Elektronische Schaltung am Gravel Bike: Vor- und Nachteile

Die Frage, ob man eine elektronische oder mechanische Schaltung für sein Gravel Bike wählen sollte, hängt in erster Linie vom Budget und den persönlichen Ansprüchen ab. Wer ein technisch aktuelles Rad sucht, findet kaum noch Alternativen zur elektronischen Schaltung. Die führenden Anbieter Shimano und SRAM setzen bei den oberen Qualitätsstufen ausschließlich auf Stellmotoren und Funksignale.

Vorteile elektronischer Schaltungen

Für den Nutzer haben elektronische Schaltungen klare Vorteile:

  • Komfort: Schalten auf Knopfdruck ist ungleich komfortabler als die Betätigung mechanischer Hebel.
  • Zuverlässigkeit: Die Gänge wechseln zuverlässig, besonders der vordere Umwerfer wechselt die Kettenblätter blitzschnell.
  • Präzision: Einmal korrekt justiert, funktioniert die Schaltung dauerhaft präzise.
  • Geringer Verschleiß: Es verschleißt kein Bowdenzug.
  • Anpassbarkeit: Mit den zugehörigen Apps können die Systeme zusätzlich angepasst werden. So wechselt beispielsweise der Umwerfer bei Bedarf automatisch das Kettenblatt, die Belegung der Tasten lässt sich anpassen, teilweise lassen sich auch Radcomputer damit bedienen.

Gerade an modernen Rädern mit im Lenker versteckten Leitungen ist die elektronische Übertragung sinnvoll, weil Bowdenzüge viel Reibung entwickeln, wenn sie verwinkelt verlegt werden. Den Schaltungen machen auch intensive Regenfahrten nichts aus, die Akkus halten komfortabel lange, viele Hundert (SRAM) bis mehrere Tausend Kilometer (Shimano und Campagnolo).

Optional erhältliche Zusatzschalter können nahezu in beliebiger Position am Lenker montiert werden. Die Funkübertragung der Rennrad-Schaltung - bei SRAM komplett, bei Shimano zwischen Griffen und Schaltwerk - umgeht die komplizierte Verlegung der Kabel.

Nachteile elektronischer Schaltungen

Natürlich bringt aber auch eine elektronische Schaltung so seine Nachteile mit sich. Aber so viel kann vorweggesagt werden. Die Vorteile überwiegen. Klar ist, dass der Akku regelmäßig geladen werden muss. Daher eignet er sich für Reiseräder, die nur eine sporadisch an Strom kommen, nicht unbedingt. Wen gleich man erwähnen muss, dass die Schaltung so sparsam ist, dass man mit einer Akkuladung mehrere tausend Schaltvorgänge durchführen kann. Leider sieht man bei den überwiegenden e-Schaltsystemen nicht direkt den Ladezustand des Akkus. Bei einigen muss man eine APP nutzen (die mit Bluetooth gekoppelt ist), bei anderen sieht man eine LED blinken etc. Meistens lädt man die Akkus nach Gefühl. Im schlimmsten Fall muss man während der Tour mit dem letzten Gang vorliebnehmen, in dem zuletzt geschaltet wurde, ehe der Akku leer wurde. Daher empfiehlt sich für diejenigen, die den Akku leer fahren wollen, einen Ersatz-Akku dabei zu haben. Auch ein Defekt des Schaltmotors wäre ein Showstopper und könnte die Tour an Ort und Stelle beenden, wenngleich das wohl eher ein theoretisches Szenario ist. Was man bei elektrischen Geräten auch generell beachten sollte, dass sie Wasser nur im gewissen Maße vertragen. schlechte Reparaturmöglichkeit “on the track”.

Mechanische Schaltungen: Die Alternative

Mechanische Schaltungen haben neben den günstigeren Preisen aber auch Vorteile. Ihre Funktionsweise ist transparent, Defekte sind selten und schnell behoben. Einzig Campagnolo bietet noch hochwertige Gruppen ohne Elektronik; manche High-End-Räder sind jedoch gar nicht mehr für die Montage von Schaltzügen vorgesehen.

