In der Metropole Berlin ist das Fahrrad für viele Bürgerinnen und Bürger das Fortbewegungs- und Transportmittel erster Wahl. Rund 300.000 Räder werden jährlich in Deutschland gestohlen. Eine Fahrradcodierung macht Dieben den Weiterverkauf schwerer.
Was ist Fahrradcodierung?
Bei der Fahrradcodierung wird eine Zahlen- und Buchstabenkombination, die so genannte E.I.N. (Eigentümer-Identifizierungs-Nummer) am oberen Ende des Sattelrohres angebracht.
Dies geschieht durch Nagelprägung oder Einfräsen (ca. 0,1-0,2 mm tief). Der Code setzt sich aus Daten zusammen, die einen direkten Rückschluss auf den rechtmäßigen Eigentümer zulassen.
So kann das Fahrrad jederzeit einer Person zugeordnet werden und wird für einen potenziellen Dieb unattraktiv. Die Codierung eines Fahrrades ist eine sinnvolle Erweiterung der Diebstahlsprävention.
Wie funktioniert die Codierung?
Der Code wird am Rahmen des Fahrrads eingraviert, eingeprägt oder aufgeklebt. Der Code besteht aus einer Ziffern- und Buchstabenkombination, die von der Polizei Bergisch-Gladbach in den 1990er-Jahren entwickelt und von der Polizei Friedberg in Hessen verfeinert wurde.
Der Code ist die „Eigentümer-Identifizierungs-Nummer“ (EIN-Code). Die Nummer setzt sich zusammen aus dem Autokennzeichen sowie der Gemeinde- und Straßenkennzahl des Wohnortes und wird ergänzt durch die Hausnummer und die Anfangsbuchstaben der Eigentümer*innen.
Der ADFC empfiehlt, den Code durch eine zweistellige Jahreszahl am Ende noch präziser zu machen. Hier ein fiktives Beispiel für den EIN-Code: B012345678901AB20.
Über diesen Code kann die örtliche Polizei schnell mutmaßliche Eigentümer*innen identifizieren und informieren. Der Code beginnt mit dem Kfz-Kennzeichen, daher ist die örtliche Polizei eine mögliche Anlaufstelle.
Bestandteile des FEIN-Codes
Der sogenannte "FEIN-Code" ist eine auf zwölf Individualmerkmalen basierende Buchstaben- und Zahlenkombination, die Aufschluss über den rechtmäßigen Besitzer gibt.
Er setzt sich konkret aus Kfz-Kennzeichen der Region, Gemeindeschlüssel, Straßenschlüssel, Hausnummer, Initialen des Besitzers sowie der Jahreszahl der Codierung zusammen.
Warum ist die Fahrradcodierung sinnvoll?
Die Fahrradcodierung wirkt auf Diebe abschreckend. Sie erschwert bei einem Diebstahl den Weiterverkauf und ermöglicht beim Auffinden die schnelle Rückführung zum Eigentümer bzw. zur Eigentümerin.
Mit einer Fahrrad-Codierung sinkt der Verkaufswert eines gestohlenen Fahrrads enorm. Sie wirkt deshalb abschreckend und hilft, dass die Zahl der Fahrraddiebstähle sinkt. Die Aufklärungsquote hingegen steigt, weil aufgefundene und als gestohlen gemeldete Fahrräder ihren Besitzer*innen zugeordnet werden können.
Polizei oder Fundbüro können anhand des Codes sofort die Person identifizieren, die ihn hat anbringen lassen. Oft ist er auch mit einer Warnung an potenzielle Diebe verbunden wie zum Beispiel "Finger weg - mein Rad ist codiert", die abschreckend wirkt.
Denn der Marktwert des Diebesguts sinkt durch die Codierung, sein Weiterverkauf wird so stark erschwert. Übrigens: Nur etwa jeder zehnte Raddiebstahl wird aufgeklärt.
