Heute sind Laufräder besonders bei kleinen Kindern beliebt. Erfunden wurde das Laufrad 1816 von Karl Freiherr von Drais.
Die Erfindung und ihre Hintergründe
Der wegen Missernten gestiegene Haferpreis soll den badischen Forstbeamten Karl Drais 1812 dazu inspiriert haben, nach Alternativen zum Pferd als Fortbewegungsmittel zu suchen. „Genau für diese Notlage war Karl Drais’ zweirädrige Laufmaschine gedacht, ein vom Haferpreis unabhängiger Ersatz für Pferde“, erläutert Lessing in seiner Drais-Biografie. Als Folge des Vulkanausbruchs Tambora in Indonesien kam es zu Ernteausfällen und nachfolgend zu einer großen Hungersnot. Pferde wurden geschlachtet und so griff Drais die Idee seines Zweirads wieder auf. Diese These vertritt zumindest Technikhistoriker Lessing.
„Was also ist die gemeinsame Wurzel von Frankenstein, Stuttgarter Landwirtschaftsfest und Zweirad?“ Das fragt Hans-Erhard Lessing in seinem Buch Automobilität - Karl Drais und die unglaublichen Anfänge. Seine Antwort - die katastrophale Klimaverschlechterung des Jahres 1816/17 nach dem vulkanischen Super-Gau im Jahr davor. Vor Bali war der Vulkan Tambora in einer Stauberuption explodiert, die dort 80.000 Insulanern den Tod brachte, dann die nördliche Hemisphäre erreichte und für einen Schneesommer sorgte.
Ohne diesen Einfall würden wir womöglich noch heute den Bahnhof mit einem Pferd verlassen, einem elektronisch gesteuerten vielleicht, aber eben mit einem Pferd - wie derzeit noch bei den Amischen in Pennsylvania.
Die Draisine und ihre Funktionsweise
Seinen Namen trug das erste Modell: Die „Draisine“, und die war nichts anderes als ein Laufrad. Sie feierte 1817 auf einer der wenigen guten Straßen ihre Premiere. Genau wie die heute selbstverständlichen und nützlichen Laufräder für Kleinkinder wiesen diese Ur-Räder keine Pedale auf, der Fahrer musste sich mit eigener Kraft vom Boden abstoßen. Beim Material dominierte Holz - Gestell, der Lenker sowie die Reifen des ersten Modells bestanden aus dem natürlichem Rohstoff.
Das aus Holz gemachte Laufrad wog 22 Kilogramm, hatte hinten und vorne zwei gleich große Räder, eine messinggelagerte Achse, einen Gepäckträger und Spitzen zum Parken. Karl Drais beschrieb die Funktionsweise wie folgt:
„In theoretischer Hinsicht liegt der bekannte Mechanismus des Rades, auf die einfachste Art für das Laufen angewandt, zum Grunde. Die Erfindung ist daher, in Hinsicht auf die Ersparung der Kraft, fast ganz mit der sehr alten der gewöhnlichen Wägen zu vergleichen. Die Schnelligkeit der Maschine gleicht auf ebenen festen Wegen fast ganz der des Schlittschuhlaufens, indem die Grundgesetze überein kommen. Nachdem man sich auf die Maschine ohngefähr so gesetzt hat, wie es die anliegende Figur zeigt, lege man mit etwas vorgerichtetem Körper die Arme, mit weit voneinander entfernten Ellenbogen, fest auf das Balancirbrett auf, und suche sich dadurch mit der Maschine im Gleichgewicht zu erhalten, indem man immer da sanft hinunterdrückt, wo das Brettchen anfangen will, in die Höhe zu steigen. Mit den Händen halte man die sehr leicht in Bewegung zu setzende Leitstange, um den Gang nach Gefallen zu dirigiren, doch so, daß das Rad wo möglich auf einer festen Linie die Straße gehe. Dieses muß aber für gewöhnlich fast blos mit den Händen geschehen, da die Vorderarme in der Nähe der Ellenbogen fest aufgelegt bleiben müssen, und man sich mit diesen für das Balanciren, so wie mit den Händen für das Leiten, ein sicheres Gefühl und Achtsamkeit angewöhnen muß. Alsdann mache man, mittels leichten Aufsetzens der Füße, große aber anfangs langsame Schritte in paralleler Richtung mit den Rädern, und halte die Absätze dabei nicht einwärts, daß man nicht mit denselben unter das hintere Rad komme. - Um eine der erforderlichen Fertigkeiten nach der andern zu erlernen, mache man die ersten Proben auf ganz guten Wegen oder Plätzen von gewisser Breite, etwa in dem Hause. Bei dieser Gelegenheit grüße ich meine Freunde herzlich, und reiche Jedermann freundlich die Hand, der unpartheiisch sich bestrebt, die Wahrheit zu untersuchen und das Gute zu befördern.“
Die ersten Fahrten und die Reaktion der Öffentlichkeit
Dabei hatte Karl Freiherr von Drais als junger Erfinder für eine Sensation gesorgt: Am 12. Juni 1817 trat er in Mannheim mit seiner Laufmaschine zur Probefahrt an. Mit diesem Vorläufer des Fahrrads, später auch "Draisine" genannt, war er auf Anhieb viermal so schnell wie die Postkutsche. In weniger als einer Stunde legte er 13 Kilometer zurück. Einige Wochen später bewies das Zweirad auch seine Bergtauglichkeit.
