Crivit Urban E-Bike von Lidl im Test: Ein günstiges Elektrofahrrad für Damen?

Elektrofahrräder sind oft sehr teuer, daher ist die Versuchung groß, ein günstiges Modell zu kaufen. Der Discounter bietet in seinem Online-Shop auch Elektroräder an. Wir haben ein Elektrorad von Lidl für 1.599 Euro ausprobiert und haben sowohl Licht als auch Schatten gefunden. Das Discounter-Pedelec bietet viel fürs Geld, hat aber auch Nachteile.

Technische Details und Ausstattung

Die Preise sind attraktiv, die technischen Eckdaten auch. So wird das Crivit Urban E-Bike X.2 von einem Mivice M080-Hinterradmotor mit 45 Nm Drehmoment angetrieben, der sich auch in höherpreisigen Regionen findet. Der Riemenantrieb von Gates ist zwar für die Einstiegsklasse gedacht, aber durchaus keine Billigware. Das gilt auch für die Schwalbe Big Ben-Reifen.

Singlespeed-Antrieb

Eine Schaltung gibt es nicht, ein Gang muss reichen. Damit ist klar, dass sich das Rad für vorwiegend flaches Terrain eignet, aber nicht für lange und steile Anstiege.

Rahmen und Größe

Das Rad ist in einer Diamantrahmen- und einer Trapezversion in jeweils einer Rahmengröße erhältlich. Der von uns ausprobierte Diamantrahmen soll Menschen von 170 bis 195 cm Größe passen. Mit dem Trapezrahmen sollen laut Hersteller 160 bis 190 cm große Personen zurechtkommen.

Der Abstand zwischen Sattel und Lenker fällt dabei sehr groß aus, was insbesondere kleinere Menschen in eine sehr sportliche Sitzposition zwingt. Das Oberrohr ist sehr lang und dazu sorgt die Kröpfung der Akku-Sattelstütze dafür, dass der Sattel noch weiter vom Lenker entfernt ist.

Ungewöhnlich ist die Vorbau- Lenkereinheit: Beide Teile sind miteinander verschweißt. Will man dort etwas tauschen, sind also gleich zwei neue Teile fällig.

Elektroantrieb und Bedienung

Auf dem Oberrohr befindet sich der Einschaltknopf, der gleichzeitig das Licht einschaltet. Die drei verschiedenen Unterstützungsstufen wählt man mit kleinen Tastern unterhalb der Bremshebel an. Ein Ring aus Lichtsegmenten zeigt farbig an, in welcher Stufe man sich gerade befindet und wie der Akkustand ist.

Mehr Informationen sind dem System nicht zu entlocken. Es gibt kein Display und keine zum Rad gehörende Smartphone-App. Daher sind Werte wie die Gesamtkilometerleistung, aktuelle Fahrstrecke, Geschwindigkeit etc. nur feststellbar, wenn man externe Fahrradcomputer oder Smartphone-Apps nutzt.

Der Akku sitzt im voluminösen Sitzrohr und kann zum Laden im Rad gelassen oder entnommen werden. Er besitzt eine Kapazität von 360 Wattstunden. Mittels eines Kabels ist mit dem Motor verbunden. Will man den Akku laden, muss erst die Verbindung getrennt werden, um dann das Ladegerät anzuschließen. Etwas umständlich, aber kein Problem.

Etwas Sorge hat man aber wegen des Kabels, das recht ungeschützt zwischen Sattel und Rahmen liegt. Das könnte zu Beschädigungen führen. Eine Satteltasche lässt sich wegen des Kabels nicht anbringen.

Weitere Ausstattungsmerkmale

Die Shimano-Scheibenbremsen bieten hohe Bremskraft und geringe Bedienkräfte. Das im Schutzblech integrierte Rücklicht bietet eine Bremslichtfunktion: Es leuchtet beim Bremsen heller auf. Der Scheinwerfer sitzt unterm Lenker. Für den Stadteinsatz ist er hell genug, für zügiges Fahren in völliger Dunkelheit nicht.

Der Sattel ist sehr schmal, was bei der gestreckten Sitzposition auch Sinn ergibt. Der Gepäckträger von Atran Velo kann mit Körben und Taschen des Herstellers kombiniert werden, die einfach aufgesteckt werden.

Weitere Details: Auf dem Vorbau befindet sich ein Adapter für eine Sp Connect-Smartphonehalterung. Will man diese nicht benutzen, gibt es eine Abdeckung. Unterm Tretlager ist ein Fach für ein Apple AirTag.

Fahrverhalten und Leistung

Die Sitzposition ist sportlich, ansonsten verhält sich das Rad unauffällig. Sowohl auf geraden als auch auf kurvigen Strecken kommt es gut zurecht, ein guter Kompromiss zwischen Wendigkeit und Spurtreue.