Vorteile mechanischer Schaltungen

  • Simpel: Sie sind unkompliziert und leicht.
  • Günstig: Im Vergleich zu elektronischen Systemen meist günstiger.
  • Wartungsfreundlich: Dank des einfachen, gut verständlichen Aufbaus können Defekte schnell behoben werden, oft sogar unterwegs.

Nachteile mechanischer Schaltungen

  • Schaltkomfort: Schaltvorgänge sind bei mechanischen Systemen meist etwas schwergängiger und weniger präzise als bei elektronischen Varianten.
  • Wartungsaufwand: Schaltzüge verschleißen mit der Zeit, was regelmäßige Wartung erfordert.
  • Begrenzte Schaltbandbreite: Gerade beim Gravelbike, wo verschiedene Anforderungen an Gelände und Untergründe bestehen, ist diese Bandbreite limitierter als bei elektronischen Schaltungen.

Elektronische Schaltungen im Detail: Shimano Di2 und SRAM AXS

Bei SIMPLON kommen vor allem zwei Arten von Schaltungstechnik zum Einsatz: klassische Schaltgruppen von Shimano und SRAM sowie integrierte Getriebesysteme von Pinion. Shimano bietet ein breites Spektrum an mechanischen und elektronischen Gruppen für Rennrad, Gravel und Mountainbike. SRAM setzt im High-End-Bereich vor allem auf seine kabellosen eTap AXS-Gruppen.

Shimano Di2

Shimanos elektronisches Schaltsystem ist länger am Markt als alle anderen und unter anderem bekannt für seine hohen Schaltgeschwindigkeiten. Die Abkürzung Di2 steht für „Digital Integrated Intelligence“. Waren die Di2-Gruppen zunächst semi-wireless, hat Shimano im Sommer 2025 auch neue Schaltgruppen eingeführt, die komplett ohne Kabel auskommen. Die Belegung der Schalter ist in der Standardkonfiguration an mechanische Schalthebel angelehnt: Du hast zwei Taster, einen zum Hoch- und einen zum Runterschalten.

SRAM AXS

SRAM hat mit AXS (gesprochen: „access") von Anfang an komplett auf kabellose Technik gesetzt. Und so ist es auch heute noch: Alle SRAM-AXS-Gruppen übertragen die Schaltsignale per Funk. Eine Ausnahme gibt es: Beim E-MTB ist das Eagle-Transmission-Schaltwerk bei einem Eagle-Powertrain-System in der Regel an den Hauptakku angeschlossen. Die Schaltbremsgriffe der Rennradgruppen haben pro Seite einen Taster. Eine Hand schaltet hoch und die andere runter - manche Gruppen Bonus-Taster auf der Innenseite der Hoods.

Kostenvergleich: SRAM vs. Shimano

Die elektronischen Gruppen von Shimano und SRAM sind im Jahr 2022 gleichauf. Dabei spielt eine elektronische Rival eTap AXS auf dem gleichen Level wie eine Shimano 105 Di2. Eine Force eTap AXS im gleichen Bereich einer Ultegra Di2 und eine Red eTap AXS konkurrieren mit einer Dura-Ace Di2. Generell muss man für eine elektronische Gruppe im gleichen Qualitätsbereich etwa 1000 Euro mehr einplanen, als für die mechanische Variante.

Fazit

Es ist unmöglich, zu sagen, welches Schaltsystem nun das bessere ist. Am Ende liegt es ganz bei einem selbst und in Abhängigkeit des Einsatzzwecks, welches System besser zu einem passt.Die mechanische Schaltung besticht dadurch, dass sie simpel, leicht, ausgereift und auch für kostenorientierte Käufe jede Menge Alternativen bietet.Die elektronische hingegen ist gnadenlos präzise, leicht bedienbar und auch unter Volllast ein verlässliches Schaltsystem.

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