Die Bremsanlage eines Kraftfahrzeugs ohne Hilfe zu entlüften, ist eine lästige und oft unmögliche Aufgabe. Das Aufdrehen der Entlüftungsnippel, Treten der Bremse, Schließen der Entlüftungsnippel, Loslassen der Bremse und das ständige Überprüfen des Füllstands des Ausgleichsbehälters an allen vier Rädern sind ohne eine zweite Person oder ausreichend Arme kaum zu bewältigen.
Warum müssen die Bremsen beim Motorrad entlüftet werden?
Nur dann, wenn es sich um eine geschlossenes hydraulisches System ohne Lufteinschlüsse handelt, funktionieren die Bremsen einwandfrei. Die Flüssigkeit zirkuliert und es kann Druck aufgebaut werden. Jedoch nimmt die Bremsflüssigkeit mit zunehmendem Alter Luft und Wasser auf - es ist unabhängig von den gefahrenen Kilometern. Es schwächt die Bremswirkung deutlich ab oder es kommt zu einem totalen Bremsen-Ausfall.
Die DOT-Klassifizierung (DOT = Department of Transportation, US-Verkehrsministerium) bezieht sich auf den Siedepunkt von Bremsflüssigkeiten. Bei Zweirädern reichen die DOT-Klassen von 3 bis 5. Wobei DOT 3 einen Siedepunkt von 205 °C, DOT 4 von 230 °C sowie DOT 5 einen Siedepunkt von bis zu 260 °C aufweist. Welche Bremsflüssigkeit Du benötigst, zeigt das Bordbuch.
Generell gilt es bei Motorrädern alle Flüssigkeiten spätestens nach Ende der zweiten Saison zu wechseln. Dabei sollte bedacht werden, dass beim Wechseln der Bremsflüssigkeit auch Luftbläschen in die Bremsanlage gelangen können. Dies geht zulasten der Bremskraft, die aufgrund der Luftzirkulation in den Schläuchen dann nicht ihre volle Wirkung entfalten kann.
Vorsicht vor Dampfblasen
In diesem Temperaturbereich können sich Dampfblasen bilden, welche eine Gefahr für die Bremswirkung darstellen können. Temperaturen von 150 Grad und mehr sind bereits bei längeren Fahrten oder einer Gefahrenbremsung schnell erreicht. Sollte die Bremsanlage zu stark aufheizen, kann ein Totalausfall die Folge sein.
Wie kommt es zu einem Totalausfall?
Sobald die Flüssigkeit in der Bremsanlage zu heiß wird, kommt es zu komprimierbaren Dampfblasen. Dadurch kann die notwendige Kraft nicht vollständig an die Bremskolben weitergeleitet werden. Entweder schwächt die Bremswirkung stark ab oder sie setzt komplett aus. Für den Fahrer besteht in diesem Moment Lebensgefahr.
Innovative Entlüftungssysteme: Stahlbus Entlüftungsventile
Mit dem innovativen Entlüftungssystem von stahlbus® kann man sich die leidige und fehleranfällige Prozedur des Entlüftens und Befüllens der Bremsanlage um einiges erleichtern. Die sich selbstverschließenden, aus vernickeltem Stahl, eloxiertem Aluminium oder Titan hergestellten Entlüftungsventile werden anstelle der originalen Entlüftungsschrauben in die Bremssättel geschraubt und verbleiben dort. Im geschlossenen und komplett verschraubten Zustand wird eine Metallkugel gegen die Öffnung gepresst und verschließt das Bremssystem luftdicht.
Möchte man die Bremsanlage nun entlüften (z.B. nach dem Wechsel der Bremsflüssigkeit, dem Austausch eines Bremssattels o.ä.) öffnet man die Verschraubung des Ventils eine halbe Umdrehung - in dieser Stellung funktionieren die stahlbus® Entlüftungventile wie eine Art Rückschlagventil. Durch die verbaute Feder im Oberteil des Ventils verbleibt die Kugel auf der Öffnung und gibt diese nur dann frei, wenn man Bremsdruck aufbaut. Alte Bremsflüssigkeit und Luftblasen können so einfach aus dem System gedrückt werden.
Für eine komplette Neubefüllung des Bremssystems besitzen die stahlbus® Entlüftungventile zudem noch eine “Offen” Stellung, bei der das federgestützte Kugelventil komplett geöffnet wird (1,5 Umdrehungen) und das Bremssystem einfach durch Unter- oder Überdruck befüllt werden kann. In der "Offen"-Stellung wird die federgestützte Kugel komplett von der Öffnung entfernt, so dass die Bremsflüssigkeit ohne Widerstand durch das System gezogen/gedrückt werden kann. Durch den zwischen Ober- und Unterteil verbauten O-Ring (oberhalb des Gewindes), bleibt das Bremssystem selbst in der komplett offenen Stellung absolut luftdicht.
