Der DJI Avinox E-Bike Motor Test: Ein neuer Stern am E-Bike Himmel?

Der DJI Avinox E-Bike Motor hat auf der Eurobike 2024 die etablierten Motorenhersteller wie Bosch und Shimano ins Schwitzen gebracht. Aber wie viel Fahrspaß steckt wirklich hinter dem Hype um den Markteintritt von DJI?

Technische Überlegenheit und Konnektivität

Der DJI Avinox Motor ist leichter, leiser, stärker und kleiner als die aktuellen Flaggschiffe von Bosch, Shimano und Co. Noch dazu besticht er mit einer noch nie da gewesenen Connectivity und einem Touch Display.

Denn sowohl der Bosch CX der 4. Generation, aber auch der Shimano EP801, sind nach etlichen Jahren auf dem Markt längst reif für ein Update. So bietet kein System ein zeitgemäßes Display. Beide Motoren klappern bergab und sind bergauf relativ laut. Das üppige Baumaß der beiden Platzhirsche im Motorensegment prägt das Erscheinungsbild aktueller EMTBs mehr, als das so manchem Produktdesigner lieb ist.

Der ultimative Test: Derating unter Extrembedingungen

Von Motorderating spricht man, wenn der Motor aufgrund von Überhitzung seine Leistung reduziert, damit die Hardware keinen Schaden nimmt. Das Phänomen des Derating ist vor allem bei light EMTB Motoren bekannt. Motoren wie der TQ HPR 50, aber auch der Bosch SX regeln unter extremen Umständen schnell runter.

Die extremen Umstände herrschen vor allem dann, wenn der maximale Strom durch das System fließt. Es geht also weniger darum, den Motor möglichst lange zu quälen. Wichtiger ist es, ihm die maximale Leistung abzuverlangen. Deshalb haben wir einen Testrucksack mit 40 Kilo Extragewicht präpariert. Um das System maximal zu strapazieren, haben wir die Boost-Funktion, die das DJI Avinox System bietet, immer wieder gezündet.

In der Boost-Funktion stellt der Motor für den begrenzten Zeitraum von 30 Sekunden 1000 Watt und mehr zur Verfügung. Sind die 30 Sekunden abgelaufen, kann man die Boost-Funktion aber direkt erneut zünden. Die zeitliche Begrenzung ist also mehr oder weniger eine Formsache. Wir haben den Test auch mit anderen Systemen durchgeführt und da war nach ca. 75 hm Schluss mit Leistung. Ähnliches hätten wir auch vom DJI Avinox System erwartet. Aber dem war nicht so.

Ergebnisse des Derating-Tests

Insgesamt konnten wir die Boost-Funktion 7 Mal hintereinander zünden, bevor unser Testanstieg mit knapp 150 Höhenmetern zu Ende war. Eine deutliche Reduktion der Motorleistung war trotz des Systemgewichts von 135 Kilo und der extremen Steigung von 20 % und mehr nicht zu spüren. Die knapp 150 Höhenmeter auf Schotter bzw. In Teilen war die Steigung für unseren Derating-Test über 20 Grad steil. Eine erstaunliche Leistung.

In der Praxis wird in den allerwenigsten Fällen ein Szenario wie das unseres Tests auftreten. Denn um dem Motor die volle Leistung über den Testzeitraum zu entlocken, muss man auch als Fahrer ordentlich in die Pedale strampeln. Und um das maximale Systemgewicht zu erreichen, braucht man fahrfertig 115 Kilo. Dass diese beiden Szenarien auf einen Anstieg mit 20 % Steigung in freier Wildbahn treffen, ist noch vorstellbar. Aber wer zündet dann 7 Mal in Folge die Boost-Funktion über 150 Höhenmeter? Wohl eher niemand.

Wir legen uns deshalb fest: DJI lässt sich beim Thema Standfestigkeit nicht vorführen. Und trotzdem hat der Motor geliefert.

Innovative Sensorik und Fahrerlebnis

DJI sagt selber, dass im Motor bzw. dem kompletten Antriebssystem 10 unterschiedliche Sensoren verbaut sind, um die jeweilige Fahrsituation zu erkennen. Wenn man sich das Bike genau ansieht, merkt man auch, dass hier nicht nur die pure Anzahl der Sensoren eine Rolle spielt, sondern auch die Technik der Sensorik. Die zusätzlich an der Bremsscheibe montierte Sensorscheibe liefert 42 Messpunkte pro Radumdrehung, die elektromagnetisch abgelesen werden. Man kennt die Optik dieser Scheibe von Boschs ABS-Bremssystem.

