Elektronischer Tacho beim Motorrad: Funktionsweise und wichtige Aspekte

Moderne Geschwindigkeitsanzeigen funktionieren fast ausschließlich elektronisch. Doch wie genau sind Tachos tatsächlich, da diverse Fehler auftreten können? Es ist wichtig zu verstehen, wie ein elektronischer Tacho funktioniert und welche Faktoren seine Genauigkeit beeinflussen können.

Funktionsweise

Der Tachogeber sitzt am Getriebe, genauer an der Getriebeausgangswelle. Er kann entweder im Getriebegehäuse integriert oder in der Nähe des Ritzels angebracht sein. Früher erfolgte die Anbindung mechanisch mit einer Tachowelle.

Der Tachogeber wird vom Cockpit mit 12V versorgt, und Masse ist einfach Masse. Der Tachogeber enthält nur einen elektronischen Schalter, der selbst keine Spannung ausgibt. Das Ausgangssignal des Tachogebers wird von Prozessoren verarbeitet.

Es gibt verschiedene Arten von Sensoren, die in elektronischen Tachos verwendet werden:

  • Näherungsschalter: Diese arbeiten in der Nähe von Metall oder eines Magneten und geben ein Schaltsignal aus.
  • Induktive Sensoren: Sie sind weit verbreitet und werden üblicherweise als Endschalter in Maschinen eingesetzt.
  • Hall-Sensoren: Diese schalten bei Annäherung eines Magneten. Der Hall-Sensor selbst ist ein kleines IC, das üblicherweise auf einer kleinen Hilfsplatine in einem Gehäuse sitzt. Magnet und Sensor müssen zueinander passen und korrekt orientiert sein.

Ein typischer, preiswerter und leicht erhältlicher Sensor ist z.B die Type HAL 504 UA von Micronas/Intermetall. Der Sensor muss "nur" in die Nähe der Magnete gebracht werden. Der Sensor besitzt einen Open-Collector Ausgang, d.h. zur Funktion benötigt er nur einen Lastwiderstand.

Ein mit der Tachometerwelle umlaufender Permanentmagnet erzeugt Wirbelströme in einem Speichenrad. Auf das stromdurchflossene Speichenrad wirkt eine Kraft, sodass das Speichenrad der Magnetdrehung zu folgen sucht. Je schneller sich der Magnet dreht, desto größer ist die zeitliche Änderung des Magnetfeldes und die Stärke der Wirbelströme.

Faktoren, die die Genauigkeit beeinflussen

Mehrere Faktoren können dazu führen, dass die angezeigte Geschwindigkeit von der tatsächlichen Geschwindigkeit abweicht:

  • Reifenumfang: Ein gängiges Reifenformat ist z.B. 120/70 auf einer 17 Zoll Felge. Ändert sich der Umfang, ändert sich auch die angezeigte Geschwindigkeit. Der Reifen nutzt sich mit der Zeit ab, wodurch sein Umfang geringer wird.
  • Reifenluftdruck, Verformung oder Reibung: Das Vorderrad läuft passiv mit und wird durch Reibung und Walken des Gummis abgebremst, wodurch ein leichter negativer Schlupf von ca. 0,5% auftritt.
  • Toleranzen: Abweichungen von +/-5Km/h sind möglich. Bei Digital-Tachos entfällt dieses Problem naturgemäss.
  • Werksvoreilung: Geschätzt liegt die Voreilung im Bereich 3 ..5%.

Es ist wichtig zu beachten, dass die Werksvoreilung noch nicht einmal berücksichtigt ist.

Korrekturmöglichkeiten

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Genauigkeit des Tachos zu verbessern:

  • Vergleich mit einem genauen Tacho (z.B. GPS): Dies ermöglicht eine gute Korrektur.
  • Tachokonverter (z.B. Speed-O-Healer): Dieser kann verwendet werden, um die Frequenz zu korrigieren.

Durch eine Schlupf-Korrektur kann die Höchstgeschwindigkeit akzeptabel werden.

Kalibrierung eines analogen Tachos

Um eine (Tacho-)Nadel gefahrlos abzuheben gibt es einen einfachen Trick mit 2 Löffeln. Die Löffel werden unterhalb der schwarzen Kappe, direkt an der Achse angesetzt. Die Unterseiten liegen auf den Befestigungsschrauben auf. Durch gleichmässigen und vorsichtigen Druck auf beide Griffe kann die Nadel nach oben abgehebelt werden.

Wesentlich genauer ist es, ins Cockpit Signale einzuspeisen, die einer bekannten Geschwindigkeit entsprechen. Simple Tongeneratoren, die für diesen Zweck voll ausreichen, gibt es bereits für sehr kleines Geld.

Erfahrungen mit Aftermarket-Tachos

Einige Motorradfahrer haben Erfahrungen mit Aftermarket-Tachos gesammelt. Ein Beispiel ist der XR-SA von KOSO. Die Installation ist einfach, Reifenumfang und Anzahl der verwendeten Magneten werden eingegeben, und er ist sehr genau bis zu einer bestimmten Geschwindigkeit.

Ein anderes Beispiel ist der DET80, ein kleiner Tacho mit ABE, der zuverlässig anzeigt und mit einem Navi verglichen wurde.

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