Ermüdungsbruch am Schienbein beim Radfahren: Ursachen und Behandlung

Der Ermüdungsbruch ist eine spezielle Form des Knochenbruchs, der aufgrund von immer wiederkehrender Belastung auftritt. Man spricht auch von Stressfraktur oder Marschfraktur. Etwa 2 % aller Sportverletzungen gehen auf eine Stressfraktur zurück.

Was ist ein Ermüdungsbruch?

Ein Ermüdungsbruch ist ein schleichender Knochenbruch, der sich im Vorfeld kaum bemerkbar macht. Synonyme für den Ermüdungsbruch sind die “Stressfraktur” oder die “Marschfraktur”. Beim Ermüdungsbruch handelt es sich um eine spezifische Art des Knochenbruchs. Im Regelfall ist der Ermüdungsbruch die Folge einer sich wiederholenden mechanischen Belastung. Diese führt zu Schäden an den Knochen.

Ursachen von Ermüdungsbrüchen am Schienbein

Die dauernde mechanische Überlastung führt zu Schäden an der Knochensubstanz, die durch körpereigene Reparaturvorgänge nicht mehr auszugleichen sind. Vor allem Beine und Füße sind von Mikroverletzungen aufgrund von Überlastung und daraus folgenden Ermüdungsbrüchen betroffen. Zunächst repariert der Körper die Schäden. Treten dann wieder feine Risse durch nicht nachlassende Belastung auf, nimmt der vorgeschädigte Knochen erneut Schaden.

Das Gleichgewicht von Knochenaufbau und -abbau ist gestört und irgendwann kommt das körpereigene Reparatursystem nicht mehr hinterher. Der Knochen lagert als Stressreaktion zunächst Wasser ein (Knochenödem), bevor die innere Knochensubstanz (Spongiosa) und später auch die schützende Knochenhülle (Kortikalis) Schaden nehmen.

Die meisten Stressfrakturen gehen auf falsches oder übermäßiges Training mit zu hoher Intensität oder zu hohem Umfang zurück. Aber auch eine reduzierte Belastbarkeit des Knochens durch ein Stoffwechselungleichgewicht oder im Rahmen von Fehlstellungen und Schonhaltungen können Ermüdungsbrüche begünstigen.

Ein typisches Beispiel für einen Patienten mit Ermüdungsbruch ist ein Laufsportler, der seinen Trainingsumfang wegen eines bevorstehenden Wettkampfes deutlich steigert. Körperliche Ausdauer, Muskelkraft und Kreislauf sind dem gesteigerten Trainingspensum des Athleten gewachsen, dagegen passen sich Sehnen und Knochen nur langsam an. Auslöser ist in vielen Fällen eine Trainingssteigerung im Zusammenhang mit sich häufig wiederholenden Bewegungen wie z. B. beim Laufen.

Ein erhöhtes Risiko für eine Stressfraktur (auch: Ermüdungsbruch) liegt bei Sportlerinnen und Sportlern vor, die einen bestimmten Körperbereich in kurzen Abständen einer immer wiederkehrenden ähnlichen Belastung aussetzen. Dazu gehören insbesondere Langstreckenläufer.

Stressfrakturen können nach normaler Belastung mit hoher Wiederholungszahl, wie sie bei allen Langstreckenläufen auftritt (z. B. Halbmarathon, Marathon, Ultramarathon), bei hoher Belastung mit normaler Wiederholungszahl oder bei hoher Belastung mit hoher Wiederholungszahl auftreten.

Auch eine veränderte oder falsche Lastverteilung im Fußbereich kann eine Deformierung des Fußes begünstigen oder nahtlos zu einem Ermüdungsbruch im Fuß führen. Ein typisches Beispiel für die Entstehung eines Ermüdungsbruchs im Fuß ist die andauernde Verlagerung des Körpergewichts vom 1. Zehenstrahl zum 2.

Frauen erkranken häufiger an einer Stressfraktur als Männer. Ein Grund für diese höhere Prävalenz könnte der weibliche Hormonhaushalt sein, da sich der Östrogenmangel im Klimakterium auf den Knochenstoffwechsel auswirkt und die Kalziumeinlagerung in den Knochen reduziert.

