NIU MQi GT im Test: Elektrisch mit 70 km/h durch die Stadt

Elektrisch durch die Stadt! Mit dem MQi GT bietet Niu eine spannende Elektro-Alternative zu sonstigen Stadtrollern an. Stadtroller müssen mehrere Zwecke erfüllen. Sie sollen praktisch sein, ein unkompliziertes Handling bieten und dazu noch wenig verbrauchen. Kann er diese Ansprüche erfüllen? Praktisch und unkompliziert soll er sein - das alles zu einem attraktiven Preis.

Reichweite und Akku

Ein großer Kritikpunkt, den Elektrogegner gerne finden, ist die Reichweite. Beim Niu gibt es jedoch keinen Grund zur Sorge, denn mit einer Reichweite von 70 bis 80 Kilometer bietet der MQi GT genügend Saft, um die täglichen Erledigungen unter den Hut zu bekommen. Sobald man zuhause angekommen ist, können die zwei Lithium Ion Akkus mit einer Kapazität von 31 Ah entweder direkt im Fahrzeug geladen werden, oder für die Ladung in der Wohnung ganz einfach entfernt werden. Mit einem Gewicht von jeweils 11 Kilogramm lassen sie sich dank dem Tragegriff leicht transportieren und unkompliziert an der Haushaltssteckdose laden.

Antrieb und Fahrverhalten

Angetrieben wird der Elektroroller von einem Bosch Motor mit 3.100 W Dauerleistung. Vergleichbar ist dies in etwa mit einer 110 Kubik Roller mit circa 7 PS. Sport: Höchstgeschwindigkeit 70 km/h (77 km/h lt. In der Praxis haben wir den MQi GT entweder im Dynamic Mode verwendet, der als Standard-Modus gesehen werden kann, oder in der Sport-Konfiguration.

Je nach Modus verändert sich auch die Beschleunigung, die jedoch selbst im kräftigen Sportmodus eher sanft zur Sache geht. Ampelstarts wird man selten gewinnen, dafür ist man aber vollkommen lautlos unterwegs. Als durchaus praktisches Feature hat sich der Tempomat herausgestellt, der ab einer Geschwindigkeit von 10 km/h mit nur einem Knopfdruck aktiviert werden kann.

Die Auswahl der Fahrmodi, sowie die Anzeige der Fahrdaten erfolgt über ein große LC-Display. Neben der aktuellen Geschwindigkeit findet man den Ladezustand der Akkus, einen Kilometerzähler, den aktuellen Fahrmodus, eine Uhr, sowie Infos zur Connectivity. Die Darstellung ist verständlich, nur bei gewisser Sonneneinstrahlung kann die Ablesbarkeit leiden. Überraschend und erfreulich ist zudem die gute Verarbeitungsqualität der Bedienelemente. Alle Knöpfe fühlen sich wertig an und geben klares Feedback bei ihrer Betätigung.

Alltagstauglichkeit und Komfort

So muss der Niu den Alltagstest in Wiener Neustadt starten. Die Akkus werden unter der 816 mm hohen Sitzbank verstaut und los geht's. Außer für die Lenkersperre ist die Öffnung der Sitzbank der einzige Fall, in dem man den klassischen Schlüssel noch benötigt. Der Rest funktioniert via einer kompakten Fernbedienung. Doch schon fällt leider der größte Nachteil an der heutigen Elektromobilität auf: Aufgrund der Größe der Akkus verbleibt nur ein winziges Staufach, das entweder Platz für die Ladekabel bietet, oder für Kleinkram wie Handy, Geldbörse, etc. verwendet werden kann. Wer einen Helm verstauen will, kann das mithilfe eines Helmhakens bewerkstelligen, oder gleich zum optionalen Topcase greifen.

Zwar hören sich 115 Kilogramm im fahrbereiten Zustand nach relativ viel Gewicht an, in der Praxis überrascht es aber, wie handlich sich der Niu anfühlt. Sowohl beim Rangieren, als auch bei niedrigem Tempo schenkt der Elektroroller viel Vertrauen und wird auch ungeübte Fahrer bestimmt nicht überfordern.