Die stahlbus® Entlüftungventile sind vom TÜV Rheinland® ausgiebig getestet worden und haben mit besten Ergebnissen abgeschnitten.
Bei uns bekommen Sie die innovativen Entlüftungsventile von stahlbus® für nahezu jedes Kfz - einzeln oder als komplettes 4er-Set und mit verschiedenfarbigen Staubschutzkappe(n) aus eloxiertem Aluminium nach Wahl.
Entlüften mit Unterdruck: Die Saugmethode
Das Entlüfungsprinzip „Saugen“ lässt sich deshalb (prinzipiell) an allen Fahrzeugen anwenden, braucht allerdings etwas Vorbereitung.
Um nämlich von unten zu saugen, braucht es vor allem ein Entlüfterventil, das auch zum Saugen taugt. Grund hierfür ist die in der Regel schlampige Machart von Schrauben- und Mutterngewinde. Schließlich soll das Gewinde ja -eigentlich- nur den Ventilkegel am Grund der Schraube freigeben, damit (halbe Umdrehung auf), die Bremsflüssigkeit durch die hohlgebohrte Schraube fließen kann. Halbe Umdrehung wieder zu - Ventilkegel liegt wieder an, Ventil dicht. Das funktioniert beim Durchdrücken der Bremsflüssigkeit ganz prima.
Abhilfe schaffen ein paar Zentimeter Teflonband aus der Klempnerkiste, die man feste um das indische Qualitätsprodukt drallert. Damit eliminiert man das „Spiel“ zwischen Innen- und Außengewinde; das Entlüfterventil sollte jetzt dicht und stramm in der Bohrung sitzen und vor allem das „Saugen“ möglich machen. Netter Nebeneffekt: Ein solcherart behandeltes Ventil rostet in seinem restlichen Leben nicht mehr fest.
Werkzeuge für die Unterdruck-Entlüftung
Weil „Saugen“ zwingend mit „Unterdruck“ zu tun hat, verlangt diese Methode überdies nach einem Spezialwerkzeug. Die einfachsten Vertreter der Unterdruck-Zunft lassen sich ohne Druckluft in der Werkstatt betreiben und bestehen im Prinzip nur aus einer handbetätigten Pumpe.
Mit so einer Unterdruckpumpe lässt sich neben der Saugerei am Bremssystem noch allerhand nützliches anstellen. Weil das Ding den erzeugten Unterdruck meist an einem Manometer anzeigt, kann man damit Schaltpunkte von Unterdrucksystemen oder überhaupt die Funktion von pneumatischen Regelsystemen prüfen oder provozieren.
Für das Entlüften oder Befüllen des Bremssystems steckt man einen kleinen Auffangbecher zwischen Handpumpe und Entlüfterventil. Hierdrin sammelt sich dann die Bremsflüssigkeit, während man die Luft mit der Pumpe rauszieht.
Die Hand-Pumperei geht zu langsam? Mehr als zwei Fahrzeuge im Stall? In diesem Fall hilft die Shandong-Mafia gerne mit einer druckluftbetriebenen Vakuumpumpe aus. So ein Ding vereint Saugstrahl-Pumpe und Auffangbehälter in einem Gerät. Die Energie stammt dabei nicht aus dem elegant-muskulösen Handgelenk des Schraubers, sondern vom hässlich brummenden Kompressor, der wenigstens 5 bar liefern sollte.
Die Handhabung ist so einfach, dass selbst ein AfD-Wähler damit klarkommt: Druckluft anschließen, Saugschlauch auf das Entlüfterventil stecken und den Abzug drücken - Fsssssss! Das Gerät zieht Unterdruck in den Saugschlauch und scheidet die Flüssigkeit in den Auffangbehälter ab. Der ist in der Regel so großzügig bemessen, dass man damit in einem Rutsch auch einen Sprinter entlüften kann.
Die Saug-Prozedur
Die Saug-Prozedur verläuft kaum anders als das Entlüften per Pedal oder das Vorgehen mit Druckluft. Hat man die Entlüfterventile vorbereitet, muss zuerst die alte Bremsflüssigkeit aus dem Behälter raus. Auch wenn im Internet zum Thema „Reihenfolge“ viel Mythologie kursiert und auch manche Fahrzeughersteller eine bestimmte Prozedur vorschreiben: Die Reihenfolge ist typischerweise völlig wurscht.
