Elektroroller Hersteller aus China: Eine umfassende Liste

Für ein interessantes elektrisches Motorrad muss man kein Vermögen ausgeben. Es gibt Bikes aus China, die für überschaubar viel Geld zu haben sind. Auch hier in Deutschland.

Bezahlbare Elektromotorräder für jedermann gibt es nicht? Gibt es doch. Zwar (noch) nicht bei allen großen Zweirad-Herstellern und (noch) nicht unter den großen Motorrädern vom Schlag einer Harley-Davidson Livewire. Aber dort, wo sich sonst die Verbrenner-125er tummeln.

Da sind einige chinesische Elektro-Hersteller modelltechnisch gut aufgestellt. Und man bekommt die Bikes sogar bei uns in Deutschland. Für AUTO BILD MOTORRAD Grund genug, eine Handvoll interessanter, bezahlbarer chinesischer E-Motorräder zusammenzutragen.

Der Clou: Als 125er-Äquivalent darf man diese Maschinen mit dem seit 1. Januar 2020 existierenden B-196-Führerschein fahren!

Führende chinesische Motorradmarken

Sie heißen Grampus oder Jack Fox, Rebel oder Rex, Sky Team oder Vixen. Eines eint alle Marken aus dem Riesenreich der Mitte: Sie lassen die Muskeln spielen. Hier einige international wichtige Hersteller.

An die 200 verschiedene Hersteller von motorisierten Zweirädern in China bringen es zusammen auf rund 240 Marken und weit über 20 Millionen Einheiten pro Jahr, vom Mofa bis zum großen Motorrad. Darunter einzelne Firmen mit einer Produktion von mehr als einer Millionen Fahrzeuge pro Jahr.

Tendenz: Qualität, Zylinderzahl, Hubräume und Leistung steigen. Wichtig auch für den Export nach Europa und Amerika.

Zu Chinas führenden Motorradherstellern gehören Grand River mit der Marke Haojue, Lifan, Loncin, Zongshen, Jialing, Jianshe, Qianjiang, Haojin, Shineray, Bashan, Jonway, Wuxi Futong und Cyclone.

Zunehmend an Bedeutung gewinnen E-Scooter und andere rein elektrische Zweiräder.

Kooperationen mit ausländischen Motorradherstellern

Viele ausländische Motorradhersteller kooperieren mit chinesischen Motorradfirmen: BMW mit Loncin, Fantic und Piaggio mit Zongshen, Suzuki mit Haojue, Peugeot mit Qingqi, Yamaha mit Jianshe, Honda mit Jialing und MV Agusta mit Qianjiang, dem Eigentümer von Benelli.

Diverse Joint Ventures reichen von Auftragsfertigung über abgestimmte Forschung und Entwicklung und gemeinsame Produktionsunternehmen bis hin zu Kooperationen bei Vertrieb, Verkauf und Marketing. An bilateralen Betrieben hält der chinesische Partner per Dekret mindestens 51 Prozent der Anteile.

Beispiele für Kooperationen

  • Zongshen mit Fantic und Piaggio
  • Shineray mit Mash und SWM
  • Qianjiang Group (QJ) mit Benelli, Geely, Keeway, Harley-Davidson
  • Loncin mit BMW und Voge
  • CFMoto mit KTM

Zongshen

Selfmademan Zuo Zongshen gründete 1982 in Chongqing in einer Hütte mit Lehmboden eine Reparaturwerkstatt für Motorräder. 1992 folgte die erste eigene Fabrik, 1996 das erste eigene Motorrad. Heute hat der Zongshen-Konzern etwa 18.000 Mitarbeiter in rund 30 Tochtergesellschaften und Joint Ventures, baut rund vier Millionen motorisierte Zweiräder pro Jahr. Das ist mehr als Kawasaki.

Die wichtigsten Geschäftsbereiche sind Motoren, Motorräder und Immobilien. Die beiden börsennotierten Tochtergesellschaften Zongshen Power und Zongshen PEM gründeten vereint im Jahr 2010 die eigene Motorradwerkstattkette Master Zuo, quasi das ATU für chinesische Motorradfahrer.

Seit 2004 produziert Zongshen im Auftrag einige Aprilia- und Piaggio-Modelle und übernimmt den Vertrieb aller Marken von Piaggio in China, ebenso von Harley-Davidson. Zongshen baut sämtliche Bikes von Malaguti und die Motoren für Fantic, der Konzern unterhält ein Motorradwerk im aufstrebenden Motorradland Vietnam.

