Im Jahr 2021 gab es in Deutschland 84.000 aktenkundige Fahrradunfälle, teils mit gravierenden Folgen - von Kopfverletzungen, Verletzungen an der Wirbelsäule, Lungenquetschungen und weiteren Verletzungen, die gelegentlich tödlich endeten. Grund genug, dass sich viele Firmen um die Sicherheit von E-Bike-Fahrern bemühen.
Was ist ein Fahrrad-Airbag?
Der Fahrrad-Airbag wird auch Helm-Airbag oder Kopf-Airbag genannt. Er schützt Dich vor Stürzen oder Unfällen mit dem Fahrrad im Straßenverkehr. Dir ist wichtig das du auch auf dem Fahrrad gut aussiehst und dabei nicht an Sicherheit einbüßt. Radfahren bedeutet für dich Freiheit, wenn da dieser Helm nicht wäre. In nur einer Zehntel-Sekunde öffnet sich der Airbag und bewahrt dich somit vor einem Aufprall mit dem Kopf.
Funktionsweise und Technik
Eine dieser Firmen ist Helite aus Nümbrecht in Nordrhein-Westfalen. Der Helite-Fahrrad-Airbag sieht aus wie eine Weste und kann beim Radfahren einfach über der normalen Kleidung getragen werden. Doch in der unscheinbaren Weste steckt jede Menge moderne Technik.
Über Sensoren registriert die Weste eine plötzliche Lageänderung - wie es bei einem Sturz der Fall ist. Außerdem kann sie erkennen, wenn es einen Zusammenstoß gibt. Alle 3,6 Millisekunden berechnet der Airding die Lage neu und überprüft auf potenzielle Stürze. Mit einer einfachen Auslösung via App können Fahrer testen, ob das System funktioniert und ihre Sicherheit gewährleistet ist. Zudem lässt sich der Akkustand in der Minerva-AS-App ablesen.
Praktisch: Erkennen die Sensoren einen Unfall, reagieren diese sofort. Hat sich der Airbag einmal aufgeblasen hält er diesen Zustand mehrere Sekunden an, somit ist man selbst nach dem Sturz immer noch optimal geschützt.
Beispiele für Fahrrad-Airbags
Helite Airbag-Weste
Im Praxistest durfte Galileo-Reporter Vincent Dehler die Weste einem Trockentest unterziehen und die Kartusche einmal auslösen. Das Feedback: Sehr schnell und sehr laut. Es fühlte sich für den Reporter so an, als dürfte er sich auf einmal nicht mehr am Oberkörper bewegen. Ein seltsames Gefühl für Vincent Dehler.
Im Sturztest löste der Airbag dann relativ spät aus. Gerade noch rechtzeitig, bevor die Testperson den Boden berührte. Laut Hersteller ist dies nachvollziehbar, da der fingierte Sturz relativ langsam war. Bei einem „echten“ Ereignis würde das Auslösen schneller passieren.
Die Airbag-Weste von Helite hat ihren Preis: Stolze 699 Euro verlangt der Hersteller dafür. Das Gute: Es handelt sich nicht um einen Einmalartikel. Die CO2-Kartusche kann nachgekauft werden. Eine neue Füllung kostet dann aber noch einmal 59 Euro.
Hövding Airbag-Helm
Der Fahrradhelm mit dem Namen Hövding ist eine wahre Revolution auf dem Markt. Das Produkt wurde im Jahr 2005 von zwei Industriestudentinnen aus Schweden erfunden und weiterentwickelt. Letztlich dauerte es aber sieben Jahre, um den schützenden Airbag als zertifiziertes Produkt zu verkaufen. Bis heute sind über 60.000 Modelle für Fahrradfahrer vertreten, die mehr als 1.000 von ihnen schon bei einem Sturz geschützt haben.
Der Airbag registriert plötzliche Beschleunigungen und soll sich beim Sturz in Sekundenbruchteilen aufblasen. Aufgeblasen legt sich der Hövding wie eine Friseurhaube um den Kopf. Durch den Rundumschutz erzielte der aufgeblasene Airbag bessere Sicherheitsnoten als herkömmliche Fahrradhelme. Er schützt den Kopf sehr gut und verringert das Risiko für Hirnverletzungen deutlich.
Funktionsweise des Hövding:
- Der Airbag wird um den Nacken gelegt und erkennt über eine spezielle Sensorik die Bewegungsabläufe beim Radfahren.
- Kommt es zu einem Unfall, bläst er sich innerhalb von 0,1 Sekunden auf und umschließt den Kopfbereich und den Halsbereich.
- Im Inneren befindet sich ein Gasdruck, der für einige Sekunden gleichmäßig gehalten werden kann.
- Selbst bei sehr hohen Geschwindigkeiten und bei weiten Stürzen liegt der Kopf sicher im Luftpolster.