Hinterradmotoren bringen ihre Kraft erst ab einer gewissen Drehzahl effektiv auf die Straße. In Kombination mit dem Eingang-Antrieb sorgt das dafür, dass man bei den ersten Pedalumdrehungen viel Eigenleistung erbringen muss, dann aber schiebt der Motor komfortabel an. Es gibt drei Unterstützungsstufen, bei längerem Druck auf den rechten Taster schaltet der Motor zudem für bis zu 20 Sekunden in den Turbo-Modus.

Grundsätzlich unterstützt der Motor angenehm und gleichmäßig. In der stärksten Stufe setzt die Unterstützung aber etwas plötzlich ein und schiebt nach einer Pedalierpause etwas zu vehement ein. Auch Anstiege kommt man mit dem Crivit hinauf, besonders steil oder sehr lang sollten sie aber nicht sein. Ohne Gangschaltung wird die Trittfrequenz sonst sehr langsam, was auf Dauer unkomfortabel ist. Zudem wird der Akku so schnell leergesaugt.

Reichweite und Akku

Lidl verspricht eine Reichweite bis zu 100 Kilometern. Das klingt sehr optimistisch angesichts des recht kleinen Akkus von 360 Wattstunden Kapazität. Der Wert ist jedoch durchaus realistisch: Bein Ausprobieren sind wir 80 Kilometer weit gekommen, dabei wurde meist die zweite Unterstützungsstufe gewählt.

Die Teststrecke war überwiegend flach, aber hatte auch einige Anstiege und viel Gegenwind zu bieten. Bei idealen Bedingungen sollten daher 100 Kilometer drin sein - also auf komplett flachen Strecken, der leichtesten Unterstützungsstufe und wenig Gegenwind.

Irritierend war die Anzeige des Akkustandes: Zwei volle Segmente wurden angezeigt, bis die Anzeige plötzlich nur noch mit einem Segment blinkte und damit das baldige Ende der Energieversorgung ankündigte.

Service und Ersatzteile

Kommt es innerhalb der Drist zur gesetzlichen Sachmängelhaftung und freiwilligen Garantie zu technischen Problemen, holt Lidl das Rad zur Reparatur ab. Alles anderen Arbeiten wie Inspektionen, Austausch von Verschleißteilen und andere Reparaturen müssen in einer normalen Fachwerkstatt erledigt werden. das ist grundsätzlich möglich, da die meisten Komponenten auch von anderen Herstellern genutzt werden.

Bei Problemen mit dem Motor muss man aber eine Werkstatt finden, die die nötigen Analysecomputer und Werkzeuge für den Mivice-Motor hat.

Lidl bietet auch Ersatzteile wie den Akku, das Ladegerät und andere Komponenten als Ersatzteile an. Dass diese auch nach mehreren Jahren noch verfügbar sind, kann aber nicht garantiert werden. Auch findet sich zum Beispiel das oben angesprochene Verbindungskabel vom Akku zum Motor nicht im Ersatzteil-Shop - ob man bei Beschädigung dann Ersatz bekommt, wurde auf Anfrage nicht klar beantwortet - man halte sich "stets an die verschiedenen nationalen und europäischen Regelungen zur Verfügbarkeit von Ersatzteilen und bemühen uns, diese Verfügbarkeit, wo technisch möglich, auch darüber hinaus zu gewährleisten."

Alternativen und Testberichte

Der ADAC hat zehn preiswerte E-Bikes mit elektrischer Tretunterstützung bis 25 km/h getestet. Überprüft wurden Tiefeinsteiger-Pedelecs unter 2000 Euro auf Fahreigenschaften, Antrieb, Handhabung, Sicherheit sowie Schadstoffe. Im Gesamtergebnis des Tests sind nur zwei von zehn Pedelecs gut, fünf befriedigend, eines ist ausreichend. Aber es gibt auch zwei mangelhafte Modelle.

Testergebnisse im Detail

Alle Details zu den zehn getesteten Tiefeinsteiger-Pedelecs gibt es in der Tabelle. Ein Klick auf das jeweilige Modell führt zu der konkreten Einzelbewertung.

