Korsika Motorrad Reise: Tipps für ein unvergessliches Abenteuer

Endlose Küstentouren, Serpentinenstraßen so weit das Auge reicht, traumhaftes Wetter und unvergessliche Eindrücke - Korsika ist ein Traumziel für eine Rundreise mit dem eigenen Bike. Ein passionierter Motorradfahrer findet auf Korsika mit Sicherheit sein Glück.

Aber auch wenn es sich wie das Paradies anfühlt, gilt es einige Dinge zu beachten. Hier sind einige Tipps, die Ihnen helfen, Ihre Motorradreise auf Korsika optimal zu gestalten.

Wichtige Hinweise vor der Reise

Wie bei jeder Reise bedarf es einer gründlichen Vorbereitung, damit man keine negativen Überraschungen erlebt. Das Besondere an Korsika ist, dass man mit der Fähre übersetzen muss. Viele werden damit kaum Erfahrung haben.

Die Anreise mit der Fähre

Die Anreise nach Korsika führt unweigerlich über Wasser. Hierfür gibt es diverse komfortable Angebote. Abfahrtshäfen auf dem italienischen Festland sind Genua oder Livorno. Der Korsika-Trip könnte aber auch gut mit einem Ausflug nach Sardinien verbunden werden.

Zur Planung besorgt man sich ein paar Wochen vor der Abreise erst einmal die entsprechenden Fahrpläne von SNCM, Corsica Ferries und MOBY Lines in den Reisebüros oder bestellt sie direkt über die genannten Kontaktadressen. Preisvergleiche zwischen den Gesellschaften lohnen sich unbedingt! Denn Jede definiert die Saisonzeiten individuell.

So ist es möglich, dass eine Fahrt am gleichen Tag von Genua nach Bastia bei der MOBY Lines in der Vorsaison nur die Hälfte kostet gegenüber der Corsica Ferries, die bereits mit Hauptsaison-Zuschlägen rechnet. Vorbuchen ist normalerweise für Motorräder und Deckpassage nicht nötig, selbst wenn es mal vorkommen sollte, daß man im Hafenbüro auf die Warteliste Platz 4711 gesetzt wird und die Angestellten bedenklich die Köpfe hin und her wiegen, ob es klappt oder nicht. Ich habe noch nie einen Motorradfahrer zurückbleiben sehen.

Eng wird es höchstens unmittelbar vor Feiertagen oder bei Streikgefahr. Andererseits lassen sich mittlerweile einige Euros sparen bei Vorbuchung. Im Frühjahr werden einige Spartarife wie "Mobypex", "Jackpot" usw. angeboten. Die Anfahrten zu den Hafenbüros in Frankreich und Italien sind in den Fahrplänen sehr gut mit Kartenskizzen beschrieben.

Im Hafenbüro kauft man sich die entsprechenden Tickets. Im Ernstfall reichen sogar noch 5 Minuten vor der Abfahrt, sofern der Körper den stark erhöhten Adrenalinspiegel aushält. Die französischen und italienischen Besatzungsmitglieder bleiben bis zum Schluss relativ relaxt. Das Geschrei hat nichts weiter zu bedeuten.

Es scheint mehr kulturellen Ursprungs und wirkt eher wie ein Akt sinnlicher Vorfreude auf die unmittelbar bevorstehende Überfahrt. Die Bezahlung wird in bar, per Euroscheck oder per Kreditkarte akzeptiert. Motorradfahrer brauchen sich nicht in die Autoschlangen einzureihen, da sie sowieso erst ganz am Schluss einfahren dürfen.

Zum Einfahren wird man von der Besatzung aufgefordert. Dabei ist darauf zu achten, dass der Schiffsboden meistens sehr ölig und damit gefährlich glatt ist. Im Allgemeinen finden die Motorräder am Rand ihren Platz und werden von der Besatzung mit Seilen gesichert. Alles Unnötige an Gepäck lässt man am besten am Motorrad, z. B. die Helme.

Alle Gesellschaften bieten Tages- und Nachtfahrten an. Zum anderen wird dadurch die Anreise wesentlich verkürzt. So kann man tagsüber anreisen, geht abends auf das Schiff und ist am nächsten Morgen bereits auf der Insel. Dort hat man den ganzen Tag vor sich und kann sich einen ersten Eindruck von der Insel machen und in aller Ruhe ein Quartier suchen.

