Karl Drais: Der Erfinder des Laufrads und sein Vermächtnis

Pfftt, lächerlich, ein "Kinderspielzeug": So wurde vor 200 Jahren das Laufrad bespöttelt. Doch diejenigen, die Drais' Erfindung verspottet hatten, sollten sich am Ende irren: Die Idee des Zweirads war genial.

Der Erfinder: Karl Freiherr von Drais

Karl Freiherr von Drais sorgte als junger Erfinder für eine Sensation: Am 12. Juni 1817 trat er in Mannheim mit seiner Laufmaschine zur Probefahrt an. Der Großherzog von Baden ernannte Drais zum Professor der Mechanik und verlieh ihm ein sogenanntes Privileg, eine Art Patent.

In der badischen Revolution von 1848 und 1849 ging der Stern des Erfinders vollends unter: Freiherr von Drais legte öffentlich sein Adelsprädikat ab und stellte sich auf die Seite des Volkes. Doch als die reaktionären Monarchisten mit preußischer Hilfe den Aufstand niederschlugen, musste der Demokrat Drais dieses politische Engagement bitter büßen.

Der Junggeselle starb am 10. Dezember 1851 in Karlsruhe. Keine Frau, keine Kinder trauerten um Karl Drais, dessen materieller Nachlass überschaubar war - 30 Gulden und 34 Kreuzer. Sonst hinterließ er nur seine Erfindungen: ein Ofenmodell, eine Kochmaschine, eine Schnellschreibmaschine, eine Laufmaschine.

Die Laufmaschine: Ein Vorläufer des Fahrrads

Mit diesem Vorläufer des Fahrrads, später auch "Draisine" genannt, war er auf Anhieb viermal so schnell wie die Postkutsche. In weniger als einer Stunde legte er 13 Kilometer zurück. Einige Wochen später bewies das Zweirad auch seine Bergtauglichkeit. Es hatte zwar nur eine Schleifbremse am Hinterrad, sie zeigte kaum Wirkung.

Es schützte den Erfinder nicht vor Raubkopierern. In ganz Europa wurde die hölzerne Laufmaschine nachgebaut, in London und Paris übten fortschrittliche Bürger das Balancieren auf dem Zweirad. Der Boom währte nur kurz - denn die für damalige Verhältnisse enorme Geschwindigkeit des Velozipeds war den Fußgängern nicht geheuer.

Bald wurden Fahrverbote ausgesprochen, etwa in Mannheim und London. 20 Jahre nach der ersten Fahrt tat Autor Karl Gutzkow das Laufrad als "zweckloses Kinderspielzeug" ab.

Die Weiterentwicklung des Zweirads

Ein halbes Jahrhundert nach der ersten Fahrt von Drais präsentierte der Franzose Pierre Michaux 1867 bei der Weltausstellung in Paris eine wichtige Neuheit: die Tretkurbel. Zwei Pedale wurden am Vorderrad montiert, der Velozipedist musste sich nicht mehr mit den Füßen vom Boden abstoßen, sondern rollte erhaben durch die Welt.

In Mannheim kaufte der junge Ingenieur Carl Benz ein gebrauchtes Tretkurbelrad. Abgesehen von den Pedalen unterschied es sich kaum von Drais' Prototyp der Laufmaschine: Die Räder waren aus Holz, die Reifen aus Eisen. Mit diesem "Knochenschüttler" unternahm Benz große Touren, von Mannheim bis nach Pforzheim.

Schwitzend begeisterte sich der Radfahrer für die Idee der autonomen Mobilität: Der Mensch wird unabhängig von der Kraft des Pferdes. Zwei Eigenschaften des Fahrrads wollte Carl Benz grundlegend verändern: "Erstens durfte mein Ideal nicht zwei Räder bekommen. Das war zu wenig." Der Wagen, der ihm vorschwebte, sollte es in puncto Bequemlichkeit mit der Droschke aufnehmen können.

Es dauerte fast zwei Jahrzehnte, bis Carl Benz 1885 mit dem ersten Benzinauto durch Mannheim fuhr (und auch seine Frau Bertha großen Gefallen daran fand). Am 4. Juni 1886 schrieb die "Badische Landeszeitung": "Es ist nicht zu bezweifeln, dass dieses Motoren-Velociped sich bald zahlreiche Freunde erwerben wird, da es sich voraussichtlich für Ärzte, Reisende und Sportsfreunde usw." Zeitgenossen betrachteten das Automobil als Weiterentwicklung des Fahrrads.

Der technische Fortschritt und das moderne Fahrrad

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nahm der technische Fortschritt ein rasantes Tempo an. Auch das Fahrrad entwickelte sich erheblich weiter: Es bekam eine Kette, mit der die Antriebskraft aufs Hinterrad übertragen werden konnte. Aus dem halsbrecherischen Hochrad wurde das "safety cycle", das sichere Niederrad.

Drei Jahre nach der ersten Fahrt des Motoren-Velozipeds von Carl Benz kam der letzte entscheidende Fortschritt: Der britische Tierarzt John Dunlop meldete 1888 das Patent für seinen luftgefüllten Gummireifen an.

Ein Denkmal für den Erfinder

Viel später merkte man in Mannheim, dass Karl Drais kein Spinner war, sondern ein Erfinder, auf den die Stadt stolz sein kann. 2003 baute man ihm ein Denkmal. Es steht am Wendepunkt der ersten dokumentierten Fahrt der Laufmaschine. Am 12. Juni 1817 hatte Drais die Chaussee von Mannheim nach Schwetzingen gewählt.

Das war die wohl beste Straße in Baden - gut ausgebaut, weil sie zum Schloss Schwetzingen führte, das die früheren pfälzischen Kurfürsten als Sommerresidenz nutzten. Seither ist Mannheim größer geworden. Der Wendepunkt der historischen Strecke liegt nicht mehr auf freiem Feld, sondern im Stadtteil Rheinau. Das Drais-Denkmal steht auf dem Rondell eines Kreisverkehrs.

Wer heute mit dem Rad dorthin fahren möchte, muss vorsichtig sein. Sonst fällt er den Folgen der Draisschen Erfindung zum Opfer.

Drais im Kreuzworträtsel

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Kreuzworträtsel-Lösungen für Erfinder des Laufrads

  • DRAIS (5 Buchstaben)
  • DREIS (5 Buchstaben)

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