Fahrrad Akkus Reparieren: Eine Anleitung

Mit dem zunehmenden Einsatz von E-Bikes gewinnt die Wartung und Reparatur ihrer Komponenten immer mehr an Bedeutung. Einer der teuersten und wichtigsten Teile eines E-Bikes ist der Akku. Doch was tun, wenn der Akku nachlässt oder defekt ist?

E-Bike Akku: Das Herzstück

Ein E-Bike Akku ist das Herzstück eines E-Bikes. Er liefert die Energie, die den Motor antreibt und so das Fahren erleichtert. E-Bike Akkus bestehen meist aus Lithium-Ionen-Zellen, die für ihre hohe Energiedichte und lange Lebensdauer bekannt sind.

Wann ist eine Reparatur sinnvoll?

Wenn du deinen E-Bike Akku immer häufiger laden musst oder der Motor nicht mehr richtig mitzuziehen scheint, können das die ersten Anzeichen für Schäden am Akku sein. Beim Akku kommt es aus verschiedenen Gründen zum Defekt - er ist die teuerste und zugleich auch die anfälligste Komponente eines E-Bikes. Wie bei einem Smartphone verlieren die Lithium-Ionen-Akkus (Li-Ion) im Laufe der Zeit an Kapazität.

Mögliche Ursachen für Defekte

  • Komplette Entladung im Zuge der Nutzung: Moderne Akkus sind gegen Tiefentladungen geschützt. Damit die Spannung der Zellen nicht unter die Entladeschlussspannung fällt, schalten sich die Geräte rechtzeitig ab.
  • Konfrontation mit Kälte: Kälte verringert die Teilchenbewegung. Ebenso wie der Beuteltee in kaltem Wasser nur sehr langsam zieht, bewegen sich auch die Elektronen im Akku bei Kälte in einem weitaus geringeren Tempo. Im Detail haben diese Gesetze, auf den Akku bezogen, zur Folge, dass der Innenwiderstand der Zellen steigt und mehr Strom verbraucht wird. So verliert der Akku zügig an Kapazität und die Spannung sinkt ebenfalls. In der Regel schalten sich die Akkus zum Schutz selbst ab, damit es nicht zur Tiefentladung kommt.
  • Überladung: Oberhalb der 30 °C beim Lade-Prozess und oberhalb der 55 °C während des Betriebs wird eine Überladung begünstigt.

Komponenten des Fahrradakkus

Im Akkumulator gibt es drei Komponenten, bei denen häufig Fehler auftreten:

  1. Batterie-Management-System (BMS): Eine Platine, die das Aufladen und gleichmäßige Entladen steuert und mit allen Zellen der Batterie verschaltet ist.
  2. Zellen: Bei den meisten E-Bikes werden Rundzellen verwendet, die übergroßen Batterien sehr ähnlichsehen und sich einfach ins Gehäuse schichten lassen. Sie sind in Reihe geschaltet. Sobald eine dieser Akku-Zellen ausfällt, funktioniert oft der gesamte Akku nicht mehr.
  3. Verdrahtung: Alle Komponenten des Fahrradakkus sind miteinander verdrahtet. Dadurch kann das Batterie-Management-System sie steuern und gleichmäßig Strom abgeben.

Die Grenzen der Selbsthilfe

Eine eigenständige Reparatur eines defekten Akkus ist nur in einem Fall möglich: Wenn der Akku tiefentladen ist. Zur Tiefentladung eines Akkus kann es kommen, wenn er komplett entladen wird oder wenn er mit zu niedrigen Temperaturen konfrontiert wird.

Im Internet finden sich zahlreiche Anleitungen und Video-Tutorials zur eigenen Reparatur des kaputten E-Bike Akkus. Die Reparatur erfordert jedoch Erfahrung und ein Know-How von feinen Lötarbeiten und komplexen Schaltkreisen. Wer sich damit nicht auskennt, dem ist von der eigenen Bastelei und Reparatur abzuraten. Auch übernehmen viele Werkstätten den Akkumulator nicht mehr, sobald dieser im Vorhinein von dir selbst geöffnet wurde. Zudem erlöscht durch den eigenmächtigen Eingriff die Herstellergarantie und ein Schadensfall ist bei der Versicherung nicht abgedeckt. Davon abgesehen sind für die Diagnose, den Austausch und das folgende Verschweißen spezielle Werkzeuge und Geräte notwendig. Diese gehören nicht zur haushaltsüblichen Ausstattung.