Markennamen des Zongshen-Imperiums sind insgesamt in mehr als 160 Ländern registriert. Dazu zählen Lexmoto (Großbritannien), Motorhispania (Spanien), Minsk (Russland und Belarus), Zanella (Argentinien), AKT (Kolumbien), Ryuka (Thailand) sowie Kasinski (Brasilien) und auch Zündapp.

Das Werksteam von Zongsheng nahm als erstes chinesisches Team ab 2002 an der Motorradweltmeisterschaft teil.

Shineray

Shineray wurde erst 1997 gegründet und stieg rasch zum Großkonzern auf. Noch 2007 war die Qualität einer damals nur übers Internet in Deutschland erhältlichen 125er bei Tests in MOTORRAD sehr mau. Doch das ist für chinesische Verhältnisse verdammt lange her.

Neben Autos und Maschinen baut Shineray vor allem Zweiräder: Pendler-Fahrzeuge im Stil der Honda Super Cub, aber auch Roller, kleine Enduros und Sportler, zumeist bis 250 Kubik für lokale Märkte.

Shineray fertigt ebenfalls im Boomland Vietnam - und in Italien: 2014 ermöglichte erst eine Finanzspritze von Shineray die Wiederbelebung der Marke SWM. So ist SWM mit seiner Produktion in der EU für Shineray ein Sprungbrett nach Europa, Motoren liefert das chinesische Mutterhaus.

Zudem fertigt Shineray als Produktionspartner sämtliche Mash-Modelle mit 400 und 650 cm³. Topmodell ist die neue Mash X-Ride 650 Classic. Mash entwickelt und designt in Beaune/Frankreich, vertreibt die Maschinen in 26 Ländern. Kleinere Maschinen (50er, 125er und 250er) baut Jinan Qingqi (4.300 Mitarbeiter) für Mash.

Qianjiang Group (QJ)

Die Qianjiang Group Co. (QJ) wurde vor 50 Jahren, 1971, gegründet. Aktuell produziert der Konzern mit rund 13.500 Mitarbeitern jährlich etwa 1,2 Millionen motorisierte Zweiräder und Quads. 2005 übernahm QJ Benelli, beließ die Entwicklung in Pesaro/Italien. Gebaut werden alle Benellis als Technologietransfer komplett in China. In Deutschland übernehmen 93 Benelli-Händler Verkauf und Service.

Seit 1999 vertreibt QJ seine in China "Qianjiang" betitelten Fahrzeuge im Export unter der Marke Keeway. Ferner baut QJ die Roller von "Explorer" und "Generic". Seit 2016 hält der Autohersteller Geely, dem bereits Volvo, Lotus und London-Taxi gehören, knapp 30 Prozent von QJ.

Konzernbesitzer ist der 57-jährigen Milliardär Li Shufu, der die Firma 1986 gründete. Sie baute 1992 erste Motorräder. 2018 erwarb Li Shufu über eine Investmentgesellschaft für fast 7,5 Milliarden Euro rund zehn Prozent der Aktien der Daimler AG, wurde so größter Einzelaktionär der Stuttgarter.

Für Harley-Davidson soll QJ ab 2021 eine 350er für den asiatischen Markt fertigen.

Loncin

Die 1993 in Chongqing gegründete Loncin Industrial Group Co. baut seit 1996 Verbrennungsmotoren für verschiedenste Anwendungen, etwa Kettensägen und Rasenmäher. 1999 kam Loncins erstes Motorrad auf den Markt. Seither wuchs das Unternehmen stark: Bereits 2006 war Loncin größter chinesischer Motorrad-Exporteur.

Von rund 5.000 Beschäftigten arbeiten etwa 200 im Forschungs- und Entwicklungszentrum. Die Produktpalette umfasst über hundert Modelle: Mofas, Mopeds, Motorroller, Motorräder und Quads.

Als Antrieb dienen luft- und wassergekühlte Zwei- und Viertaktmotoren mit Hubräumen zumeist bis 300 cm³. Daher fungieren die 500er-Typen von Loncins neuer Edelmarke Voge als Topmodell. In Deutschland gibt es bereits 70 Voge-Händler.

BMW Motorrad nutzt Loncin als Motorenproduzent, zunächst für die späten 650er-Singles. Zudem fertigt Loncin komplett die 400er-Roller BMWs.

Lifan

Mit Hauptsitz in Chongqing produziert Lifan Industry (zu Deutsch: "kraftvolles Segel") Pkw, Lkw, Nutzfahrzeuge und Motorräder. 1992 startete das Unternehmen mit nur neun Mitarbeitern als Zweiradhersteller, erstes Modell war die Lifan TMS 200. Bereits wenige Monate nach der Gründung folgten weitere Straßenmotorräder und Dirtbikes.