Am 12. Juni 1817 hatte Drais die Chaussee von Mannheim nach Schwetzingen gewählt. Das war die wohl beste Straße in Baden - gut ausgebaut, weil sie zum Schloss Schwetzingen führte, das die früheren pfälzischen Kurfürsten als Sommerresidenz nutzten. Seither ist Mannheim größer geworden. Der Wendepunkt der historischen Strecke liegt nicht mehr auf freiem Feld, sondern im Stadtteil Rheinau. Das Drais-Denkmal steht auf dem Rondell eines Kreisverkehrs. Wer heute mit dem Rad dorthin fahren möchte, muss vorsichtig sein. Sonst fällt er den Folgen der Draisschen Erfindung zum Opfer.
Das Rad war mit 15 Stundenkilometern viermal schneller als die Pferdepost. „Die Jungs, in Deutschland waren es überwiegend Studenten, fuhren halt auf den Gehwegen, die waren wunderbar geblättelt, auch in Mannheim. Das Fahren auf Gehwegen wurde verboten, so war die Attraktivität nicht mehr ganz so groß.
Der Großherzog von Baden ernannte Drais zum Professor der Mechanik und verlieh ihm ein sogenanntes Privileg, eine Art Patent. Es schützte den Erfinder nicht vor Raubkopierern. In ganz Europa wurde die hölzerne Laufmaschine nachgebaut, in London und Paris übten fortschrittliche Bürger das Balancieren auf dem Zweirad. Der Boom währte nur kurz - denn die für damalige Verhältnisse enorme Geschwindigkeit des Velozipeds war den Fußgängern nicht geheuer. Bald wurden Fahrverbote ausgesprochen, etwa in Mannheim und London.
Für sein Zweirad erhielt Drais am 12. Januar 1818 ein Großherzogliches Privileg, welches mit einem heutigen Patent vergleichbar ist.
Weitere Erfindungen und Lebensweg von Karl Drais
Der komplette Name von Karl Drais lautet Friedrich Christian Ludwig Freiherr Drais von Sauerbronn. Am 29. April 1785 erblickte der versierte Erfinder in Karlsruhe das Licht der Welt. Seinen Erfindungen ging das Studium der Landwirtschaft, Baukunst und Physik voraus. Kurz darauf war er als Forstmeister tätig, das währte aber nur kurz, denn der Erfindungsdrang ließ ihm keine Ruhe. Bereits ein Jahr später ließ er sich freistellen, um seiner Kreativität freien Lauf zu lassen. Mit erfolgreicher Resonanz: Die Ernennung zum Professor für Mechanik, verliehen von von Großherzog Carl, folgte bereits 1818.
Drais wurde 1811 bei vollen Bezügen vom Forstdienst freigestellt. "Der hat ihn gefördert, wo er nur konnte. Karl tüftelte vor sich hin. Auf ihn gehen etliche Erfindungen zurück. So hat er unter anderem eine Koch- und eine Schreibmaschine erfunden. "Das gab es schon mit Pinselstrichen, und er sagt, er hat auch noch die Lautstärke dazu gepackt.
Nicht nur das Zweirad geht auf Karl D. Dieses - mit einer Tretmühle und später mit einer Kurbelwelle zwischen den Hinterrädern versehene - Modell verlieh er den Namen Fahrmaschine.
Karl Drais bekam eine Art Erfinderpension, ging 1822 für fünf Jahre als Landmesser nach Brasilien. Auch einen Mordanschlag überlebte er und zog für sechs Jahre in den Odenwald.
Drais und die Badische Revolution
"Ich nehme einmal an, der Vater hat ihn zu sozial erzogen. Er hatte ja auch dieses demokratische Ideal, dass alle Menschen gleich seien. Als ältestes von fünf Kindern kam Karl Friedrich Christian Ludwig Freiherr Drais von Sauerbronn am 29. Später, während der Badischen Revolution, legte er als überzeugter Demokrat seinen Adelstitel ab und nannte sich nur noch Karl Drais.
