Elektro Motorrad Reichweite Test: Ein umfassender Überblick

Elektromotorräder sind auf dem Vormarsch und bieten eine umweltfreundliche Alternative zu traditionellen Verbrennern. Ein entscheidender Faktor beim Kauf eines Elektromotorrads ist die Reichweite. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über verschiedene Modelle und ihre Reichweiten im Test.

Maeving RM1S - Reichweite im urbanen Umfeld

Die Maeving RM1S ist ein elektrisches Modell des Herstellers Maeving, entworfen und produziert in Coventry. Ihr Design ist klassisch-inspiriert und doch modern - urban und clean. So ködert die Maeving RM1S mit vielen feinen Details: Radabdeckungen aus Carbon, gebürstetes Aluminium und eine edle Mehrfarben-Lackierung stehen für liebevolle Machart und hochwertiges Finish.

144 Kilo wiegt die Maeving RM1S komplett mit 2 Akkus. Kleiner Wendekreis und zarte 144 Kilogramm vereinfachen den Umgang mit dem Brit-E-Bike. Bei diesem Gewicht ist das externe Ladegerät in der als Staufach dienenden Tank-Attrappe bereits eingerechnet. Sie ist elektrisch verriegelt und beherbergt zudem eine USB-C-Ladebuchse.

Bleibt das Ladegerät zuhause, wiegt die Maeving RM1S sogar nur 141 Kilogrämmchen - inklusive der 2 herausnehmbaren Akku-Packs zu je 16,5 Kilogramm.

Fahrmodi und Reichweite

3 Fahrmodi stehen bei der Maeving RM1S zur Wahl: In "E" wie Economy startet der Einsitzer ziemlich verhalten. Dieser auf Reichweite optimierte Modus begrenzt die Vmax auf gute 50 km/h und die Leistung auf gemessene 4 PS am Hinterrad. So ist das also à la "50er" bloß etwas für reinen Stadtverkehr. Im mittleren Modus ("I" wie Intermediate) liegen konstant 5,5 PS am Hinterrad an, kann man mit bis zu knapp 75 km/h außerorts im Verkehr mitschwimmen. Richtig Fahrspaß macht die Maeving RM1S erst im spritzigeren Sport-Modus.

Unter "S" soll der einfache Radnabenmotor bis zu 10,5 kW Spitzenleistung abdrücken, also über 14 PS. MOTORRAD ermittelte am Hinterrad allerdings nur gute 11 PS. Immerhin, damit läuft das schlanke Elektromotorrad 105 km/h. Dank bis zu 210 Newtonmeter Drehmoment (am Hinterrad) liegt die Fahrdynamik durchaus auf dem Niveau gut gehender 125er. Der Stromer ist untenherum stärker. Erst ab etwa 75, 80 km/h haben Verbrenner à la MT oder Duke 125 die Nase vorn.

Vorausschauend gefahren, und je nach Situation fleißig zwischen den Fahrmodi wechselnd, kamen wir in der anspruchsvollen Topografie Stuttgarts (bergauf-bergab) nach 90 gefahrenen Kilometern mit 9 Prozent Restreichweite zurück in die Redaktion. Bei einer zweiten Testfahrt waren nach 75 Kilometern am Stück noch 36 Prozent Akku-Kapazität vorhanden. Da erscheinen versprochene 130 Kilometer am Stück realistisch - allerdings bloß in der Ebene und ausschließlich im gekappten E- oder I-Modus.

Zero DSR - Pendler-Test mit Bravour

Zero fordert MOTORRAD Online heraus: Die neue DSR packt 150 Kilometer Pendelstrecke ohne Laden. Unser Pendler-Test offenbart Außergewöhnliches.

Selbstsicher liefert Zero die neue DSR und erhöht den Einsatz: "Mit der kommst du hin und zurück, ohne zu laden". Challenge accepted.

Mutiger Ansatz von Zero, mit nur 15,6 kWh Brutto-Kapazität mindestens 146 Kilometer Reichweite per Tonspur zu garantieren. Dazu ist die DSR mit 242 Kilo um 57 Kilo schwerer, erzeugt mit 170 Nm gleich 61 Nm mehr als die Zero S und leistet mit 33 Kilowatt die dreifache Dauerleistung. Ob das wirklich hinhaut mit der Reichweite?

Am Ende waren es über 2.000 Kilometer Pendelei mit der Zero DSR. Über die einfache Strecke von 73 Kilometer - wahlweise 76 Kilometer mit ein paar Kurven mehr - musste die Zero zeigen, ob sie den hügeligen Weg aus dem Kraichgau in den Stuttgarter Kessel mit einer Ladung packt. Die Antwort ist bei einer Netto-Kapazität von 13,8 kWh nicht überraschend: Ja, sie packt es. Und zwar so gut, dass die Rückfahrt tatsächlich ohne Zwischenladen möglich war. Sprich: Über 140 Kilometer Landstraße mit einem Schnitt zwischen 60 und 70 km/h sind drin. Doch die richtige Überraschung folgt erst noch.

Die Zero DSR nimmt die 146 Kilometer in 2 Etappen klaglos hin, hat bei normaler und flotter Fahrweise immer 20 bis 30 Prozent Kapazität über, die Zellen kommen also auf Dauer entspannter durch die Ladezyklen. Erst bei erzwungen schneller und unvernünftiger Fahrt im Sport-Modus erreicht die DSR die heimische Steckdose mit 0 Prozent. Ähnlich hoch dürfte die Verweildauer des Führerscheins dann betragen.