Risikofaktoren für Ermüdungsbrüche

  • Osteoporose oder andere Knochenerkrankungen
  • Fußfehlstellungen
  • Alter: Ältere Menschen leiden häufiger unter Knochenproblemen und sind bei altersbedingt veränderter Knochenstruktur gefährdet.
  • Gewicht: Untergewichtige Menschen können geschwächte Knochen haben. Übergewichtige wiederum üben eine starke Belastung auf die Knochen aus.
  • Kalzium- und Vitamin-D-Mangel durch unausgewogene Ernährung. Beide Stoffe sind wichtig für die Knochenerneuerung.
  • Rauchen
  • Östrogenmangel bei Frauen in der Menopause
  • ungeeignete Schuhe
  • Medikamente, wie zum Beispiel Kortison bei Langzeiteinnahme, können Einfluß auf den Knochenstoffwechsel haben.

Symptome eines Ermüdungsbruchs im Schienbein

Je nach Lokalisation können verschiedene Symptome bereits früh auf die Entstehung einer Stressfraktur hindeuten. Stressfrakturen führen häufig zu Schmerzen und Schwellungen im betroffenen Bereich. Auch die Belastbarkeit kann vermindert sein. Teilweise sind die Patienten sogar vollständig belastungs- und bewegungsunfähig, da die Ermüdungsbrüche am häufigsten am Bein bzw.

Ist der Ermüdungsbruch das Ergebnis eines Übertrainings, können die Schmerzen schleichend beginnen und sich langsam steigern. Bei drohender Wadenbein- oder Schienbeinfraktur berichten die Patienten von ziehenden Schmerzen innen oder außen am Unterschenkel nahe dem Sprunggelenk. Die Beinschmerzen verstärken sich unter Belastung. Suchen Sie bei derartigen Symptomen frühzeitig einen Arzt auf, um einem fortschreitenden Knochenschaden entgegenzuwirken.

Diese unspezifischen Beschwerden sind zunächst nicht von Knochenhautreizungen oder überlasteten Sehnen zu unterscheiden. Lauftraining oder die auslösende Belastung ist in diesem Stadium meist noch möglich. Erst bei zunehmender Trainingsbelastung ohne Ruhigstellung können Dauerschmerzen auftreten, die als dumpf oder nagend beschrieben werden.

Ermüdungsbrüche am Schienbein (Tibia) äußern sich sehr unterschiedlich. So kann beispielsweise das Periost (Knochenhaut) oder das im Knochen liegende Knochenmark als Stressreaktion Flüssigkeit einlagern (Ödem). Dies löst unspezifische Unterschenkelschmerzen aus. Nicht immer kommt es zu einer Verletzung der eigentlichen Knochensubstanz (Spongiosa) oder der härteren Außenschicht des Knochens (Kortikalis). Sind diese Strukturen betroffen, verläuft die Frakturlinie meist horizontal. Es können aber auch Längsrisse entlang des Schienbeinknochens auftreten. Die meisten Stressfrakturen treten im unteren (distalen) Bereich des Tibiaschaftes auf.

Zunächst nehmen Betroffene dumpfe und später stechende oder ziehende Schmerzen, Schmerzen beim Gehen sowie eine nachlassende Belastbarkeit des Fußes wahr. Es kann auch sein, dass der Fuß überhaupt nicht mehr belastbar ist. Hinzu kommen Schwellungen im Vorfußbereich.

Verschiedene Schmerzausprägungen sind möglich: Von bloßer Empfindlichkeit bei Berührung des Knochens über einen Schmerz, der nur bei Aktivität auftritt und bei Ruhestellung nachlässt, bis zu einem durchgehenden Schmerz, der Betroffene nahezu bewegungsunfähig macht. Bei leichten Beschwerden werden diese auch schon mal als Prellung oder Verstauchung fehlinterpretiert.

Diagnose eines Ermüdungsbruchs

Plötzlich verspürt der Läufer ziehende Schmerzen im Mittelfuß. In diesem Fall zieht der Fußspezialist einen Ermüdungsbruch in Erwägung. Obwohl der Fuß nicht durch eine einmalige Gewalteinwirkung von außen geschädigt wurde, kann ein teilweiser oder vollständiger Knochenbruch vorliegen.

