Zero S 11kW: Erfahrungen mit dem Elektro-Leichtkraftrad

Die Zero S 11 kW ist ein Elektromotorrad, dessen Leistung in Deutschland auf 11 kW (15 PS) beschränkt ist. Zero S ZF 13.0 nennt sich das schnellste Zweirad im Segment, aber auch das mit Abstand und 15.850 Euro teuerste.

Fahrleistungen und Modi

Mit der Zero S - in der leistungsreduzierten 11 kW Version für A1/B196 Führerscheinbesitzer - überholt man andere Fahrzeuge mit spielerischer Leichtigkeit. Im Sportmodus reicht bereits ein kleiner Dreh am Griff und die Zero macht einen gewaltigen Satz nach vorne. Der Trick liegt in der so genannten „Dauerleistung“ versteckt, die bei der Zero S für den A1 Führerschein die geforderten 11 kW hat.

Völlig legal dürfen nämlich kurzfristig beim Beschleunigen auch die 40 kW / 54 PS Maximalleistung abgerufen werden. Im S-Betrieb sind dann nicht nur 130 Spitze drin, dann schiebt das Elektro-Leichtkraftrad mit der Vehemenz einer 500er oder 600er nach vorn. Als dritte Option bietet Zero den Modus Custom mit persönlicher Einstellung via App an.

Die Zero S bietet auch in der 11 kW Version einen 14,4 kWh großen Akku, der eine Reichweite von realistischen 140-180 km hat - je nachdem, wie oft man die Beschleunigung auskostet. Auf dem letzten Stück Autobahn, wo ich kurz die maximale Geschwindigkeit erreichte, schmolz der Akku nur so dahin und die Restreichweite sank zusehends.

Im Batterie schonenderen Fahrmodus setzt die Elektronik bei etwa 110 km/h den Schlussstrich und hält sich bei der Beschleunigung nicht unbedingt groß zurück.

Reichweite und Akku

Bei der Berechnung der Restreichweite macht es die Zero einem leicht: Ein Kilometer kostet etwa ein Prozent Batteriekapazität - zumindest auf der Landstraße. Die Kalifornier selbst nennen bis zu 259 Kilometer im urbanen Verkehr, kommen mit 130 Kilometern für die Autobahnfahrt bei Tempo 113 km/h der bundesdeutschen Wirklichkeit, der Wahrheit und unseren Erfahrungen deutlich näher.

Auch hier spielen - wie bei allen Elektrofahrzeugen - die äußeren Bedingungen eine entscheidende Rolle: Das reicht von der Außentemperatur bis zur Topographie und natürlich den eigenen Fahrstil. So kamen wir beispielsweise wärmerem Wetter im Sport-Modus genauso weit wie am Vortag bei etwas niedrigeren Temperaturen im Eco-Betrieb oder streckenweise mit 45 Prozent Batterieladung über 60 Kilometer weit. Im zweiten Fall bewegten wir uns vorwiegend mit um die 80 km/h auf der Landstraße - ein Tempo, mit dem sich auf der Zero S wunderbar Cruisen lässt.

Sinkt die Restkapazität des Stromspenders auf unter 65 Prozent, nimmt die Steuerungselektronik ein wenig - aber verschmerzbar - Leistung zurück. Gleiches gilt vorübergehend auch, wenn der Akku zu warm wird und zwischendurch (luft-)gekühlt werden muss.

Das Display zeigt an, wie lange es noch dauert, bis die Vollladung erreicht ist und gibt beispielsweise bei einer Restkapazität von 49 Prozent eine Zeit von drei Stunden und 36 Minuten an oder bei 33 Prozent sechs Stunden. Das ist in beiden Fällen in der Praxis zwar ein wenig optimistisch gerechnet gewesen, aber auch nicht sonderlich stark übertrieben.

Fahrwerk, Bremsen und Handling

Fortschritte hat die Marke in den vergangenen Jahren nicht zuletzt auch beim Fahrwerk gemacht, in dem man mittlerweile auf in der Branche bereits bewährte Zuliefererkomponenten zurückgreift, wie etwa die Upside-down-Gabel von Showa oder die Bremsen von J. Juan. Trotzdem lenkt sich das E-Bike nicht ganz so spurtreu wie ein herkömmliches Motorrad.

