Ellbogenschmerzen beim Radfahren: Ursachen, Diagnose und Therapie

Viele Radfahrer leiden unter Schmerzen im unteren Rückenbereich, aber auch Schmerzen im Ellenbogen und Unterarm, die bis in die Hände und Schulter ziehen können, lassen sich bei der eher passiven Haltearbeit auf dem Rad nicht so leicht erklären.

Ursachen von Ellbogenschmerzen beim Radfahren

Um den Ellbogen-Schmerzen speziell beim Radfahren auf die Spur zu kommen, muss man im Vorfeld diejenigen Gründe für die Beschwerden ausschließen, die aus dem Alltag herrühren, aber sich erst beim Sport auf dem Rad wirklich bemerkbar machen.

  • Wer zum Beispiel viel mit der Computermaus arbeitet, viel tippt oder mit schwerem Gerät wie Bohrmaschine oder Presslufthammer zu tun hat, kann sehr schnell in eine mechanische Überlastung kommen.
  • Arthrose oder andere rheumatische Erkrankungen sowie deutlich seltener klassische Knochen- oder Gelenkerkrankungen wie Osteoporose oder Gicht machen sich am Ellbogen recht früh bemerkbar.

Neben dem Radfahren sind weitere Sportarten bekannt dafür, gerade die Ansätze der Sehnen, die für erwähnte Rotation im Unterarm zuständig sind, zu belasten. Der berühmte Tennisarm ist da das beste Beispiel oder der Golfer-Ellenbogen.

Tennisarm (Epicondylitis humeri radialis)

Der Tennisarm oder Tennisellenbogen (Epicondylitis humeri radialis) ist ein schmerzhafter Reizzustand des Ellenbogens. Betroffen sind die Sehnenansätze der Streckermuskeln des Unterarmes, die ihren Ursprung oberhalb des Ellenbogengelenkes an der äußeren Seite des Oberarmknochens (Humerus) haben.

Der Tennisarm gehört somit ebenso wie der Golferarm zu den Ansatztendinopathien (Sehnenansatzerkrankungen). Die Sehnenansätze bekommen aufgrund von Überreizungen kleinste Mikrorisse, die zu einer Entzündung führen können. Dies führt zu starken Ellenbogenschmerzen.

Wer an einem Tennisarm leidet, verspürt starke Schmerzen im Bereich des Ellenbogens, die bis in die Hand ausstrahlen können. Meist ist der Sehnenansatz (Enthesie) des betroffenen Muskels an der Außenseite des Oberarmknochens druckschmerzhaft. Der Schmerz kann durch Beanspruchung des entsprechenden Muskels ausgelöst oder verstärkt werden. Zusätzlich ist ein Kraftverlust der betroffenen Hand möglich.

Beim Tennisspielen kommt es häufig zur Überreizung des Sehnenansatzes am Ellenbogen durch immer wiederkehrende Bewegungen. Starke Ellenbogenschmerzen sind die Folge. Chronische Verspannungen der Schulter- und Nackenmuskulatur gehen oft den Beschwerden im Arm voraus. Ohne deren Beseitigung lässt sich ein Tennisarm nicht vollständig ausheilen. Durch den erhöhten Muskeltonus überspannt die Sehne. Dies führt langfristig zur Reizung mit nachfolgender Entzündung.

Die Hauptursache für einen Tennisarm ist die Überbeanspruchung der Streckmuskeln des Unterarms durch einseitige oder sich wiederholende Bewegungen. Oft entsteht diese Erkrankung beim Spielen von Schlägersportarten mit falscher Technik, wie beispielsweise Tennis. Heutzutage lösen intensives Heimwerken wie z. B. der berühmte Tennisarm könnte genauso gut auch Mountainbike-Ellbogen heißen. Diese Entzündung am Ursprung der Finger-Streckmuskeln im Unterarm wird hier auch sehr regelmäßig diagnostiziert.

