Eisenacher Motorenwerke: Eine Geschichte von Automobilen und Motorrädern

Die Geschichte der Eisenacher Motoren Werke beginnt eigentlich schon 1895 durch die Gründung der Fahrzeugfabrik Eisenach, kurz FFE, doch erst nach dem zweiten Weltkrieg mit der Übernahme der Werkhallen der ehemaligen BMW Werke in Eisenach wird EMW gegründet.

Am 3. Dezember 1896 wurde die Fahrzeugfabrik Eisenach A.G. durch den Großindustriellen, dem Geheimen Baurat Heinrich Ehrhardt, gegründet. Weil seine schon bestehenden Werke keine Produktionskapazitäten mehr hatten, entschied er, ein weiteres Werk zu bauen. Ehrhardt erwarb in Eisenach ein Wiesengrundstück und begann das Werk aufzubauen. Ab 1897 wurden dort als erstes Fahrräder gebaut, ab 1898 dann auch Automobile.

Der Unternehmer Heinrich Ehrhardt hatte für die Produktion eine Lizenz vom französischen Autohersteller "Decauville" erworben. Doch schon 1904 trat Ehrhardt aus der Firmenleitung zurück. Der Markenname Wartburg wurde daraufhin aufgegeben. Die Fahrzeuge erhielten den neuen Namen Dixi, was "Ich habe gesprochen" auf lateinisch heißt.

Dixi-Autos waren vor dem Ersten Weltkrieg sehr beliebte Automobile. Aber der Erste Weltkrieg beendete die erfolgreiche Dixi-Produktion. Während des Krieges wurden in Eisenach Militärfahrzeuge hergestellt. Nach dem Krieg konnte das Werk nicht mehr an seine Vorkriegserfolge anknüpfen. Die Weltwirtschaftskrise erschütterte auch den deutschen Automobilbau. Mit der Lizenzproduktion eines Kleinwagens versuchte man, der wirtschaftlichen Misere zu entkommen.

Erst 1928, als die Bayrische Motoren Werke AG das Werk übernahm, stabilisierte sich die wirtschaftliche Lage. BMW bezahlte 800.000 Reichsmark in BMW-Aktien und 800.000 Reichsmark in bar und entließ bei der Übernahme 1.430 Arbeiter und Angestellte. Aus dem populären Dixi-Auto wurde der BMW 3/15 PS und die Bayrische Motoren Werke AG startete seine weltweite Erfolgsgeschichte als Autobauer.

Die Übernahme durch BMW und der Zweite Weltkrieg

Das Dixi-Werk wurde 1928 komplett von BMW übernommen. BMW baute dort fortan alle PKW und verlagerte die Motorradproduktion 1942 ebenfalls nach Eisenach. Mit leistungsstarken 6-Zylinder-Motoren machte sich das Eisenacher BMW-Werk in den 1930er-Jahren einen Namen. 1941 wurde jedoch die Automobilfertigung eingestellt. Das Werk in Eisenach wurde kriegswichtige Produktionsstätte und fertigte nun Motorräder für den Krieg. Aus diesem Grund wurde das Werk und die umliegende Infrastruktur wiederholt Ziel von Bombenangriffen. Am Ende des Zweiten Weltkrieges waren 60 Prozent des Werkes zerstört.

Neubeginn nach dem Krieg

Nach dem Krieg zog sich die Werksleitung von BMW in den Westen zurück. Es blieb ihnen jedoch keine Zeit, die Produktionsmaschinen mitzunehmen. Sie blieben in der sowjetischen Besatzungszone. So wurde die Produktion von Motorrädern und Autos schon 1945 wieder aufgenommen. Die Sowjetunion forderte als Reparationsleistung 3.000 BMW-Limousinen und 3.000 Motorräder. Die Betriebsanlagen wurden enteignet und Widersprüche von BMW München gegen die Enteignung abgelehnt.

Ursprünglich sollte das am 3. Juli 1945 enteignete und beschlagnahmte BMW-Werk demontiert werden. Die SMAD, Sowjetische Militäradministration in Deutschland, hob durch den Befehl 93 die vorgesehene Demontage des zu Kriegszeiten als Rüstungslieferant der deutschen Wehrmacht eingesetzten BMW Werkes im thüringischen Eisenach auf, enteignete es und gliederte es der sowjetischen Aktiengesellschaft Awtowelo bei. Danach begann man, nachdem die ausgebombten Fabriken wieder einigermaßen hergestellt waren, Vorkriegsmodelle von BMW herzustellen.

