E-Scooter im Test: Stiftung Warentest und ADAC im Vergleich

E-Scooter haben in den vergangenen Jahren zahlreiche Großstädte erobert und sind längst mehr als ein Trend. In Deutschland gibt es inzwischen rund eine Million Exemplare, die meisten davon befinden sich im Privatbesitz und nicht in den umstrittenen Leihsystemen. Aber welches Modell ist wirklich gut und zuverlässig? Die Stiftung Warentest und der ADAC haben sich das genauer angeschaut und E-Scooter auf Herz und Nieren geprüft.

Testkriterien und -verfahren

Der ADAC prüft E-Scooter nach einem umfangreichen Kriterienkatalog, um ihre Alltagstauglichkeit und Sicherheit realistisch einzuschätzen. Dabei stehen vor allem die Fahrsicherheit und -eigenschaften im Fokus: Bremsweg, Stabilität in Kurven, Verhalten bei Nässe sowie die Qualität der Federung spielen eine entscheidende Rolle. Auch die Reichweite wird in der Praxis getestet - oft mit abweichenden Werten zu den Herstellerangaben.

Auch in Sachen Bedienkomfort wird genau hingeschaut: Wie einfach lässt sich der Scooter klappen und tragen? Wie gut lässt sich das Display ablesen? Wie intuitiv ist die Bedienung im Alltag? Ausstattungselemente wie Licht, Reflektoren, Bremsen und die gesetzlich vorgeschriebene ABE-Zulassung fließen ebenfalls mit in die Bewertung ein.

Die Stiftung Warentest hat E-Scooter in einem umfangreichen Testverfahren geprüft und dabei mehrere zentrale Aspekte unter die Lupe genommen. Das Fahrverhalten spielte dabei die größte Rolle und machte fast die Hälfte der Gesamtbewertung aus. Auch die Handhabung war ein wichtiges Kriterium: Hier standen das Gewicht des Scooters, die Alltagstauglichkeit, der Klappmechanismus und die Bedienung des Displays im Fokus. Darüber hinaus wurde auf Sicherheitsaspekte geachtet, zum Beispiel ob Beleuchtung und Reflektoren vorhanden sind, und ob in den Griffen oder anderen Teilen möglicherweise gesundheitsschädliche Stoffe verarbeitet wurden.

Im Test mussten die Modelle Fahrprüfungen, Sicherheits- und Härtetests bestehen, gesteuert von acht unterschiedlich großen und schweren Fahrerinnen und Fahrern. Dabei wurde nicht nur auf die Fahrbarkeit auf unterschiedlichen Untergründen geachtet, sondern auch auf den Komfort von Griffen und Trittbrettern.

Testergebnisse von Stiftung Warentest

Im E-Scooter-Vergleich hat die Stiftung Warentest sieben Modelle geprüft. Im Mittelpunkt standen Fahrverhalten, Komfort, Haltbarkeit und Sicherheit. Die Ergebnisse zeigen, welche Roller sich für Stadt­touren, Gelände­fahrten oder bergiges Terrain eignen. Die Wahl des richtigen E-Scoo­ters hängt von den tatsäch­lichen Anforderungen im Alltag ab.

Als Sieger ging der Segway Ninebot Max G2 D aus dem Test hervor. Er bietet der Stiftung Warentest zufolge den größten Fahrspaß und eignet sich demnach »sogar für holprige Offroad-Touren«. Auch mit 50 bis 70 Kilometer Akkureichweite schneidet er am besten ab. Lediglich in zwei Punkten gab es Kritik an dem Modell: Mit 24 Kilogramm sei es wenig handlich und unpraktisch, sollte es einmal Treppen hinuntergetragen werden.

Mit 400 Euro ist der knapp zweitplatzierte Odys Alpha X5 Pro nur halb so teuer wie der Segway. Der E-Scooter wird im Test als »sehr robust und sicher« bewertet. Etwas ruppig verhält er sich hingegen beim Gasgeben. Wie der Segway wurde der Odys im Test als schwer und unhandlich wahrgenommen. Zwei weitere Modelle wurden ebenfalls als »gut« bewertet.

Auf dem letzten Platz der sieben Modelle rangiert der Streetbooster. Kostenpunkt: rund 550 Euro. Er erwies sich im Fahrtest zwar als wendig und ist mit seinen 14 Kilogramm gut zu tragen, vom Fahren raten die Experten jedoch ab: Nicht nur, dass der Roller wacklig und schlecht gefedert ist, im Belastungstest brach dem Modell gar sein Lenker.

Auffällig war, dass nicht alle Modelle den Belastungen standhielten - einige zeigten frühzeitig Schäden, andere enthielten bedenkliche Materialien. Im Testvideo kommt heraus, dass 5 der 7 E Scooter, die zwischen 400 Euro und 1170 Euro kosten, als mangelhaft bewertet wurden. Denn nicht alle Modelle überzeugen beim Fahrverhalten. Was den Test der Bremskraft angeht, gelten drei der getesteten E Scooter als ungenügend, da mindestens eine der Bremsen nicht die gesetzlich geforderte Bremskraft erreichte. Die Modelle sind der iconBIT Tracer Street und der Trekstor e.Gear EG3178.