Damit muss das System also nicht eine Radumdrehung warten, um festzustellen, dass sich die Geschwindigkeit verändert hat, sondern kann das schon feststellen, wenn sich das Rad nur 8,6 Grad bewegt. Erstaunlicher aber ist, dass ein Newcomer wie DJI auch die Kunst beherrscht, aus dieser Datengrundlage solide Fahreigenschaften zu generieren.

Denn die Power, mit der DJI wirbt, ist in der Praxis nicht der große Gamechanger. Die 105 NM Drehmoment und die über 1000 Watt Spitzenleistung sind nett, aber man kann auch mit deutlich weniger im Gelände schon sehr viel Spaß haben. Bisher haben vor allem der Bosch CX und der Shimano EP801 die Benchmark bei der Motorsteuerung gesetzt.

Der häufig angesprochene Nachschub des Motors ist bei diesem System auch nicht mehr Gott gegeben, sondern lässt sich ganz einfach per App an persönliche Vorlieben anpassen.

Modernes Display und Konnektivität

Das im Oberohr integrierte OLED Display mit Touch Funktion setzt im EMTB Bereich völlig neue Maßstäbe. Denn während die Monitorauflösung von TQs Display eher an die 90er Jahre erinnert, sind die Displays von Bosch entweder zu klein, an einer eher unpassenden Stelle montiert, oder gleich so groß, dass sie niemand an einem sportlichen EMTB haben will.

Dagegen wirkt das völlig frei und vor allem einfach konfigurierbare Display des DJI Avinox Systems wie das nächste Level. Denn es besticht nicht nur mit der intuitiven Touch Bedienung (die auch mit Handschuh funktioniert) oder seiner Auflösung. DJI macht es möglich, dass Kinder Drohnen fliegen können. So kann man sich nicht nur die gefahrenen Kilometer anzeigen lassen. Auch die Höhenmeter spuckt das Display aus. Man sieht die eigene Leistung in Watt und die zusätzliche Leistung, die der Motor beisteuert.

Man kann sich die Hangneigung anzeigen lassen. Und laut Aussage von DJI arbeitet man bereits an einer Schnittstelle zu Komoot, sodass in Zukunft auch die Navigation mit diesem Display ganz einfach möglich sein könnte. Was jetzt schon geht, ist, dass man mühelos alle Daten auf sein Handy spiegeln kann, oder das Display auch mit Hilfe des Handys neu konfigurieren kann. Außerdem hat das Rad einen eingebauten Diebstahlschutz, der einen informiert, wenn das Bike bewegt wird, wenn es eigentlich im Keller schlummern sollte.

Zusätzlich zum Display lassen sich zwei kabellose Bluetooth Remotes am Lenker links und rechts montieren, um das System zu bedienen. Wir finden, dass hier eigentlich einer reicht, um die Fahrmodi zu wechseln.

Geräuschentwicklung und Fahrgefühl

Ein Punkt der bei sehr vielen EMTBs nervt, ist das Getriebeklappern bergab. Bosch hat das sowohl bei den CX Modellen der 4. Generation. Dieses Klappern stört einfach die Harmonie, wenn man mit dem Bike durch die Natur düst. Der DJI Motor hat dieses Problem nur auf ganz geringem Niveau. Unser Testbike hat zwar auch Geräusche gemacht, ein Großteil davon kam aber vom knackenden Steuersatz und klappernden Zügen.

Beim Bergauffahren ist der Motor auf einem ähnlichen Niveau wie Bosch aber etwas leiser als Shimano Aggregate. Vor allem, wenn man ihm bei niedriger Trittfrequenz die volle Leistung abverlangt, ist er deutlich hörbar. Der Motor ist bergauf hörbar, aber dennoch leiser als aktuelle Shimano-Antriebe.

Gewicht und Akku

Das Amflow Bike wiegt in der leichtesten Ausstattung (600 Wh Akku) 19,34 Kilo ohne Pedale. Und das ist eine Hausnummer. Auch die Gewichte der anderen Versionen können sich mit 20,3 bzw. 21,3 Kilo bei einem 800er-Akku wirklich sehen lassen.