Apps zur Akku-Reparatur sind nichts anderes als Anwendungen für Smartphones, Tablets und Laptops, die Ihnen dabei helfen, die Langlebigkeit und Leistung Ihres Akkumulatoren zu steigern. Einen defekten Akku zu reparieren mit einer App ist hingegen unmöglich.

Professionelle Reparatur durch Fachpersonal

Deshalb empfiehlt sich die Reparatur eines defekten Akkus durch Fachpersonal. Es gibt spezielle Shops und Läden, welche eigens für die Reparatur oder den Ersatz von Fahrradakkus ausgelegt sind und zudem sämtliche Qualitätsstandards erfüllen. Vor Ort werden die Akku-Informationen ausgelesen. Der Halter kann herausfinden, wie viele Ladezyklen schon erfolgt sind und ob das BMS noch intakt ist.

Bei der Akkureparatur wird dessen Gesamtzustand kontrolliert. Der Techniker öffnet das Gehäuse des E-Bike Akkus und führt einen Funktionstest aller Bauteile durch, alle Komponenten und Verdrahtungen werden geprüft. In einigen Fällen ist der E-Bike Akku nur tiefentladen und kann durch gezielte Ladeimpulse wieder zum Leben erweckt werden. Sollte das Zellenmaterial defekt sein, können die defekten Zellen gab im Rahmen der Reparatur vollständig gegen neues Zellenmaterial namhafter Hersteller getauscht werden.

Ablauf einer professionellen Akku-Reparatur

  1. Analyse: Der Techniker öffnet das Gehäuse des E-Bike Akkus und führt einen Funktionstest aller Bauteile durch.
  2. Zellentausch: Entferne die defekten Zellen und löte die neuen an ihre Stelle.
  3. BMS-Prüfung: Das BMS ist das Gehirn des Akkus.

Selbst in Werkstätten werden tiefentladene, überladene oder mechanisch beschädigte Zellen keineswegs fit gemacht. Akku-Reparaturen in Werkstätten umfassen stattdessen die genaue Analyse der Leistungsfähigkeit von Akkus. Wenn Sie den Akku-reparieren-Service in Anspruch nehmen, wird an Ihrem Akku eine detaillierte Analyse durchgeführt, wie dessen Leistung und Kapazität wieder optimiert werden können.

In einer spezialisierten Werkstatt können Sie den Akku reparieren lassen, wobei eindringlich darauf hinzuweisen ist: Selbst in Werkstätten werden tiefentladene, überladene oder mechanisch beschädigte Zellen keineswegs fit gemacht. Akku-Reparaturen in Werkstätten umfassen stattdessen die genaue Analyse der Leistungsfähigkeit von Akkus.

Kosten: Zellentausch vs. Neukauf

Eine Reparatur ist bis zu 8 mal günstiger als der Kauf eines E-Bike Ersatzakkus. Ein fachkundiges Auffrischen kommt preislich auf etwa 100 Euro. Ein Neukauf ist deshalb oft nur dann sinnvoll, wenn eine Reparatur nicht mehr infrage kommt.

Der Zellentausch bei E-Bike Akkus ist eine kosteneffiziente Alternative zum Kauf eines komplett neuen Akkus. Die Kosten variieren je nach E-Bike-Modell und Akkugröße, liegen aber im Allgemeinen zwischen 300 und 600 Euro. Der Preis hängt von der Anzahl und Art der Zellen ab, die ausgetauscht werden müssen.

Bei einem Zellentausch werden die alten, abgenutzten Zellen in deinem Akkupack durch frische, leistungsfähige Zellen ersetzt. Dies kann die Lebensdauer deines E-Bikes erheblich verlängern und stellt eine umweltfreundlichere Lösung dar, da weniger Abfall produziert wird.

Bei dem Neukauf gibt es zahlreiche Optionen. Neben teuren Originalakkus von namhaften Herstellern wie Bosch bieten auch zahlreiche No-Name Hersteller ihre Produkte an. Meist empfehlen die Hersteller den Kauf ihrer Originalteile und berufen sich dabei auf die feine Abstimmung von Motor und Akku. Hersteller von No-Name Produkten behaupten jedoch, dass ihre Produkte genauso gut oder gar besser sind als die der Hersteller. Eine verlässliche Überprüfung dieser Debatte ist aber nicht möglich, da es zu wenig Untersuchungen über die einzelnen Akkutypen gibt.