Kommt es zum Fahrkomfort auf dem Niu MQi GT, erfüllt er genau das, was man von ihm erwartet. Er transportiert solide von Punkt A nach Punkt B. Da kann man darüber hinwegsehen, dass sich das Fahrwerk hölzern anfühlt und man aufgrund der Bauweise mit tiefem Durchstieg nicht die beste Stabilität im Chassis vorfindet. Doch all das stört nicht im alltäglichen Betrieb - schließlich verbringt man keinen ganzen Tag im Sattel, sondern meist nur 10 bis 15 Minuten am Stück.

Die Bremsen mit Rekuperationsfunktion funktionieren hingegen tadellos und bringen den Roller sicher zum stehen. Vorsicht ist jedoch bei Straßenbahnschienen geboten! Aufgrund des schmalen 90er Vorderreifens, sollte man Schienen in Fahrtrichtung schnell überqueren, um nicht hängen zu bleiben.

Kosten und Fazit

Natürlich sind Elektrofahrzeuge immer einen Hauch teurer als ihre Verbrenner-Pendants. Auf Dauer können sie sich aber wegen der geringen Servicekosten und den fehlenden Tankrechnung rentieren. Außerdem ist der Niu MQi GT für diese Klasse eigentlich relativ günstig. Bei heutigen 125er Rollern, die nur 2 Liter auf 100 Kilometer verbrauchen, stellt sich oft die Frage, ob es sich lohnt, einen Elektroroller zu kaufen. Auch ich habe mir diese Frage gestellt.

Mit dem optionalen Topcase wäre der Niu MQi GT tatsächlich eine Option für die Stadt! Die Fahrleistungen reichen für Kurzstrecken vollkommen aus und am Ende des Tages werden die Akkus entspannt in der Wohnung geladen. Stopps bei menschenüberfüllten Tankstellen sind ab sofort überflüssig! Außerdem gibt solch ein Elektroroller das Gefühl der Überlegenheit an der Ampel.

Der neue Niu MQi GT in der 70 km/h Variante hat gezeigt, dass man bei heutigen Stadtrollern durchaus zu Elektroantrieb greifen kann. Reichweite und Leistungsabgabe stellen für den Einsatzbereich zufrieden, insbesondere da die Akkus schnell und einfach entfernt werden können. Somit kann man den MQi GT auch entspannt am Laternenparkplatz abstellen und am nächsten Morgen mit vollem Saft durchstarten. Einzig der fehlende Stauraum nimmt dem Niu den großen Vorteil, den Roller sonst mit sich bringen.

Alternativen und Wettbewerb

Der ADAC hat Elektroroller der Führerscheinklasse A1 (Leichtkrafträder) zwischen 3700 und 7000 Euro getestet. Am Ende lag kein etablierter Hersteller vorn, sondern ein Newcomer aus Spanien. Die Elektromobilität in Deutschland kommt immer mehr in Schwung, und eine Fahrzeugklasse boomt derzeit besonders: die der elektrischen Motorroller. Sie bieten genug Reichweite für den urbanen Nah- und Pendelverkehr, viele Modelle lassen sich dank entnehmbarer Akkus auch in der Wohnung aufladen.

Nachdem der ADAC im Herbst 2019 bereits sieben Elektroroller der Führerscheinklasse AM (Kleinkrafträder bis 45 km/h) getestet hat, wurden nun sechs verschiedene elektrische Leichtkrafträder der Führerscheinklasse A1 unter die Lupe genommen.

