Enduro-Motorrad Empfehlungen für kleine Frauen

Viele Frauen, die gerne Motorrad fahren möchten, stehen vor der Herausforderung, ein passendes Modell zu finden, besonders wenn sie nicht sehr groß sind. Seitdem meine XTZ auf Stollenrädern steht, liegt mir Kerstin in den Ohren, dass sie auch gerne im Dreck spielen möchte. Es wird also was leichtes, günstiges zum ausprobieren und lernen gesucht.

Worauf sollte man bei der Auswahl achten?

Die Sitzhöhe ist der wichtigste Anhaltspunkt auf der Suche nach einem niedrigen Motorrad. Doch auch die Form des Sattels, des Tanks und die Proportionen des Fahrers spielen eine große Rolle und haben schlussendlich einen Einfluss darauf, welches Motorrad passt und welches nicht. Das niedrigste Motorrad dieser Liste muss also nicht das beste Bike für dich sein!

Wenn es um Zugänglichkeit geht, ist die Sitzhöhe aber, wie bereits oben angesprochen, nicht der einzige relevante Faktor. Deshalb ist es für kleine Personen umso wichtiger, sich nicht nur auf die Sitzhöhenangabe zu verlassen, sondern unbedingt Probe zu sitzen. Hier spielt also mit hinein, wie breit das Motorrad in der Mitte baut, wie die Sitzbank geformt ist und wo die Fußrasten platziert sind.

Viele Einsteigerinnen und Einsteiger wissen das nicht, bevor sie nicht das erste professionelle Fahrtraining hinter sich haben: Ob ein Motorrad von der Größe her zu einem passt, entscheidet neben der Sitzhöhe auch die Sitzergonomie.

Empfehlungen für A2-Führerscheinklasse

Im Sinne einer besseren Vergleichbarkeit wenden wir uns zuerst den Reiseenduros der A2-Führerscheinklasse zu. Man würde meinen, dass die A2-Eisen in Anbetracht der beschränkten Leistung und niedrigen Fahrzeuggewichte deutlich geringere Sitzhöhen aufweisen. Doch die Realität sieht anders aus.

Deshalb würde ich kleingewachsenen A2-Fahrern und -Fahrerinnen eher die neue Royal Enfield Himalayan empfehlen. Mit 825 mm ist die Sitzhöhe zwar deutlich höher, doch die schmale Taille, ein niedriger Schwerpunkt und ein Gewicht von 196 kg machen sie dennoch sehr zugänglich. Beim Test der Royal Enfield Himalayan wurde ich auch noch von ihren restlichen Qualitäten überzeugt, weshalb ich sie A2-Reiseenduristen wärmstens empfehle.

Mit 830 Millimetern Sitzhöhe sind KTM 390 Adventure und Honda NX500 eigentlich gar nicht mehr so niedrig, aber dennoch unter den Top 5 der niedrigsten A2-Reiseenduros. Leider gibt es weder bei der Österreicherin, noch bei der Japanerin im hauseigenen Zubehör eine niedrigere Sitzbank.

Weitere niedrige Reiseenduros

Wie oben angekündigt, die Benelli TRK 702 ist ausgesprochen niedrig. Eine serienmäßige Sitzhöhe von 790 mm schafft sonst keine große Reiseenduro auch nur ansatzweise ohne Modifikationen. Mit Zubehör-Sitzbänken und Tieferlegungen, alles vom Hersteller ab Werk angeboten, sieht die Sache aber ganz anders aus.

Moto Guzzi V85 TT und Ducati Multistrada V2 liegen mit 830 mm Sitzhöhe in Serie eher im unteren Durchschnitt, die niedrigen Sitzbänke aus dem Zubehör holen aber 20 mm raus und drücken die Sitzhöhe auf deutlich erklimmbare 810 mm.

Am ernsthaftesten gehen diese Tieferlegung ab Werk die Bayern an. Fünf verschiedene Sitzbank-Varianten werden zu den GS Modellen angeboten, davon gleich zwei niedrigere Variante, und zusätzlich noch eine Tieferlegung des gesamten Fahrzeugs. Dabei ist die BMW F 750 GS mit 815 mm Sitzhöhe in Serie schon so unter den niedrigsten Reiseenduros. Der extra niedrige Sattel senkt sie auf 780 mm, die Tieferlegung sogar auf extrem zugängliche 760 mm Sitzhöhe. Selbst mit sehr kurzen Beinen sollte die F 750 GS guten Stand am Boden ermöglichen.

