Von der Marke iScooter dürften einige von Euch schon etwas gehört haben, denn es handelt sich hierbei um ein bereits 2016 gegründetes Unternehmen aus dem Reich der Mitte, das sich auf E-Scooter, E-Bikes und Hoverboards spezialisiert hat. In diesem Test nehmen wir den iScooter T4 unter die Lupe, den kleinen Bruder des iScooter T8. Bei der T-Serie handelt es sich um geländegängige Elektroroller.
Technische Daten und Ausstattung
Der T4 trumpft mit großen 10 Zoll Luftreifen, doppelter Vollfederung für unwegsames Gelände, einem Motor mit 500 Watt Nenn- und 1000 Watt Spitzenleistung, einem 48V 12.5Ah Akku (ca. 600 Wh), einer Straßenzulassung (ABE) für Deutschland und laut Hersteller einer Reichweite von bis zu 60-70 Kilometern auf. Außerdem verfügt der Roller über Blinker, die sonst nur bei teureren E-Scootern zu finden sind. Im Preis inklusive ist eine sehr nützliche Lenkertasche sowie eine vormontierte Klingel. Das alles für diesen Preis klingt unschlagbar. Gibt es einen Haken?
Lieferumfang und Aufbau
Der iScooter T4 kam ordentlich verpackt und fast vollständig vormontiert bei uns an. Der Aufbau ist selbsterklärend und intuitiv: Den E-Scooter aufklappen (siehe auch nächstes Kapitel zum Klappmechanismus), die Neigung der Displayeinheit und Bremsen nach Wunsch optimal einstellen, Kennzeichenhalter mit einer der mitgelieferten Schrauben montieren, die Schraube für das Vorderlicht festziehen - Fertig.
Zum wirklich umfangreichen Lieferumfang gehören eine optimal übersetzte und bebilderte Bedienungsanleitung, ein Prüfzertifikat, einige Sicherheitshinweise, diverses Werkzeug (Inbus-, Maulschlüssel), ein zweiteiliges Netzteil mit EU-Stecker und natürlich die ABE inkl. Datenblatt selbst (P453). Außerdem wird gleich ein Ersatzschlauch und eine Lenkertasche mitgeliefert. Das alles hat uns bei dem Preis des E-Scooters äußerst positiv überrascht.
Marketingstrategie und Herstellerangaben
Die maximale Zuladung beträgt beispielsweise laut Onlineshop beachtliche 150 kg, im mitgelieferten Datenblatt ist jedoch von „nur“ 100 kg die Rede. Das sollte für die meisten Menschen ausreichend sein, aber eine derartige Marketingstrategie hinterlässt natürlich so sein Geschmäckle. Auch die Angabe zum Bremslicht konnten wir im Test nicht bestätigen; es handelt sich um ein normales Rücklicht. Aber das passt zum Auftreten des Herstellers: So wirbt der Hersteller beispielsweise mit der Spitzenleistung von 1000W im Modellnamen, während diese Peak Leistung natürlich nur kurzzeitig abgerufen werden können. Andere Hersteller nennen hier sinnvollerweise die tatsächlich dauerhaft verfügbare Nennleistung. Wir halten aber fest: Die hier bemängelte Marketingstrategie bzw.
Klappmechanismus und Design
Der iScooter T4 wird aufgeklappt, indem der kleine schwarze Verriegelungshebel an der Lenkstange unten betätigt wird. In der aufgeklappten Position durch Druck nach vorne sicherstellen, dass der Bolzen in die dafür vorgesehene Kerbe einrastet. Anschließend das Ganze doppelt sichern: Dazu den kleinen silbernen Bolzen seitlich leicht herausziehen und den roten Hebel durch verstärkten Druck nach vorne einrasten. Lenker seitlich aufklappen und ggf.
