von sich reden, die sogar einen Teilekatalog hat und TÜV-Eintragungen möglich machen soll - AME.

»Vier Jahre nachdem Peter Fonda und Dennis Hopper in Easy Rider als Wyatt und Billy ihren Traum von Freiheit und Abenteuer nachgegangen waren, sind die Ideale der Flowerpower-Generation out, nicht jedoch der Wunsch einen Chopper fahren zu wollen …,«, AME-Chef Walter F. Cuntze will nicht verstehen, dass Motorradfahren nur Kilometerfressen und Höchstgeschwindigkeitswahn sein soll. BMWs sind ihm wohlvertraut. Seine eigene, weiß lackierte und umgebaute BMW, ist ihm noch gut in Erinnerung. Bald hat Cuntze für die BMW Vollschwingenmodelle entsprechendes geprüftes Zubehör im Katalog. Ältere BMW-Modelle mit Geradweghinterradfederung profitierten zwar auch von dem mannigfaltigen AME Zubehör, bleiben sonst allerdings im Regen stehen.

Fazit

Der Umbau eines Einzylinder-Motorrads in einen Chopper ist ein anspruchsvolles, aber lohnendes Projekt. Mit der richtigen Planung, den passenden Teilen und etwas handwerklichem Geschick lässt sich ein einzigartiges Custombike schaffen. Ob Suzuki LS 650 Savage, Honda Monkey 125 oder ein anderes Modell - die Möglichkeiten sind vielfältig. Wichtig ist, die technischen Aspekte und die rechtlichen Bestimmungen (TÜV) im Blick zu behalten, um ein sicheres und legales Fahrzeug zu erhalten.

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