Weitere Ursachen

  • Bewegt wird das Ellbogen-Gelenk durch Beuger (bizeps femoris) und Strecker (trizeps femoris) im Oberarm.
  • Am unteren Ansatz des Trizeps bildet ein großer Schleimbeutel den Umlenkpunkt, durch Zugluft oder ständiges Aufstützen der Ellbogen, auf einen Tisch zum Beispiel, kann dieser Schleimbeutel sich entzünden und stark vergrößern.
  • Weiter innen im Gelenk sind es eher die knorpligen Gelenkflächen, die durchs Fahrradfahren leiden können, insbesondere, wenn Radfahrer*innen fortwährend die Arme durchgedrückt lassen.
  • Genauso wenig verträglich für den Ellbogen sind eine falsch justierte Lenkerhöhe oder falsch gewählte Lenkerbreite, unergonomische Fahrradgriffe und schlechte Position der Bremsgriffe.

Diagnose von Ellbogenschmerzen

In der klinischen Untersuchung äußert sich der Tennisarm anhand starker Schmerzen an der Außenseite des Ellenbogens. Diese lassen sich auslösen, wenn der Patient mit dem Handrücken von unten gegen einen Widerstand drückt. Die stechenden Schmerzen treten ebenfalls auf, wenn der Arzt von außen Druck auf den knöchernen Sehnenansatz (Epikondylus) der Streckmuskeln des Unterarms ausübt.

Die Entzündung des Sehnenansatzes ist von außen oft nicht sichtbar. Nach der Injektion eines lokalen Betäubungsmittels in den Sehnenansatz gehen die Schmerzen deutlich zurück. Dies bestätigt die Verdachtsdiagnose des Arztes. Zudem können bildgebende Verfahren wie Röntgen, MRT oder Ultraschall helfen, andere Krankheitsursachen auszuschließen (Differentialdiagnose).

Eine Reihe anderer Erkrankungen können neben dem Tennisarm Schmerzen im Ellenbogen auslösen. Dazu zählen beispielsweise Entzündungen der Schleimbeutel (Bursitis) oder anderer Weichteile sowie eine entzündlich aktivierte Arthrose (Gelenkverschleiß). Auch ein Knorpel-Knochen-Schaden mit Abspaltung eines freien Gelenkkörpers (Osteochondrosis dissecans) kann für eine Blockade im Gelenk und Ellenbogenschmerzen verantwortlich sein. Häufig sind Unfälle mit Sturz auf den Ellenbogen ursächlich.

Neben Ursachen, die direkt im Ellenbogen entstehen, können auch Nerveneinklemmungen in der Halswirbelsäule und Überlastungen der Hand (Mausarm) Schmerzen im Ellenbogen auslösen.

Therapie von Ellbogenschmerzen

Die Therapie des akuten Tennisarms erfolgt zunächst konservativ und ist bei 9 von 10 Patienten erfolgreich. Dabei sollte der Patient seinen Arm ruhigstellen. Einen Gips, wie es früher üblich war, empfehlen wir heute nicht mehr. Die Ruhigstellung bewirkt, dass die Mikrorisse, die durch die Überlastung in der Sehne entstanden sind, wieder verheilen. Wird der Arm eingegipst, bilden sich die Muskeln sehr rasch zurück.

Daher ist es zusätzlich zur Schonung wichtig, die Belastungen und Bewegungsmuster, welche zu der Problematik geführt haben, gezielt zu vermeiden. Langfristig sollte eine genaue Analyse und eine daraus folgende Umstellung von Fehlbelastungen erfolgen.

Zusätzlich zur Ruhigstellung wirken Kühlung oder Wärmebehandlung unterstützend. Im akuten Stadium und nach intensiver Beanspruchung kann eine Kühlung des gereizten Gewebes sinnvoll sein. Bei einem chronischen Tennisarm sollte jedoch Wärme zur Anwendung kommen, um eine bessere Durchblutung und eine Relaxation der Muskeln zu unterstützen.