Der E-Scooter kommt in einem edlen, mattschwarzen Design zu euch. Mit einem Gewicht von 24 Kilogramm und Abmessungen von ca. 119 x 125 x 67 Zentimeter im aufgeklappten Zustand hat er gute Größe, gehört aber sicherlich nicht zu den Leichtgewichten für tägliches Treppenschleppen. Die Verarbeitung ist super: Alles wirkt sehr stabil und massiv; nichts klappert oder wackelt. Wirklich äußerst positiv.
Lediglich die Passung des redundanten, roten Sicherungshebels steht nicht mittig, sondern etwas schief zur Nut, weswegen man ihn mit deutlichem Druck beim Aufbauen arretieren muss. Im Auslieferungszustand waren beide Seite des klappbaren Lenkers sehr schwergängig. Dies lässt sich jedoch sehr einfach korrigieren: Mit dem mitgelieferten Inbus-Schlüssel die Schraube leicht lösen.
Im eingeklappten Zustand misst der iScooter T4 noch 121,5 x 67 x 50,5 Zentimeter, was für seine Größe durchaus überzeugt. Die Abmessungen im zusammengeklappten Zustand kommen durch den klappbaren Lenker zustande. Das Konzept kennen wir sowohl vom Joyor Y8S, als auch vom Navee V50. Das Trittbrett misst bequeme 19 Zentimeter in der Breite. Die Füße können darauf sogar nebeneinander platziert werden.
Die Lenkstange kann flexibel in der Höhe adjustiert werden. Die maximale Höhe sollte für große Menschen absolut ausreichend sein. Ein Nachteil von Höhenverstellbarkeit allgemein: Die Kabel werden außen geführt; somit wirkt der Roller von vorne optisch relativ unaufgeräumt und bietet eine gewisse Anfälligkeit gegenüber Vandalismus. Der Ständer besteht aus Metall und fühlte sich sehr wertig an.
Display und Fahrmodi
Das Display ist groß, begrüßt beim Anschalten mit einer verspielten Displayanimation und zeigt alle relevanten Daten auf einen Blick. Die Geschwindigkeit lässt sich durch die vier Fahrmodi nach oben limitieren (6/10/15/20 km/h). Leider speichert der Scooter den zuletzt eingestellten Modus nicht, d.h.
Geschwindigkeit und Leistung
Der Roller verfügt in Deutschland über eine Straßenzulassung und ist auf eine Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h laut Tacho begrenzt. In unserem Streckentest auf flacher Ebene konnten wir mittels GPS enttäuschenderweise nur eine durchschnittliche Geschwindigkeit von ca. 19,1 km/h feststellen.
Damit wird leider nicht mal die maximale Nenngeschwindigkeit von 20 km/h erreicht, ganz zu schweigen von der eigentlich noch erlaubten Toleranz von +2 km/h. Sehr schade - für uns einer der größeren Kritikpunkte des Rollers. Die Power dafür hätte der iScooter T4. Es wirkt auf uns, als hätte der Hersteller sich nicht detailliert mit den deutschen Zulassungsvorgaben beschäftigt, denn aus Engineering-Sicht dürfte es wenig Unterschied machen, ob elektronisch auf 20 oder 22 km/h begrenzt wird. Mit den besagten realen 19,1 km/h ist man eher gemütlich unterwegs.
Außerdem ist die Drosselung relativ abrupt gestaltet, d.h. sie erlaubt wenig bis keinen Spielraum für kurzzeitige Überschreitungen der Maximalgeschwindigkeit. Heißt: Solltet ihr vom Bordstein über eine Rampe auf die Straße fahren oder das Straßenprofil etwas wellig sein, so wirkt es, als würde der Motor unmittelbar nach Überschreitung des hinterlegten Tempolimits sofort die Leistung abrupt wegnehmen. Dass der Hersteller sich wohl nicht intensiv mit der Gesetzgebung befasst hat, merkt man auch bei der Aktivierung der Motorbremse bergab: Immer wieder bremst diese selbst bei voll gedrücktem Gashebel, um die Geschwindigkeit zu reduzieren. Nervig und unnötig.