Mit 2514 Gramm ist der DJI Avinox Motor tatsächlich ca. 100 Gramm leichter als der Shimano EP801 Motor und sogar 400 Gramm leichter als Boschs CX Motor der 4. Und auch beim Akku-Gewicht spielt DJI von Anfang an in der ersten Liga. Im Vergleich zu den aktuellen Bosch Powertube Akkus ist man hier deutlich leichter unterwegs. Der Motor fällt mit 2514 Gramm leichter aus als die aktuellen Aggregate von Bosch und Shimano. Absolut outstanding ist das Akkugewicht nicht.

Drohnenbusiness ist Leichtbaubusiness. Diese Expertise von DJI kommt auch beim Akku zum Tragen.

Ladezeiten

Auch beim Ladegerät klatscht DJI der Konkurrenz eine vor den Latz. Denn während Bosch schon mit einem 6-Ampere-Ladegerät von Schnellladen spricht, arbeitet DJI hier standardmäßig mit 12-Ampere. Möglich wird das durch eine neue GaN-Technologie. Die Galliumnitrid-Technologie ermöglicht ein hoch effizientes Ladegerät für hohe Ladegeschwindigkeiten. Danach geht es auch mit neuem Ladegerät etwas langsamer weiter. Zirka 2,5 Stunden muss das Bike schon an der Steckdose hängen, bis es vollkommen geladen ist. Denn das finale Balancen der Zellen im finalen Ladezyklus dauert. Trotzdem sind 2,5 Stunden immer noch verdammt schnell. Zum Vergleich: Ein 800er Bosch Akku brauch ca. 7 Stunden bis er vollgeladen ist.

Reichweite

Der Vergleich zu anderen Systemen ist hier natürlich etwas schwer, denn klar ist, wo mehr Leistung anliegt, wird mehr Energie verbraucht. An der Stelle fällt dem Avinox sein brachiales Drehmoment und auch die hohe Spitzenleistung etwas in den Rücken. Wir waren bei unserem Test überwiegend im Turbomodus mit voller Leistung unterwegs. Das machen wir immer so, wenn wir versuchen, die Reichweite zu ermitteln.

Mit DJIs Avinox System haben wir mit Uphills auf Schotter und Trails und zum Teil auch wirklich steilen Trails mit dem 800er-Akku 1800 Meter geschafft. Wohl gemerkt bei einem Fahrergewicht von 70 Kilo.

Fazit

Der DJI Avinox Motor wird den Markt in der Saison 2025 prägen, wie kein anderer. DJI legt die Finger in die Wunden der Konkurrenz und liefert einen Motor, der keine Wünsche mehr offen lässt.

Die Welle rund um DJIs Einstieg in die EMTB-Welt war groß und das zurecht. In Sachen Gewicht, Motorsteuerung und User Interface lässt man die Konkurrenz sogar ziemlich alt aussehen. Die Kombination aus kraftvoll, leise und klein findet man so aktuell kein zweites Mal auf dem Markt. Rund 10 Jahre nach dem Losbrechen der großen EMTB-Welle schließt dieser Motor die allergrößten Flanken für Kritik und hebt EMTBs auf das nächste Level.

Die Qual der Wahl: Welcher E-Bike Motor passt zu mir?

Übersicht: Die 8 E-Bike-Motoren im Test

MotorKategorieGewicht MotorAkkus (Wh)EMTB-Labordaten (Nm | Watt)
Bosch Performance CXPower2,9 kg750 (4,3 kg), 625 (3,6 kg)78 | 557
Pinion MGUPowerk.A.962 (4,7 kg), 720 (3,7 kg)80 | 552 / 642
Shimano EP801Power2,65 kgDiverse, z. B. Darfon 726 (3,8 kg), Canyon 900 (4,8 kg)79 | 541
Sram Eagle Powertrain (Brose)Power3,1 kg720 (4,1 kg), 630 (3,1 kg)87 | 544
Bosch Performance SXLight2,1 kg400 (2,1 kg)49 | 521
Fazua Ride 60Light2,0 kg430 (2,2 kg)60 | 347 (437)
TQ HPR 50Light1,9 kg360 (1,8 kg)38 | 283

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