Fahrmodi und Verbrauch

Den am besten Sport-Modus meiden. Der Verbrauch der Zero DSR zum Standard-Modus liegt um 10 Prozent höher, knabbert bisweilen an den 10 kWh/100 Kilometer Verbrauch und bringt keinen spürbaren Vorteil.

Einiges an Fahrspaß, Fahrkomfort und Reichweite bringt der einstellbare Fahrmodus per App. Für die 146 Kilometer stellte sich nach 1.000 Kilometern eine Kombination aus 42 Prozent Höchstleistung bei 100 Prozent Drehmoment als effizient heraus, die Bremsmomente im Schiebebetrieb und beim Bremsen bei 42 und 50 Prozent. So wurden Verbräuche bei flotter Fahrweise von knapp über 60 km/h im Schnitt von knapp über 8 kWh/100 Kilometer erfahren.

Und selbst die 8 kWh/100 Kilometer sind weiter senkbar, denn das Bremsmoment erlaubt mit der Einstellung auf 0 Prozent im Schiebebetrieb eine Art Segelmodus. So können Verbräuche von 7,7 kWh/100 Kilometer bei gleichem Fahrprofil realisiert werden.

Übrigens: Bei im Schnitt um die 120 km/h auf der A81 und A6 von Stuttgart nach Sinsheim benötigte die DSR gut 80 Prozent der Kapazität. Sprich es dürfte um die 120 Kilometer Strecke mit diesem Profil möglich sein, nur ist dann der Akku eben leer.

Tempomat mit Rekuperation

Im Kontext Pendler-Test von MOTORRAD ist die Zero DSR das erste Modell mit einem Tempomat. Wer mit aktiviertem Tempomat in ein Gefälle fährt, spürt, wie die Zero über die Rekuperation trotz eingestellter 0 Prozent bremst und so Strom erzeugt.

RGNT No.1 - Retro-Look mit Einschränkungen

Liebe auf den ersten Blick? Die RGNT No.1 könnte mit ihrem sexy Café-Racer-Look den 1960ern entsprungen sein. Doch das Elektromotorrad will mehr als nur gut aussehen und punktet mit einem ganz neuen Fahrgefühl.

Das Zweirad ist zwar erst seit Anfang 2020 auf dem Markt, doch die No.1 avanciert jetzt schon zum Kultmobil unter den Stromern und kann sich nahtlos zwischen den legendären Café-Racern aus den 1960ern einreihen.

Die reale Reichweite mit einer Akkuladung liegt je nach Topographie, Fahrweise und Fahrergewicht bei rund 150 km. Die große Alpentour ohne Zwischenstopp müsst ihr mit der RGNT No.1 also begraben. Stattdessen bieten sich kürzere 1-Tagesetappen an, bei denen man die Region besser kennenlernen kann. Für den Weg zur Arbeit mit anschließender Spritztour langt die Reichweite allemal.

Der Akku hat eine Kapazität von 9,5 kWh. Das ist die etwa 13-fache Kapazität eines E-Bike-Akkus. In 3 Stunden kann man das Elektromotorrad über einen Typ-2-Stecker wieder voll aufladen.

Can-Am Pulse - Urbane Mobilität

Die Pulse und ihre Enduro-Schwester Origin werden von einem neu entwickelten Motor des hauseigenen Herstellers Rotax angetrieben. Er schöpft die maximal erlaubte Leistung für den A2-Führerschein aus. 48 PS reichen auch hier für beeindruckende Beschleunigungswerte aus - in unter vier Sekunden geht es im Idealfall aus dem Stand auf 100 km/h.

Mit Rücksicht auf die Reichweite und der doch recht kleinen Batterie setzt die Elektronik weiterer Beschleunigung bei 127 km/h stets ein Ende.

Die Testmaschine rollt mit einer im Display angegebenen Reichweite von 191 Kilometern auf den Hof. Nach rund 100 Kilometern Fahrt verschwinden davon gut 80 Kilometer. Bei verbliebenen 20 Kilometern im Akku erfolgt vorsichtshalber der Wechsel in den Eco-Modus.

Letztendlich passt diese Angabe besser, nennt der kanadische Hersteller doch eine Normreichweite von 130 Kilometern sowie eine City-Range von 160 Kilometern.

Weitere Modelle und Reichweiten

Neben den oben genannten Modellen gibt es eine Vielzahl weiterer Elektromotorräder auf dem Markt, die unterschiedliche Reichweiten bieten. Eine Auswahl:

  • Alrendo TS Bravo: Real sind es immer noch deutlich über 200 Kilometer, da bin ich mir sicher.
  • BMW CE 04: Gute 90 Kilometer mit einer Ladung im Attacke-Modus sind drin, normales Landstraßen-Tempo sind 120 Kilometer sicher machbar.
  • Super Soco TC Max: bis zu 110 km
  • DAYI E-Odin: bis 210 Kilometer
  • Energica Experia: 420 Km
  • Wildfire: rund 250 Kilometer (nach WMTC)

Vergleichstabelle

Modell Reichweite (realistisch) Akku-Kapazität
Maeving RM1S 90-130 km k.A.
Zero DSR 140-150 km 15,6 kWh (brutto)
RGNT No.1 150 km 9,5 kWh
Can-Am Pulse 100-130 km 8,9 kWh
Alrendo TS Bravo 200 km 17,4 kWh (brutto)
BMW CE 04 90-120 km k.A.
Super Soco TC Max 110 km k.A.
DAYI E-Odin 210 km k.A.
Energica Experia 420 km k.A.
Wildfire 250 km (WMTC) k.A.

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