Codierte Fahrräder sind als Diebesgut schwerer zu verkaufen. Die Codierung ist daher effektiver Diebstahlschutz. Sie zeigt, wer Eigentümer:in des Fahrrads ist und macht es der Polizei leicht, aufgefundene Fahrräder ihren Besitzer:innen zuzuordnen.
Hinweis: Beachten Sie bitte, dass eine Fahrradkennzeichnung allein kein ausreichender Schutz vor Diebstahl ist! Schützen Sie sich vor Fahrraddiebstahl!
Vorteile gegenüber der Rahmennummer
Der Code eines Rades kann von der Polizei oder einem Fundbüro schnell entschlüsselt und somit der Eigentümer leicht ermittelt werden.
Bei den Rahmennummern dagegen hat jeder Hersteller eine eigene Systematik - oder er nummeriert seine Produkte gar nicht. Weil es keine gemeinsame Datenbank gibt, kann es aber auch zu Dopplungen kommen.
Kein Wunder also, dass bei 90 Prozent der gefundenen Räder der Eigentümer bzw.
Methoden der Fahrradcodierung
Es gibt mehrere Verfahren, die Codierung am Fahrrad anzubringen: Der Code kann eingraviert, eingeprägt oder aufgeklebt werden. Welches Verfahren am sinnvollsten ist, hängt vom Fahrradrahmen und seinem Material ab.
Grundsätzlich sind alle Fahrräder für eine Codierung geeignet, Ausnahmen sind hier lediglich Fahrräder mit Carbonrahmen, mit sehr dünnwandigen Rohren oder Sonderkonstruktionen.
Gravurcodierung
Bei der Gravurcodierung wird der Code 0,1 bis 0,2 Millimeter tief in das Metall des Fahrradrahmens graviert. Ein Aufkleber mit Sichtfenster verhindert die Korrosion.
Dass die Gravurcodierung dem Rahmen schadet, ist bei einer sorgfältigen Handhabung der Maschine nicht zu befürchten. Eine Gravurtiefe von maximal 0,2 Millimetern gefährdet die Stabilität des Rahmens nicht.
Die Codierung wird in der Regel auf der rechten Seite des Sattelrohrs etwas unterhalb der Sattelklemmung angebracht, weil dort die Sattelstütze das Rahmenrohr verstärkt.
Aluminium- oder Stahlrahmen lassen sich in der Regel ohne Probleme gravieren oder prägen. Bei Fahrradrahmen mit Sonderformen wie bei einigen Elektrofahrrädern oder bei sehr kleinen Kinderfahrrädern kann es schwierig sein, die Gravurmaschine richtig anzusetzen. In solchen Fällen empfiehlt der ADFC eine Klebecodierung oder die Prägepistole.
Prägecodierung
Seit einigen Jahren sind auch Nadelprägegeräte im Einsatz. Sie lassen sich flexibler am Rahmen ansetzen als die deutlich größeren Gravurmaschinen und eignen sich so für Elektrofahrräder und andere Fahrräder mit besonderen Rahmenformen.
Der Code wird in das Prägegerät eingegeben und mit einer Schlagnadel auf den Rahmen übertragen. Dabei setzen sich die Ziffern und Buchstaben des Codes aus Punkten zusammen.
Klebecodierung
Hierfür gibt es die Möglichkeit einer besonders haftenden Klebecodierung.
Für die Rahmen von Karbon-, leichten Renn- und Kleinkinderrädern ist die Gravur-Methode aber nicht geeignet. Hier kommt die zweite Variante zum Einsatz, die Klebecodierung. Die speziellen Etiketten dafür sind witterungsbeständig und lassen sich nur schwer ablösen.
Rahmen aus nichtmetallischen Werkstoffen wie Carbon dürfen auf keinen Fall graviert oder geprägt werden. Auch Holz- oder Bambusrahmen sollten nicht graviert oder geprägt werden.
Die Klebecodierung ist eine gute Alternative für Fahrradrahmen, die nicht graviert oder geprägt werden sollten, weil ihr Material zu empfindlich ist oder weil die Gravureinrichtung aufgrund der Rahmenform nicht oder nur mit sehr viel Mehraufwand angebracht werden kann.
