Der Fahrrad-Airbag-Kragen: Funktion und Sicherheit im Fokus

Der Fahrrad-Airbag, auch Helm-Airbag oder Kopf-Airbag genannt, revolutioniert den Kopfschutz für Radfahrer im Straßenverkehr. Er zielt darauf ab, Sicherheit und ein ansprechendes Äußeres zu vereinen. Der schwedische Hersteller Hövding hat mit seinem Airbag-Helm, der im Falle eines Unfalls in nur einer Zehntelsekunde auslöst, ein Produkt geschaffen, das von vielen als Revolution in der Fahrradhelm-Branche gilt.

Wie funktioniert der Fahrrad-Airbag?

Der Airbag wird wie ein Kragen um den Hals gelegt und mit einem Reißverschluss geschlossen. Sensoren registrieren 200 Mal pro Sekunde die Positionsänderung. Erkennt das System einen Sturz, wird der Airbag in weniger als 0,1 Sekunden ausgelöst. Die Gasdruck-Kartusche schießt hinten aus der keilförmigen Einheit und baut schlagartig eine neun Zentimeter dicke Polsterung auf, die sich über den Kopf stülpt.

Im Nacken befindet sich ein Kaltgasgenerator, der den Airbag im Ernstfall mit Helium füllt. Dadurch entsteht eine Art Kapuze, die sich schützend um den Kopf legt und das Sichtfeld frei lässt. Das Material besteht aus einem hochresistenten Nylongewebe, das auch bei spitzen oder rauen Oberflächen nicht reißt.

Die Sensorik und der Algorithmus

Kernpunkt der Funktionsweise ist die Sensorik. Sie besitzt einen speziellen Algorithmus, der jahrelang entwickelt und in unzähligen Tests ausprobiert wurde. Bewegungsmuster ohne Unfall sind also genau von einem Aufprall oder einem Sturz zu unterscheiden. Bis zu 200 Mal in der Minute werden deine Bewegungen erfasst und mit den gespeicherten Mustern verglichen.

Aktivierung und Akkulaufzeit

Wichtig ist, dass du das System immer erst unmittelbar vor dem Fahren aktivierst und stets den Akkustand prüfst. Die LEDS befinden sich an der Vorderseite des Kragens. Ist der Akku zu schwach und fällt während der Fahrt aus, bietet er natürlich keinen Schutz mehr. Deshalb: nur mit einem geladenen Akku oder ausreichend Laufzeit auf das Rad steigen. Achte darauf, dass der Reißverschluss komplett geschlossen ist.

Der Akku hält etwa 10 - 15 Stunden. Im ausgeschalteten Zustand hält der Akku sogar bis zu 36 Tage. Über den On-Schalter prüfst du problemlos den Akkustand. Die LED-Anzeige gibt an, wie gut der Akku geladen ist. Außerdem gibt es ein Tonsignal bei einem zu geringen Batteriestand.

Vorteile des Fahrrad-Airbags

  • Hoher Schutz: Der Hövding beschützt bei einem Sturz den gesamten Kopf und auch den Halsbereich.
  • Freies Sichtfeld: Dein Sichtfeld bleibt stets frei und ist nicht eingeschränkt.
  • Frisurfreundlich: Du behältst deine Frisur und kannst unter Kunststoff und Hartschaum nicht schwitzen.
  • Komfort: Der Hövding wird wie ein Kragen getragen, ist angenehm gepolstert und lässt sich durch das BOA-System individuell anpassen.

Nachteile des Fahrrad-Airbags

  • Nicht in allen Unfallszenarien ideal: Während der Airbag bei Stürzen zur Seite oder nach vorne gut funktioniert, zeigt er in bestimmten Aufprallsituationen, wie etwa gegen eine Lkw-Tür, Schwächen.
  • Gewicht: Mit einem Gewicht von ca. 800 g ist der Hövding schwerer als ein klassischer Fahrradhelm.
  • Akkulaufzeit: Der Airbag muss regelmäßig geladen werden. Leert sich der Akku zu schnell, öffnet sich der Airbag im Ernstfall nicht.
  • Einmaliger Gebrauch: Nach einer Auslösung ist der Hövding nicht wiederverwendbar.

Der Hövding 3 im Test

In Crashtests konnte der Hövding 3 beweisen, dass er Kopfverletzungen sicher verhindern kann. Das ADAC Technikzentrum Landsberg stellte dafür eigens einen sogenannten „Dooring-Unfall“ nach. Die Universität Straßburg bestätigte ebenfalls den hohen Schutz vor Kopfverletzungen. Sobald sich der Airbag entfaltet, bietet er einen weitaus besseren Rundumschutz als herkömmliche Helme.

Allerdings schützt er nicht in allen Unfallszenarien so gut wie ein Helm. Zum Beispiel beim Crash mit einer Lkw-Tür oder einem Lkw-Spiegel. Hier seien herkömmliche Fahrradhelme eindeutig besser als ein Airbag, der sich ja erst entfalten muss.

Hövding 4: Die nächste Generation

Nach der Insolvenz Ende Dezember 2023 gehört Hövding inzwischen zum Technologieunternehmen iSi mit Hauptsitz in Österreich. Auf seiner Homepage kündigt das Unternehmen an, dass Mitte 2026 der Hövding 4 auf den Markt kommen soll.

Hövding 4 profitiert von der langjährigen Expertise von iSi in der Entwicklung lebensrettender Airbagsysteme für die Automobilindustrie. Durch dieses Zusammenspiel fließt jahrzehntelanges Know-how aus der automobilen Sicherheitstechnologie in die nächste Generation des Airbag-Fahrradhelms ein.

iSi Wearable Safety

Die iSi Wearable Safety ist Eigentümerin der Marke Hövding sowie aller damit verbundenen Rechte und Patente. Gemeinsam mit iSi Automotive - dem erfahrenen Entwicklungspartner für Airbagsysteme - wird der neue Hövding 4 entwickelt und produziert.

Alternativen zum Hövding

Neben dem Hövding gibt es auch andere Alternativen zum klassischen Fahrradhelm:

  • Airding von MASE: Ein Airbag-System, das in einem Rucksack verstaut wird und Varianten mit zusätzlichem Schulterschutz bietet.
  • Pylo von nFrontier: Ein Helm mit integriertem Airbag für das Gesicht.

Fazit

Der Hövding 3 bietet zweifelsohne einen innovativen und zuverlässigen Schutz für Radfahrer. Voraussetzung: Der Akku muss immer geladen sein! Doch er hat seine Grenzen, insbesondere bei plötzlichen Zusammenstößen und speziellen Unfallszenarien. Darum bleibt der Fahrrad-Airbag ein technologisches Highlight, das vor allem in urbanen Bereichen immer mehr Anhänger findet.

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