Die Richtige Ernährung für Radfahrer: Was Sie Vor, Während und Nach der Tour Essen Sollten

Dass Fahrradfahren gesund ist, ist mittlerweile hinlänglich bekannt. Radfahren ist nicht nur Fortbewegung, sondern auch Sport. Welche Rolle aber spielt die Ernährung und wie kannst du mit ihr deine Leistungsfähigkeit auf dem Rad erhöhen? Dein Körper verbraucht enorme Mengen Energie, während du in die Pedale trittst. Aufgrund des erhöhten Nährstoffbedarfs ist es beim Fahrradfahren elementar, unser Ess- und Trinkverhalten im Blick zu haben - damit wir nicht dem sogenannten „Hungerast“ entgegenfahren.

Grundlagen der Ernährung für Radfahrer

Nahrung und Flüssigkeit müssen wir täglich aufnehmen, damit unser Körper mit den notwendigen Nährstoffen versorgt ist, um funktionieren zu können. Wir wollen dir einfach anzuwendendes Wissen vermitteln, damit dies nicht eintritt und du mehr Energie auf dem Rad hast. Es reichen ein paar Kleinigkeiten, die man gut in seinen Alltag integrieren kann, um gesund & gut versorgt durch seine Radtour zu kommen. Mit 5 Tipps, die wir am Ende zusammenfassen, wird die Freude am Radsport sicher lange erhalten bleiben!

Kohlenhydrate stellen die wichtigste Energiequelle für deine Ernährung auf einer Radtour und generell im Radsport dar. Die Leistungsfähigkeit, die Regeneration und die Trainingsanpassung werden durch sie beeinflusst. Proteine (Eiweiße) sind die Bausteine vieler Körperstrukturen wie Muskulatur, Sehnen und Bänder. Sie helfen dabei, Muskelmasse aufzubauen und zu erhalten und können so zu einer vorteilhaften Körperzusammensetzung beitragen. Eine ausreichende Proteinzufuhr ist somit essentiell, um durch Training zerstörte Strukturen zu reparieren und die gewünschten Anpassungsprozesse zu fördern. Der Anteil an Fetten in der Ernährung sollte kleiner ausfallen als der Anteil von Kohlenhydraten und Proteinen.

Fette sind jedoch sehr wichtig für die Hormonproduktion, dienen als Wärmeschutz und verbessern die Aufnahme von Vitaminen. Empfehlenswerte Fettquellen sind: Leinsamen, fettreicher Seefisch (Lachs, Makrele, Hering), Olivenöl, Leinöl, Walnüsse und Avocado. Mikronährstoffe wie Vitamine, Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe gehören ebenso zu einer ausgewogenen Ernährung. Sie mindern Entzündungsprozesse und fördern die Produktion von roten Blutkörperchen. Diese transportieren den in die Lungen aufgenommenen lebensnotwendigen Sauerstoff durch die Blutgefäße in die Organe und in die Muskeln des Körpers.

Alle diese Nährstoffe sind für Sportler wichtig, um das Training durch die passende Ernährung zu optimieren. Je nach Fitness, Ziel und Trainingsumfang sollten die Mengen der jeweiligen Nährstoffe auf den Trainingsplan individuell abgestimmt werden. Zudem ist es sinnvoll, sich zu überlegen, wann man welche Nahrungsmittel isst.

Was ist der "Hungerast"?

Ein „Hungerast“ tritt ein, wenn alle Kohlenhydratreserven aus den Muskelzellen und der Leber erschöpft sind. Kurz gesagt: Dann geht gar nichts mehr.

Glykogenspeicher: Die Energiequelle

Dein Körper verbraucht enorme Mengen Energie, während du in die Pedale trittst. Denn sind die Glykogenspeicher leer, sinkt deine Leistungsfähigkeit. Glykogenspeicher sind die Energiespeicher im menschlichen Körper, in denen Kohlenhydrate in Form von Glykogen gespeichert werden. Sie befinden sich hauptsächlich in Leber und Muskeln. Ist das Glykogen darin aufgebraucht, merkst du das durch Erschöpfung, Konzentrationsprobleme oder Muskelkrämpfe. Ziel ist es, die Energiespeicher langfristig zu füllen.