E-Bike Akku Reset

Wenn der Akku nicht mehr wie anfangs funktioniert oder Aussetzer hat, kannst du versuchen, ihn reparieren und neu initialisieren zu lassen. Hinweise zum Zurücksetzen deines Akkus auf die Werkseinstellungen findest du in der Bedienungsanleitung. Zurücksetzen reicht oft schon aus, um bestimmte Probleme abzustellen. Bei online-fähigen E-Bikes muss evtl. auch die Software aktualisiert werden. Logge dich dazu in die entsprechende App zu deinem E-Bike-Modell ein.

Die Kalibrierung eines E-Bike-Akkus ist wesentlich einfacher als der Akku-Refresh von Notebooks oder Handys. Insbesondere nach der Überwinterung des E-Bike-Akkus ist es eine gute Idee, ihn vor dem Start in die Fahrsaison zu kalibrieren.

Die Akkukalibrierung ist zwar keine Garantie gegen Fehlermeldungen. Sie sorgt allerdings für eine realistischere Kommunikation zwischen den Komponenten.

Reset-Anleitungen für verschiedene Marken

Es ist möglich, Akkus verschiedener Hersteller selbst zurückzusetzen. Hier sind einige Anleitungen:

  • Flyer Akku: Akku vollständig aufladen, vom Ladegerät nehmen, Indikatortaste 20-30 Sekunden gedrückt halten, Taste gedrückt halten und Akku wieder auf das Ladegerät setzen.
  • Gazelle Innergy Akku: Taste auf der Rückseite des Akkus gedrückt halten.
  • Giant Akku: Akku vollständig leer fahren, nachdem er vollständig geladen wurde.
  • Bosch Akku: Reset-Taste neben der Anzeige auf der Batterie für 20 Sekunden gedrückt halten.
  • BionX Akku: Akku vollständig laden, E-Bike einschalten, Ein-/Aus-Taste auf dem Display mindestens 20 Sekunden lang gedrückt halten.
  • Sparta E-Bike Akku: Je nach Ausführung grüne Sicherung an der Unterseite des Akkus für 10 Minuten entfernen oder Akku vollständig leer fahren.
  • Trek Akku: Je nach Antriebssystem (BionX oder Bosch) die entsprechenden Anleitungen verwenden.
  • Stella Akku: Akku vollständig entladen.
  • Shimano Akku: Indikatorclip an der Unter- oder Oberseite des Akkus betätigen.

Wichtig: Wenn das Zurücksetzen des Akkus nicht funktioniert, ist der Akku höchstwahrscheinlich defekt oder verschlissen.

E-Bike Unterstützung fällt aus

Das Phänomen des Ausfalls der E-Bike-Unterstützung ist ein wichtiges Thema für E-Bike-Nutzer und kann auf unserer spezialisierten Informationsseite detailliert nachgelesen werden. Die Ursachen für den Ausfall können vielfältig sein, angefangen bei Problemen mit dem Akku, wie unzureichende Ladung oder Defekte, bis hin zu elektronischen Störungen im Antriebssystem oder Schäden am Motor. Dies kann besonders in hügeligen Gebieten oder bei längeren Fahrten zu Schwierigkeiten führen.

Die richtige Pflege für eine lange Lebensdauer

Die Akkus jedes Anbieters verlieren an Ladekapazität. Die Hersteller geben an, dass es in der Regel bei den ersten 500 - 1.000 Ladezyklen zu keinen großen Veränderungen kommt. Nach vier bis fünf Jahren ist der Verschleiß in der Regel dennoch spürbar. Dies hängt jedoch allein von der Art und Weise der Nutzung ab. Auch bei bester Handhabung ist langfristig ein Nachlassen der Akkuleistung nicht vermeidbar. Damit dein E-Bike Akku dennoch gepflegt ist und möglichst lange konstante Leistung liefert, solltest du auf einige Dinge achten.

Tipps zur Akkupflege

  • Vermeide zu hohe und zu niedrige Temperaturen bei der Lagerung. Eine Raumtemperatur um die 18 Grad ist optimal.
  • Für Deinen Akku ist ein Ladezustand zwischen 20 % und 80 % am gesündesten.
  • Tiefenentladung auf jeden Fall vermeiden.
  • Verwende nur originale Akkus, keine Nachbauten.

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