Durch rasche Erfolge stieg Lifan zu einem der größten chinesischen Motorradhersteller auf, beschäftigt heute rund 15.000 Mitarbeiter, baut mehrere Millionen Bikes jährlich.

Ferner etablierte Lifan unter anderem in Thailand und Vietnam eigene Produktionsstätten. Autos produziert Lifan seit 2002, Lastwagen seit 2003. Lkw der Marke laufen in vielen Ländern Südostasiens und Lateinamerikas, in Afrika und dem Nahen Osten.

Bislang hat Lifan noch nicht in die Europäische Union exportiert. Innerhalb der EU bieten vereinzelte Händler die Modelle Lifan LF 125 und Lifan LF 150 aus bulgarischer Produktion an.

CFMoto

1989 gründeten die Gebrüder Lai Zhejiang CFMoto Power Co. als Teilezulieferer. Ab 1996 fertigte die Firma eigene Motoren, 2000 lief das erste eigene Motorrad, 2004 das erste ATV vom Band. In der top-modernen Fabrik auf einem 200.000 m2 großen Areal entstanden bereits weit über 100 verschiedene Modelle, mit Dutzenden eigenkonstruierten Motoren.

Mehr als 100 Patente hält CFMoto, exportiert in über 70 Länder. Zudem kooperiert der Konzern seit 2009 mit KTM und dem österreichischen Design-Team Kiska bei der Entwicklung neuer Motorräder. Die chinesische Firma übernimmt seither auch Import und Vertrieb sämtlicher KTMs in China.

Ab 2021 baut CFMoto zudem alle 790er-Modelle von (also für) KTM in einer eigens dafür errichteten KTM-Fabrik gegenüber dem CFMoto-Stammsitz in Hangzhou. In diesem Produktions-Joint-Venture wird in Österreich entwickelt, in China gefertigt. Erstes Projekt wird ein Naked Bike mit dem bei CFMoto produzierten Motor der 790er-Duke sein.

KTM-Boss Pierer nennt es "einen Einstiegs-Zweizylinder als Weltmodell". Den Vertrieb von CFMoto in Europa übernehmen dabei die Importprofis KSR.

Die chinesische Zweirad-Industrie

Die chinesische Motorradindustrie ist die größte der Welt, sie verteilt sich auf drei Hauptregionen: die Provinzen Guangdong und Zhejiang sowie als Zentrum der Motorradproduktion die Megametropole Chongqing, mit 34 Millionen Einwohnern größter Ballungsraum der Welt.

In China existieren bis zu 200 verschiedene Hersteller motorisierter Zweiräder (Motorräder, Roller und 50er/125er). Allein im Jahr 2013 fertigte man fast 22,9 Millionen Einheiten, Tendenz stark steigend. Rund 40 Prozent der Produktion gehen in den Export. Hinzu kommen exportierte Motoren, auch nach Europa. Allein 2013 waren dies rund 26,2 Millionen Aggregate.

China produziert ferner Autorikschas und offene Geländefahrzeuge mit drei und vier Rädern (Quads und ATVs) in großer Zahl.

China ist zudem ein führender Hersteller von Motorradteilen und -zubehör, von A wie Auspuff bis Z wie Zylinderkopfdichtung.

Ferner findet in China ein großer Teil der weltweiten Produktion an Motorradbekleidung statt, beispielsweise Textilanzüge von Rukka.

Auch als Herkunftsland von Helmen holt China rasant auf.

Ausgewählte E-Motorrad Modelle chinesischer Hersteller

Im Folgenden werden einige interessante und bezahlbare E-Motorrad Modelle chinesischer Hersteller vorgestellt, die als 125er-Äquivalent mit dem B-196-Führerschein gefahren werden dürfen.

Alrendo TS Bravo

Kandidatin Nummer eins ist die Alrendo TS Bravo. Ihre Dauerleistung liegt bei elf Kilowatt. Der 17,2 kWh große Akku kann mit einem Typ-2-Ladestecker geladen werden. Dazu gibt es ein 3-kW-Bordladegerät. Hersteller Alrendo beziffert die Reichweite mit 419 Kilometern. Tourentauglich erscheint die TS Bravo trotzdem nicht. Das liegt vor allem an der langsamen Ladegeschwindigkeit. Preis: 12.200 Euro.

Dayi Motor e-Odin

Die Dayi Motor e-Odin ist schon in der zweiten Generation auf dem Markt. Sie überzeugt als Erstes mit ihrer Optik. Die entspricht nämlich einem ausgewachsenen Motorrad. Leistungsmäßig ist die e-Odin am oberen Ende der Möglichkeiten der 125er unterwegs. Je nach Importeur kann ein unterschiedlicher Name draufstehen. Daher varieren Ausstattung, Motorleistung (zwischen sechs und zehn kW) und Akkukapazität. Letztere liegt zwischen 7,2 und zehn Kilowattstunden. Für das Einstiegsmodell müssen 5200 Euro angelegt werden.