Die Klebecodierung lässt sich auch gut bei anderen Wertgegenständen einsetzen, da ein spezielles Sicherheitsetikett verwendet wird. Es lässt sich nur mit einem erheblichen Aufwand und nur selten komplett spurenlos entfernen. So dauerhaft wie eine Gravur oder Prägung ist die Klebecodierung aber nicht.
Die Klebecodierung am Fahrrad sollte ebenfalls auf der rechten Seite des Sattelrohrs und möglichst noch an einer weiteren, unauffälligen Stelle wie der Unterseite des Unterrohrs angebracht werden.
Dieser Sticker ist witterungsbeständig und vom Material her derart gestaltet, dass ein einfaches Ablösen nicht möglich ist. Das Kennzeichen kann ähnlich den Plaketten auf Autokennzeichen nur entfernt werden, indem es zerstört wird.
Bei unsachgemäßer Entfernung bleiben Reste des Aufklebers zurück oder können Kratzer am Rahmen entstehen.
Wer codiert mein Fahrrad und was kostet das?
Codierungen nehmen der Fahrradhandel und der ADFC vor Ort vor. Die Polizei empfiehlt die Fahrradcodierung nicht nur, sondern codiert teils auch selbst. Überwiegend verwendet sie aber statt der Codierung eine Registrierung, die auf den Eintrag in eine Datenbank angewiesen ist.
Der ADFC bietet die Codierung regelmäßig in vielen seiner Niederlassungen an, auch für Nichtmitglieder. Die Standorte sind über sein Radtouren- und Veranstaltungsportal zu finden.
Die Kosten liegen bei etwa 15 bis 20 Euro. Der ADFC codiert selbstverständlich auch die Fahrräder von Nicht-Mitgliedern. ADFC-Mitgliedern bieten der ADFC vor Ort und teils auch lokale ADFC-Fördermitglieder aber Vergünstigungen an.
Was muss ich zur Codierung mitbringen?
Folgendes sollten Eigentümer*innen zur Codierung ihres Fahrrads mitbringen:
- das eigene Fahrrad
- ein Identitätsnachweis (Personalausweis oder Reisepass)
- ein Eigentumsnachweis (Kaufvertrag, Rechnung, Quittung) für das Fahrrad. Bitte beachten: Ein Kassenbon alleine reicht nicht aus. Fehlt der Eigentumsnachweis, wird der ADFC auf eine sogenannte Eigentumserklärung bestehen. Diese überlässt er später der Polizei zur Überprüfung
- etwas Zeit, da die eigentliche Codierung des Fahrrads 15 bis 20 Minuten dauert
Der Codierungsvorgang selbst dauert ca. 10 Minuten. Bringen Sie hierzu Ihren Personalausweis und einen Eigentumsnachweis für das Fahrrad mit, das Sie codieren lassen möchten.
Was tun bei Verkauf oder Umzug?
Wer sein Fahrrad verkaufen möchte, sollte die Codierung in den Kaufvertrag mit aufnehmen. Andernfalls sollte dem Käufer der Codierauftrag übergeben werden.
Wird das verkaufte Rad dann gestohlen, führt der Code zum ursprünglichen Eigentümer und über dessen Ausfertigung des Kaufvertrags zum aktuellen.
Codierte Fahrräder können problemlos verkauft werden, wenn Verkäufer:innen nachweisen können, dass es sich um ihr Fahrrad handelt. Diesen Nachweis sollten Käufer:innen ohnehin immer fordern.
Zudem sollten sie auf einen Kaufvertrag bestehen, in dem die Codierungsnummer eingetragen ist. Der ADFC bietet hierfür einen Musterkaufvertrag sowie Tipps zum Gebrauchtradkauf an.
Neue Eigentümer:innen können den Code beibehalten und sich mit dem Kaufvertrag als rechtmäßige Eigentümer ausweisen. Sie können aber auch ihre persönliche Codierung zusätzlich anbringen lassen.