Beim Belastungstest, bei dem eine 25 km lange Holperstrecke simuliert wird, ist das Ergebnis ebenfalls unschön beim Trekstor, bei dem schon nach 2 Kilometern der Rahmen gerissen ist. Beim SoFlow riss die Verschraubung des Klappmechanismus, weshalb beide E Scooter von Stiftung Warentest als mangelhaft eingestuft wurde. Allerdings bietet nur der SoFlow einen getrennt vom E Scooter ladbaren Akku bei den getesteten Modellen. Alle anderen E Scooter müsst ihr zum Laden komplett an eine Steckdose tragen.

Zum Preis-Leistungs-Sieger im E-Scooter Test der Stiftung Warentest wurde letztendlich der IO Hawk Sparrow mit einer Gesamtwertung von 2,8. Das Modell ist bereits für unter 500 Euro zu haben.

Zusammenfassung der Testergebnisse (Stiftung Warentest)

ModellBewertungPreis (ca.)Besonderheiten
Segway Ninebot Max G2 DGut (2,3)799 EuroHoher Fahrkomfort, gute Federung, hohe Reichweite, schwer
Odys Alpha X5 ProGut (2,4)400 EuroRobust, sicher, ruppiges Anfahren, schwer
Streetbooster VegaMangelhaft (5,5)550 EuroWendig, leicht, wackelig, schlechte Federung, Lenkerbruch im Test

E-Scooter Test ADAC

Im E Scooter Test ADAC wurde festgestellt, dass seit dem letzten großen Testbericht im Jahre 2019 vor allem das Angebot an sehr günstigen E Scootern zugenommen hat, die zum Teil schon für 199 Euro erhältlich sind. 2020 wurden wieder neun Modelle einer ausgiebigen Testfahrt unterzogen und die Testergebnisse überraschen doch sehr. Der erste Platz geht hier aber an den E Roller von Segway Ninebot, der im E Scooter Test vom ADAC mit einer sehr guten Verarbeitung, einem extra starken Antrieb und einer Reichweite von fast 50 km punkten konnte.

Worauf muss beim E-Scooter-Kauf geachtet werden?

Beim Kauf eines E-Scooters spielen verschiedene Eigenschaften eine entscheidende Rolle. Hierauf sollten Interessent:innen achten:

  • Akku: Die meisten Roller setzen auf einen Lithium-Ionen-Akku. Die Kapazität und damit auch die Reichweite unterscheiden sich aber erheblich. Für den Alltag sollten 30 km mit einer Akkuladung idealerweise möglich sein.
  • Traglast: Dieser Wert ist nicht bei allen Rollern gleich. Die meisten Scooter verkraften 120 kg, es gibt jedoch auch Modelle mit mehr oder weniger Traglast. Übrigens: Die Reichweite wird oft mit einer 70 kg schweren Person als Fahrer:in ermittelt und kann daher in der Realität abweichen.
  • Zulassung: Nach der Verordnung für die "Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung" (eKFV) dürfen Tretroller mit Elektroantrieb, die zwischen sechs und 20 km/h fahren können, öffentliche Straßen nur nutzen, wenn sie eine gültige Versicherungsplakette besitzen. Die erhalten sie aber nur, wenn sie über eine Allgemeinen Betriebserlaubnis (ABE) verfügen. Das Dokument erhält man beim Kauf des Rollers.
  • Display: Für eine einfache Bedienung sorgt ein gut lesbares LCD- oder LED-Display.
  • Beleuchtung: Neben einem Kennzeichen benötigt ein Elektro-Tretroller auch eine geeignete Beleuchtung für vorne und hinten. Modelle mit ABE müssen diese aber bereits haben.
  • Bremsen: Auch sie sind Pflicht. Hier unterscheiden sich die Modelle ebenfalls stark: Günstige Modelle kommen nur mit Trommel-, teurere mit Scheibenbremsen. Einige bieten Rekuperation oder KERS an, andere wiederum ein E-ABS-System für kürzere Bremswege.

Daneben ist auch ein Blick auf die Motorleistung nicht verkehrt. Wer auf dem flachen Land wohnt, kann auch mit weniger Watt zufrieden werden. Liegen Hügel auf der Strecke, sollten es schon 500 W und mehr sein. Praktisch ist zudem ein "smarter" Roller, der sich über eine App mit dem Smartphone verbinden lässt. Was der E-Scooter kann, lässt sich der jeweiligen Produktbeschreibung entnehmen.

Wichtige Regeln für E-Scooter-Fahrer

Zusätzliche Informationen der Stiftung Warentest heben Regelungen und Sicherheitsrichtlinien hervor, die Fahrer beachten sollten. Ähnlich wie beim Autofahren gilt eine Promillegrenze von 0,5; ab 1,1 Promille handelt es sich um eine Straftat. Trotz des Verzichts auf Helmpflicht empfehlen Unfallstudien das Tragen eines Helms für zusätzliche Sicherheit.

E-Scooter dürfen nur auf Radwegen, Radfahrstreifen, Fahrradstraßen und ersatzweise auf der Straße fahren. Auf dem Gehweg, in Fußgängerzonen und in Einbahnstraßen entgegen der Fahrtrichtung (Ausgenommen mit Zusatzzeichen "Radfahrer frei") dürfen dagegen E-Scooter-Fahrer:innen nicht fahren.

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