Für Offroad-Begeisterte ist womöglich die BMW F 850 GS mit ihrem 21-Zoll-Vorderrad interessanter. Mit 860 mm Sitzhöhe in Serie eine typische, hohe Reiseenduro. Mit der extra niedrigen Sitzbank muss man aber nur mehr 825 mm erklimmen und findet mit einer Schrittbogenlänge von 1.850 mm sicheren Stand. Mit Tieferlegung sind es nur 805 mm Sitzhöhe und ein Schrittbogen von 1.810 mm. So tief kann sonst keine offroad-taugliche 21-Zoll-Reiseenduro gehen.

Gibt es keine hauseigene Anpassungsmöglichkeiten der Sitzhöhe, bleiben Reiseenduros recht hoch. Nach der untypischen Benelli TRK 702 ist die CFMOTO 800MT mit 825 mm schon die nächstniedrigste Reiseenduro ohne niedriger Sitzbank-Variante. Es folgt die KTM 790 Adventure mit noch höheren 840 mm.

Wenn man aber nur etwas zu kurze Beine für die durchschnittlichen Reiseenduros hat, dann könnte die KTM dennoch interessant sein. Durch ihren eigenwilligen, tief nach unten gezogenen Tank, fällt der Sattel schmaler aus als bei anderen Reiseenduros. Zusätzlich ist dadurch auch der Schwerpunkt sehr weit unten, wodurch die 216 fahrfertigen Kilogramm leichter zu handhaben sind, auch auf Zehenspitzen.

Elektronisch gesteuerte Fahrwerke

Inzwischen sind elektronisch gesteuerte, semi-aktive Fahrwerke in der Oberklasse der Reiseenduros zum Standard geworden. BMW R 1300 GS, Triumph Tiger 1200 Modelle, Ducati Multistrada V4 S, oder Harley-Davidson Pan America 1250 Special - Sie alle setzen auf adaptive Fahrwerke.

So macht sich das Fahrwerk der neuen 1300er GS zum Beispiel extra lang, um möglichst mühelos auf den Hauptständer gehoben zu werden. Die Triumph Tiger 1200 GT wiederum kann allein mit dem elektronischen Fahrwerk 20 mm bei der Sitzhöhe einsparen. Kombiniert man das mit der optionalen, 20 mm niedrigeren Sitzbank, sinkt die Sitzhöhe so von ursprünglichen 850 mm in Serie auf für so eine Big-Enduro sehr zugängliche 810 mm.

Auf die bewusste Absenkung und Erhöhung des Motorrads über das Fahrwerk setzt Harley-Davidson den stärksten Fokus. Die Pan America 1250 Special war bei ihrem Erscheinen 2020 auch das erste Bike mit diesem Feature. Im Stand und bei langsamen Geschwindigkeiten bleibt sie abgesenkt und fährt erst ab einer gewissen Geschwindigkeit das Fahrwerk aus. Die Unterschiede in der Höhe sind spürbar, teilweise fühlt man sich wie auf einem übergroßen Bürosessel.

Laut Harley-Davidson kann sie sich maximal von serienmäßigen 850 mm auf 772 mm absenken. Die Harley-Davidson Pan America 1250 Special ist auf jeden Fall eine der zugänglicheren Reiseenduros aus der Königsklasse, sofern man breite Hüften und starke Beine mitbringt.

Weitere Modelle und Anpassungsmöglichkeiten

Viele Motorradharsteller bieten ab Werk und ohne Aufpreis verschiedene Sitzhöhen bzw. Sitzbänke an. Auch die Zubehörausstatter haben sich auf die Nachfrage nach einer niedrigeren Sitzhöhe eingestellt und bieten für viele Motorrad-Modelle niedrigere aber auch höhere Sitzbänke an.

Wenn Frau (oder Mann) mag, kann auch bei vielen Motorrädern das Fahrwerk tiefer gelegt werden.