Bereits beim Packen zuhause sollte man sich Gedanken machen, was man auf der Fähre alles braucht und es erst ganz am Schluß in die Koffer stopfen. Auf den Fähren ist es allgemein üblich und wird von den Besatzungen toleriert, daß die Passagiere ohne Kabine ihre Schlafsäcke ausrollen, wo halt gerade Platz ist. Das gilt für drinnen und draußen.

Sinnvoll ist, wenn man sich seine Iso-Matte, Schlafsack und Waschkram mit an Deck nimmt, da während der Fahrt die Fahrzeugdecks aus Sicherheitsgründen verschlossen sind. Ist die Maschine im Schiffsrumpf erstmal vertäut, sollte man sich als erstes um den Schlafplatz kümmern, denn vor allem in der Hauptsaison sind selbst die Flure übersät mit Schlafsäcken.

Draußen nächtigen kann sehr romantisch sein. Ungemütlich wird es dann, wenn das Nachtlager in der Nähe von Gröler-Gruppen liegt, die sich betont exzessiv auf ihren bevorstehenden Urlaub einstimmen, und das bis ins Morgengrauen. Unter freiem Himmel besteht außerdem die Gefahr, im Laufe der Nacht von einem feuchten Salzfilm überzogen zu werden, der sich eklig schmierig in die Klamotten setzt oder alles rußig wird vom Schornstein.

Wer draußen übernachten will, ist unter den Vordächern auf den hinteren Sonnendecks am besten aufgehoben. Die Verpflegung bringt man sich am besten selbst mit an Bord, denn die Preise auf dem Schiff sind durchaus als gesalzen zu betrachten.

Morgens, wenn sich die Fähre nach der Nachtfahrt dem Zielhafen nähert, strömen viele an die Frühstückstheke und ziehen sich einen gummiartigen, seifig schmeckenden Mikro-Croissant rein und dazu einen schlabbrigen Pseudo-Kaffee.

Fährgesellschaften

Die staatliche französische Gesellschaft ist der Platzhirsch an den französischen Fährhäfen mit einer Vielzahl an Abfahrten. Sie legen ab von Marseille, Nizza und Toulon. Ihre Schiffe gehören zu den größten Fähren im Mittelmeerraum. Der Komfort ist allgemein höher als bei den italienischen Gesellschaften. Die Anreise ist dafür aber auch wesentlich teurer.

Die Preise schwanken je nach Saison und Hafen für 2 Personen (Deckpassage) und 1 Motorrad zwischen 100 Euro und 170 Euro für die einfache Fahrt. Die Tochtergesellschaft Corsica Marittima existiert erst seit wenigen Jahren und legt vom italienischen Festland ab, jedoch nur von Livorno. Die Preise schwanken zwischen 95 Euro und 125 Euro.

Sie ist die wohl am häufigsten gewählte Fährlinie nach Korsika. Sie bietet einen geringfügig höheren Komfort als die Moby Lines und hat auch die etwas höheren Preise, setzt aber andererseits auch wesentlich mehr Schiffe ein und bietet mehr Auswahl. Gestartet wird von Savona (bei Genua) und Livorno an der italienischen Küste. Seit einigen Jahren starten sie auch von der französischen Küste, von Nizza und Toulon. Die Preise liegen auch wieder abhängig von Saison und Hafen zwischen 80 und 200 Euro für 2 Personen und 1 Motorrad einfach.

Die Gesellschaft mit dem freundlich dreinblickenden, blauen Wal als Erkennungszeichen. Die Fähren legen ab von Genua, Livorno und von Piombino. Die Preise bewegen sich zwischen 80 und 115 Euro für 2 Personen und 1 Motorrad einfach.

Je früher gebucht wird, desto größer sind die Chancen auf Ermäßigungen. Die Gesellschaft war die Jüngste im Bunde und ist mittlerweile leider pleite. Seit März 2003 geht nix mehr. Es geht das Gerücht, daß es in absehbarer Zeit eine neue Gesellschaft geben soll. Weitere Möglichkeiten, nach Korsika zu gelangen, bestehen in der Anreise über Sardinien. Zwischen Santa Theresa di Gallura (Sardinien) und Bonifacio (Korsika) bestehen mehrere Fährverbindungen, die fast stündlich verkehren.