Der Airbag wird wie ein Kragen um den Hals gelegt und kann und über den vorderen Reißverschluss geschlossen werden. Es ist wichtig das dieser vollständig geschlossen ist, damit die Funktion des Kragens auch so wie geplant verfügbar ist. Und damit ist schon ein wichtiger Punkt angesprochen, der Kragen Airbag muss aufgeladen werden.
Einmal aufgeladen hält der Hövding ca. 18 Stunden, bis er wieder aufgeladen werden muss. Sollte es doch soweit sein und der Akku neigt sich dem Ende zu, dann zeigen dies die LEDs und ein Tonsignal an. Dieses ertönt ca. 1 Stunde bevor man den Hövding wieder neu aufladen muss.
Für den optimalen Halt des Hövding Airbags an deinem Hals, gibt es ihn in verschiedenen Größen. Auch wenn diesen Moment sich keiner wünscht, aber genau dafür wurde der Kragen hergestellt.
Nehmen wir an du bist bei einem Unfall mit dem Fahrrad gestützt und der Airbag wurde ausgelöst. Was jetzt? Wie geht es weiter? Deshalb ist es wichtig, dass du Dich direkt nach dem Kauf für das "crash replacement"-Programm (auf deutsch bedeutet das einfach "Austauschservice") registrierst. Alle Infos erhält man dafür direkt beim Kauf.
Vertrauen in eine Marke, ist wohl das entscheidendste Argument, sich für ein Produkt zu entscheiden. Hövding entwickelte ein Produkt, welches von vielen als Revolution in der Fahrradhelm Branche gilt. Ähnlich als Apple das erste iPhone auf den Markt brachte.
Der Fahrrad Airbag ist an sich ja schon ein sehr modernes und stylisches Produkt. Wem das noch nicht reicht, der kann ihn mit weiterem Zubehör bestücken. Es gibt verschiedene Überzüge die den Airbag ein eigenes Outfit geben und somit sich jeder seinen persönlichen Hövding gestalten kann.
Allein der Fahrrad Airbag hat ein Gewicht von ca. 635g ohne Überzug.
Mase Airding Airbag-Rucksack
Die deutsche Firma Mase hat nun ein Schutzsystem entwickelt, das aktuell wohl die bestmögliche Sicherheit für Fahrradfahrer bietet. Ob bei rasanten Touren oder dem täglichen Pendeln in der Stadt - bei nur 1.100 g Gewicht spürst du den Rucksack mit dem integrierten Minerva-Airbag-System kaum.
Die Airbags sind rund um Kopf, Nacken und Oberkörper platziert und verfügen über einen Steißbeinschutz. Nach einem Unfall oder eben der Testauslösung kann der Schutz mit dem sogenannten Mase Inflator, einer Ersatz-Gaskartusche für 50 Euro, wiederhergestellt werden. Das Zusammenfalten und Einpacken des Airbags soll alleine möglich sein. Wer es lieber vom Hersteller erledigt haben möchte, kann den Airding einschicken.
Der Airding Tour schützt im Falle eines Unfalls das Gesicht, insbesondere die Jochbeine, die Halswirbelsäule, die Schlüsselbeine und Teile des Oberkörpers. Er erzielt seinen optimalen Schutz in Kombination mit einem Fahrradhelm.
Der etwas teurere Airding Cruise richtet sich an Biker, die nur ohne Helm unterwegs sind. Er schützt im Falle eines Unfalls Gesicht, Halswirbelsäule, Schlüsselbeine sowie den Oberkörper, vornehmlich die Schultern. Er reduziert zudem mögliche Schäden bei seitlichen Kopfaufschlägen. Die Airbagform ist im Vergleich zum Modell Tour größer.
Vor- und Nachteile von Fahrrad-Airbags
Einerseits gelten sie als innovativ und bieten mehr Schutz für Fahrradfahrer und E-Biker. Andererseits zeigen Tests vermeintliche Schwachstellen.
Vorteile:
- Besserer Schutz für Kopf und Nacken im Vergleich zu herkömmlichen Helmen.
- Erhalt der Frisur und Vermeidung von Schwitzen unter dem Helm.
- Innovative Technologie mit Sensoren, die Unfälle erkennen.
- Zusätzliche Features wie Notfallbenachrichtigung per App.
Nachteile:
- Hoher Preis im Vergleich zu herkömmlichen Helmen.
- Abhängigkeit von Akkuladung (bei manchen Modellen).
- Nicht immer optimaler Schutz in allen Unfallsituationen.
- Mögliche Fehlauslösungen.
- Eingeschränkter Tragekomfort.
Der Fall Hövding: Insolvenz und Sicherheitsmängel
Erst kürzlich ist Hövding, ein schwedischer Pionier der Airbag-Technik für Fahrradfahrer in die Insolvenz geschlittert. Der Grund dafür waren Sicherheitsmängel und schließlich ein Image-Verlust für das Unternehmen.
