Wer sich ein neues Motorrad gekauft oder ein altes umgebaut hat, präsentiert das Ergebnis stolz und aus allen Blickwinkeln im entsprechenden Forum. Wer sein Bike verkaufen will, findet ohne aussagekräftige Bilder keinen Käufer. Umso ärgerlicher, wenn die Fotos nichts taugen. Deshalb gibt es hier Tipps, die man beim Motorrad Fotografieren beachten sollte.
Dabei geht es nicht um technische Spitzfindigkeiten oder Profi-Equipment. Das ist wie beim Motorradfahren: Ein schlechter Motorradfahrer fährt nicht besser, nur weil er sich ein teures Motorrad kauft. Und ein guter Motorradfahrer kann auch mit einem einfachen Motorrad viel Spaß haben.
Eins vorneweg: Die hier genannten Regeln sind keine absoluten Gesetze. Sie dürfen, ja, sie sollen sogar übertreten werden. Auch dazu ein Vergleich: Wer mit dem Hammer auf eine Schraube einschlägt, weil er es nicht besser weiß, ist ein Stümper. Also immer zuerst lernen, wie es richtig geht. Und dann überlegen, ob es evtl. besser anders geht.
1. Augenhöhe
Eine ganz einfache Regel, die eigentlich aus der Portraitfotografie stammt: Das Hauptmotiv wird immer auf Augenhöhe fotografiert. Das “Auge” des Motorrads ist normalerweise der Scheinwerfer. Also keine Angst vor schmutzigen Knien und runter auf den Asphalt. Wer Rücken hat, soll sich halt eine hochbeinige Enduro kaufen, dann muss er nicht ganz so weit runter.
Man darf übrigens auch gerne noch weiter runter und das Motorrad schräg von unten fotografieren.
2. Blickrichtung
Auch diese Regel gilt eigentlich für Personenfotos, passt aber auch bei Motorrädern: Das fotografierte Objekt soll in das Foto hineinschauen, nicht hinaus.
3. Abstand
Man sollte auch nie so weit rangehen bzw. -zoomen, dass das Motorrad bzw. das fotografierte Detail das Format komplett ausfüllt. Lieber etwas Raum lassen.
4. Tiefe und Dynamik
Fotos sind zweidimensional. Und gerade deshalb besteht die Kunst darin, dem Bild Tiefe zu verleihen.
Erstens: Das Hauptmotiv sollte nicht direkt von vorne oder von der Seite abgebildet werden. Frontalbilder und Fotos im Profil macht man nur, wenn es darum geht, Proportionen realistisch darzustellen und alle Details zu zeigen. Wer schon mal professionelle Fotos von sich hat anfertigen lassen, weiß, dass man sich dabei aufs Unnatürlichste verrenken muss. Das schräg zum Fotografen stehende Motorrad sorgt zwar für starke perspektivische Verzerrungen, erzeugt aber gleichzeitig Tiefe und Dynamik. Beim Motorrad gilt genauso: es sollte immer schräg fotografiert werden, gerne auch mit leicht eingeschlagenem Lenker. Mindestens so schräg, dass sich keine parallelen Linien mehr im Bild finden.
Zweitens: Das Motiv so wählen, dass verschiedene Ebenen sichtbar sind, die sich vielleicht sogar gegenseitig überschneiden. Beispiel: Das Motorrad befindet sich in der Mitte. Im Vordergrund kann z.B. ein Gebüsch oder Baum sein, dessen Zweige das Motorrad teilweise verdecken. Im Hintergrund Gebäude oder Landschaft, die wiederum vom Motorrad verdeckt werden.
Drittens: Alternativ eignen sich auch Gebäude oder Landschaftsmerkmale, die sichtbar in die Ferne laufen. Besonders gut klappt das mit Straßen, die hinter einer Kurve verschwinden. Der Blick des Betrachters folgt der Straße zwangsläufig in die Ferne.
5. Haupt- oder Seitenständer?
Obwohl das Motorrad frontal (bzw. Haupt- oder Seitenständer? Das kommt ganz auf das Motorrad an. Ich persönliche finde, Motorräder wirken irgendwie hilflos, wenn sie auf dem Hauptständer stehen. Das Rad baumelt lose in der Luft rum, am besten noch mit komplett eingeschlagenem Lenker. Deshalb fotografiere ich Motorräder nach Möglichkeit auf dem Seitenständer. Dann steht es auch leicht schräg, was wieder die Dynamik und Tiefe betont (siehe 4.). Zu schräg sollte es aber auch nicht stehen, da es sonst wackelig oder instabil wirkt.