Die Muskeln können mit Quermassagen, einer Massagetechnik, die bei Schäden an Muskeln, Sehnen oder Sehnenansätzen angewendet wird, behandelt werden. Die Massagebewegungen erfolgen dabei quer zu den betroffenen Muskeln oder Sehnen. Eine Kombinationstherapie mit Reizstrom, Ultraschall oder Stoßwellentherapie (ESWT) kann ebenfalls die Schmerzen reduzieren.

Schmerzlindernde Wirkung haben neben entzündungshemmend wirkenden Medikamenten (nichtsteroidalen Antirheumatika) auch lokale Betäubungsmittel, die direkt an die betroffene Stelle gespritzt werden und vor Ort ihre Wirkung entfalten. Eine Epikondylitisspange reduziert den Zug, der auf den Sehnenansatz wirkt.

Durch das Zusammenwachsen und Abheilen der Mikrorisse in der Sehne verkürzt diese sich. Deshalb sollte eine physiotherapeutische Behandlung die Muskulatur langsam und gemäßigt dehnen und kräftigen, um ein erneutes Auftreten der Symptome zu vermeiden.

Die folgenden Übungen zeigen Ihnen Möglichkeiten, wie Sie selber gezielt gegen einen Tennisarm vorgehen können.

Übungen zur Behandlung von Ellbogenschmerzen

  1. Exzentrisches Training: Ausgangsstellung: Sitz auf einem Stuhl neben einem Tisch. Legen Sie den Unterarm so auf dem Tisch ab, dass die Hand über die Tischkante herunterhängt. Durchführung: Die nicht betroffene, freie Hand führt nun die Bewegung der betroffenen Hand mit dem Gewicht nach oben. Der betroffene Arm hilft bei dieser Bewegung nicht mit. Nehmen Sie nun die freie Hand weg. Lassen Sie mit dem betroffenen Arm das Gewicht langsam und kontrolliert in die Ausgangsposition zurücksinken. Wiederholen Sie die Bewegung 10-mal. Dies entspricht einem Satz. Führen Sie 2-3 Sätze mit jeweils circa 60 Sekunden Pause zwischen den Sätzen durch.
  2. Dehnung der Handgelenksbeuger: Ausgangsstellung: Der betroffene Arm ist vor dem Körper. Ballen Sie eine Faust und winkeln Sie Ihr Handgelenk nach vorne ab. Drehen Sie es zur Kleinfingerseite. Durchführung: Umgreifen Sie nun mit der freien Hand Ihre andere Hand. Bewegen Sie Ihren Arm und Ellenbogen langsam in Streckung. Spüren Sie dabei den Zug in Ihrem Ellenbogen. Ein leichter Dehnschmerz ist normal. Halten Sie diese Position. Halten Sie diese Dehnung für mindestens 30 Sekunden und wiederholen Sie die Übung 2-3 mal.
  3. Dehnung der Handgelenksstrecker: Ausgangsstellung: Strecken Sie Ihren betroffenen Arm vor dem Körper aus. Achten Sie darauf, dass der Ellenbogen gestreckt ist. Durchführung: Mit der anderen Hand ziehen Sie Ihr Handgelenk sanft in eine gebeugte Position. Spüren Sie dabei den Zug in Ihrem Ellenbogen. Ein leichter Dehnschmerz ist normal. Halten Sie diese Position. Halten Sie diese Dehnung für mindestens 30 Sekunden und wiederholen sie die Übung 2-3 mal.
  4. Faszienmassage: Durchführung: Rollen Sie mit dem Faszienball oder der -rolle langsam und sanft die schmerzhafte Muskulatur an der Außenseite Ihres Unterarms entlang. Ein leichter Schmerz ist normal. Sie können die Anwendung mehrmals durchführen, bis Sie eine Verringerung der Schmerzen verspüren.

Wenn die konservativen Therapieansätze keine Besserung bringen, bietet die arthroskopische Operation eine weitere Option. Dafür wird die betroffene Sehne eingekerbt. Dies entlastet sie und führt dazu, dass die Reizung nachlässt.