Ernährung im Alltag

Grundsätzlich gilt im Radsport wie im Alltag, eine ausgewogene Ernährung anzustreben. Auf dem Speiseplan könnten folgende Nahrungsmittel stehen, um gut versorgt zu sein:

  • 5 Portionen (Handgröße) Obst und Gemüse (ca. 500g) pro Tag
  • Regelmäßig Vollkornprodukte (insbesondere an sportfreien Tagen)
  • Regelmäßig Seefisch
  • Rotes Fleisch <300g pro Woche

Folgende Lebensmitteln sollten möglichst vermieden werden:

  • Wurstwaren
  • Süße Getränke
  • Hochverarbeitete Lebensmittel
  • Alkohol

Grundnahrungsmittel sollten nach dieser Regel gekauft werden: Je weniger Zutaten auf dem Etikett eines Lebensmittels stehen desto besser.

Um eine ausgewogene Radsport-Ernährung zu ermöglichen, könnte man folgende Lebensmittel im Haushalt vorrätig haben, damit man sich eine Mahlzeit schnell und ohne großen Aufwand zubereiten kann.

  • Saisonales und regionales Obst und Gemüse
  • Haferflocken
  • Dinkelmehl
  • Couscous
  • Naturreis
  • Quinoa
  • Nudeln
  • Linsen
  • Hirse
  • Dinkelbrot/Sauerteigbrot
  • (Süß)Kartoffeln
  • Olivenöl
  • Balsamico
  • Ahornsirup und/oder Honig
  • Getrocknete Datteln
  • Trockenfrüchte nach Wahl
  • Nussmischung
  • Kürbiskerne
  • TK Früchte
  • Gehackte Tomaten
  • Kichererbsen
  • Kidneybohnen

Aus dem Kühlregal:

  • Joghurt
  • Magerquark
  • Fetakäse
  • Mozzarella
  • Hüttenkäse
  • Eier
  • Fisch/Fleisch

Das Richtige vor dem Radfahren essen

Isst man die Tage vor einer längeren Radausfahrt (>1,5h) kohlenhydratreich, so werden die Kohlenhydratspeicher gefüllt sein, was bedeutet: Ausreichend Kraft ist (zunächst) garantiert. Mit einem ausgewogenen Frühstück werden die Glykogenspeicher noch einmal aufgefüllt. 2-3 Stunden vor dem Start kann ein Frühstück mit Haferflocken und Banane oder 5-6 Scheiben Toast mit Marmelade hilfreich sein. Soll es etwas Herzhaftes sein, ist der typische Teller Nudeln mit Tomatensauce oder Reis mit etwas Salz und Olivenöl empfehlenswert.

Um nicht nach kurzer Zeit aufgrund von Magen-Darm Problemen vom Rad absteigen zu müssen, ist es hilfreich, folgende Dinge bei der Mahlzeit vor der Ausfahrt zu vermeiden:

  • Konzentrierte Nahrungsmittel
  • Hoher Fettanteil
  • Individuelle Unverträglichkeiten
  • Erhöhte ballaststoffreiche Nahrungszufuhr

Ernährung während der Radtour

Damit du während einer längeren Radtour nicht an Energie verlierst, ist es wichtig, regelmäßig nachzutanken. Ideal sind schnell verfügbare Kohlenhydrate - etwa in Form von Bananen, getrockneten Früchten oder Honigwaffeln. Ihre Vorteile liegen auf der Hand: Sie sind kompakt, leicht zu transportieren und voller Energie. Ideal sind Produkte, die sowohl schnelle (kurzkettige) als auch langsam (langkettige) freisetzende Kohlenhydrate enthalten. Besonders wichtig außerdem: Die Verträglichkeit.

Während der Pausen gilt es Mahlzeiten zu wählen, die ballaststoff- und fettarm sind (z.B. Reis, Nudeln oder Kartoffeln). Falls isotonische (Kohlenhydrat-)Getränke oder Riegel mitgenommen werden, sollten Experimente während der Tour vermieden werden, da es leicht zu Verdauungsproblemen kommen könnte. Am besten ist es, die jeweiligen Lebensmittel vor der Tour zu testen, ob der Magen-Darm Trakt sie gut verträgt und ob sie schmecken. Gerade für Hobbysportler sind diese Riegel perfekt geeignet, da sie die notwendigen Kohlenhydrate in abgepackter Form bereitstellen und du dir während der Tour bezüglich der Mahlzeiten keine großen Gedanken machen musst.