Hersteller/ModellPreis in EuroADAC UrteilFahrenSicherheit und HaltbarkeitAntriebssystem und MotorHandhabungSchadstoffe in den Griffen und Sattel
Deruiz E-Bike Quartz,28 Zoll Trekking Elektrofahrrad13992,52,21,83,23,02,5
Fischer E-Bike Cita 2.2i19492,52,62,62,32,62,5
Lidl/Crivit Urban E-Bike Y.215992,82,62,63,62,31,0
Decathlon Elops 900E12993,02,33,03,73,22,5
Prophete Geniesser City E-Bike 28"16003,02,73,33,52,62,5
Zündapp Z502 E Bike 28 Zoll Elektrofahrrad17993,02,52,73,92,82,5
F.lli Schiano E-Moon 28 Zoll E-bike Pedelec8993,22,73,04,42,92,5
Heybike EC 1-ST11953,52,73,84,33,02,5

Das Pedelec von Lidl/Crivit ist als Singlespeed mit nur einem Gang ausgestattet. Hier leistet der Antrieb beim Losfahren ein starkes Moment, so dass Radfahrende durch die Beschleunigung schnell eine gute Fahrgeschwindigkeit erreichen.

Bei zwei Pedelecs - von Fischer und Lidl/Crivit - wurde ein Drehmomentsensor verbaut. Das E-Bike Cita 2.2i von Fischer, das als einziges mit einem Mittelmotor ausgestattet ist, steuert das Ansprech- und Abregelverhalten des Motors mit dem Tritt in die Pedale.

Im ADAC Test geben nur die drei Modelle von Lidl/Crivit, F.IIi Schiano und Prophete eine Freigabe für einen Kinderfahrradanhänger oder Kinderfahrradsitz in den Bedienungsanleitungen an.

Die Rolle des ADFC

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) setzt sich mit seinen mehr als 240.000 Mitgliedern mit Nachdruck für die Verkehrswende in Deutschland ein. Wir sind überzeugt davon, dass eine gute, intuitiv nutzbare Infrastruktur, gut ausgearbeitete Radverkehrsnetze und vor allem Platz für Rad fahrende Menschen auch dazu einlädt, das Fahrrad als Verkehrsmittel zu benutzen. Wir möchten eine sichere und komfortable Infrastruktur für den Radverkehr, damit sich junge und junggebliebene Fahrradfahrende sicher und zügig fortbewegen können.

Die Förderung des Radverkehrs ist nicht zuletzt auch ein politischer Auftrag, für den sich der ADFC stark macht. Unser Ziel ist es, alle Menschen, gleich welchen Alters und unabhängig von ihren Wohnorten, für das Radfahren und damit für die Mobilität der Zukunft zu gewinnen.

ADFC-Mitgliedschaft: Ihre Vorteile

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Verkehrssicherheit: Was Sie beachten sollten

Wie ein verkehrssicheres Fahrrad auszustatten ist, legt die Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) fest. Sie schreibt u. a. zwei voneinander unabhängige Bremsen vor, damit ein Fahrrad sicher zum Stehen kommt. Ebenso vorgeschrieben ist eine helltönende Klingel. Auch zwei rutschfeste und festverschraubte Pedale mit je zwei nach vorne und nach hinten wirkenden gelben Rückstrahlern sind Pflicht.

Am wichtigsten für die Verkehrssicherheit ist neben den Bremsen die Beleuchtung. Ein rotes Rücklicht und ein weißer Frontscheinwerfer sind vorgeschrieben. Die Beleuchtung kann batteriebetrieben sein und muss tagsüber nicht mitgeführt werden. Sie muss aber dann einsatzbereit sein, wenn die Sichtverhältnisse Licht erforderlich machen.

Pedelec vs. E-Bike: Was ist der Unterschied?

Das Angebot an Elektrofahrrädern teilt sich in unterschiedliche Kategorien auf: Es gibt Pedelecs, schnelle Pedelecs und E-Bikes. Pedelecs sind Fahrräder, die durch einen Elektromotor bis 25 km/h unterstützt werden, wenn die Fahrenden in die Pedale treten. Bei Geschwindigkeiten über 25 km/h regelt der Motor runter.

Ein E-Bike hingegen ist ein Elektro-Mofa, das Radfahrende bis 25 km/h unterstützt, auch wenn diese nicht in die Pedale treten. Für E-Bikes gibt es keine Helmpflicht, aber Versicherungskennzeichen, Betriebserlaubnis und mindestens ein Mofa-Führerschein sind notwendig.

Worauf sollte man beim Kauf eines günstigen E-Bikes achten?

  • Die Akku-Reichweite sollte bei wenigstens 50 Kilometern liegen.
  • Das Laden des Akkus sollte nicht länger als etwa dreieinhalb Stunden dauern.
  • Zulässiges Gesamtgewicht immer prüfen.
  • Die Beleuchtung muss der StVZO entsprechen und darf nicht blenden.
  • Die erste Probefahrt stets ohne elektrische Unterstützung durchführen.
  • Beim Radfahren Helm tragen, auch wenn dazu bei E-Bikes keine Pflicht besteht.

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