Die Frage stellt sich, warum sich heute so wenige Hersteller trauen, moderne Einzylinder mit großem Hubraum zu bauen. Dabei muss es gar nicht der brutal anreißende 690-Kubikzentimeter-Motor mit 75 PS sein. Ein moderner, wassergekühlter Einzylindermotor mit rund 600 Kubikzentimeter Hubraum, einer Leistung von etwa 60 PS und kräftigem Drehmomentverlauf sollte völlig ausreichen, um ein Motorrad von vollgetankt maximal 170 Kilogramm Gewicht zu einem leicht beherrschbaren Spaßgerät mit hoher Alltagstauglichkeit zu machen.
Aktuelle Modelle und Hersteller
Zum Glück gibt es noch einige wenige Marken, die die Einzylinderfahne hochhalten wie KTM und ihre Marke Husqvarna. Auch Weltmarktführer Honda weiß um die Vorteile eines Einzylindermotorrads und bietet die kleine Enduro CRF 250 L mit 25 PS starkem Antrieb sogar auf dem deutschen Markt an. BMW bietet in G 310 R und G 310 GS inzwischen wieder einen Einzylinder an.
Seit kurzem bietet der chinesische Hersteller Zontes seine 310er-Baureihe mit Einzylindermotor in Europa an. Zum Glück gibt es noch ein paar kleine Motorradmarken wie zum Beispiel SWM aus Italien oder Mash aus Frankreich, die Einzylindermotorräder mit einigermaßen großen Hubräumen anbieten.
KTM und Husqvarna
Sie setzen nicht nur bei den Sportenduros und Motocrossern auf einen Zylinder: Die 690 SMC R war über etliche Jahre hinweg die meistverkaufte KTM in Deutschland - und das als radikale Supermoto. Sie wurde wegen der Euro4-Überarbeitung des Motors für ein Jahr eingestellt, ging aber zum Modelljahr 2019 wieder ins Rennen und landete prompt erneut in den Top Ten. In der 690 Duke, der 690 Enduro R und der 690 SMC R sowie in der Husqvarna 701 Supermoto und 701 Enduro arbeitet der leistungsstärkste Serien-Einzylinder der Welt mit eindrucksvollen 75 PS bei relativ geringem Gewicht.
Doch auch in der Hubraumklasse darunter hat KTM einen hochinteressanten Einzylinder parat, der in 390 Duke, RC 390 sowie 390 Adventure eingesetzt wird. Er leistet 43 PS bei 9000/min, ist spritzig und vibrationsarm. In der vollgetankt 159 kg leichten Duke bringt er einen Mordsspaß auf kurvigen Landstraßen, der vollverkleideten RC 390 wurde gar ein eigener Cup gewidmet, sie startet auch in der SSP 300-Serie im Rahmen der Superbike-WM.
Honda
Das Motorrad wird in Asien in riesigen Stückzahlen verkauft, denn es ist günstig und robust. Das auf ihr basierende Adventure-Bike CRF 250 Rally mit identischem Motor erfreut sich unter der Fernreise-Fraktion wachsender Beliebtheit, denn selbst die eher bescheiden anmutende Leistung reicht völlig aus, um Schotterstrecken zu bewältigen. Dabei spielt sie im Gelände den Vorteil ihres geringen Gewichts von nur 157 kg aus.
Letztes Jahr brachte der weltgrößte Motorradhersteller in seiner „Neo Sports Cafe“-Baureihe die CB 300 R auf den Markt. Sie wirkt elegant, schnörkellos und hat einen 286 cm3 großen Einzylinder, der es auf 31 PS bringt. Klingt wenig, aber die Honda CB 300 R wiegt nur 143 Kilogramm, weshalb sie durchaus flott unterwegs sein kann. Erstaunlicherweise ist sie mit 4785 Euro sogar billiger als die 250er aus dem eigenen Haus.
BMW
BMW bietet in G 310 R und G 310 GS inzwischen wieder einen Einzylinder an. Der in Indien gefertigte, 313 Kubikzentimeter große Single bringt es auf 34 PS und erfreut preissensible Biker.
Royal Enfield
Royal Enfield stellte vor zwei Jahren mit der Himalayan ein interessantes Adventure-Bike vor, das von einem 411 Kubikzentimeter großen, luftgekühlten Einzylinder mit 25 PS angetrieben wird und für nur 4699 Euro auch bei uns auf dem Markt ist. Die Resonanz der Fachpresse auf das indische Motorrad war durchweg positiv.
