Fahrrad 11 Gang Nabenschaltung Riemenantrieb im Test

Moderne Zeiten: Auf meiner ersten Testfahrt im Heimatrevier und zugleich Fahrradausflugs-Hotspot Kelheim, malerisch an Altmühl und Donau gelegen, kam ich mir mit dem Testrad Cube Editor SLX Fe zwischen all den E-Bikes der Rad-Urlauber wie ein Exot aus vergangenen Zeiten vor. Ein normales Fahrrad fährt hier - sieht man von Mountainbikern und Rennradfans ab - eigentlich niemand mehr. Bosch & Co. lassen grüßen.

Trotz intensiver Recherche gelang es uns „nur“ fünf Touren-Fahrräder zum Test in unsere Redaktion zu lotsen. Der Fokus der Hersteller liegt inzwischen primär auf der Entwicklung von E-Bikes aller Arten, normale Fahrräder spielen da so gut wie keine Rolle mehr.

Das Testfeld lässt sich im Grunde in zwei Gruppen einteilen: die erste Reihe bilden die beiden frontgefederten Tourer Kettler Traveller 3.0 Belt 8 G FL zum UVP von 1499 Euro - das günstigste Rad im Test - und das Pegasus Premio SL 8 Belt für 1599 Euro. Erfreulich: Beide Fahrräder dämpfen mit einer luftgedämpften Federgabel und nicht mit einer „billigen“ Stahlfedergabel aus dem Bückregal. Bei beiden Rädern aus dem ZEG-Heimathafen schreiben die jeweiligen Produktmanager Komfort groß und statten beide Bikes mit 50 mm breiten Reifen aus.

Drei der fünf getesteten Trekkingräder basieren auf einem ungedämpften starren Rahmenset. Wobei man „ungedämpft“ als bloße Aussage ohne Erläuterung nicht stehen lassen kann: VSF schwört seit fast 40 Jahren auf die dämpfenden Eigenschaften von Stahl. Der Rahmen des T-500 wird aus einer 25 CrMo4 Chrom-Molybdän-Legierung hergestellt und besitzt neben hoher Elastizität, und Festigkeit auch die Möglichkeit der Reparaturfähigkeit. Demgegenüber verwenden Trenga beim GLC 9.0 Disc und Cube beim Editor SLX Fe bewährtes Aluminium als leichtes Rahmenmaterial auch für die Gabel. Alle ungedämpften Rahmensets liegen auch in puncto Gewicht vorne: 15,5 kg zeigt die Waage sowohl beim VSF-Stahlrahmenrad T-500 als auch beim Trenga GLC 9.0 Disc an.

Nabenschaltung mit Riemenantrieb: Eine attraktive Alternative?

Was macht eigentlich eine Nabenschaltung für ein Trekkingrad attraktiv und gegenüber einer Kettenschaltung sinnvoll? Das kommt auf den Blickwinkel an. Klar ist, dass die Kettenschaltung in Bezug auf Entfaltung und Gewicht unschlagbar ist. Aber: Die Nabenschaltung ist gerade in Kombination mit einem Gates-Riemen als Antriebsstrang eine Alternative, deren kompromisslose Wartungsarmut überzeugt. Eine Nabenschaltung ist grundsätzlich gekapselt und gegen witterungsbedingte Einflüsse resistent. Wer penibel ist, wechselt alle zwei Jahre mal das Getriebeöl, das war’s dann aber auch.

Der Riemen selbst benötigt keine Schmierung, das dankt auch das Hosenbein. Lediglich die Flucht und die Spannung des Riemens muss exakt passen. Beides ist bei einem kompletten Rad aber sowieso schon vordefiniert und ideal eingestellt. Die Riemenspannung lässt sich sogar mit der Gates-App und einem Smartphone checken: Die App misst die Spannung des Riemens akustisch. Übrigens: Der Riemen längt sich nicht, er nutzt sich lediglich ab, hat aber eine wirklich lange Lebensdauer.

Shimano Alfine 11-fach-Nabe im Detail

Die in den Testrädern verwendeten Shimano-Nabenschaltungen fallen in Bezug auf die Entfaltung allerdings eher moderat aus. Die breiteste Spreizung wohnt Shimanos Alfine 11-fach-Nabe inne, die im Cube Editor eine Entfaltung zwischen 2,4 und 9,9 m bietet und sich auch dank des geringen Gewichts vom übrigen Testfeld ein klein wenig absetzt. Den leichtesten Berggang finden wir am Trenga, das dank cleverer Übersetzung im kleinsten Gang mit 2,24 m zurückgelegte Strecke pro Kurbelumdrehung durchaus kletterfähig ist.

Noch ein Wort zum Schaltvorgang: eine Nabenschaltung benötigt konstruktionsbedingt beim Schalten einen kurzen Augenblick ohne Krafteinwirkung, sodass das Planetengetriebe die Zahnräder neu paaren kann. D. h. man muss für einen kurzen Augenblick den Tretvorgang unterbrechen. Das muss man etwas üben, geht aber ganz schnell in Routine über. Denn dann fällt die Geschwindigkeit unweigerlich zurück. Alle modernen Nabenschaltungen können heutzutage schnell durchgeschaltet werden und die Systematik ist leicht zu erlernen.

Ausstattung und Einsatzbereich

Alle fünf getesteten Tourer rollen mit Vollausstattung und erweitern somit ihren Einsatzbereich z. B. in die Nacht hinein oder auch beim ungeliebten Regen, ohne bereits nach ein paar Metern komplett durchnässt zu sein. Ein Detail ist bei allen gleich: der Nabendynamo.

Alle fünf von uns getesteten Räder liegen fast gleichauf, das Cube Editor schneidet mit der breitesten Spreizung und dem leichtesten Setup ein wenig besser ab als die übrigen. Für welches der Räder man sich begeistert, hängt vom eigenen Einsatzzweck ab.

Shimano Alfine 11: Eine neue Fahrradklasse?

Genau in die Mitte zwischen Alfine 8- und Rohloff-Getriebenabe platziert Komponenten-Riese Shimano die neue Alfine-Nabe mit 11 Gängen.Fast alle Radhersteller im Schlüsseljahr 2011 haben darauf reagiert. Im Schlüsseljahr 2011 geht Shimano voll aufs Gas: Die völlig neu konstruierte Alfine 11-Nabe packt genauso viele Gänge in ihre polierte Nabenhülse, ist extrem wartungsarm und leise. Mit nur etwa 1660 Gramm wiegt die Nabe ungefähr genauso viel wie ihre 8-fach-Schwester.

Gesteuert wird die Neue über einen modernen Rapid-Fire-Schalter, der mit je einem Schalthebel die Gänge rauf oder runter schaltet, bei Bedarf auch zwei auf einmal („Multi-Release“). Wie von der Kettenschaltung her bekannt, lässt sich per „Two-Way-Release“ der Hebel zum Runterschalten von beiden Richtungen entweder mit dem Daumen oder dem Zeigefinger bedienen.

Vergleich der Testräder

Modell Schaltung Besonderheiten
Kettler Traveller 3.0 Belt 8 G FL 8-Gang Nabenschaltung Günstigstes Rad im Test, luftgedämpfte Federgabel
Pegasus Premio SL 8 Belt 8-Gang Nabenschaltung Luftgedämpfte Federgabel, Komfortorientiert
VSF T-500 - Stahlrahmen mit dämpfenden Eigenschaften
Trenga GLC 9.0 Disc - Aluminiumrahmen
Cube Editor SLX Fe Shimano Alfine 11 Breiteste Spreizung, leichtestes Setup

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