Neben Haupt- und Seitenständer gibt es natürlich noch die Möglichkeit, das Motorrad auf einen oder zwei Montageständer zu stellen. Da man diese aber bei einer Tour selten dabei hat, wirken sie auf Fotos immer irgendwie unnatürlich und das Motorradfoto dadurch inszeniert. Meines Erachtens sollte man Montageständer, Vorderradwippen oder ähnliche Ständer deshalb nur dort verwenden, wo sie auch wirklich genutzt werden: In einer Werkstatt, in der Boxengasse oder im Fahrerlager spricht nichts dagegen, am Straßenrand hat er aber nichts zu suchen. Dazu kommt, dass ein Montageständer das Motorrad in eine gerade, aufrechte Position zwingt.
6. Licht
Licht ist das A und O eines Fotos. Nicht umsonst bedeutet Fotografie “Zeichnen mit Licht“. Wer sein Motorrad im Hochsommer in der prallen Sonne fotografiert, freut sich erst über das vermeintlich gute Licht und ärgert sich später über das schlechte Ergebnis. Das Gegenteil taugt natürlich auch nichts: Wer in der düsteren Garage fotografiert, am besten noch mit dem Handy aus der Hüfte geschossen, sieht nur Gekrissel und Schlieren.
Das beste Licht für detailreiche Aufnahmen ist ein gleichmäßiges und diffuses Licht, wie man es im Sommer bei bedecktem Himmel hat. Das ermöglicht weiche Verläufe und Schärfe bis in die Details. In der Garage lässt sich das simulieren, indem man z.B. Baustrahler indirekt einsetzt, also gegen die Decke richtet. Die Suzuki wurde kurz nach einem Regenschauer bei stark bewölktem Himmel fotografiert. Dadurch war das natürliche Licht sehr diffus und es sind kaum harte Schatten oder Glanzlichter im Bild zu sehen.
Das Schlimmste ist ein harter Wechsel von Hell und Dunkel. Es ist zwar herrlich anzuschauen, wenn man durch einen lichtdurchfluteten Wald fährt und die Sonne ein Spiel von Licht und Schatten auf die Straße zaubert. Auf Fotos lässt sich das aber nicht einfangen. Helles und direktes Sonnenlicht sorgt für harte Schatten. Wer sein Motorrad unterm sommerlichen Blätterdach ablichten will, sollte es deshalb so positionieren, dass es entweder ganz im Licht oder ganz im Dunkel steht.
Das Wichtigste hätte ich fast vergessen: Immer mit dem Licht fotografieren, nicht dagegen. Das gleiche Motiv einmal mit der Sonne, einmal dagegen fotografiert.
7. Schärfe und Unschärfe
Ein Effekt, der gerne und oft angewendet wird, nicht nur auf Motorradfotos. Bei großer Blende (also kleiner Blendenzahl) wird der Hintergrund hinter dem Hauptmotiv unscharf. Nur ein kleiner Teil des Motivs ist scharf abgebildet, der Rest verschwimmt. Umgekehrt kann man mit kleiner Blende (also großer Blendenzahl) eine große Tiefenschärfe (oder korrekter “Schärfentiefe”) erreichen. Das Bild wird dadurch von vorne bis hinten gestochen scharf. Das empfiehlt sich dann, wenn etwas im Ganzen UND detailliert gezeigt werden soll. Das komplette Bild ist gestochen scharf, alle Details sind perfekt erkennbar.
8. Kontraste
Unser Blick orientiert sich an Kontrasten. Auf einer gleichmäßigen Fläche wandert er rastlos umher, an Kontrasten bleibt er hängen. Ich habe gerade schon auf den Scharf-Unscharf- und den Hell-Dunkel-Kontrast verwiesen. Ein scharfes Tankemblem vor unscharfem Hintergrund. Ein hell angestrahltes Motorrad im dunklen Wald, ein schwarzes Motorrad im weißen Schnee.
- Bunt-Unbunt-Kontrast: Ein knallbuntes Motorrad in grauer Industrielandschaft.
- Oder der sogenannte Farbe-an-sich-Kontrast: Ein gelbes Motorrad vor grüner Wiese, ein oranges Motorrad vor dem blauen Meer. Besonders knallig wirkt das bei Komplementärfarben.