Suchen Sie bei derartigen Symptomen frühzeitig einen Arzt auf, um einem fortschreitenden Knochenschaden entgegenzuwirken.

Wenn Sie vergleichbare Beschwerden haben, sollten Sie weitere körperliche Belastung vermeiden und sich in jedem Fall ärztlich untersuchen lassen. Bei einem verschleppten Ermüdungsbruch werden nicht nur die Schmerzen immer stärker, es besteht auch die Gefahr eines vollständigen Bruchs oder von Entzündungen.

Deutet eine körperliche Untersuchung auf einen Ermüdungsbruch, erfolgt in der Regel eine Röntgenuntersuchung. Allerdings sind die kleinen Risse bei einer Stressfraktur auf dem Röntgenbild mitunter schwer feststellbar. Rund zwei Drittel der Ermüdungsbrüche werden durch Röntgen nicht erkannt.

Wenn trotz des negativen Röntgenbefunds vieles auf einen Ermüdungsbruch hindeutet, ist eine Untersuchung mittels Magnetresonanztomographie (MRT) oder Computertomographie der nächste Schritt.

Mit einer MRT, der Magnetresonanztomographie, können Symptome, die einen drohenden Ermüdungsbruch anzeigen, sehr gut identifiziert werden. MRT-Bilder werden mit einem Magnetresonanztomographen erzeugt. Atomkerne in unserem Körper reagieren auf das Magnetfeld des MRT. Auf diese Weise werden Signale gesendet, die die Zusammensetzung des Gewebes anzeigen. Dazu zählen beispielsweise Knochenmarködeme, die typische Indikatoren für einen drohenden oder bereits vorliegenden Ermüdungsbruch sind.

Behandlung von Ermüdungsbrüchen

Die Fußspezialisten der Gelenk-Klinik behandeln einen Ermüdungsbruch in den meisten Fällen konservativ durch Entlastung und Ruhigstellung.

Bei einer Stressfraktur verschieben sich gebrochene Knochenteile selten, weshalb man in der Regel auf eine Operation verzichten kann. Meist reicht es für den Heilungsprozess aus, das betroffene Körperteil zu schonen. Dazu ist manchmal auch ein Gipsverband notwendig.

Da die Stressfraktur durch Überlastung entsteht, hilft letztlich eine Reduzierung der Belastung am besten. Gerade bei Läuferinnen und Läufern wirkt häufig schon eine längerfristige Reduktion des Trainingsumfangs von zehn Prozent Wunder. Der wichtigste Baustein in der Behandlung von Stressfrakturen ist somit ein konsequentes Belastungsmanagement, das in diesem Fall bedeutet: schmerzfreie Belastung!

Der betroffene Bereich sollte über einen ärztlich vorgegebenen Zeitraum geschont werden, bis die Schmerzen abgeklungen sind und deutliche Zeichen der Heilung auf den Röntgenbildern sichtbar sind. In manchen Fällen ist eine Ruhigstellung und/oder Entlastung des Fußes oder Unterschenkels mithilfe einer Orthese notwendig und hilfreich.

In der Entlastungsphase sollte der Fuß so gut wie möglich geschont werden. In dieser Phase muss das Sportprogramm vollständig ausfallen. Hier können in einigen Fällen unterstützend Krücken oder andere Gehhilfen verwendet werden. Ein Gipsverband ist nur vereinzelt notwendig. Welche Einlagen jeweils die richtigen sind, sollte mit einem Mediziner besprochen werden. In der Regel helfen Einlagen, die das Mittelfußgewölbe stützen.

Einige Betroffene werden aufgrund der Schmerzen mit Medikamenten behandelt. Oft werden Vitamin D und Calcium verabreicht. Zudem wird besonders auf eine Ernährung, die den Körper mit den notwendigen Vitaminen versorgt, geachtet.

Innerhalb einer physiotherapeutischen Behandlung sind die Kräftigung der Fußmuskulatur, der hinteren Oberschenkelmuskulatur (Hamstrings), der vorderen Oberschenkelmuskulatur (Quadrizeps) und der hüftstabilisierenden Muskulatur das Ziel. Trainieren Sie Ihre Muskeln bei 60 bis 80 Prozent des Einwiederholungsmaximums mit vier Sätzen mit zwölf Wiederholungen.