Vorbereitung des Motorrads

Vor jeder längeren Tour sollte man seine Maschine nochmal durchchecken, um vor Ort keine unliebsamen Überraschungen machen zu müssen. Bremsen, Reifen, Kette und Gepäckträger sind besonderen Belastungen ausgesetzt. Ich bin jedes Mal wieder aufs Neue überrascht, was korsische Straßen an Gummi und Bremsbelägen fressen.

Bei einem 4-wöchigen Urlaub empfehle ich vorher einen neuen Satz Reifen aufzuziehen, denn die unzähligen Kurven und schnell befahrbaren Straßen zeigen kein Mitleid mit den Pneus. Unangenehm wird das Ganze dann bei der Rückfahrt vor allem bei den Grenzern in der Schweiz. Denn neben der Autobahn-Vignette interessieren sie sich vor allem für das Reifenprofil.

Wenn sich ihnen dann eine blankgeschliffene Gummihaut entgegenstreckt, gibt es kein Durchkommen mehr. Beliebt und weit verbreitet sind rüde Angriffe auf die Gummisohlen durch rostige Nägel und spitze Steine. Dagegen hilft bedingt der weit verbreitete Reifenpilot, den es an jeder Tankstelle gibt. Besser ausgerüstet ist man mit dem Palufix-Reifenpannenset für Schlauchlosreifen, das es in Fachgeschäften zu kaufen gibt.

Es ist ein Gummipfropfen, der einvulkanisiert wird. Wer zu den bedauernswerten Fahrern mit Kettenantrieb zählt, auf den kommt Arbeit zu. Mit in das Reisegepäck gehört dann auf jeden Fall eine Pulle Kettenspray. Obwohl viele Straßen asphaltiert sind, ist ein Korsika-Urlaub doch insgesamt eine staubige Angelegenheit.

Beim Gepäckträger sind diejenigen mit Kunststoffsystem erfahrungsgemäß besser bedient. Durch die Elastizität des Materials hält der Träger den oft stoßartigen Belastungen besser stand. In der Urlaubszeit gehören Motorradfahrer mit gebrochenen Trägern zu den Stammkunden bei den Reparatur-Werkstätten in Korsika.

Verkehrsbestimmungen und Sicherheit

Zuallererst ein voller Tank. Tankstellen sind während der Tour eher die Seltenheit. Schwer einzusehende Kurven können tückisch werden, wenn sich dahinter ein Schlagloch, nasses Laub, Fußgänger oder Tiere auf der Straße befinden. Vorausschauendes Fahren ist hier die Devise. Ein Biker-Pannenset ist ebenso ratsam.

Hinzu kommt natürlich die Helmpflicht und eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 50 km/h innerorts und 90 km/h bzw. Auf Korsika gelten grundsätzlich die gleichen Verkehrsbestimmungen wie in Frankreich. Anfang Januar 2012 wurde das Tragen von reflektierender Kleidung >125 cm³ für Fahrer und Beifahrer ab 01.01.2013 zur Pflicht. Genau an diesem Tag wurde das Gesetz dann von der neuen Regierung auch gleich schon wieder aufgehoben. Das Gleiche gilt für den Quatsch mit den Alkotestgeräten. Da ist zwar das Gesetz zur Abschaffung noch nicht durch alle politischen Instanzen durch. Jedoch ist es nur noch eine Frage der Zeit. Bis dahin gibt es auch keine Sanktionen.

Neu seit 2016 sind die Vorschriften für das Tragen von CE-konformen Handschuhen. Also, den nervigen Textilzettel in der Handschuhstulpe nicht, wie sonst üblich abschneiden.

Die Österreicher haben von den Schweizern gelernt und mit ihrem Autobahn-"Pickerl" nun so richtig hingelangt. Statt permanenter Autobahngebühren gibt es eine Vignette, die man an der Grenze oder bei den Automobilclubs erwerben kann. Aufpassen (!!!), Das etwas andere Urlaubsfoto !!! In den beiden Fahrtrichtungen in der Gallery (Pratteln-Basel) sind Geschindigkeitsbänder eingebaut. Info: Diese neu entwickelnden, hochtechnisierten Anlagen werden von nun an "leider" vermehrt errichtet!

U. a. in diversen Tunnel rund um Luzern! Jeweils auch an der Autobahn Ausfahrt Baden soll ein "blitzendes Ärgernis" montiert worden sein.