Gesetzliche Bestimmungen und Sicherheit
Ansonsten erfüllt der iScooter T4 selbstredend alle vorgeschriebenen Mindestanforderungen wie etwa Scheibenbremsen und Beleuchtung vorn und hinten. Die Helligkeit der vorderen LED ist sehr gut. Die ABE mit der Nummer P453 (bei Check24 z.B. einfach als Modell „T4” zu finden) liegt bei, sodass ihr problemlos eine Versicherungsplakette beantragen könnt.
App-Funktionen
Überraschenderweise verfügt der E-Scooter über eine App namens Minirobot, die für iOS und Android verfügbar ist. Die App verbindet sich nach dem Start automatisch mit dem E-Scooter, ohne dass eine separate Kopplung über das Bluetooth-Menü des Smartphones nötig ist.
Aktivierung des Diebstahlschutzes: Bei Aktivierung piept der E-Scooter ununterbrochen beim Schieben, und die elektronische Bremse bleibt ständig aktiviert. Eine Erhöhung der Höchstgeschwindigkeit über 20 km/h ist über die App ist selbstredend nicht möglich.
Zusammenfassend kann gesagt werden: Die App ist eher für Käufer eines gebrauchten T4 relevant, um interne Daten (Laufleistung etc.) auszulesen. Alles andere ist eher als „nett gemeinte Spielerei“ zu verstehen. Ein Kritikpunkt soll das trotzdem nicht sein: Ich persönlich bin eher ein Fan davon, alle relevanten Features direkt am Gerät nutzen und bedienen zu können und eben nicht immer auf Smartphone zurückgreifen zu müssen.
Fahrverhalten und Komfort
Das Fahrverhalten ist ausgezeichnet, wenngleich auch recht hart gefedert. Trotz der verbauten Vollfederung ist das Fahrgefühl auch auf Asphalt oder beim Überfahren eines Gullideckels eher direkt und sportlich. Glücklicherweise kam unser Modell mit Luftreifen, welche wir aufgrund der sonst harten Federung definitiv als Vorteil erachten, da Luftreifen eine natürliche Federung darstellen.
Die Beschleunigung liegt trotz der beworbenen Spitzenleistung von 1000W im Normalbereich. Die am Tacho angezeigte Endgeschwindigkeit von 20 km/h ist zügig erreicht, die Limitierung bei Beschleunigung ist gut gelöst, es gibt hier kein anfängliches Übersteuern der Geschwindigkeit wie bei manch anderen Modellen. Beim kurzen Abbremsen oder Rollenlassen und anschließendem Beschleunigen konnten wir keine großartigen Verzögerung feststellen - sehr gut!
Steigleistung und Akkuleistung
Trotz des starken Motors liegt die Steigleistung bei etwas größeren Steigungen über 10 % lediglich im Durchschnitt. Bei Steigungen < 10% kann der iScooter T4 seine Maximalgeschwindigkeit halten oder aus dem Stand sogar noch beschleunigen. Bei einer Steigung von 15 % fällt er jedoch schnell ab.
Der relativ groß bemessene Akku des iScooter T4 besitzt eine Kapazität von 600 Wh. Damit lassen sich zwar keine rekordverdächtigen Reichweiten erzielen, aber für den normalen Alltagsgebrauch ist das absolut ausreichend. In unserem Test erreiche ich mit einem Körpergewicht von 87kg eine Reichweite von ca. 42km im Herbst bei Außentemperaturen von durchschnittlichen 10°C.
Vergleichstabelle: E-Scooter Modelle mit Sitz
| Modell | Straßenzulassung | Geschwindigkeit | Motorleistung | Reichweite | Gewicht |
|---|---|---|---|---|---|
| eFlux Street 20 | ja | 20 km/h | 500 W | 30 km | 40,6 kg |
| Rolektro E-Joy 20 li | ja | 20 km/h | 500 W | 45 km | 45 kg |
| Viron Elektro Scooter 1000 Watt | nein | 6 km/h oder 32 km/h | 1000 W | ca. 20 km | - |
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