In Kurven will die Zero mit etwas festerer Hand geführt werden. Sie drängt mit ihrer serienmäßigen Pirelli-Sport-Demon-Bereifung dezent nach außen und zeigt beim Gasgeben eine deutliche Aufstelltendenz. Die hin und wieder nötigen Kurskorrekturen halten sich aber in engen Grenzen, und das Handling darf unterm Strich als spielend eingestuft werden. Die Bremsen (mit ABS) sind feinfühlig dosierbar und verzögern gut, und auch hinten gibt es eine gute Rückmeldung.

Design und Komfort

Die Sitzposition ist aufrecht und entspannt. Schon beim ersten Aufsitzen auf die Zero S 11 kW war ich angenehm überrascht, als ich das altbekannte Zündschloss entdeckte ja, ein ganz klassisches, wie man es von Verbrennermotorrädern kennt. Auch das Display hat mir sofort zugesagt. Es ist schlicht und ruhig gestaltet, nichts blinkt, nichts lenkt ab genau das, was man braucht.

Die Sitzbank der Zero S ist ebenfalls ein echtes Highlight in Sachen Komfort. Sie bietet eine angenehme Polsterung, die auch bei längeren Fahrten nicht unangenehm wird. Obwohl die Zero S das typische Naked-Bike-Gefühl vermittelt, wirkt sie dennoch etwas tourenorientierter.

Besonderheiten und Details

In der Tankattrappe findet sich eine Tasche für das Ladekabel, das wir uns noch ein Stück länger gewünscht hätten. Ein weiteres smartes Feature ist der Riemenantrieb anstelle einer Kette. Das bringt gleich zwei Vorteile: Erstens reduziert es die Wartungskosten, da kein regelmäßiges Schmieren oder Spannen der Kette nötig ist.

Ein cooles Beispiel ist die Batterie, die nicht nur funktionell, sondern auch visuell gelungen ist. Auf den ersten Blick könnte man meinen, die Zero S sei ein ganz normales Naked Bike. Doch sobald man die Batterie im Design entdeckt, wird schnell klar, dass hier ein besonderes Augenmerk auf die Gestaltung gelegt wurde.

Kosten und Wirtschaftlichkeit

Was für Elektroautos gilt, gilt auch für batteriebetriebene Motorräder: Sie sind im Vergleich zu konventionell angetriebenen Fahrzeugen teuer. Da trösten der wartungsfreie Motor und die geringeren Betriebskosten in der Regel nur wenig. Ebenfalls teilen sich beide E-Mobile das Manko der relativ geringen Reichweite sowie der fehlenden Lade-Infrastruktur.

Nehmen wir die Zero S ohne den Charge-Tank, zahlen wir knapp über 17.000 Euro. Diese 10.000 Euro muss die Zero durch geringen Verbrauch und - noch - niedrige Stromkosten reinfahren, um dann erst zu sparen.

Zero DS im Vergleich

Die Zero DS schaffte die in vollem Ladezustand angezeigten 159 Kilometer nicht nur ohne Einschränkung - sie legte trotz überwiegend sehr zügiger Fahrweise sogar noch eine Handvoll Kilometer drauf. Der E-Motor des neuen Typs Z-Force 75-5 erfreut den Fahrer bzw. die Fahrerin allerdings mit einer Maximalleistung von 45 kW/60 PS, das ist rund viermal so viel wie die Dauerleistung. Noch wichtiger ist das maximale Drehmoment von 132 Nm - das Ergebnis ist eine ziemlich rabiate Beschleunigung bis gut 100 km/h.

Technische Daten Zero DS

MerkmalWert
MotorLuftgekühlter bürstenloser Permanentmotor
Maximalleistung45 kW/60 PS bei 3650 U/min
Dauerleistung11 kW/15 PS bei 3800 U/min
Höchstgeschwindigkeit139 km/h
Akkukapazität14,4 kWh
Ladezeit4:45 Stunden (Haushaltssteckdose)
Reichweite157 km (Norm)
Leergewicht239 kg
Preisab 18.400 Euro

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