Jetzt den Saugschlauch auf den Nippel des Entlüfterventils stecken, die Schraube um eine halbe Umdrehung öffnen und den Abzug drücken oder mit geballter Manneskraft pumpen. Je nach Zustand rinnt die Bremsflüssigkeit jetzt fast klar, honigfarben oder recht dunkel durch den Schlauch ins Auffanggefäß.
Ein wenig „Schaum“ im Schlauch ist dabei in der Regel normal, diese Luft stammt nicht aus dem Bremssystem, sondern wird immer noch als Nebenluft zwischen Schlauch und Entlüfterventil gezogen. Sobald definitiv frische Flüssigkeit ohne größere Blasen kommt, ist die Arbeit an diesem Rad beendet; Ventil schließen, Schlauch leersaugen (damit nix auf den Werkstattflokati kleckert) und die Schutzkappe auf das Ventil stecken.
Muss erwähnt werden, dass man bei der Wanderung zum nächsten Rad unbedingt den Füllstand des Ausgleichbehälters inspizieren sollte? Hat man das Ding nämlich bis auf den Grund leergesaugt, so zieht das ab dann nicht nur Luft ins System, sondern auch eine Menge Mehrarbeit nach sich - zahlreiche Antiblockiersysteme verlangen in so einem Fall nach einer speziellen Entlüftungs-Prozedur.
Anleitung zum Entlüften der Motorrad-Bremse
Im Folgenden wird eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Entlüften der Motorrad-Bremse beschrieben:
- Vorbereitung: Praxistipp: Da die Bremsflüssigkeit ätzend ist und somit Lacke und Kunststoffe angreifen kann, decke empfindliche Teile vorab mit einem Lappen ab. Falls dennoch der eine oder andere Tropfen daneben geht, don’t panic.
- Bremsflüssigkeitsbehälter öffnen: Zunächst öffnest Du den Deckel des Bremsflüssigkeitsbehälters (in der Regel Kreuzschlitzschrauben).
- Alte Bremsflüssigkeit absaugen: Mit einer Einwegspritze kannst Du alte Bremsflüssigkeit absaugen. Aber aufpassen! Die Nachlaufbohrung am Boden des Bremsflüssigkeitsbehälters muss bedeckt bleiben. Sonst würde Luft in die Bremshydraulik dringen. Und gerade das, gilt es ja zu vermeiden. Sinn der Maßnahme ist es, den späteren Spülvorgang (mehrmaliges Betätigen des Bremshebels) zu verkürzen, da auf diese Weise schon bald frische Bremsflüssigkeit ins Bremssystem nachfließt.
- Bremsflüssigkeitsbehälter befüllen: kannst Du den Bremsflüssigkeitsbehälter mit neuer Bremsflüssigkeit befüllen. TIPP: Fülle zunächst nicht mehr als ca. zwei Drittel auf.
- Entlüftungsschraube vorbereiten: Für den eigentlichen Entlüftungsvorgang kniest Du am Boden bei der Entlüftungsschraube und hast ZUERST den Ringschlüssel angesetzt. Erst DANN schiebst Du den Entlüftungsschlauch über das Ventil und steckst das andere Ende in das Auffanggefäß. Achte darauf, dass sich im Auffanggefäß bereits etwas Bremsflüssigkeit befindet und der Schlauch bis IN die Flüssigkeit hinein reicht. Da ansonsten wieder Luft ins System geraten kann.
- Bremshebel betätigen: Dein Spezl betätigt oben den Bremshebel zwei bis dreimal UND hält ihn im Anschluss gedrückt. Jetzt öffnest Du unten mit dem Ringschlüssel und einer viertel Umdrehung das Auslassventil und siehst, wie über den Schlauch alte Bremsflüssigkeit in den Auffangbehälter fließt. Wenn nichts mehr nachkommt, schließt Du das Auslassventil wieder.
- Vorgang wiederholen: baut Dein Spezl durch Betätigen des Bremshebels wieder Druck auf und hält den Bremshebel erneut gedrückt. Du öffnest wieder das Auslassventil und lässt alte Bremsflüssigkeit in den Behälter fließen. Diesen Vorgang wiederholt ihr beide im Wechsel so oft, bis nur noch klare, frische und BLASENFREIE Bremsflüssigkeit nachfließt.
- Hinterradbremse entlüften: Bei der Hinterradbremse gehst Du ähnlich vor.
- Probefahrt: Ist die Reparatur abgeschlossen, steht eine kleine Probefahrt an. Checke beide Bremsen auf Funktionstüchtigkeit, inklusive Vollbremsung. Sollte eine Bremse immer noch „schwammig“ reagieren, den Entlüftungsvorgang wiederholen.
