Der indische Markt für Elektromotorräder: Ein Überblick

Der Markt für Elektromotorräder in Indien erlebt derzeit einen bemerkenswerten Aufschwung. Die indische Regierung fördert Elektroroller und -motorräder kräftig, weil die Luftverschmutzung in den Städten des Subkontinents ein massives Problem darstellt. Allein im vergangenen Jahr wurden dort weit über eine Million elektrische Krafträder verkauft, Tendenz steigend. Dies führt zur Entstehung neuer Unternehmen, die sich auf elektrische Motorräder spezialisieren.

Ultraviolette: Ein aufstrebender Hersteller

Ultraviolette ist ein noch junger Hersteller von Elektromotorrädern aus Indien, der ab Frühjahr 2025 auch in Deutschland antreten will. Erstes Modell ist die gerade für den europäischen Markt zugelassene F77 Mach 2, die ab März 2025 zu Preisen ab 9.990 Euro erhältlich sein soll. Das Unternehmen wurde 2016 von zwei jungen Ingenieuren in Bangalore gegründet und hat sich rasch einen guten Ruf erarbeitet.

Ultraviolette F77 Mach 2

Auf den ersten Blick könnte man die F77 für ein Motorrad mit Verbrennungsmotor halten, denn Batterie und Antrieb verstecken sich wie bei einem Supersportler hinter einer großflächigen Verkleidung. Auf eine Frontverkleidung, die den Fahrer vor dem Fahrtwind schützt, wurde jedoch verzichtet, was dem Motorrad einen Streetfighter-Look verleiht.

Der Elektromotor, der seine Kraft über eine Kette auf das Hinterrad überträgt, bringt es auf 20 kW/27 PS Dauerleistung und 30 kW/40 PS Spitzenleistung. Damit soll das 211 Kilogramm schwere Motorrad in 3,0 Sekunden auf Tempo 60 sprinten und bis zu 155 km/h schnell sein. Dank der rund 10 kWh großen Batterie verspricht Ultraviolette eine Reichweite von 231 Kilometern im Stadtverkehr und 143 Kilometern auf der Autobahn. In zweieinhalb Stunden lässt sich die Batterie von 20 auf 80 Prozent aufladen.

Im Cockpit befindet sich ein 5-Zoll-Farbdisplay. Die dank eSim stets vernetzte F77 verfügt über WLAN- und Bluetooth-Konnektivität. Die sogenannte UV-App ermöglicht dem Nutzer den Fernzugriff auf das Fahrzeug, dient als Diagnosetool und erlaubt Fahranalysen.

Zur Sicherheitsausstattung gehören Zweikanal-ABS, Stabilitätskontrolle (DSC), Traktionskontrolle, Hill-Hold-Funktion und eine Diebstahlwarnanlage. Optional ist unter anderem ein Kollisionswarnsystem erhältlich. Drei Fahrmodi mit den ungewöhnlichen Namen Glide, Combat und Ballistic sind wählbar.

Ultraviolette Shockwave

Ultraviolette stellt nun seine Elektro-Enduro Shockwave vor, die durch Design und Leistung überzeugt. Erhältlich ist sie in den Farbkombinationen „Cosmic Black“ und „Frost White“. Gemäß Herstellerangaben wiegt sie nur 120 kg und ist für den Offroad-Bereich geeignet. Allerdings verfügt das elektrische Zweirrad nicht über ein 21-Zoll-Vorderrad, das Offroad-Enthusiasten meist bevorzugen. Ein großes Vorderrad ist notwendig, um Hindernisse zu überwinden.

Die Ultraviolette Shockwave präsentiert sich mit einem robusten, integralen Stahlbrückenrahmen, der als strukturgebende Einheit für die Batterieeinheit dient. Der Elektromotor liefert eine Dauerleistung von 11 kW, die in Verbindung mit einer Getriebeübersetzung ein beachtliches Drehmoment von 505 Nm am Hinterrad generiert. Die Shockwave ist mit einem abschaltbaren Antiblockiersystem (ABS) ausgestattet, was für den Geländeeinsatz unerlässlich ist. Ein besonderes Merkmal ist die sechsstufig einstellbare Rekuperation, die beim Verzögern Energie zurück in die Batterie speist. Die Steuerung dieser und anderer Systeme erfolgt über ein vertikales TFT-Display, das via Bluetooth mit dem Smartphone des Fahrers kommuniziert.

Die Enduro Shockwave ist in Indien bereits ab 1.585 Euro erhältlich, soll danach allerdings auf 1.850 Euro steigen. Jedoch möchte sich Ultraviolette nicht nur auf den indischen Markt beschränken und weltweit seine Elektromotorräder anbieten. Daher plant das Unternehmen nun auch nach Europa zu exportieren.

Royal Enfield und das Elektro-Label "Flying Flea"

Die indische Marke Royal Enfield hat in den vergangenen zehn Jahren einen erstaunlichen Aufschwung hingelegt. Jetzt will Royal Enfield auch den Markt der Elektromotorräder aufmischen und präsentierte auf der Motorradmesse Eicma das Elektro-Label namens "Flying Flea". Das erste Elektro-Motorrad der Marke nennt sich FF-C6.

Royal Enfield bezeichnet das Design der FF-C6 als "authentischen retro-futuristischen Stil". Auffallend ist zunächst einmal der Doppelschleifenrahmen aus Aluminium, der die Tankattrappe offen umschlingt. Sehr originell ist die Idee des Fahrrad-Sattels, der auf einem kleinen Dreieck-Ausleger befestigt ist. Ebenso wie mit dem kleinen, schwarz lackierten Rundscheinwerfer, auch wenn er mit LEDs leuchtet, kommt eine weitere nostalgische Note ins Spiel.