Stressfrakturen, die häufig nicht konservativ behandelbar sind, sondern eine Operation erforderlich machen, sind Frakturen im Bereich des vorderen Unterschenkels (Schienbein, Tibiaschaft), des Kahnbeins (Fußwurzelknochen, Os naviculare) oder der Basis des großen Zehenknochens (Os metatarsale V). Bei diesen drei Knochen muss mit einer Unterbrechung des Lauftrainings von (mindestens) acht bis zwölf Wochen gerechnet werden.

Um nicht völlig die sportliche Fitness zu verlieren, sollten Sie Ihr Ausdauertraining in dieser Phase, wenn möglich, auf das Rad oder ins Schwimmbad verlegen und schrittweise die sportliche Aktivität wieder aufnehmen, sodass Alltagsaktivitäten schmerzfrei durchführbar sind.

Weitere Maßnahmen zur Behandlung:

  • Kühlung
  • Hochlagern betroffener Körperteile
  • Schmerzmittel
  • Physiotherapie
  • orthopädische Hilfsmittel (Spezialschuhe, Orthesen, Gehhilfen etc.)

Prävention von Ermüdungsbrüchen

Um es beim Freizeitsport gar nicht erst zu einem Ermüdungsbruch kommen zu lassen, können Sie vorbeugen: Legen Sie regelmäßige Erholungsphasen beim Sport ein. Trainieren Sie nur schmerzfrei. Beginnen Sie neue sportliche Aktivitäten behutsam. Achten Sie auf angemessene, hochwertige Ausrüstung. Ernähren Sie sich ausgewogen. Lassen Sie sich auf Vorerkrankungen wie Osteoporose oder Fehlstellungen untersuchen.

Das Training sollte immer nach der momentanen Belastbarkeit des Körpers ausgerichtet werden, damit das Gewebe genug Zeit bekommt, sich adäquat an die Anforderungen anzupassen. Nach einer einwöchigen Erkältungspause beispielsweise ist es nicht sinnvoll, an derselben Stelle des Trainingsplans wieder einzusteigen, an der die Erkältungssymptome erstmals auftrat. Gesünder ist es, im Trainingsplan eine Woche zurückzugehen und dem Körper die Möglichkeit zu geben, sich zunächst wieder an die Belastung zu adaptieren.

Gerade bei Stressfrakturen ist es wichtig, Risikofaktoren im Vorfeld zu erkennen, zu analysieren und zu beseitigen. Dazu gehören auch Faktoren, die man auf den ersten Blick evtl. nicht in Betracht zieht, wie zum Beispiel Menstruationsstörungen (insbesondere bei jungen Frauen) oder Essstörungen. Sowohl Menstruationsstörungen als auch Essstörungen beeinträchtigen den Knochenstoffwechsel und damit die Festigkeit und Belastbarkeit des Knochens.

Ein regelmäßiges Athletiktraining reduziert muskuläre Dysbalancen, die punktuelle Belastungsspitzen in einem einzelnen Knochenbereich provozieren können. Eine Laufanalyse kann einseitige Belastungsfehler aufdecken und so dabei helfen, das muskuläre Gleichgewicht des Körpers mit gezielten Kräftigungsübungen wiederherzustellen.

Das Schuhwerk und die Laufausrüstung spielen ebenfalls eine große Rolle. Wichtig hierbei ist es, die Knochengeometrie und biomechanische Auffälligkeiten zu beachten. Geben Sie Ihrem Körper beim Wechsel der Laufschuhe außerdem ausreichend Zeit, sich an die neue Belastungsverteilung beim Laufen zu gewöhnen.

Vorbeugende Maßnahmen:

  • Legen Sie regelmäßige Erholungsphasen beim Sport ein.
  • Trainieren Sie nur schmerzfrei.
  • Beginnen Sie neue sportliche Aktivitäten behutsam.
  • Achten Sie auf angemessene, hochwertige Ausrüstung.
  • Ernähren Sie sich ausgewogen.
  • Lassen Sie sich auf Vorerkrankungen wie Osteoporose oder Fehlstellungen untersuchen.

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