Horwin CR6 (Pro)

Die Horwin CR6 (Pro) gibt es am längsten auf dem deutschen Markt. Sie ist sogar schon als Gebrauchte zu haben. In der Basisversion CR6 ist die Horwin bis zu 95 km/h schnell und hat überschaubare 3,8 Kilowattstunden Akkukapazität. Deshalb kann man vermutlich von rund 100 Kilometer Reichweite ausgehen, auch wenn der Hersteller mehr nennt. Die Horwin CR6 kostet 6000 Euro.

Ovaobike MCR-S

Die MCR von Ovoabike wird in drei Versionen angeboten. Das Topmodell heißt MCR-S. Es bietet elf Kilowatt Dauerleistung und zieht seinen Strom aus zwei Batterien mit zusammen 9,6 kWh Kapazität. Mit dem 1,2-kW-Bordladegerät wird in 5,5 Stunden von 20 auf 80 Prozent geladen. 148 km/h sollen maximal drin sein, die Reichweite gibt Ovoabike mit 230 Kilometern an. Vorausgesetzt, man ist in der Stadt mit rund 50 km/h unterwegs. Mittlerweile gibt es die Ovoabike MCR-S auch bei uns in Deutschland. Sie kostet 15.980 Euro.

Super Soco TC Max

Die Super Soco TC Max ist ähnlich aufgestellt wie die Horwin CR6. Ihr Mittelmotor schafft 3,9 kW Dauerleistung. Er soll die TC Max via Riemenantrieb auf bis zu 95 km/h beschleunigen. Der Akku hat 3,42 kWh Kapazität. Der Hersteller nennt 100 Kilometer Reichweite. Das Gewicht der Super Soco liegt bei 103 Kilogramm inklusive Akku. Die Zuladung wird mit 150 Kilo beziffert. Die Preise beginnen bei 5500 Euro.

Tinbot RS 1

Bei der Tinbot RS 1 überträgt ein spezieller Antrieb mit einer Zahnkette die elf Kilowatt Dauerleistung ans Hinterrad. Laut Hersteller ist die Maschine bis zu 200 km/h schnell, und sie kommt 120 Kilometer weit. Die Akkukapazität wird mit 8,46 kWh angegeben. Das Gewicht inklusive Akku liegt bei 183 Kilo, 150 Kilo Zuladung sind möglich. Die Tinbot RS 1 soll ab Dezember 2022 erhältlich sein und ca. 9000 Euro kosten.

Tromox Ukko 1

Die Tromox Ukko S ist zum aktuellen Zeitpunkt in Deutschland noch nicht zu haben. Es gibt aber bereits Interesse seitens eines potenziellen Importeurs. Die Chinesin ist aufgrund ihrer überschaubaren Größe am besten als Minibike für eine Person zu beschreiben. Sie soll aber 93 km/h schnell sein. Der Hersteller gibt die Reichweite mit 160 Kilometern an. Der Mittelmotor der Ukko 1 leistet im Dauerbetrieb vier Kilowatt und überträgt seine Kraft über einen Riemen. Bemerkenswert: Der Akku lässt sich zum Laden entnehmen.

Weitere Hersteller von E-Scootern

Neben den genannten E-Motorrad Herstellern gibt es auch zahlreiche Hersteller von E-Scootern, darunter:

  • NIU Technologies
  • Xiaomi
  • VMAX
  • ePowerFun
  • Electisan
  • INOKIM
  • BMW
  • Metz
  • E-Twow
  • Segway Ninebot
  • Kumpan electric
  • Stigo
  • Hammer International
  • Moovi
  • EGRET
  • SXT
  • IO HAWK
  • THE-URBAN
  • Micro

Überblick über ausgewählte E-Motorrad Modelle

Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die vorgestellten E-Motorrad Modelle chinesischer Hersteller:

Modell Dauerleistung (kW) Akkukapazität (kWh) Reichweite (km) Preis (Euro)
Alrendo TS Bravo 11 17,2 419 12.200
Dayi Motor e-Odin 6-10 7,2-10 N/A 5.200
Horwin CR6 (Pro) N/A 3,8 ~100 6.000
Ovaobike MCR-S 11 9,6 230 15.980
Super Soco TC Max 3,9 3,42 100 5.500
Tinbot RS 1 11 8,46 120 9.000
Tromox Ukko 1 4 N/A 160 N/A

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