Zudem hast du bestimmt schon mal von sogenannten Kohlenhydrat-Sportgetränken gehört, die viel Energie in flüssiger Form liefern (so nimmst zu zugleich auch Wasser zu dir!). Je nachdem wie lang und intensiv die Ausfahrt wird, solltest du vorher überlegen, welches Getränk du mitnehmen möchtest. Wir wollen die folgende einfache Möglichkeit an die Hand geben, die sich bewährt hat: Ist es eine lockere Ausfahrt geplant, bei der du ständig sprechen kannst und welche nicht länger als zwei Stunden dauert, kannst du das SLOW CARB verwenden. Ist es jedoch eine intensivere Ausfahrt, bei der Atmen und Sprechen zeitgleich nicht mehr so gut funktionieren, greifst du besser zum FAST CARB (da hier mehr Kohlenhydrat zugeführt werden und diese schneller ins Blut gehen).

Nicht vergessen solltest du außerdem, ausreichend zu trinken. Gerade bei längeren Fahrten reicht Wasser allein als Getränk oft nicht aus. Das hilft, den Mineralstoffhaushalt stabil zu halten, vor allem bei starkem Schwitzen. Einfach gesagt: Der Anteil an gelösten Stoffen (wie Zucker, Salze) im Getränk entspricht dem in unserem Körper. Auch hier gilt: Geschmäcker, Vorlieben und Verträglichkeiten sind von Mensch zu Mensch verschieden. Probiere es einfach mal aus. Wir sind uns sicher, dass du den Unterschied merken wirst. Und nicht vergessen: Jeder Körper ist anders - teste deine Verpflegung vorab und finde heraus, was dir am besten schmeckt und bekommt.

Ernährung nach der Radtour

In den ersten 30 bis 60 Minuten nach dem Training ist der Körper besonders aufnahmefähig für Nährstoffe. Gerne belohnt man sich nach einer Ausfahrt, aber man sollte auch einen kritischen Blick auf die Belohnung werfen. Wenn man gerne etwas länger Sport treibt, passiert es häufig, dass man deutlich mehr Kalorien zu sich nimmt als man verbraucht hat und ein Kalorienüberschuss entsteht. eine Stunde lang das sogenannte „Open Window“, in welchem der Körper besonders aufnahmefähig für Nährstoffe ist: Jeder Mensch profitiert von der richtigen Kombination von Kohlenhydraten und Proteinen, um schneller regenerieren zu können. So werden die beanspruchten Muskelgruppen bei der Regeneration unterstützt und Muskelverletzungen vorgebeugt. Gute Optionen sind Reis, Kartoffeln oder Pasta in Kombination mit proteinreichen Lebensmitteln wie Quark, Eiern oder Hülsenfrüchten. Nicht zu vergessen: Auch nach der Tour viel trinken!

Der Stopp im Biergarten auf der Radtour

Bei der Freizeit-Radausfahrt ist der Biergarten-Stopp oft eine passende Gelegenheit, den Tag Revue passieren zu lassen. Oft wird jedoch nicht bedacht, dass Alkohol ein Zellgift ist, welches die Regeneration negativ beeinflusst.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) nennt als maximal verträgliche Menge pro Tag 10 Gramm Alkohol für Frauen und 20 Gramm für Männer. 20 Gramm Alkohol stecken in etwa einem halben Liter Bier oder einem Viertel Liter Wein. Bevor man dennoch Alkohol trinkt, ist es zumindest empfehlenswert, zunächst etwas zu essen, um den Körper mit Kohlenhydraten und Proteinen zu versorgen. Nimmt man sofort Alkohol mit mehr als 4% zu sich, hat dies einen diuretischen Effekt, d.h. negative Auswirkungen auf den Wasserhaushalt. Zudem ist unser Körper nach hohen Belastungen geschwächt und anfälliger für Infektionen, sodass Alkoholgenuss das Immunsystem schwächt und die Infektanfälligkeit steigt.

5 Take Home Message

Folgende Ratschläge solltest du im Alltag beachten, um eine gute Grundlage für einen gesundheitsbewussten Radalltag zu legen:

  • Bevorzuge im Alltag hochwertige Grundnahrungsmittel und versuche, 5 Portionen Obst und Gemüse am Tag zu essen (1 Portion entspricht der Größe der Hand)
  • Starte Radtouren mit vollen Kohlenhydratspeichern: Vorher gut essen (Fette & Ballaststoffe vermeiden)
  • Gerade bei längeren Touren helfen Riegel und Sportgetränke, um länger durchhalten zu können
  • Verpflege dich nach der Tour mit Kohlenhydraten und Proteinen
  • Alkohol wenn dann in Maßen genießen (und vorher essen!)

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