„Der sicherste Fahrradhelm der Welt ist kein Helm.“ So und als „unsichtbaren Helm“ bewarb die schwedische Firma Hövding ihren Airbag für Radler. Ende 2023 meldete der Hersteller Insolvenz an. Unter anderem hatte es Berichte gegeben, wonach manche Akkus sich zu schnell entladen hatten. Mit leerem Akku öffnet sich der Airbag bei einem Sturz aber nicht.
Die schwedische Verbraucherschutzbehörde musste zwar ein Verkaufsverbot für den Helm wieder zurücknehmen, Hövding glaubte aber nicht, verlorenes Vertrauen wieder herstellen zu können. Die deutschsprachige Webseite ist offline. Auf hovding.com teilt die Insolvenzverwaltung auf Englisch mit, dass sie keine Garantiefälle annimmt.
Unabhängig von freiwilligen Herstellergarantien hat der Händler aber zwei Jahre ab Kauf die Pflicht zur Gewährleistung bei Sachmängeln. Wenn weder Reparatur noch Austausch möglich sind, müsste also das Geschäft oder der Online-Shop das Geld zurückgeben.
Testergebnisse und Crashtests
Ein Stuntman wagte in einem Crashtest für uns den Sprung über den Lenker. Dabei blies sich der Airbag rechtzeitig vor dem Aufprall auf den Boden auf. Anders dürfte es jedoch aussehen, wenn der Radfahrende mit dem Kopf direkt gegen ein Hindernis prallt, etwa eine sich öffnende Lkw-Tür in Kopfhöhe oder einen Ast. Dann tritt der Schaden bereits ein, bevor der Airbag eine plötzliche Beschleunigung registrieren und auslösen kann.
Der ADAC bescheinigt dem Hövding 3 in den meisten Situationen einen besseren Schutz, als es konventionelle Helme bieten können. Doch nicht in allen Situationen. So löst der Hövding 3 etwa nicht aus, wenn ein Fahrradfahrer mit dem Kopf gegen den Seitenspiegel eines LKWs knallt.
In der Crashanlage des ADAC Technik Zentrums Landsberg wurde 2021 dieses Szenario nachgestellt, um den Airbag-Helm Hövding 3 zu testen. Mit 18 km/h fährt Stuntman Paul Wilk auf die geöffnete Autotür zu, prallt mit seinem Fahrrad gegen die Tür, hechtet drüber und landet nach einer Rolle vorwärts auf dicken blauen Gymnastikmatten. Im Flug hat mit einem lauten Knall der Hövding ausgelöst, umschließt und schützt seinen Kopf - optisch erinnert der entfaltete Airbag an eine Trockenhaube für den privaten Gebrauch.
Eine Untersuchung der Universität Straßburg bescheinigt dem Hövding einen sehr guten Schutz vor Kopfverletzungen. Das kann ADAC Experte Peuckert bestätigen: "Wenn ich nach vorn oder zur Seite falle, ist die Wahrscheinlichkeit, dass er auslöst und schützt, sehr hoch." Gut sei auch, dass der Hövding sich sehr schnell entfaltet. "Allerdings schützt er nicht in allen Unfallszenarien so gut wie ein Helm", schränkt Peuckert ein, "zum Beispiel beim Crash mit einer Lkw-Tür oder einem Lkw-Spiegel." Hier seien herkömmliche Fahrradhelme eindeutig besser als ein Airbag, der sich ja erst entfalten muss.
Für wen sind Fahrrad-Airbags geeignet?
Wer anspruchsvolle Trails und Abfahrten mit seinem (E-)Mountainbike entlang heizt, wird am Hövding 3 nicht lange Freude haben. Schließlich kommt es doch ab und an mal vor, dass der Fahrer vom Fahrrad fällt, der Airbag auslöst, aber er sich eigentlich problemlos noch hätte abfangen können. Solche Fahrer wünschten sich in dem Moment, doch eher auf einen konventionellen Helm gesetzt zu haben.
Wer jedoch auf der gemütlichen Kaffeefahrt mit dem Fahrrad den Wind in den Haaren spüren, oder wer morgendlich auf dem Fahrradweg zur Arbeit seine Frisur nicht mit einem Helm versauen will, für den ist der Hövding 3 eine Alternative.
Zukunft der Fahrrad-Airbags
Man darf gespannt sein, wie es rund um das Thema Fahrrad-Airbag weitergeht, auch bei Helite. Nach der Insolvenz Ende Dezember 2023 gehört Hövding inzwischen zum Technologieunternehmen iSi mit Hauptsitz in Österreich. Auf seiner Homepage kündigt das Unternehmen an, dass Mitte 2026 der Hövding 4 auf den Markt kommen soll.
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