Die beste Reisezeit

Frankreichs wohl schönste Insel lädt bereits ab Mitte März zur Kurvenhatz ein. Motorradtouren auf Korsika sind im Grunde zu jeder Jahreszeit eine Empfehlung. Im Winterhalbjahr finden wir entlang der Küste milde Temperaturen und viel Sonne vor. Die Einheimischen sind entspannt und nicht genervt vom Tourismus, das wahre korsische Leben offenbart sich dem Reisenden.

In den Bergen kann es allerdings ungemütlich werden auf Korsika mit dem Motorrad, oft fällt dort Schnee. Die angenehmste Reisezeit ist Mai bis Ende Juni. Dann steht die Insel in voller Blüte, alles gedeiht und duftet. Im Juli beginnt die Invasion der Urlauber, die im August ihren Höhepunkt hat. Ihren eigenen Reiz haben Motorradtouren auf Korsika im Herbst.

Empfohlene Routen und Touren

Das fortwährende Wechselspiel der Landschaften ist einer der Höhepunkte Korsikas. Während entlang der Ostküste weite Sandstrände unterbrochen durch Lagunen und Flussdeltas dominieren, zeigt sich die Westküste rau und felsig, zerklüftet und atemberaubend steil. Dazwischen locken uns sehenswerte Städte.

Um Korsika ausgiebig und vor allem gepäckbefreit erkunden zu können, suchen wir uns meistens je einen Tourenstandort an West- und an Ostküste. Gleich zu Beginn zum Beispiel das zauberhafte Städtchen Porto inmitten einer malerischen Bucht mit dem wohl schönsten Sonnenuntergang der Insel. Kaum aus dem mächtigen Bauch der Nachtfähre von Livorno nach Bastia entkommen, treibe ich die BMW R1200 GS Rallye Richtung Porto. Natürlich nicht auf direktem Weg! Nein, zur perfekten Einstimmung geht es erst einmal rund um das legendäre Cap Corse.

TOUR 1 - Cap Corse (328 km - ca. 7 Stunden)

Knapp oberhalb der Gischt huschen wir auf der sich im Norden Bastias anschließenden Küstenstraße dahin. Das Visier weit geöffnet, die Lungen prall gefüllt mit frischer Seeluft. Die Ausblicke über die Gashand auf die Weite des Meeres mit seinen weißen Fährschiffen sind legendär. Malerische Nester dösen auf Felsenterrassen im prallen Sonnenschein, immer wieder gönne ich der BMW und uns die ein oder andere Sackgasse hinauf in die Berge. Wie den Abzweig auf die Serra di Pigno Hochebene. Herrlich!

In Macinaggio, dem nördlichsten Badeort Korsikas, quirlt das Leben laut und bunt. Tagesausflügler des Cap Corse und Segler aus allen Teilen der Welt genießen in den zahlreichen Restaurants und Kneipen am Hafen den sonnigen Tag. Auch wir gönnen uns einen kurzen Boxenstopp, bevor mich ein winziger Wegweiser nach Barcaggio lockt.

Eine üble Schlaglochpiste dirigiert uns mitten hinein in die wilde Urtümlichkeit von Korsikas „Lands End“. Eine Handvoll bunte Hütten, ebenso viele alte Fischerboote, die müde im winzigen Hafen des noch winzigeren Dorfes dümpeln - das war’s auch schon. Immer auf Tuchfühlung zum schäumenden Abgrund treibe ich unsere „Rallye-GS“ über das malerische Port de Centuri weiter nach Nonza. Ein imposanter Genueser Turm wacht seit Jahrhunderten über dem malerischen Ort.

Über das naheliegende Calvi wachen in unseren Tagen ganz andere „Kameraden“. In Sichtweite zur Stadt liegt die letzte korsische Garnison der berüchtigten Fremdenlegion. Malerisch in einer weiten Bucht gelegen, besitzt Calvi zudem den neben Bastia wichtigsten Fährhafen Korsikas. Im Schatten der imposanten Zitadelle reihen sich am Quai Landry Cafés und Restaurants aneinander, ideal für einen leckeren Boxenstopp mit Meerblick. Mein Einkehrtipp dazu: das A Piazetta am Place Marchal nahe der Zitadelle.