Durch die polizeiliche Meldepflicht ist mit einem codierten Rad auch ein Umzug kein Problem. Denn das Einwohnermeldeamt kann von der alten Adresse schnell auf die neue schließen.
Ein möglicher Umzug spricht nicht gegen eine Fahrrad-Codierung. Die abschreckende Wirkung behält ein codiertes Rad bei, egal, ob der Code nun auf München oder Scharbeutz verweist.
Die Polizei kann über den Code die alte Adresse ermitteln und über das Einwohnermeldeamt den aktuellen Wohnsitz erfahren - auch nach mehreren Umzügen.
Wer viel umzieht, kann überlegen, ob ein fester Zweiwohnsitz (beispielsweise bei Eltern) für die Codierung verwendet werden soll.
Auch eine Namensänderung, beispielsweise durch Heirat, wird im Einwohnermeldeamt registriert und ist kein Hindernis, Fahrräder ihren mutmaßlichen Eigentümer:innen wieder zuzuordnen. Hier ist die vom ADFC empfohlene Jahreszahl ebenfalls hilfreich.
Wo und wann kann ich mein Fahrrad codieren lassen?
Termine und Örtlichkeiten unserer Aktionen erfahren Sie auf unserer Terminseite. Zur Fahrradkennzeichnung bringen Sie neben dem Rad bitte einen Ausweis oder Pass mit.
Fahrradcodierung in Leipzig
Das im Jahr 2009 in Leipzig etablierte System zur Fahrradregistratur, genannt „ISFASS“, wird seit dem 1. April 2022 von der aufkleberbasierten FEIN-Codierung abgelöst. In einem begrenzten Zeitraum von rund drei Monaten werden beide Systeme noch parallel angeboten werden. Danach erfolgt die Einstellung der „ISFASS“-Neuerfassungen.
Die im Rahmen der Fahrradregistrierung bestehende Datenbank wird durch die Polizeidirektion Leipzig noch zehn Jahre vorgehalten und gepflegt, sodass die Zuordnung der dort erfassten Fahrräder weiterhin gewährleistet ist.
Der Kommunale Eigenbetrieb Leipzig/Engelsdorf (KEE) steht Ihnen mit mehreren Teams an verschiedenen Standorten zur Verfügung. Weitere Informationen zur Fahrraddiebstahlsprävention sowie Termine für die Fahrradcodierung gibt es im Internet auf der Seite www.fahrradcodierung-leipzig.de bzw. Ebenfalls Informationen gibt es auf der Internetseite der Jugend- und Erziehungshilfe/Jugendberufshilfe. Sie codieren auch die Fahrräder.
Fahrradcodierung in Düsseldorf
Aus diesem Grund bietet das Polizeipräsidium Düsseldorf seit April 2018 an, Ihr Fahrrad mit einem individuellen Kennzeichen in Form eines Aufklebers zu versehen. Den Startschuss zur Registrierung gab es auf der Fahrradmesse "Cycleworld", die am Wochenende vom 07.04. und 08.04.2018 in Düsseldorf stattfand.
Systembedingt können leider nur Räder von in Düsseldorf gemeldeten Einwohnern registriert werden! Die Registrierung erfolgt auf den Bezirksdienststellen. Die Polizei codiert nicht selber, ist aber zeitweise anlässlich der Codierungen anwesend.
Zusätzliche Tipps zur Diebstahlsprävention
"Gelegenheit macht Diebe"Dieses Sprichwort hat seine Berechtigung, besonders im Zusammenhang mit Fahrraddiebstahl. Etwa jedes fünfte Fahrrad das gestohlen wird, ist überhaupt nicht gesichert.
Ein weiterer Teil der Fahrräder kann nur entwendet werden, weil die Schlösser mangelhaft sind und/oder die Fahrräder zwar durch ein Schloss gesichert, jedoch nicht angeschlossen sind.
Mit Hilfe der Fahrradpass-App können alle Daten, die zur Identifizierung eines gestohlenen Fahrrades und zur Suche des rechtmäßigen Eigentümers beitragen, gespeichert werden und dies sogar für mehrere Fahrräder gleichzeitig.
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