Einen mutigen Schritt gingen die Entwickler bei der Frontfederung. Eine Trapez-Gabel (auch Parallelogramm-Gabel genannt), wie sie von vielen Motorrädern in den 20er- und 30er-Jahren bekannt war, bevor die Teleskopgabel sich durchsetzte, kommt bei der FF-C6 zum Einsatz. Das Heck wird konventionell von einer dreieckigen Aluminiumschwinge mit direkt angelenktem Federbein gedämpft, deren Optik den Starrrahmen der Flying Flea nachahmt.

Richtig modern wird es dann im Cockpit, wo ein runder TFT-Touchscreen nicht nur die wichtigsten Informationen über das Motorrad bereitstellt, sondern auch mit dem Smartphone kompatibel ist. Insgesamt sind laut Royal Enfield über 200.000 Kombinationen für die eigenen Rider-Modi möglich.

Die FF-C6 ist als Stadt-Vehikel gedacht, mit nur gelegentlichen Ausflügen in das nahe Umland. Die FF-C6 soll als erste Flying Flea ab nächstem Frühling in den Verkauf gehen. Ob sie auch nach Deutschland importiert wird, ist noch offen, genauso wie ihr Preis.

Matter Energy

Im November 2022 präsentierte die Firma Matter Energy das erste in Indien entwickelte flüssigkeitsgekühlte Elektromotorrad. Das im indischen Ahmedabad ansässige EV-Startup kündigte an, im November 2022 Indiens erstes flüssigkeitsgekühltes Elektromotorrad auf den Markt zu bringen. Im Zuge dessen feierte Matter das Patentieren zweier eigener Techniken.

Es handelt sich zum einen um den Radialfluss-Elektromotor Matter Drive 1.0, welcher mit geringem Gewicht und optimaler Drehmomentabgabe glänzen soll. Zum anderen ein neuartiger Dual-Mode-Wandler. Beide Technologien kommen beim E-Motorrad von Matter zum Einsatz.

Das Besondere an der Matter: Sie wird über ein 4-Gang-Getriebe und Handkupplung geschaltet. So soll die Matter 125 bis 150 Kilometer weit kommen, wohl nur in der Stadt.

Orxa Energies und die Orxa Mantis

Orxa Energies bezeichnet die elektrisch angetriebene Orxa Mantis als "Streetfighter" und "Predator". Ein Team junger indischer Ingenieure gründete das Start-up-Unternehmen Orxa Energies bereits im Jahr 2015. Im November 2023 präsentierten sie die komplett fertig entwickelte Serien-Version ihres ersten Elektro-Motorrads: die Orxa Mantis.

Fortschrittlicher Antrieb der Orxa Mantis ist ein Elektro-Motor mit Flüssigkeitskühlung und 20,5 kW (27,5 PS) Spitzenleistung sowie maximal 93 Nm Drehmoment. Angeblich in unter 9 Sekunden beschleunigt die Orxa Mantis stufenlos aus dem Stand auf 100 km/h und erreicht darüber hinaus bis zu 135 km/h. Als Reichweite nennt Orxa bis über 220 Kilometer.

Bemerkenswert an der Orxa Mantis sind jedoch nicht nur ihr elektrischer Antrieb samt zentralem Akku-Pack im Aluminium-Gehäuse. Ebenfalls aus Aluminium fertigt Orxa das Chassis für die Mantis, also den Rahmen und die zweiarmige Hinterradschwinge.

Die Orxa Mantis hat ein TFT-Farb-Display mit 5 Zoll Diagonale im Cockpit. Smartphone-Connectivity per Bluetooth ist integriert und ermöglicht unter anderem Navigation. Dazu hat Orxa eine spezifische Mantis-App mit diversen Funktionen für Einstellung und Diagnose entwickelt.

Orxa Energies nimmt seit November 2023 Bestellungen für die Orxa Mantis an, zwar online, aber zunächst nur für Indien. Sie kostet 360.000 Indische Rupien, umgerechnet rund 4.000 Euro, und die Auslieferung soll im April 2024 beginnen.

Ola Electric und die Ola Roadster

Vom indischen Hersteller Ola Electric kannte man bisher nur Elektroroller, die allerdings in großer Stückzahl produziert werden. Im Sommer 2023 zeigte Ola mit Concepts, wie sich das Unternehmen seine Zweirad-Zukunft vorstellt. Präsentiert wurden ein E-Supersportler, ein E-Cruiser, ein E-Adventure-Bike sowie ein E-Roadster. Und mit dem Roadster macht Ola nun Ernst.

Den Elektro-Roadster wird es in 3 Versionen geben, zugeschnitten auf die unterschiedlichsten Ansprüche, vom Pendler bis zum sportlichen Kurvenwedler: Ola Roadster X, Ola Roadster und Ola Roadster Pro.

Ola Roadster Modelle im Überblick
Modell Leistung Höchstgeschwindigkeit Reichweite Akku-Optionen Preis (ca.)
Ola Roadster X 11 kW (15 PS) 124 km/h 200 km 2,5 kWh, 3,5 kWh, 4,5 kWh 800 - 1.000 Euro
Ola Roadster 15 kW (20,4 PS) 126 km/h 248 km 3,5 kWh, 4,5 kWh, 6 kWh 1.100 - 1.500 Euro
Ola Roadster Pro 52 kW (70 PS) 194 km/h 579 km 8 kWh, 16 kWh 2.150 - 2.700 Euro

Im Cockpit der günstigsten Version, Ola Roadster X (11 kW), informiert ein 4,3-Zoll-LC-Display. Ein 6,8-Zoll-TFT-Touchscreen empfängt den Fahrer im Cockpit der Ola Roadster. Und in der Pro-Version kommt ein 10-Zoll-TFT-Touchscreen zum Einsatz.

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