In der badischen Revolution von 1848 und 1849 ging der Stern des Erfinders vollends unter: Freiherr von Drais legte öffentlich sein Adelsprädikat ab und stellte sich auf die Seite des Volkes. Doch als die reaktionären Monarchisten mit preußischer Hilfe den Aufstand niederschlugen, musste der Demokrat Drais dieses politische Engagement bitter büßen.
In der Badischen Revolution 1849 legte er seine Adelstitel öffentlich ab. Seitdem wurde Drais als Staatsfeind mit krimineller Energie verfolgt und auch noch nach seinem Tode von Monarchisten gezielt lächerlich gemacht. „Es entstand das Zerrbild eines verrückten Clochards, der seine plumpe Erfindung einer widerstrebenden Mitwelt förmlich aufnötigen musste“, so Lessing.
Ein neuer Fund 2003 brachte die entscheidende Wende: „Der Reichsfreiherr von Drais hat in der Karlsruher Zeitung vom 12. Mai 1849 seine Adelstitel öffentlich abgelegt und wollte nur noch Bürger Karl Drais sein.“ Schlagartig passten jetzt alle Puzzleteile zusammen. Jetzt wurde plausibel, dass Drais seit 1837 in Mannheim politischen Verfolgungen durch reaktionäre Monarchisten bis hin zum Mordanschlag ausgesetzt war, die bisher immer gern augenzwinkernd zu seinen Lasten als Wirtshausschlägereien eines Suffkopfs erzählt wurden. Die Akten seiner gewonnenen Prozesse hingegen hat man verschwinden lassen.
Vollends existentiell wurden nach Niederwerfung der badischen Revolution die Repressalien durch die preußische Besatzung in Karlsruhe, die Drais entmündigen lassen wollte und seine Pension zur Begleichung der Revolutionskosten restlos beschlagnahmte. Noch anlässlich seiner Umbettung in den neuen Friedhof wurden Karikaturen auf Flugblätter in Umlauf gebracht, denn die Monarchie endete in Baden ja erst 1918.
Späte Anerkennung und Würdigung
Lange Zeit wurde der Erfinder des Laufrads als Spinner abgetan, doch mit der Frage nach Alternativen zum Auto bekam seine Konstruktion einen neuen Stellenwert. Pfftt, lächerlich, ein "Kinderspielzeug": So wurde vor 200 Jahren das Laufrad bespöttelt. 20 Jahre nach der ersten Fahrt tat Autor Karl Gutzkow das Laufrad als "zweckloses Kinderspielzeug" ab.
Viel später merkte man in Mannheim, dass Karl Drais kein Spinner war, sondern ein Erfinder, auf den die Stadt stolz sein kann. 2003 baute man ihm ein Denkmal. Es steht am Wendepunkt der ersten dokumentierten Fahrt der Laufmaschine.
Das Erbe von Karl Drais
Dennoch sollten sich diejenigen, die Drais' Erfindung verspottet hatten, am Ende irren: Die Idee des Zweirads war genial. Ein halbes Jahrhundert nach der ersten Fahrt von Drais präsentierte der Franzose Pierre Michaux 1867 bei der Weltausstellung in Paris eine wichtige Neuheit: die Tretkurbel.
In Mannheim kaufte der junge Ingenieur Carl Benz ein gebrauchtes Tretkurbelrad. Abgesehen von den Pedalen unterschied es sich kaum von Drais' Prototyp der Laufmaschine: Die Räder waren aus Holz, die Reifen aus Eisen. Mit diesem "Knochenschüttler" unternahm Benz große Touren, von Mannheim bis nach Pforzheim.
Es dauerte fast zwei Jahrzehnte, bis Carl Benz 1885 mit dem ersten Benzinauto durch Mannheim fuhr (und auch seine Frau Bertha großen Gefallen daran fand). Zeitgenossen betrachteten das Automobil als Weiterentwicklung des Fahrrads. Am 4. Juni 1886 schrieb die "Badische Landeszeitung": "Es ist nicht zu bezweifeln, dass dieses Motoren-Velociped sich bald zahlreiche Freunde erwerben wird, da es sich voraussichtlich für Ärzte, Reisende und Sportsfreunde usw.
Drais-Biografie von Lessing zeigt erstmals das jüngst entdeckte, menschenwürdige Porträt anstelle der sattsam bekannten Karikaturen.
Fazit: Die Erfindung des Fahrrads und des Laufrads markiert eine von vielen durch Karl Drais initiierten historischen Fortschritte.
Zeitleiste der Entwicklung des Fahrrads
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1816 | Karl Drais erfindet das Laufrad |
| 1817 | Erste öffentliche Fahrt der Draisine in Mannheim |
| 1867 | Pierre Michaux präsentiert das Fahrrad mit Tretkurbeln |
| 1885 | Carl Benz fährt mit dem ersten Benzinauto durch Mannheim |
| 1888 | John Dunlop meldet das Patent für den Luftreifen an |
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