- Der Kalt-Warm-Kontrast geht in die gleiche Richtung: Ein Motorrad in warmen Farbtönen vor einem Hintergrund in kaltem Blau.
Hier finden sich gleich mehrere Kontraste: Hell-Dunkel, Hart-Weich, Klein-Groß, Scharf-Unscharf. Die Möglichkeiten sind endlos.
9. Bildaufteilung
Nicht einfach draufhalten und abdrücken! Das Hauptmotiv sollte bewusst im Bild platziert werden. In dem Punkt gibt es aber keine einfache Lösung, sondern wie so oft ein “Kommt drauf an”. Ein guter Anhaltspunkt ist aber der sogenannte Goldene Schnitt. Man platziert das Motorrad so im Bild, dass sich der Abstand zum linken Bildrand zum Abstand zum rechten Bildrand so verhält, wie der linke Abstand zur Gesamtbreite. Alles klar? Dabei natürlich darauf achten, dass es mit dem Hintergrund und den anderen Motiven harmoniert. Das Motorrad greift gleich mehrere Linien des Hintergrundes auf und fügt sich dadurch sehr gut in das Bild ein.
10. Die richtige Seite
Will man ein Motorrad fotografieren, möchte man es üblicherweise möglichst schön in Szene setzen. Auch hier gibt es keine einfache Antwort, es kommt ganz darauf an. Manche Motorräder haben ein herrliches Hinterteil mit einer filigranen Auspuffanlage, aber eine wuchtig-hässliche Front. Anderen haben die Designer ein fein proportioniertes “Gesicht” verpasst, dafür aber ein langweiliges Heck rangeschraubt.
Ich bevorzuge meist die Seite mit dem Auspuff (sofern nicht auf beiden Seiten einer dran ist). Der Auspuff sorgt für eine zusätzliche Linie am Heck und rundet das Motorrad nach unten ab. Gleiches gilt für den Hinterradantrieb, der häufig interessanter aussieht als die Seite mit der Bremse. Am besten fängt man damit an, das Motorrad einmal rundrum zu fotografieren. Gerne mit unterschiedlich eingeschlagenem Vorderrad.
Weitere Tipps
- Öfter mal was Neues ausprobieren!
- Mit einem Polfilter kann man nicht nur den Himmel dramatischer zeichnen, sondern auch Reflexionen auf Lack reduzieren. Dank eines Polfilters “verschwinden” die meisten Reflexionen auf dem Lack.
- Man kann das Motorrad im Dämmerlicht mit Langzeitbelichtung fotografieren und währenddessen mit einer Taschenlampe die Teile anstrahlen, die hervorgehoben werden sollen. Das alberne Gewedel war nur ein Versuch und kommt nicht wieder vor, versprochen.
- Farbfilter vor dem Objektiv erzeugen eine ganz eigene Atmosphäre. Noch spannender ist es, eine Farbfolie vor den Blitz zu kleben und den Blitz frei im Raum zu platzieren. Dann wird das Hauptmotiv nur von einer Seite in Farbe getaucht. Das geht auch mit verschiedenen Lichtquellen und unterschiedlichen Farbfolien.
- Oder man fotografiert Belichtungsreihen und erzeugt daraus ein HDR-Foto.
Deutlich einfacher und trotzdem schön anzuschauen sind Filter und Effekte, die sich z.B. mit dem Smartphone hinzufügen lassen. Man kann diese Effekte natürlich auch von Hand in einem Bildbearbeitungsprogramm erzeugen. Bei aller Experimentierfreude muss man nur aufpassen, dass man nicht übertreibt. Mir gehen gerade bei der Nachbearbeitung häufig die Gäule durch und ich produziere Bilder, bei denen es mich am nächsten Tag graust. Ich habe mir deshalb angewöhnt, meine Bilder mit etwas zeitlichem Abstand noch einmal genau anzuschauen. Wenn ich sie dann nicht mehr gut finde, lösche ich sie gnadenlos.
Ich versuche, Fotos nie einfach nur so zu machen. Sondern mir bei jeder Einstellung, jeder Perspektive und jedem Motiv etwas zu denken und ggf. etwas Neues zu probieren. Mit den Ergebnissen bin ich trotzdem fast nie zufrieden.
Ich hoffe, der eine oder andere Tipp war noch nicht bekannt. Über Kommentare und weitere Tipps würde ich mich freuen!
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