Mit ein klein wenig handwerklichem Geschick (und der helfenden Hand eines Spezls) sollte das Motorrad-Bremse entlüften bei einem herkömmlichen Bremssystem eigentlich keine Probleme bereiten. Verfügt Dein Motorrad hingegen über ein ABS, ist Vorsicht geboten.
Motorräder mit ABS
Motorräder mit ABS haben in der Regel zwei Bremskreise: Den Steuerkreis, der von der Bremspumpe angesteuert wird und den Regelkreis, der über einen Druckmodulator den Bremskolben betätigt. Auch können die Bremsen wie zum Beispiel bei BMW oder Motto Guzzi vorne und hinten miteinander gekoppelt sein (Stichwort: Integralbremse bzw. Verbundbremse).
Einmal kurz die Bremse drücken, um das ABS zu aktivieren. Dadurch öffnen sich die Ventile und die restliche Bremsflüssigkeit vermischt sich mit der im ABS-Block.
Ohne umständliche Yoga-Verrenkungen oder eine helfende Hand klappt das Motorrad-Bremse entlüften mit einer im Handel erhältlichen Vakuumpumpe. Diese wirst Du vermutlich im Set mit dem Auffangbehälter kaufen. Am Deckel des Behälters findest Du zwei Aufsätze für die Schläuche. Ein Schlauch kommt vom Auslassventil des Bremssattels und führt zum Auffangbehälter. Der andere Schlauch führt vom Auffangbehälter weg und wird an der Pumpe (sieht meist aus wie eine Pistole) befestigt. Indem Du die Pumpe betätigst, sorgst Du im Gefäß für einen Unterdruck, der die alte Bremsflüssigkeit nachfließen lässt. Auch hier gilt: Du setzt den Pumpvorgang so lange fort, bis nur noch klare, blasenfreie Bremsflüssigkeit nachfließt.
Die Entlüftungsventile in den Bremssätteln unterscheiden sich von Hersteller zu Hersteller. Hierbei sind unter anderem die Werte zu beachten, mit denen die Entlüftungsventile festzuziehen sind. Die genauen Daten kannst Du den Werkstatt-Handbüchern entnehmen.
Was tun, wenn kein Druckpunkt aufgebaut werden kann?
Hast du die Bremspumpe getauscht oder den Bremsflüssigkeitsschlauch oder die Bremsleitung gewechselt, kann Luft in das System gelangen. Es kann kein Druckpunkt mehr aufgebaut werden. Um das Problem zu lösen, schnippst du leicht gegen die Leitungen.
Findest du beim Motorrad Bremsen entlüften keinen Druckpunkt, kann dies ein Indiz auf eine defekte Bremspumpe sein. In diesem Fall solltest du das Motorrad einem Fachmann vorstellen.
Bremshebel über Nacht fixieren
Bei geschlossener Entlüftungsschraube den Bremshebel auf Druck pumpen und in dieser Stellung mit einem Kabelbinder fixieren. Danach das System über Nacht stehen lassen. Nach einigen Stunden sollten sich normalerweise alle versteckten Luftbläschen in Luft aufgelöst haben.
Alternativen und Hilfsmittel zum Entlüften
Zum Entlüften gibt es vielfältige Philosophien. Klassisch wird von oben (Reservoir-Behälter) nach unten entlüftet. Eine Vakuum-Entlüftung unten an der Zange ist ebenso eine Alternative, wie der Austausch der Entlüftungsventile gegen welche, in die ein Rückschlagventil eingebaut ist, wie bei Stahlbus. Umstritten ist das Druck-Befüllen von unten nach oben, besonders bei ABS Systemen. Generell ist wichtig, dass die Entlüftung am höchstgelegenen Punkt der Bremszange stattfindet.
Weitere Hilfsmittel:
- Stahlbus Kombi Bemsenentlüfter mit Hohlschraube: wenn gleichzeitig Bremsleitungen getauscht werden.
- Mityvac Bremsenentlüfter
- Louis Bemsen Entlüfterventil mit Schlauch
Wichtige Hinweise
- Hygroskopische Bremsflüssigkeit: Bremsflüssigkeiten mit DOT Angaben sind hygroskopisch und sollten daher alle zwei Jahre ersetzt werden.
- Reihenfolge beim Entlüften: Generell ist wichtig, dass die Entlüftung am höchstgelegenen Punkt der Bremszange stattfindet.
- Entlüftungsschraube: Entlüftungsventil sollte nur langsam betätigt werden, maximal ¼ bis ½ Umdrehung geöffnet, da sonst Luft eindringen könnte.
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