Silence S01

Platz eins geht an den spanischen Hersteller Silence und sein Modell S01. Der futuristisch gestylte Roller löst den Konflikt zwischen großer Batterie, die für eine entsprechend gute Reichweite (90 Kilometer) sorgt, und der Transportfähigkeit des schweren Akkus. Und das mit einer simplen, aber genialen Idee: Der Akku wird nach dem Entnehmen schlicht zum Trolley und bietet dem Fahrer damit die Möglichkeit, die 40 Kilo schwere Batterie in die Wohnung zu ziehen und dort zu laden. Zusätzlich lässt sich der Akku des Silence auch als Powerbank für Laptops, Handys oder Elektrogrills betreiben. Da der S01 auch das mit Abstand größte Staufach unter der Sitzbank hat und mit einem kurzen Bremsweg überzeugt, sichert er sich den Sieg in der Gesamtwertung.

Futura Robo-S

Die Roller kamen erst mit mehrmonatiger Verspätung in Deutschland an, inzwischen hat aber auch der Futura Robo-S einen separaten Einzeltest unter den gleichen Bedingungen wie die Konkurrenten absolviert. Dabei hat der Robo-S insgesamt die Test-Note 2,7 erreicht. Positiv überrascht hat die Tester nicht nur der im Vergleich günstigste Anschaffungspreis von 3.699 Euro, sondern dass der Robo-S in punkto Verarbeitung oder Reichweite auch mit etablierten Konkurrenten wie dem NIU NQI GT mithalten kann. In Deutschland vertreibt die Firma Dr. Ferrari GmbH den E-Roller als Futura Robo-S. Der Roller überzeugt mit cleveren Details wie einem Fingerabdruckscanner, einer Rückenlehne für Mitfahrer/innen und der Möglichkeit, Wartungen und Reparaturen auch zuhause durchführen zu lassen.

Elektrische Schwalbe

Die optisch eng an den DDR-Roller Simson KR51 angelehnte Neuauflage Schwalbe von Govecs überzeugt mit dem kraftvollsten Motor im Feld, kurzen Ladezeiten, guter Verarbeitung und ausgewogenen Fahreigenschaften. Sie ist mit knapp 7000 Euro jedoch der teuerste Roller im Test. Negativ fiel den Testern der mangelnde Stauraum, der fest mit dem Fahrzeug verbundene Akku und das hohe Gewicht auf.

NIU NQi GT

Platz vier geht an Deutschlands meistverkauften E-Roller, den NIU NQi GT. Die Beliebtheit des Leichtkraftrads aus China ist schnell erklärt: Der NIU ist hat ein attraktives Design und punktet darüber hinaus mit der besten Konnektivität, einem ausgewogenen Fahrwerk, guter Reichweite und einem attraktiven Preis. Kritikwürdig sind die unbequeme Sitzposition für größere Fahrer, die lange Ladedauer sowie der geringe Stauraum.

Trinity Uranus R

Der geringe Grundpreis des Trinity schlägt sich jedoch im LED-Scheinwerfer mit der schwächsten Ausleuchtung im Vergleich nieder, die Ladezeiten (für beide Akkus) sind die längsten im Test. Da der Uranus R auch ein unterdämpftes Fahrwerk hat und für großgewachsene Fahrer wenig Platz bietet, landet er auf dem letzten Platz.

Tipps für den Kauf eines E-Rollers

  • Wer sich für einen E-Roller interessiert, sollte vor dem Kauf unbedingt eine Probefahrt machen.
  • Unbedingt überprüfen, wo der E-Roller aufgeladen werden kann: Modelle mit fest verbautem Akku lassen sich nur per Kabel an der Steckdose oder an Ladestationen aufladen.
  • Gut überlegen, welche Fahrstrecken tatsächlich anfallen: Wer mit der Reichweite in der Basisversion auskommt, kann auf Zusatzakkus verzichten und so eventuell viel Geld sparen.
  • Einige Städte bieten eine finanzielle Förderung beim Kauf eines E-Rollers an. Interessenten sollten sich vor dem Kauf bei ihrer Stadt informieren.

NIU MQi GT: Details im Überblick

FeatureDetails
MotorBosch Motor mit 3.100 W Dauerleistung
Akkus2 Lithium-Ionen-Akkus mit 31 Ah
Reichweite70-80 km
Höchstgeschwindigkeit70 km/h
Gewicht115 kg

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