Zontes
Seit kurzem bietet der chinesische Hersteller Zontes seine 310er-Baureihe mit Einzylindermotor in Europa an. Die vier Modelle leisten 35 PS und bestechen durch günstige Preise, umfangreicher Ausstattung und durchaus gelungenes Design.
SWM und Mash
Die SWM Superdual wird von einem wassergekühlten, 54 PS starken 600er-Einzylinder angetrieben, der aus den Altbeständen von Husqvarna stammt, die Mash Dirt Track 650 reanimiert sogar den luftgekühlten 650er-Motor aus der Honda Dominator.
Vorteile von Einzylinder-Motorrädern
Sie boten die unschlagbaren Vorteile eines einfachen Aufbaus und kompakter Bauweise. Auch gab es kaum etwas, das der versierte Bastler nicht selber reparieren konnte - auf langen Reisen ein nicht unwichtiger Aspekt. Die Motoren waren leicht, was der Agilität entgegen kam, und niemand tat sich schwer mit dem Aufheben eines Einzylinderbikes. Der Single bietet schon bei niedrigen Drehzahlen hohes Drehmoment.
Vergangenheit und Gegenwart
Wer als Jugendlicher zum Motorradfahren gekommen ist, hat fast immer auf einem Einzylinder angefangen. Doch auch für gestandene Biker war es noch bis zu Beginn dieses Jahrhunderts weder ungewöhnlich noch ehrenrührig, auf einem einzylindrigen Motorrad unterwegs zu sein.
Es gab sehr erfolgreiche Einzylindermodelle darunter wie die Yamaha XT 500, die Suzuki DR Big oder die KTM 620/640 Duke, um nur einige zu nennen, die nicht nur hohes Ansehen genossen, sondern es sogar bis zum Kultstatus brachten. Die einzylindrige KTM 390 Duke hält sich seit Jahren in den Top Ten der meistverkauften Motorräder in Deutschland. Das leichte Naked Bike bietet viel Fahrspaß für einen günstigen Preis von 5395 Euro. Sie ist der schlagende Beweis dafür, dass ein modernes Einzylinder-Konzept sehr erfolgreich sein kann.
Warum Einzylinder?
Im letzten Jahrhundert setzten viele Hersteller auf Einzylinder, weil sie einfacher in der Herstellung waren und günstige Preise ermöglichten. Nur bei den Einzylindern herrscht Flaute, vielleicht weil sie manchem Hersteller nicht modern genug erscheinen oder sie befürchten, nicht genügend Leistung zu bieten. Dabei können die handlichen, leichten Einzylindermotorräder Spaßmacher, brave Alltagsbegleiter und Reise-Mulis zugleich sein.
Top 5 Einzylinder-Motorräder (Gebraucht)
Hier ist eine Liste von Top 5 gebrauchten Einzylinder-Motorrädern, die auf dem Markt erhältlich sind, basierend auf einem Test von 1000PS Crew:
- KTM 690 Supermoto: 64 PS, alltagstaugliche Sitzposition.
- KTM 640 Duke 2: 57 PS, puristisches Flair.
- Husqvarna TR 650 Strada/Terra: 58 PS, BMW-Technik.
- Yamaha XT660Z Tenere: 48 PS, Abenteuer- und Wüstenflair.
- Aprilia Pegaso 650 Strada: 48 PS, zuverlässiger Begleiter.
Die Konkurrenz
Leider Fehlanzeige bei den drei japanischen Motorradgiganten Kawasaki, Suzuki und Yamaha: Sie setzen oberhalb der 125er-Klasse auf zwei oder mehr Zylinder mit meist relativ hohem Gewicht.
Bei den sportlichen Straßenmotorrädern ist bis heute der Vierzylinder favorisiert, in Reihe oder V-Anordnung. Seit Triumph vor einigen Jahren die Renaissance des Dreizylinders eingeläutet hat, entdeckten auch andere Hersteller die Vorteile des Triples. Neue Zweizylindermodelle, sowohl in Reihe als auch in V-Formation, gibt es reichlich - von 250 Kubikzentimeter bis fast zwei Liter Hubraum.
Euro5-Norm
Dass die Erfüllung der Euro5-Norm ein Hindernis wäre, hat KTM mit der 690er eindrucksvoll widerlegt.
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