Ergonomische Anpassungen beim Radfahren

Ergonomisch Radfahren beugt Schmerzen durch falsche Belastungen vor. Mit einem ergonomisch angepassten Fahrrad sowie ein paar Tipps vom ADFC lässt sich das Wohlbefinden auf dem Rad deutlich steigern.

Um sich beim Radfahren rundum wohlzufühlen, sollte der Fahrradrahmen zum eigenen Körper passen. Denn: Ein Rahmen mit den falschen Maßen kann zu Rückenproblemen führen. So zwingt ein zu kurzer Rahmen zu einem runden Rücken, durchgestreckten Armen und dazu, den Kopf in den Nacken zu legen. Dabei sollte der Kopf besser nicht überstreckt werden, sondern in der Verlängerung zur Halswirbelsäule gehalten werden.

Die richtige Rahmenlänge ermöglicht bei geneigter Sitzposition die Streckung des Rückens in seiner natürlichen S-Form. Nur so kann die Rückenmuskulatur den Oberkörper halten und den Druck auf die Hände und Arme verringern. Diese Position wird erreicht, wenn der Winkel zwischen Oberkörper und Oberarmen etwa 90 Grad beträgt.

Weitere Tipps für eine ergonomische Sitzposition:

  • Die Arme sollten leicht angewinkelt sein, um Fahrbahnstöße abfedern zu können. Gestreckte Arme leiten die Stöße in die Handgelenke und Schultern - und führen zu Verkrampfungen.
  • Sitzposition und Lenkerform sollten aufeinander abgestimmt sein.
  • Je flacher und gestreckter die Sitzhaltung, desto gerader darf der Lenker sein.
  • Allerdings sollten beim Lenkergriff die Handgelenke nicht abknicken. Um hier falsche Belastungen zu vermeiden, können vorhandene Lenkergriffe gegen ergonomisch geformte Modelle ausgetauscht werden.

Ergonomische Fahrradgriffe

Herkömmliche Fahrradgriffe können das Handgelenk je nach Lenkerform seitlich und oft auch nach unten abknicken. Dies führt besonders bei längeren Fahrten zu Schmerzen und Taubheitsgefühlen, da der Ulnar- und der Mediannerv eingeklemmt werden. Ergonomische Griffe mit einem Flügel lösen das Problem, indem sie den gesamten Handballen stützen.

Die richtige Lenkerbreite und -position

Die Faustregel lautet: Die Lenkerbreite sollte der Schulterbreite entsprechen. Zu breite Lenker sind im Alltag oft sperrig und unbequem. Zu hoch eingestellte Lenker blockieren die Balance des Rückens und üben Druck auf Handgelenke und Schultern aus. Zudem lässt sich das Fahrrad nur mit erhobenen Armen schieben. Die aufrechte Sitzposition erfordert einen tiefen Lenker, der nahe am Körper ist.

Präventive Maßnahmen

Da weder Unebenheiten auf der Straße noch die Vibrationen im Lenker komplett abzustellen sind, sollte man sich prophylaktisch, und erst recht, wenn einen schon Schmerzen im Ellbogen belasten, darauf konzentrieren, die beteiligten Strukturen auf dem Rad wie auch im Alltag zu entlasten.

  • Wenig auf die Unterarme aufstützen und möglichst wenig mit nach unten gewendeten Handflächen arbeiten.
  • Auf dem Fahrrad sind es dann eine gute, ergonomische Hardware sowie eine optimale Sitzposition, die die Ellbogen und besonders deren epicondylen entlasten.
  • Ein großes Problem für die Ellbogen sind Dauerbelastungen in immer gleicher Position. Deshalb ist es hilfreich, gerade auf Langstrecken regelmäßig den Winkel der Ellenbogen und die Rotation der Unterarme zu variieren.
  • Kein neues Material für die Radreise: Wer ungewohnt lange unterwegs ist, sollte nicht übermotiviert unmittelbar vorher das Material tauschen und oder seine Sitzposition verändern.

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