Modelle mit niedriger Sitzhöhe (Herstellerangaben zum Modelljahrgang 2025):

  • Aprilia Tuono 660: 820 mm
  • Benelli 752 S: 810 mm
  • Brixton Crossfire 500 X: 795 mm
  • CFMoto 675 NK: 810 mm
  • Ducati Scrambler Icon: 795 mm
  • Suzuki GSX-8S: 810 mm
  • Suzuki SV 650: 785 mm
  • Suzuki GSX-S 1000: 810 mm
  • Triumph Speed 400: 790 mm
  • Triumph Trident 660: 805 mm
  • Voge 625 R: 795 mm
  • Yamaha MT-07: 805 mm

Sonderfall BMW: Funktioniert nach Erfahrung der Autorin gut mit einer Tieferlegung ab Werk. Niedrige Sitzbänke sind zwar ab Werk zu haben, reichen aber je nach Beinlänge oft nicht aus.

Sonderfall KTM: Selbst die 390 Duke kann mit 820 mm Sitzhöhe herausfordernd für kleine Fahrerinnen und Fahrer sein, da KTM die Sitzbänke für gewöhnlich kantig designt.

Beliebte Modelle bei Motorradfahrerinnen

Bei Motorradfahrerinnen sehr beliebte Modelle sind die BMW F 750 GS und, Überraschung, die BMW R 1250 GS. Auch die Naked Bikes wie die Kawaaki Z 650 und die große Schwester, die Kawasaki Z 900 (125 PS), sind bei Motorradfahrerinnen ebenfalls sehr beliebt.

Bei Frau sehr beliebte Bikes sind die Honda CBR 650, die Honda CB 500F und die Honda CMX 500 Rebel. Frau fährt gern mit der Suzuki SV 650 durchs Leben. Frau fährt gern die Yamaha MT-07.

Tabelle: Beliebte Modelle, Gewicht und Sitzhöhe

Hersteller Modell Gewicht Sitzhöhe
Kawasaki Z650 188 kg 790 mm
Yamaha MT-07 184 kg 805 mm
Honda CMX 500 Rebel 191 kg 690 mm
Suzuki SV650 200 kg 785 mm
Kawasaki Z900 210 kg 820 mm
KTM 390 Duke 149 kg* 830 mm
BMW R 1250 GS 249 kg 850 mm
KTM 790 Duke 169 kg* 825 mm
Kawaski Ninja 650 193 kg* 790 mm
Honda CB 500 F 194 kg*** 790 mm
Honda CB 650 R 202 kg*** 810 mm
Honda CBR 500 R 192 kg** 785 mm
Kawasaki Vulcan S 229 kg** 705 mm
Harley Davidson Sportster Forty-Eight XL 1200X 252 kg**** 710 mm
Suzuki GSX-S 750 213 kg*** 820 mm
BMW F900R 211 kg 815 mm
Yamaha MT-03 169 kg**** 780 mm
BMW F 750 GS 227 kg 815 mm
KTM 690 SMC 163 kg 875 mm
Honda NC750S 217 kg 790 mm
Honda NC750X 219 kg 830 mm
Yamaha MT-09 189 kg 825 mm
Kawasaki Z400 167 kg 785 mm
Honda CBR 650R 207 kg 810 mm
Harley Davidson 883 Iron 256 kg 775 mm
BMW F 900 XR 219 kg 825 mm
Yamaha Tenere 700 204 kg 875 mm
KTM 790 Adventure 210 kg*** 830 mm
Ducati Scrambler 800 185 kg 798 mm
Harley Davidson Street Bob 297 kg 680 mm

Gewicht: Fahrfertig, vollgetankt. Sitzhöhe: Standardsitzbank ab Werk, niederigere Sitzbank ggf. *Modelljahr 2023, **Modelljahr 2022, ***Modelljahr 2021, ****Modelljahr 2020

Weitere Tipps

  • Probefahrten: Gewissheit bringen nur Sitzproben oder Probefahrten.
  • Fahrtrainings: Egal wie groß oder klein Du und Deine Maschine sind, ein Training ist immer zu empfehlen um mit dem Moped sicher umzugehen, Berührungsängste zu nehmen und einfach eine noch bessere Motorradfahrerin zu werden.
  • Tieferlegungskits: Bei vielen 125er gibt es auch wie bereits schon genannt Tieferlegungskits.
  • Motorradstiefel: Motorradstiefel mit erhöhtem Absatz bzw. Sohle können helfen.

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