Die Produktion der BMW R 35 als EMW R 35

Gebaut wurde ab November 1945 die 350ccm-Einzylindermaschine “ R 35″. Die BMW R 35 war 1937 aus der populären Einzylindermaschine „R 4“ entwickelt worden und fußte konstruktiv in den frühen 30er Jahren. Seinerzeit waren Pressstahlrahmen modern, so dass die R 4 einen starren „Blech“-Rahmen erhielt, den die R 35 erbte. Das 1:6 verdichtende ohv-Triebwerk mit 72 mm Bohrung und langen 84 mm Hub leistete bullige 14 PS bei 4.500/min. In typischer BMW-Bauweise war die Maschine als Querläufer ausgelegt.

Im linken Teil des Motorgehäuses war ein Werkzeugfach unter-gebracht. Dazwischen befanden sich eine Trockenkupplung und ein handgeschaltetes Vierganggetriebe, dessen Schalthebel im H-Schema nach Automobilart in einer Kulisse im rechten Kniekissen geführt wurde. Zunächst ging die gesamte Produktion als Reparationsgut in die Sowjetunion. Das Eisenacher BMW-Werk wurde am 15. September 1946 in eine staatliche Aktiengesellschaft in sowjetischen Besitz umgewandelt, und firmierte fortan als „Einzelbetrieb BMW der Sowjetischen Aktiengesellschaft (SAG)“ „Awtowelo“.

Die Sowjets hatten bereits vor dem Krieg BMW-Lizenzen erworben und waren von den zuverlässigen Fahrzeugen aus München und Eisenach sehr angetan. Er ordnete den Bau von je 3.000 Motorrädern und PKW pro Jahr an. Der Bedarf war da und die Produktion lief schnell wieder an, so dass 1948 schon fast 3000 Motorräder und 2500 PKW des Typs BMW 340 das Werk verließen. Zwei Jahre später, im Gründungsjahr der DDR, rollten über 4.000 R 35 vom Fließband. Nach wie vor mit BMW-Emblem am Tank, gelangten nun die ersten Maschinen in den normalen Verkauf.

Mitte 1951 wurde die Verwendung des Namens BMW durch die Bayerischen Motorenwerke gerichtlich untersagt und alle Modelle liefen nur noch unter der Bezeichnung EMW für Eisenacher Motoren Werke. Ab 1951 prangte das rot-weiße EMW-Emblem auf dem Tank der generell schwarzen Maschine. Bis Ende des Jahres hatten seit dem Neubeginn mehr als 25.000 R 35 die Eisenacher Produktionsstätte verlassen. Das simple Konzept der Maschinen hatte sich als goldrichtig erwiesen, nur das primitive Fahrwerk war auf den DDR-Pflasterpisten ein Problem.

Die EMW R 35 blieb auch das einzige Motorradmodell das in Eisenach gebaut wurde. Der Markenname EMW wurde nach der Beendigung der sowjetischen Verwaltung auch lediglich für zwei Jahre beibehalten. Ende 1953 kam dann die Endgültige Umbenennung in Volkseigener Betrieb VEB Automobilwerke Eisenach, kurz AWE. Die EMW R 35 wurde trotz der Namensänderung bis 1955 unter dem Logo der Eisenacher Motoren Werke gefertigt und verkauft. EMW diente als Abkürzung für das Eisenacher Motorenwerk. Es stellte nach dem 2. Weltkrieg auch Motorräder her. An die Stelle von BMW trat nun das Eisenacher Motorenwerk.

Im Jahr 1949 konnte EMW bereits wieder 4250 Motorradmodelle vom Typ R 35 anfertigen. Diese Fahrzeuge gingen zunächst nur an die Behörden sowie die FDJ-Interessengemeinschaft Motorsport. Später konnten auch private Kunden eine R 35 erwerben. Noch immer verfügten die neuen Modelle über ein BMW-Emblem.

Modifikationen und das Ende der R 35 Produktion

So erschien die R 35 1952 mit hydraulisch gedämpfter Teleskopgabel und Fuß- anstelle von Handschaltung. Diese Baureihe ist als Übergangsmodell zu betrachten und lief 8.000-fach vom Eisenacher Band. Im Jahr 1951 änderte das Eisenacher Motorenwerk das BMW-Kürzel in EMW um. Das traditionelle weiß-blaue Emblem wurde nun weiß-rot. Als volkseigenen Betrieb gliederte man EMW dem IFA-Verbund an. Die EMW R 35 wurde ab 1953 modifiziert und als R 35/3 weiter angefertigt. 1955 endete EMW als Markenzeichen. Das Gleiche galt für das Motorradmodell R 35/3, von dem zwischen 50.000 und 66.000 Exemplare hergestellt worden waren.