TOUR 2 - Calanches und felsiger Westen (405 km - ca. 8 Stunden)

Ein weiteres Highlight der Insel gönnen wir uns gleich anderntags: die Calanches und den felsigen Westen Korsikas. Jene Calanches sind eine imposante, in Jahrmillionen von der Natur erschaffene Felsküstenformation. Den „Ort der Zuflucht“ nennen ihn die Korsen, eine Steinschlag gefährdete Straße schlängelt sich durch die keck in den blauen Himmel ragenden Felsen.

Nur wenige schmale Parkbuchten bieten die Möglichkeit, das Motorrad abzustellen und das Panorama zu genießen. Da jetzt früh am Morgen die Sonne aber noch lange Schatten auf die Piste legt, beschließen wir abends für ein paar Fotostrecken nochmals wiederzukommen. Selbst auf die Gefahr hin, dann von Pkw und Wohnmobilen „gescheucht“ zu werden. Denn die Calanches sind das berühmteste Naturschauspiel des Inselwestens.

Unseren weiteren Tourentag füllen wir nun erst einmal mit dem Besuch Ajaccios sowie einer ausgiebigen Hatz durch das Hinterland randvoll. Natürlich inklusive Col de Sevi und direktem Kontakt zu den ewig hungrigen und höchst neugierigen Ureinwohnern der Insel.

TOUR 3 - Berge Korsikas (549 km - ca. 9 Stunden)

Nach all der touristischen Pracht reizen uns am nächsten Morgen dann erneut die Berge Korsikas, hier versammelt im 1972 gegründeten „Parc Naturel Régional de la Corse“. Gleich hinter den letzten Häusern von Porto-Vecchio startet die Kurvenhatz, beginnt dieser Genuss für alle Sinne. Durch den „Forêt de L’Ospedale“ dirigiere ich die R1200 GS bergan.

Mächtig dunkle Wolken empfangen uns oben am Col de Bacino ohne jedoch ihre Schleusen zu öffnen. Bereits in Zonza, einem der wenigen Knotenpunkte im Alta Rocca Gebirge, scheint uns wieder die Sonne. Frisch geschälte Korkeichen säumen den anschließenden Weg hinauf nach Corte, der berühmtesten Stadt im gebirgigen Herzen der Insel.

Sarazenen und mittelalterliche Feudalherren siedelten sich in der fruchtbaren Landschaft dieses natürlichen Hochtales an und errichteten zu Füßen eines mächtigen Felsspornes ein kleines, aber bedeutendes Handelszentrum. Genueser Kaufleute bauten Corte zu einem befestigten Sitz ihrer Gerichtsbarkeit aus, Spanier eroberten das Land und die Stadt und spendierten zum Schutz gegen allgegenwärtige Gefahren auf den Felssporn eine mächtige und weithin sichtbare Zitadelle.

In blutigen und verlustreichen Kämpfen befreiten auch die Korsen ihre Stadt in den Bergen immer wieder von Fremdherrschaften, doch meist nur für kurze Zeit. 1769 verloren die korsischen Separatistenbewegungen endgültig gegen die Truppen der weithin überlegenen Franzosen und ihre Heimat einschließlich Corte fiel an Frankreich.

Heute schmückt sich Corte gerne mit dieser wechselvollen Geschichte und präsentiert seine Sehenswürdigkeiten rund um den Place Paoli mit seinen hübschen Straßencafés. Gleich nebenan geht es über alte Stiegen und ausgetretene Treppen steil bergan in die Viertel der „Ville Haute“ mit ihren winzigen Andenken- und Tante-Emma-Läden. Sehr sehenswert und perfekt zu „garnieren“ mit meinem Einkehrtipp: das Terra Corsa in der Rue Monseigneur Casanova direkt am Aufstieg zur Zitadelle. Traditionelle korsische Küche zu fairen Preisen. Lecker!

Und zum Dessert gibt es heute: Restonica! Auf einer perfekt geteerten Sackgasse dirigiere ich unsere BMW in das wohl schönste Tal der Insel, das weltberühmte Restonica-Tal. Verkohlte Baumstämme rechts und links des Lenkers erzählen von den alljährlich wütenden Waldbränden, die sogar das Hochland nicht verschonen. An der „Bergéries de Grotelle“ endet der erfahrbare Teil des beeindruckenden Restonica-Tales.

Das Konglomerat aus einfachen steinernen Hütten döst am Rande eines überdimensionierten Parkplatzes vor sich hin. In einer unscheinbaren, mächtig windschiefen Scheune liegen Prachtexemplare der „charcuterie corse“ zum Verkauf aus. Diese äußerst würzig schmeckenden Schinken- und Rauchwurstwaren sind Korsikas Verkaufsschlager Nummer eins. Die kastanien- und kräuterreiche Ernährung der oftmals halbwilden Schweine sowie das Räuchern ihrer Schinken nach uralten Rezepten über echtem Holzfeuer fördern die Würzigkeit des Fleisches ungemein.

Wie gut, dass ich heute Morgen ein freies Plätzchen im Topcase extra hierfür reserviert habe. So werden unsere Erinnerungen an Korsika auch über den Gaumen ganz besonders intensiv nachklingen. Ebenso, wie der Rest unseres Weges retour nach Bastia. Das lang schon im Voraus gebuchte Fährticket setzt uns leider enge zeitliche Grenzen.

Unterkünfte auf Korsika

Rund 100 Campingplätze, ungezählte Gasthöfe (Auberges) sowie Ferien-Appartements bis hin zu Hotels sämtlicher Preisklassen stehen zur Auswahl. Außerhalb der französischen Sommerferien (Juli und August) sogar ohne großartige Vorabreservierung nutzbar.

Kartenmaterial und Reiseführer

Die beste Empfehlung für Motorradtouren ist die neue Michelin-Karte Nummer "528 Regional Frankreich" im Maßstab 1:200.000. Darin enthalten sind exakte Straßenbezeichnungen und -kategorien, Aussichtspunkte, Sehenswürdigkeiten und Entfernungen. Wer sich außerdem für Wanderungen interessiert, sollte auf einen größeren Maßstab gehen.

Da gibt es die IGN-Karten Nummer Nr. 73 und Nr. 74 im Maßstab 1:100 000. Sie enthalten zusätzlich Höhenlinien und Wanderwege. Sie sind jedoch teilweise ungenau und fehlerhaft bei den Straßenbezeichnungen und -kategorien. Auch bei den Ortsnamen bringen sie manchmal korsische, französische und italienische Bezeichnungen durcheinander. Sehr empfehlenswert dagegen sind die zwei IGN-Karten Nr. 08 "Haute Corse" und Nr. Wer’s ganz genau wissen will, dem sei zu den Cartes touristiques locales im Maßstab 1:25 000 geraten.

Kulinarische Tipps für Korsika

Wer Motorradtouren auf Korsika unternimmt, reist in der Regel nicht nur wegen des Fahrspaßes auf die Ile de Beauté. Auch Freunde des französischen Savoir vivre kommen hier auf ihre Kosten. Das beginnt mit dem Käse. Der Brocciu, ein weißer Weichkäse aus Ziegen- oder Schafsmilch ist der bekannteste. Man isst ihn pur, als Omelette oder süß als Nachspeise. Oft wird er mit einem Obstbrand übergossen.

Deutlich kräftiger schmeckt der Fromage du brébis, ein Ziegenkäse, der mit dem Alter immer schärfer wird. Bei Asterix sprengt er sogar das Piratenschiff in die Luft. Etwas für Wagemutige auf Motorradtouren durch Korsika ist der Casgiu Merzu. Weshalb? Nichts Lebendiges enthalten zum Glück Coppa und Lonzo. Diese beiden geräucherten Schweinewürste gehören mit den Figatelli (geräucherte Leberwürste) zu den korsischen Klassikern.

Fleischessern sei für ihre Motorradtouren auf Korsika die korsische Spezialität Wildschwein empfohlen. Die verwilderten Hausschweine sind ständig in den Wäldern unterwegs auf Nahrungssuche. Dadurch soll ihr Fleisch besonders mager und aromatisch sein. Zwei typisch korsische Bestandteile für Süßspeisen sind Kastanienmehl und Brocciu. Ob als Imbrocciata (Törtchen), Fritteli (Teigbällchen) oder Torta Castagnina (Kastanienkuchen).

Das das sonnige, warme Klima und die nährstoffreichen korsischen Böden gute Weine hervorbringen, ist keine Überraschung. Also immer ein wenig Platz in den Koffern lassen.

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