Das einzige Motorradmodell des Eisenacher Motorenwerks stellte die EMW R 35 dar. Dieses Modell war identisch mit der BMW R 35. Zu seiner Ausstattung gehörten ein Starrrahmen, eine Handschaltung sowie eine ungedämpfte Teleskopgabel, die über Faltenbälgen als Schutz vor Schmutzpartikeln verfügte. Von dieser Version entstanden etwa 26.000 Exemplare. 1952 erfolgte die Weiterentwicklung der EMW R 35. So versahen sie die Hersteller mit einer hydraulischen gedämpften Teleskopgabel samt Schutzrohr. Außerdem wurde die Maschine mit einem modifizierten Getriebe und einer modernen Fußschaltung ausgerüstet. Von dem Modell mit der Bezeichnung EMW R 35/2 stellte man ca. 8.000 Stück her.

Darüber hinaus kam die Motorradanfertigung in Eisenach komplett zum Erliegen. So fand die Herstellung von Motorrädern in der DDR nun hauptsächlich in Zschopau statt.

Nach dem Motorradbau: Automobilwerke Eisenach (AWE) und Wartburg

Allerdings untersagten die Münchener Bayrische Motoren Werk AG dem Eisenacher Werk 1951 das Führen des Namens BMW. 1952 wurde das Werk verstaatlicht. Materialengpässe in der DDR führten letztendlich dazu, dass die BMW-Modelle nicht mehr produziert wurden. Auf staatlichen Beschluss hin wurden in den 1950er-Jahren sowohl die Konstruktion von Rennwagen als auch der Bau von Autos mit Viertakt-Motoren eingestellt - gegen den Willen der Werksleitung. Stattdessen wurde nun in Eisenach seit 1955 der Wartburg mit Zweitaktmotor produziert. Mehr als eine Millionen der Zweitakter verließen bis 1989 das Werk. Circa 15 Jahre mussten die DDR-Bürger auf einen neuen Wartburg warten. Nach der Wiedervereinigung brach die Nachfrage zusammen. Am 21. Das Ende für Eisenach als Zentrum der Autoindustrie war das allerdings nicht. Opel baute in Eisenach ein neues Werk. Dort lief am 23. September 1992 der erste Opel "Astra" vom Band.

Die Fahrzeugfabrik Eisenach heute

Unter dem Motto "Stationen einer Entwicklung" feierte die BMW Fahrzeugtechnik GmbH am 15. Juni 2007 das 15-jährige Bestehen des BMW Standortes Eisenach. Mit dem legendären DIXI waren 1928 schon einmal die weiß-blauen Farben ins thüringische Eisenach eingezogen. Die Fahrzeuge aus der Wartburgstadt schrieben fortan Geschichte. Diese Geschichte wollte die BMW Group nach dem Mauerfall fortschreiben und eröffnete dazu im Jahr 1992 die BMW Fahrzeugtechnik GmbH, einen hochmodernen Großwerkzeugbau.

Der Standort Eisenach hat sich mit seinen 230 Mitarbeitern in den zurückliegenden Jahren zu einer ersten Adresse entwickelt, wenn es um Großpresswerkzeuge und Karosserieteile geht. Als Spezialist für Außenhautwerkzeuge kann die BMW Fahrzeugtechnik GmbH insbesondere innovative Lösungen zur Umsetzung anspruchsvoller Designs und zur Bearbeitung verschiedenster Werkstoffe anbieten. So wird das aus kohlefaserverstärktem Kunststoff (CFK) bestehende Leichtbaudach des neuen BMW M3 mit einem Werkzeug aus Eisenach hergestellt.

Die BMW Geschichte ist eng mit Thüringen verbunden, denn schon vor 74 Jahren entstanden dort die ersten BMW Automobile. Die BMW AG übernahm im November 1928 die Ende 1896 gegründete Fahrzeugfabrik Eisenach (Wartburg, später DIXI). Damit war die Geburtsstunde der BMW Automobile gekommen. Die Dixi-Modelle DA 2 und AM 1 waren die ersten Automobile, die den weiß-blauen Propeller als Markenzeichen trugen.

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